Endlich wieder Hurtigrute

Ein wenig habe ich ja gemischte Gefühle. Einerseits: Die Nordlichtsaison hat wieder begonnen, und ich gehe wieder auf die Hurtigrute! Alte Bekannte treffen (Moni fährt mit) und wieder nach Norwegen gehen. Yay!

Andererseits: Es ist meine einzige Fahrt in dieser Saison. Buhu… Bleibt die Hoffnung, dass es 2018/19 wieder etwas mehr wird.

Straßensperren in Ba-Wü 2017

Und dann: Flug mit Lufthansa ab Stuttgart um 8:20. Eigentlich keine schlechte Zeit, wenn wir nicht 2017 hätten und man wegen dem Security-Theater zwei Stunden vorher am Flughafen sein sollte. Und eine halbe Stunde für den Transfer (wieder mit dem erprobten Flyaway-Service) vom Parkplatz zum Flughafen einplanen müsste, weil sich Terminalparken ja kein Mensch leisten kann. Hieße um 6 Uhr in Stuttgart sein – und dass heute, wo in Baden Württemberg eh alle Straßen geschlossen sind. Die Zeiten, in denen Autofahren Spaß macht, sind lange vorbei.

Die Highscore für die Fahrt nach Stuttgart

Also was bleibt: Am Vortag anreisen, weil man nie weiß, wie lange man für die rund 70 km von Heilbronn oder diesmal Karlsruhe braucht. Die Lösung: Ein 200-Euro-Hotelzimmer im Herzen Stuttgarts nehmen (Listenpreis laut Booking.com, gekostet hat es real nur 29,-), über Parkopedia einen bezahlbaren Parkplatz suchen und ab da für. Geschätzte Reisezeit weniger als eine Stunde, gedauert hat’s dann ohne morgendlichen Berufsverkehr 1:44 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h. Zum Vergleich: Die Trollfjord, auf die morgen gehen werde, läuft 16 Knoten (30 km/h). Immerhin ist die Anreise so entspannter, und das Hotel Hansa ist direkt gegenüber vom Vapiano und einer Bäckerei. Das Überleben bis zum Bergenbuffett morgen ist gesichert.

Blick in ein 200-Euro-Hotelzimmer (Listenpreis).

Ach ja, Lufthansa: Die genießen zwar keinen Ruf als Billigflieger, aber sie neigen dazu, das Handgepäck zu wiegen. Das durfte ich zumindest in Edinburgh im August erleben. Ist ja im Prinzip kein Problem, aber es wäre sinnvoller, mal auf die Größe statt auf das Gewicht zu achten – bei dem, was manche als Handgepäck an Bord schleppen… Also 8kg max. Und ob ich meinen Koffer jeweils wieder sehe, wird sich zeigen – in Frankfurt und Oslo heißt es umsteigen mit jeweils weniger als einer Stunde Zeit bis zum Abflug. Plätze vorne im Flieger sind reserviert.

Das ist ein Nachteil der Oktobertour: Da es in den Hjørund-Fjord geht statt eines längeren Aufenthalts in Ålesund, legt das Schiff schon um 20:30 in Bergen ab. Sollte ich also nichts mehr von der Tour berichten, waren die Umsteigezeiten doch zu kurz…

Ralph Ruthe auf Tour in Stuttgart

Comiczeichern auf Messen oder Ausstellungen zu begegnen ist ja nichts Neues. Dass sie auf Tour gehen, kommt schon seltener vor. Ralph Ruthe ist einer von denen, die das regelmäßig machen, und bei denen ich auch immer wieder gerne vorbeischaue – es ist immer schön, wenn man nicht nur die Webseite besucht und sich die Werke kostenlos anschaut, sondern auch die Leute dahinter mal kennen lernt. Positiver Nebeneffekt: Man lässt etwas Geld da, das (auch) dem Künstler zu Gute kommt, und kann sich nebenbei vor Ort mit den neuesten Büchern eindecken, die dann gleich noch signiert werden. Das ist letztlich unbezahlbar – wenn man sich anschaut, wie lange so manche Signierstunde dauert, kommt da ein unterirdischer Stundenlohn raus… was zeigt, dass es nicht nur ums Geld geht. Umso wichtiger ist es, bei Signierstunden auch vor Ort was zu kaufen – vor allem, wenn es in Buchhandlungen stattfindet, damit die sowas auch in Zukunft durchführen.

Eine Lesung von einem Comiczeichner ist natürlich erstmal etwas rätselhaft: Was macht der da eigentlich?

