Tag 10: Sandnessjøen, Brønnøysund und Abschlussfeuerwerk

Der mystische Norden bleibt zurück

Der mystische Norden bleibt zurück

Kaum zu glauben, dass die Reise schon zu Ende geht – wir waren doch gerade erst in Kirkenes? Trotzdem steht heute schon die südgehende Polarkreisüberquerung an. Das Wetter ist jetzt endgültig so, wie man es von Norwegen erwartet: Alle paar Minuten anders. Die Inseln im Norden bleiben im Nebel hinter uns zurück, während die Wiking-Insel mit dem Polarkreis-Monument vor uns auftaucht. Alle Mann sind an Deck versammelt und die Kameras in Position, als wir es passieren.

Wie es im Tagesprogramm so schön heißt, wird das mit einer „kleinen Vorführung arktischer Tradition gefeiert“ – mit anderen Worten, auf Deck 9 gibt es Lebertran. Sogar der Berg Hestmannen versteckt seinen Kopf davor im Nebel und mag nicht; ich verzichtete ebenfalls auf diese Kostprobe Norwegens.

Wenig später führt die Reise nach Nesna, wo wir nur einen kurzen Aufenthalt haben. Marcus sortiert noch Bilder für unsere Abschlussveranstaltung am Nachmittag, ich bin mit meinen Reiseberichten zum Glück nicht ganz so ausgelastet – ich pflege mein Blog auf dieser Tour fast in Echtzeit. Dabei hilft auch, dass das Schiff diesmal keine Infoveranstaltung zur Ausschiffung in Trondheim macht – stattdessen gibt es zum dritten Mal auf dieser Fahrt die Präsentation Hurtigruten in Antarctica, Greenland, Spitsbergen and Norway. Es sind noch wohl wenige Plätze frei…

Nesna

Nesna

Daher kann ich in Nesna auch problemlos an Deck gehen. Das Wetter bietet alles: Wolken über Nesna, blauen Himmel hinter uns und schwarzen Himmel an steuerbord, kurz darauf auch noch Schneeschauer – schön, auch wenn es nun schlecht aussieht für die Vorbeifahrt an der Bergkette der sieben Schwestern.

Da wir einmal die Gelegenheit nutzen wollen, um in Sandnessjøen von Bord zu gehen, steht ein frühes Mittagessen an. Eigentlich hat zwar noch keiner Hunger, aber wir sind nur von 12:00 bis 12:30 in dem Örtchen. Bislang war ich da noch nie von Bord gegangen, da der Nachmittag immer ein volles Programm hat. Aber es lohnt sich, der Ort hat zahlreiche Statuen und Sehenswürdigkeiten zu bieten. Immerhin langt die Zeit, um einmal zum Marktplatz zu gehen und über die Parallelstraße wieder retour zum Schiff. Eine Baustelle sorgt noch für etwas Nervenkitzel, da der direkte Weg versperrt ist. Es heißt wirklich hurtig sein auf der Hurtigrute.

Die kleine Spitsbergen als neuester Zugang zur Hurtigrutenflotte soll ja Gerüchten zufolge eine Zeit lang eine abgespeckte Hurtigrute fahren, mit weniger Häfen und dafür mehr Zeit in einigen Orten. Das hat mit der klassischen Postschiffreise zwar nicht mehr viel zu tun, aber ich kann den Sinn dahinter schon verstehen.

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Die sieben Schwestern sind schüchtern

Interessant ist auch der Blick von der Rückseite auf die sieben Schwestern. Leider sind sie mal wieder schüchtern, auch als wir sie dann auf der südgehenden Route passieren, verbergen sie sich hinter tiefhängenden Wolken.

Die Zeit zwischen 14:30 und der Ankunft in Brønnøysund nutzen wir für unsere Abschlussveranstaltung: Noch einmal auf die Reise anstoßen, Abschiedsworte sagen und die Tour Revue passieren lassen. Ein Highlight ist der Rückblick in Bildern, den Marcus vorbereitet hat, und mindestens genauso wichtig sind die Infos zur Abreise, die Kai noch speziell für unsere Gruppe gibt – wie wird abgeflogen, wann sind die Kabinen zu räumen (erst kurz vor zehn, wenn unsere Busse fahren – perfekt) und ein paar andere Kleinigkeiten.

Die Trollfjord in Brønnøysund

Die Trollfjord in Brønnøysund

Und dann sind wir auch schon bei bestem Wetter in Brønnøysund. Im Einkaufszentrum gibt es die letzte Chance zum Shoppen, danach führt der Weg unweigerlich zur Eisdiele – die aber gerade kein Eis hat, alle Behälter sind blitzblank. Mist. Erst gab’s seit Bergen kein Eis mehr auf dem Schiff, und jetzt hier auch nicht. Ich bin auf Entzug… Dann schauen wir uns halt noch einmal den Ort an. Die Stadt ist Sitz des Brønnøysundregistrene und entspricht somit etwa Flensburg: Hier werden jede Menge Daten gesammelt, von Einwohnermeldedaten bis zum KFZ-Register. Da passt es, dass ich hier auch den ersten mobilen Blitzer in Norwegen sehe.

Wesentlich hübscher sind die roten Häuschen und die kleine Fähre, die an eine geschrumpfte MS Lofoten erinnert – süß. Dazu die beeindruckende Abendstimmung, es dürfte einen schönen Abend geben.

Bei der Abfahrt aus Brønnøysund gibt es noch ein Treffen auf Deck 9, schließlich fahren wir am Torghatten vorbei, dem berühmten Berg mit Loch. Der einsame Berg auf der Insel Torgar ist eindrucksvoll, aber von dem Loch ist genauso wenig zu sehen wie von der ehemaligen Wikingersiedlung, die im Mittelalter ein überregionales Machtzentrum war. Wir fahren keinen Schlenker, um einen Blick auf das Loch zu werfen, sondern direkt Richtung Rørvik.

Da morgen früh viele Gäste das Schiff verlassen, steht heute auch das Captain’s Dinner an. Norwegen ist generell recht leger, und auch diese Veranstaltung verläuft entspannt: Die Crew wird noch einmal vorgestellt, damit man weiß, wer in den letzten Tagen vor und hinter den Kulissen geackert hat. Diesmal paradiert die Crew nicht einmal durch den Speisesaal, sondern singt ein Ständchen – da unser Tisch ganz am Heck ist, bekommen wir davon nicht viel mit und können uns bald unserem letzten Abendmahl an Bord widmen: Es gibt Ente.

In Rørvik haben wir eine Stunde Aufenthalt, was wieder ausreicht, um im Coop das Leergut der letzten Tage zu entsorgen. Vom nächsten Schiff, das eine Viertelstunde nach uns anlegen sollte (wohl die Polarlys), ist noch nichts zu sehen, daher gehen wir wieder auf die Trollfjord und zeigen noch einmal Flagge in der Bar. Im Augenblick sieht es noch nicht so gut aus mit Wetter und Polarlicht. Ein paar Blicke an Deck bringen ebenfalls nichts, erst gegen halb elf wird sporadisch von leichtem Licht am Horizont gemunkelt. Während die Bar sich langsam leert – morgen ist Ende der Reise, und so mancher muss noch packen oder will ausschlafen – , gehe ich noch einmal an Deck. Da ist wirklich ein wenig kameragrünes Licht, auch wenn das Auge noch keinen Unterschied zwischen Wolken, Meer und Polarlicht erkennt. Bescheid sagen, ja oder nein? Ich hole Marcus an Deck, es sieht schon besser aus, und wir flitzen von Deck 9 zur Rezeption auf Deck 4, wo der Rezeptionist auch gerne die Durchsage macht (bzw. die deutsche Übersetzung der Nordlichtmeldung vorliest).

Auf dem Weg nach oben mache ich noch kurz in der Kabine halt und hole meine große Nikon-DSLR samt der Halterung für die Reling, die kleine Panasonic habe ich eh in der Jackentasche – für das Stativ ist keine Hand frei. An Deck beginnt mittlerweile die große Show, auf die alle gewartet haben. Gerade noch rechtzeitig bekomme ich die Nikon an die Reling; leider hat die Trollfjord ein dickeres Geländer, sodass die Kamera anstößt und nicht nach oben geneigt werden kann. Mit der Pana bin ich flexibler, aber es dauert, bis ich mein Stativ holen kann: Wer seine Kamera noch nicht unten im Koffer verstaut hat, knipst jetzt den verbleibenden Speicher voll, und es gibt immer wieder Problemchen, die ich lösen darf. Mit dem Mond und den Wolken ist es ein beeindruckendes Schauspiel, das ich so auch noch nicht hatte. Und dann tanzt die Aurora auch noch für uns, endlich – das ist das Schauspiel, auf wir alle gewartet haben, der perfekte Abschluss. Jetzt glauben mir endlich alle, dass Polarlicht wirklich grün sein kann, und die Durchsage konnte auch jeder hören, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Ein wunderschöner Abschluss der Reise!

Nach etwa einer Stunde klingt die Show ab und wird ab Mitternacht durch einen Schneesturm ersetzt. Gut, dass wir die Kabinen morgen nicht schon um acht Uhr räumen müssen: Einige versuchen noch, das Polarlicht zu feiern (leider hat die Bar auf Deck 8 schon zu), und mein Rechner läuft die Nacht über durch, um die Bilder zu verarbeiten. Von der kleinen Zugabe gegen halb zwei bekomme ich nichts mehr mit, aber sie war auch nicht mehr so schön wie die Abschlussveranstaltung um Mitternacht. Ich bin gespannt, wen die Aurora nun alles in ihren Bann gezogen hat!