"Gefällt mir" ist nicht nur der Titel von dem Buch, das Ruthe mir einst signierte

„Gefällt mir“ ist nicht nur der Titel von dem Buch, das Ruthe mir einst signierte

Die Antwort: Einen sehr unterhaltsamen Abend! Das war mir aber schon vorher klar, schließlich hatte ich ihn schon einmal live erlebt – auf seiner Tour im November 2011 in München. „Ich kannte ihn schon, als er noch nicht berühmt war“ ist zwar abgedroschen und nicht ganz korrekt, aber es war damals doch was ganz anderes: Vor vier Jahren war er im Münchner Vereinsheim, was Kneipenatmosphäre hatte, klein und kuschlig war und wo keine Kartenreservierung nötig war – einfach rechtzeitig vorbeikommen und Spaß haben.

Und den gab es auch. Er präsentierte aktuelle und gescheiterte Projekte, zeigte neue Filme und machte auch ein kleines Gewinnspiel, bei dem ich es sogar in die Endrunde schaffte. Als Pausenfüller zeigte er einen unvollendeten Comic, bei dem noch ein Text für die Sprechblase gesucht wurde. Mein Vorschlag „Hier ist noch Platz für’n blöden Satz“ erntete beim ersten Mal viel Gelächter und wurde mit „Eigentlich eine Unverschämtheit“ kommentiert. In der Endrunde war bei meinem Vorschlag dann eine Grabesstille im Raum, und es hatte nur noch ein Büschel Tumbleweed gefehlt, das über die Bühne rollt. Daher hatte ich mir das aktuelle Buch doch selbst gekauft und – natürlich – signieren lassen. Mit nem Geier und einem „Unverschämtheit“, versteht sich.

Vier Jahre später hatte ich Marcus sei dank die Chance, Ruthe noch einmal zu sehen. Die Zeiten ändern sich: Diesmal trat er im ausverkauften Kleinen Saal vom Theaterhaus Stuttgart auf, und hätte wohl auch einen größeren Saal füllen können.

Das Programm war ähnlich wie vor vier Jahren, bot aber genug Neues: Interessante Einblicke in den Arbeitstag eines Cartoonisten, gescheiterte Projekte, kommende Projekte, archivierte Projekte, alte und neue Cartoons, noch unveröffentlichte Filme, Gesang und die Chance, einige seiner wichtigsten Mitarbeiter kennen zu lernen – also Dinge, die er zum Teil weder auf seiner Homepage noch seinem Youtube-Kanal veröffentlicht hat. Echtes Exklusiv-Material also. Und als kleine Überraschung (zumindest für mich) war auch der Dodokay da.

Was genau er gemacht hat, will ich gar nicht verraten, nur so viel: Die Synthese von Comic und Bühne ist möglich, auch weil er ja nicht nur Comiczeichner ist. (Die Frage, ob man davon leben kann, beantwortet er übrigens auch.) Im Vergleich zu München war’s schon was anderes – Als Gast sind mir die kleinen Veranstaltungen eigentlich lieber, aber wenn ich Vorträge halte, ist mir ein volles Haus auch sehr lieb (oder eine ganz kleine Runde, mit der man letztlich ins Plaudern kommt, statt davor zu stehen). Spaß macht beides; beim Theaterhaus waren halt die Schilder mit Fotoverbot am Eingang – daher gibt’s hier keine Bilder von der Veranstaltung. Mit Blitz in der dunklen Halle fotografieren ist eh blöd, und ohne macht’s auch keinen Spaß…

Und nach zwei Stunden Show hieß es dann anstehen: Signierstunde. Ach, was heißt da Stunde: Er war schon etwas länger beschäftigt, auch weil er sich immer wieder die Zeit für Erinnerungsfotos nahm und nicht nur signierte, sondern auch zeichnete. Ich frag mich ja, ob er manchmal lieber den Zeichenstil von Randall Munroe von XKCD hätte… Aber künstlerisch überzeugen mich Ruthes Zeichnungen schon mehr. Seht selbst:

Passend, dass die Zeichnung nun im Band "Kein Stress" zu finden ist.

Passend, dass die Zeichnung nun im Band „Kein Stress“ zu finden ist.

Wer wissen will, wen er da für mich verewigt hat: Seine Tourdaten gibt’s unter http://ruthe.de/live, und mit etwas Glück geht er nochmal auf Tour. Lohnt sich und macht Spaß.