Tag 2: Ålesund und First Light

Der zweite Tag der Reise, und schon volles Programm: Unser erster Vortrag um 10:00 morgens findet noch vor dem ersten Etappenziel statt. Vorher natürlich Frühstück – die Etappe nach dem Westkapp ist immer spannend, da wir hier offene See haben. Mit anderen Worten: Normalerweise schwanken alle schön durch das Restaurant. Diesmal ist die See aber vergleichsweise ruhig, und der Speisesaal gut gefüllt. Auf vielfachen Wunsch hier das Buffet:

Irgendwann gewöhne ich mich noch wirklich an diesen Braunen Käse…

Da wegen Ålesund das Mittagessen vorverlegt wird, gibt es für unseren Vortrag sogar ein echtes, fixes Zeitlimit. Und dass, wo ich beim ersten Termin doch immer gerne überziehe… Den Vortrag teilen wir uns, Moni erzählt über Regenbögen, Halos und Nebensonnen, anschließend kümmere ich mich um die Polarlichter. Die Zeit kriegen wir sogar gut hin: Eine Punktlandung von einer Stunde. Dann kam ich mit dem Bonusprogramm an: How to knips a Nordlicht. Das hat sich gelohnt, praktisch alle Gäste waren beim Vortrag, und über den Tag hinweg kamen auch immer wieder Fragen zu den Kameras. So kommt man auch mit den Leuten ins Gespräch. Fast die Hälfte der Passagieren gehört ohnehin zur Themenreise Nordlicht und Sterne, sodass es auf dem Schiff schön gemütlich ist. Ein paar neue Kameras habe ich dabei auch wieder kennengelernt…

Ein paar Änderungen auf dem Schiff fallen nebenher auch immer wieder auf. Die Handmikrofone im Vortragsraum wurden durch Headsets ersetzt (Geschmackssache), und die Pepsi Maxx durch Coca Cola. Da hat mich dieses Schiff zur Pepsi Maxx verführt, und dann verschwindet sie von der Karte. Die Getränkekarte mit den Softdrinks ist übrigens auf der letzten Seite der Weinkarte versteckt:-) Und da gerade jedes Schiff einen Werfttag einlegt, um die Teppichböden zu reinigen, begegnen wir auch anderen Schiffen.

Alt trifft neu: Bankskøyta

Alt trifft neu: Bankskøyta

Am Mittag steht dann Ålesund auf dem Programm, die Jugendstilstadt. Ich zerre Moni einmal durch das Zentrum und hoch auf den Aksla – mein Standardprogramm darf sie auch kennen lernen, ob sie will oder nicht. (Gut, Widerstand hat sie keinen geleistet.) Das Bankskøyta-Projekt macht gute Fortschritte, der Schiffsnachbau am Anlegeplatz der Nordkapp ist gegenüber Februar schon ein gutes Stück weiter. Der Aksla ist der Hausberg und bietet einen wunderschönen Ausblick über die Stadt. Im letzten Winter war die Treppe wegen Renovierung geschlossen, jetzt ist sie fertig und ganz hübsch geworden. Überall Geländer, über 400 feste Stufen – früher war das noch ein echtes Abenteuer, diesmal fast schon komfortabel. Bei angenehmen Temperaturen stellte dann auch mancher Wanderer fest, dass Norwegen nicht kalt ist, und Winterkleidung zum Bergsteigen doch etwas zu warm…

Der Troll vom Souvenirshop

Der Troll vom Souvenirshop

Der Blick vom Aksla ist natürlich immer wieder schön, und der kleine Skywalk / Balkon ist auch gut besucht. Oben auf dem Berg treffen wir auch wieder einige von unserer Gruppe, darunter auch einige Wiederholungstäter. Der Rückweg führt natürlich durch den Souvenirshop und mich in das Einkaufszentrum samt Buchladen. Ich mache reiche Beute…

Nach Ålesund geht es sehr entspannt weiter, man trifft sich am Bug, kommt ins Gespräch und genießt das zunehmend besser werdende Wetter. Ich habe nichts zu tun, keine weiteren Termine, den Nordlichtfilm am nachmittag kenne ich ja schon… bis mir das Meeting der Gruppe mit Vorstellungsrunde und so einfällt, das wir für 17:00 angesetzt hatten. Dabei hatte ich da nach dem Vortrag noch selber darauf hingewiesen. Ups. Beinahe den Sektempfang vergessen:-) Typischer Hurtigruteneffekt: Sehr schnell weiß man nicht mehr, wo man gerade ist, und es ist einem auch egal.

Also erst der kleine Empfang, dann das Abendessen, dann ein gemütlicher Abend. Ab und zu mal rausgehen, da die Polarlichtvorhersage wieder in den Keller geht, sollte es aber eine ruhige Nacht sein.

Nette Theorie – und zum Glück falsch, das erste schwache Polarlicht zeigt sich, sodass ich alle heraustrommle, den grauen Streifen zum Polarlicht erkläre und das mit der Kamera auch beweisen kann. Die kleine Panasonic hat sich schon bezahlt gemacht. Meine Nikon mit dem Weitwinkel wird schon mal an die Reling geschnallt, die Ergebnisse gibt’s dann am Ende der Reise als Zeitraffer. Beeindruckend für das Auge war das natürlich noch nicht, da die Farben nur zu erahnen waren, aber so weit im Süden Licht zu sehen, ist schon mal nicht schlecht.

Etwa eine Stunde lang konnte so jeder schon einmal Polarlichtfotos fotografieren, grob von 21 bis 22 Uhr. Mit dem Einlaufen in Kristiansund endete dann auch diese Session, danach sorgten Wolken und gleichbleibende Polarlichtaktivität für einen ruhigen Abend.

Das frühe erste Polarlicht sorgte auch für gute Kontakte mit den Gästen, in aller Gemütlichkeit stießen einige auf das erste Licht an – tusend takk!

Tag 6 – Rund ums Nordkapp

Ich weiß nicht, warum das Nordkap so einen Schlecht-Wetter-Ruf hat – bei drei Besuchen hatte ich nun jedesmal prächtiges Wetter. Die Fahrt um die Insel Magerøya herum war ruhig, und bei schönstem Sonnenschein ist sie ein Erlebnis. Irgendwo in dem Kanal haben wir auch den Tunnel überquert, der Honningsvåg mit dem Festland verbindet, aber an Bord war davon nichts zu bemerken.

Volker und Sabine nutzen ein paar noch freie Plätze für die Nordkapp-Tour aus, während ich den anderen Teil Honningsvågs anschaute, also den ohne Shell-Tankstelle. Die Gegend ist auf jeden Fall schöner als der Bereich um den berühmten 71. Breitengrad, auch wenn wohl ein nennenswerter Teil der Bevölkerung mit der Schneeabfuhr beschäftigt ist.

Zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten gehören die Kirche, ein Denkmal für einen Regisseur, das einen schönen Aussichtspunkt markiert (und für nächstes Mal auf meiner Sightseein-Liste steht), und natürlich das Hurtigrutenschiff MS Nordkapp, das elegant in einem Schneehaufen parkt – zumindest sieht es so aus.

Dieser Teil der Stadt ist allemal sehenswerter als die Bereiche im Norden, auch wenn ich keine so überzeugenden Troll wie letztes Mal gesehen habe. Der Souvenirshop im Ort hat ein großes Angebot, trotzdem lasse ich kein Geld da – und anstelle des Nordkap-Museums zieht es mich noch einmal auf die andere Hafenseite, Bilder vom Schiff machen. Die Sonne steht gerade günstig:

Nicht im Bild festgehalten habe ich die Sicherheitsübung, die wohl immer wieder in Honningsvåg stattfindet. Diesmal wurde Abandon Ship geübt. Aber das war Crew only; wer in der Kabine blieb, durfte mit dem Schiff untergehen:-)

Die Nordkap-Fahrer waren auch wieder rechtzeitig an Bord, wo statt Mittagessen Waffeln und heiße Schokolade auf sie (genauer gesagt: auf Käufer) warteten, sodass die Reise weiter gen Osten gehen konnte. Am Nordkap war das Wetter wohl noch besser als im letzten Februar, dafür war zumindest ein Bus deutlich besser beheizt, als nötig gewesen wäre.

Der Nachmittag ging wieder mit Vortragsvorbereitungen vorüber, aber kurz vor halb fünf gab es wieder die Chance, die Finnkirke zu fotografieren. Am annähernd hellichten Tag wirkt sie weniger imposant als in der langen Dämmerung im Januar, dafür stand Orion schön über ihr. Und das kitschige Farbenspiel war immer noch auffällig, obwohl die Sonne gerade erst unterging.

Respekt für die Krabbenfischer

Respekt für die Krabbenfischer

Der Himmel war zwar immer noch perfekt, dafür kamen wir langsam in einen leichten Sturm: Das Gewackel nahm zu, die Türen auf Deck 5 hatten Probleme damit, aufzugehen, und die Krabbenfischer, die uns nach der Finnkirke besuchten, mussten sich beim Anlegen ans Schiff etwas mehr Mühe geben. Aber Profis hält das nicht auf, und wer wollte, konnte sich wieder mit dem Abendessen fotografieren lassen (auch wenn es nicht exakt diese Krabben gibt).

In Kjøllefjord kam dann auch die Durchsage, dass die Schneemobiltour nach Mehamn wegen Sturm gecancelt wurde – es war unklar, ob wir den Hafen anlaufen und die Teilnehmer wieder an Bord nehmen könnten. Tatsächlich fiel Mehamn dann auch aus.

Nach Kjøllefjord stand dann das Nordkap-Buffet als Abendessen auf dem Programm – feste Sitzplätze, aber freie Essensauswahl. Das ist gar nicht schlecht, da es so schneller geht und alle, die Interesse hatten, pünktlich um 20:00 in unserem Abendvortrag über das Sonnensystem saßen. Immerhin gut die Hälfte unserer Gäste war anwesend, die See forderte ihren Tribut. Der Konferenzraum ist ganz vorne im Schiff und schwankt somit maximal, aber alle Anwesenden hielten sich auf ihren Stühlen, während wir auf einer eigenen Hurtigrute acht Planeten sowie die kleineren Mitglieder des Sonnensystems abhandelten und die Bilder der letzten Nacht präsentierten.

Die Polarlichtprognose war mäßig – schade, da das wohl bis auf weiteres die letzte wirklich klare Nacht im Polarlichtoval sein würde. Aber gestern gab es ja schon ein beeindruckendes Schauspiel über dem gesamten Himmel, und so gab es eine Premiere: Zum ersten Mal konnte ich den Vortrag vollständig halten, ohne vom Polarlicht unterbrochen werden. Also auf zu einem ruhigen Abend in der Bar.

Habe ich schon erwähnt, dass das Polarlicht unberechenbar ist? Es war schon einiges zu sehen, als wir zum Kontrollblick auf den hell erleuchteten 7. Stock standen. Da um 21:45, also in der nächsten Viertelstunde, der Hafen Berlevåg angelaufen werden sollte, gaben wir noch keinen Alarm. Etwas später kam dann die Durchsage, dass wir auf der rechten Seite die MS Nordlys passieren und außerdem Nordlys am Himmel sehen. Ähm – und der Hafen in Berlevåg? Wurde wegen schlechtem Wetter ausgelassen. Also mit der Rezeption geredet, dass doch bitte, bitte die Beleuchtung ausgeschaltet werden sollte, und dann ging eine Show los, die den gestrigen Abend sogar noch übertraf.

Eine wunderhübsche Corona über uns. Ich habe sie nicht ganz geknipst, da ich die Kamera an der Reling hatte und mich zwischendurch verabschiedete, um an der Rezeption um eine erneute Durchsage zu bitten. Die erfolgte etwas zögerlich, da schon so viele Durchsagen gemacht worden waren und es immer wieder Polarlicht gibt, aber als wir dann die Bilder präsentierten, glaubte uns der Kollege an der Rezeption dann doch, dass sich die Meldung gelohnt hat, und setzte sie auch bei Facebook rein.

Nach der größten Show schraubte ich die Kamera noch für Timelapse-Aufnahmen bis Mitternacht an die Reling, auch wenn so natürlich nicht alles im Bild festgehalten wurde. Aber es waren ja genug mobile Kameras an Bord, um das Spektakel zu dokumentieren.

Gegen ein Uhr gab dann auch der Käptn eine Polarlichtwarnung durch, allerdings war es dieses Mal deutlich schwächer als vor Mitternacht. Ein paar nette Bilder haben trotzdem geklappt:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch ein starkes Polarlicht samt Meldung über den Info-Kanal vom Schiff, aber die ging völlig an mir vorbei – ich hörte erst die Meldungen für Kirkenes wieder…

Tag 5 – Tromsø geht immer

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Der fünfte Reisetag beginnt mit einigen Häfen in der Nacht, die ich nach der Polarlichtaktivität der letzten Nacht erst einmal ignoriere. Der Sonnenaufgang verspricht zumindest für Ausflüge einen schönen Tag: Es ist heiter bis wolkig und nicht besonders kalt.

Zur Einstimmung auf den heutigen Tag gibt es diesmal einen kurzen Film über Tromsø, der die Entwicklung der Stadt beschreibt. Die deutsche Version um 10:20 liegt günstig und ist gut besucht.

Unser erster Termin ist Finnsnes, wo zur Abfahrt um 11:45 alle zum Gruppenfoto antreten durften. Im Hintergrund gibt es zwar keinen strahlend-blauen Himmel, aber immerhin die Insel Senja samt Brücke. Immer wieder eine schöne Kulisse und eine angenehme Einstimmung auf die Fahrt nach Tromsø.

Senja

Senja

Da am Sonntag die Läden in Tromsø geschlossen sind, fuhren Sabine, Volker und ich zusammen mit zwei jüngeren Gästen zur Fjellheisen-Bahn auf den Storsteinen. Zumindest war das der Plan – die Seilbahn fährt alle halbe Stunde, und mit dem Bus hätte es gerade so nicht gelangt, daher stiegen wir in zwei Taxis ein. Das erste fuhr auch zur Seilbahn (mit Navi…), dem zweiten Taxifahrer, zu dem ich mit dem Pärchen eingestiegen waren, konnte ich nach etwas Mühe auch klarmachen, wo wir hinwollten. Dann durften wir wieder aussteigen, weil er einen lukrativeren Auftrag erhalten hatte. Immerhin: Nach ein paar Minuten kam das nächste Taxi, und 150 Kronen ärmer erreichten wir dann auch den Fjellheisen, just in time – und wegen des großen Andrangs fuhr die Bahn auch zweimal.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Tag etwas windig war? Auf den letzten Metern vor dem Ziel merkten wir das dann auch: Der Wind blies schöne Schneefahnen vom Berg, und die Gondel schlug sanft gegen die Holzverkleidungen der Bergstation. Auf dem Plateau war es gelinde gesagt unangenehm – ein eisiger Wind und tiefer, lockerer Schnee, bei dem nicht einmal Stiefel etwas nutzen. Wenn ich es mal schaffe, die Videos vom Handy runterzukriegen, kann ich die Schneeverwehungen sogar im bewegten Bild zeigen – die Fotos geben nur einen vagen Eindruck davon.

Auch wenn es letztes Jahr deutlich angenehmer war: Der Sonnenuntergang war es wieder wert, sich durch den Schneesturm zu kämpfen. Auf einen verlängerten Aufenthalt hatte trotzdem keiner Lust, und mit der Gondel ging es dann wieder nach unten, wo die heimtückische Eisplatte vor der Talstation auf Opfer wartete. Nach einer kurzen Sightseeingtour (Eismeerkathedrale, Domkirke und Tromsøs größter Souvenirshop, der trotz Sonntag sogar offen hatte) waren wir wieder am Schiff. Die eineinhalb Stunden bis zum Ablegen wurden gut genutzt: Da die Wettervorsage gut war und wir Polarlicht erwarteten (nicht viel, aber doch brauchbar), nutzen wir die Chance zum Abendessen in der Pastafabrikken. Yonas‘ Pizzeria direkt am Kai hatte zu lange Wartezeiten, und die Pizza war eine willkommene Abwechslung zum Schiffsbuffet.

Um 18:30 wurde zum Abendessen gerufen, etwa um 19:00 Uhr ging die Lightshow los, und gegen 20:00 Uhr riefen wir dann unsere Leute an Bord. Die Show war deutlich besser als erwartet, und in einem heroischen Akt wiederstand ich der Versuchung, mit der Kamera das Licht zu jagen, und ließ sie fast bis Mitternacht am selben Eck an der Reling. Das Ergebnis waren fast 1000 Fotos, die einen schönen Zeitrafferfilm der Aurora ergeben. Die Stockfischpräsentation von Johann, die für das Außendeck geplant war, fand zum Glück in der Bar statt. Er hatte wohl mitgekriegt, wie wenig beistert alle von der Idee waren, die Außenbeleuchtung anzuschalten, und dass auf dem Wikingerfest gestern erwähnt wurde, dass man einen guten Stockfisch auch als Prügel einsetzen kann… Der Aufenthalt in Skjervoy (22:30-22:45) sorgte dann doch für eine Unterbrechung: Im Hafen ging die Beleuchtung von Sonnendeck und Schornstein natürlich wieder an.

Im Hafen und nach der Abfahrt waren trotz der Schiffsbeleuchtung noch Polarlichter zu sehen, und irgendwann wurde sie auch wieder abgeschaltet: Wow. Von einem Moment auf den anderen war es dunkel, und das Polarlicht flammte auf, über den gesamten Himmel. Jetzt konnte jeder sehen, dass es wirklich Grün gibt, und die Aurora legte einen schönen Tanz über den Himmel hin – eher ein langsamer Walzer als Rock’n’Roll, aber sehr eindrucksvoll. Trotzdem gab es Gäste, die das trotz Durchsage verpassten, weil es zu spät war… Aber wer Polarlichter sehen will, muss immer wieder rausgehen. Auch wenn Bar und Bett noch so angenehm sind.

Was für eine Show!

Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

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Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der „Hauptstadt des Lichts“). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Polarlichtvideo – GRP107 im Zeitraffer

So langsam bin ich mit meinem Reiserückblick für die Nordlicht-und-Sterne-Tour GRP107 vom Januar fertig. Pünktlich dazu hat mir Arthus ein schönes Bild der Nordkapp in Honningsvåg geschickt, das ich niemandem vorenthalten will:

MS Nordkapp in Honningsvåg

MS Nordkapp in Honningsvåg

Ich geb’s zu: Ist doch hübscher als die Shell-Tankstelle.

Ich hab’s jetzt auch geschafft, meine ganzen Polarlichtbilder zu einem Film zu verarbeiten. Er steht wie immer bei Vimeo:

Nordlicht über der MS Nordkapp – Nordlicht und Sterne GRP107 im Januar 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Viel Spaß beim Anschauen!

Den ganzen Reisebericht gibt es in der Kategorie-Ansicht in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Tag 2: Ålesund und erstes Polarlicht

Blick zurück auf's Westkap

Blick zurück auf’s Westkap

Bei bestem Wetter sind wir in die Reise gestartet, und sogar das Westkap war recht freundlich: Das erste Stück offenes Meer wird pünktlich zum Frühstück passiert, und dementsprechend sind alle etwas um das Frühstücksbuffet herumgetorkelt. Trotzdem planen die Norweger weiterhin, das Westkap zu untertunneln – bei richtigem Sturm geht es anders ab.

Um 11 Uhr war dann Meet&Greet angesagt: Reiseleiter Kai, Ko-Lektorin Felicitas und ich stellten uns der 42-köpfigen Gruppe vor, klärten organisatorische Details und gaben die Vortragstermine bekannt, anschließend stand auch schon das Mittagessen auf dem Programm – etwas früher, damit auch jeder die Stadtführung am nächsten Halt mitmachen konnte, ohne auf eine Mahlzeit verzichten zu müssen. Allerdings hatte schon der kleine Schoko-Nachtisch genug Kalorien für eine ganze Familie. Uff…

Die Rute führt vom Westkap aus über Torvik in die Jugendstilstadt Ålesund. Jetzt weiß ich endlich, wie der Aksla bei Sonnenschein aussieht, letztes Jahr bei Sturm war doch ein Erlebnis der anderen Art. Auch diesmal habe ich die Stadt auf eigene Faust erkundet, man war ja doch noch nicht überall. Und nach dem Mittagessen war Bewegung nötig. Hübsche Kirche.

Nach Ålesund ging es ruhig weiter. Unser Tourguide zeigte am Nachmittag den Hurtigrutenfilm über die Polarlichter, der mal wieder meinen halben Vortrag vorwegnahm (macht aber nichts, so merkt man es sich besser), und für den Abend war Sternbilder erklären angesagt. Es ist zwar noch einiges an Materie im Sonnensystem unterwegs, aber auf der Höhe Polarlichter? Wohl kaum.

Da das Schiff mit rund 150 Passagieren bei weitem nicht ausgelastet ist, gibt es nur eine Abendessensitzung um 19:00, im Anschluss hatte ich dann zu einer kurzen Sternführung auf dem Achterdeck eingeladen – der Käptn hatte die Beleuchtung ausgeschaltet, nur der Schornstein war noch erstrahlt, sodass die schwächeren Sterne fehlten. Aber das erleichtert immerhin die Orientierung, und Felicitas konnte den Komet Lovejoy im Fernglas präsentieren. Im Norden zog derweil Nebel auf.

Nebel?

Einen kurzen Sprint in die Kabine später hatte ich meine Kamera aufgebaut, und 30 Sekunden später war klar: Das ist grün. Ich konnte also jetzt schon das erste Polarlicht präsentieren, noch vor Kristiansund, auf 63° 6′ 26,53″ N und 7° 32′ 25,308″ O.

Ein Hauch von Polarlicht

Ein Hauch von Polarlicht

Zugegeben, dieses schmale graue Band war jetzt nicht gerade das, weshalb wir hier sind, aber der Pflichtteil war erledigt. Diesmal droht uns keiner eine zweite Polarkreistaufe / Icebucket-Challenge an, weil es keine Polarlichter gibt.

In Kristiansund (22:15-23:00) ging wegen Stadtbeleuchtung eh nichts. Die Kollegen auf der Midnatsol zwei Schiffe weiter nördlich hatten auch schon etwas gesehen, und nachdem das Schiff kurz vor Mitternacht fast ausgestorben war, ging ich noch ein letztes Mal nach draußen. Da tat sich doch was, ein sanfter, aber deutlicher Bogen über dem Nordhorizont. Also zurück in die Kabine, Kamera plus Stativ holen und ab an den Bug: Keine Chance, mir hätte es fast das Stativ über Bord geweht. Am seitlichen Umlauf ging es dann, und mittlerweile war auch etwas Farbe und Bewegung zu erkennen:

Das erste richtige Polarlicht

Das erste richtige Polarlicht. 5 Sekunden bei 3200 ISO und 13mm/f2,4

Damit war klar: Das muss bekannt gegeben werden. Die Rezeption war zum Glück noch besetzt und konnte eine Durchsage machen. Viele haben es gehört, und das Deck hat sich dann langsam gefüllt. Das Licht wandelte sich allmählich zum breiten Band und zeigte Strukturen. So geht Polarlicht, zumindest so weit im Süden. Eineinhalb Stunden später leerte sich das Deck wieder, da morgen von 6-12 Uhr Trondheim auf dem Programm steht, aber das Licht tanzte schwächer weiter.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen.

Dancing slowly: Die Farben waren dezent, aber mit der Zeit waren Veränderungen zu sehen. Irgendwo darunter ist die Midnatsol…

Und die Kollegen auf der Midnatsol? WOW. HAMMER. Die waren mit ihrem überfüllten Schiff (die Gäste der Kong Harald sind wegen Generatorschaden auf die Midnatsol umgesiedelt) näher dran und begeistert. Aber für den Einstieg können wir auch zufrieden sein (zumindest alle, die die Durchsage gehört haben).

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Das Polarlicht über der Midnatsol, etwa Höhe Lofoten.

Und in unseren modernen Zeiten sieht man natürlich noch mehr: Daniel Fischer ist gerade mit einer Gruppe auf der Insel und war mitten drin statt nur dabei – festes Land hat natürlich den Vorteil, dass es nicht wackelt

Bei mir war dann als letzter gegen zwei Uhr Feierabend, und es blieb nur noch den Kamerakku wieder ans Ladegerät zu hängen und den Gang durch Trondheim zu streichen – um sechs Uhr aufstehen ist nicht mehr:-) Stattdessen werden morgen früh Bilder gesichtet und dieser Beitrag geschrieben.

Nordlichtvideo aus Tromsø

Der Trip nach Tromsø ist auch schon fast wieder einen Monat her, aber so langsam komme ich dazu, die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Dieses Video ist auf dem Storsteinen entstanden: Rund 400 Bilder mit je sechs Sekunden Belichtungszeit, auf eine Minute eingedampft:

Storsteinen from Alex Kerste on Vimeo.

Und ja, ich habe jetzt auch einen Vimeo-Account:-)

Polarlichtjagd in Tromsø – Rückblick

Irgendwann krieg ich das mit dem Live-Bloggen vielleicht mal hin, aber wahrscheinlich erst, wenn ich alleine unterwegs bin. In einer Sechsergruppe mit Freunden gibt’s doch zu viel zu reden, man kommt ja sonst nicht dazu…

Mittlerweile bin ich wieder zurück und habe 32 Gig Bilder durchzusehen (incl. der RAW-Dateien). Uff. Am Samstag habe ich dafür noch Lightroom installiert – mal sehen, was es kann. Und im Internetradio läuft statt Radio Caroline jetzt NRK P1.

Die Tour war ein voller Erfolg. Nach dem ersten Test im Kongsparken vom Sonntagabend ging es am Montagabend nach einer Stadtbesichtigung und dem Abendessen auf den Storsteinen. Die Fjellheisen-Bahn fährt im Winter zurzeit alle halbe Stunde, und das Busticket dahin ist mit rund 20 Euro für vier Tage auch noch erschwinglich. Im Vergleich zum letzten Februar lag deutlich weniger Schnee, diesmal hatte das Geländer wirklich eine Funktion und diente nicht nur als Markierung. Die Lichter von Tromsø hellten den Himmel deutlich auf, aber ein recht langsames und dezentes Polarlicht war dennoch schön zu sehen.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Polarlichter vom Storsteinen aus.

Nach ein paar Schnappschüssen ging ich wieder in den Timelapse-Modus; da das Polarlicht recht schwach war, verzichtete ich allerdings auf die Montierung und ließ die Kamera auf dem festen Stativ arbeiten. Den Film muss ich noch einmal bearbeiten, aber er sieht schon jetzt beeindruckender aus als das Polarlicht an dem Abend mit bloßem Auge wirkte.

Nach etwa 2,5 Stunden packten wir zusammen, um die letzte Seilbahn noch zu erwischen – keiner hatte Lust, den Fußweg in die Stadt zu suchen. Die Eile hätten wir uns allerdings sparen können, die Gondel wartete noch auf ein paar Gäste, die an der Endstation ein Gelage veranstaltet hatten. Als eine halbe Stunde nach Abfahrt endlich alle an Bord waren, lag der Alkohol-Gehalt der Luft deutlich über dem Normalwert. Zum Glück hatte niemand das Bedürfnis, sich eine Zigarette anzuzünden…

Gar nicht so dunkel: Die Polarnacht. Tromsø kurz vor 11 Uhr Mittags.

Gar nicht mal so dunkel: Die Polarnacht in Tromsø am 25. November kurz vor 11 Uhr Mittags.

Dienstag war dann der große Tag: Um 19 Uhr erwartete uns Dan Steinbakk von Arctic Experience mit seinem Bus, um das Licht zu jagen. Das Wetter sah nicht sehr vielversprechend aus: In der ständigen Dämmerung der vor kurzem angebrochenen Polarnacht war es zwar noch recht hell, aber die Wolkendecke und der Wetterbericht versprachen nichts Gutes.

Wir nutzten den Tag, um das Vitensenteret zu besuchen: Ein Science-Center mit vielen Versuchen zum selbermachen und einem Planetarium. Der Besuch lohnt sich, wenn man die Zeit dafür hat, kann man sich gut austoben. Nur das Planetarium selbst besuchten wir nicht, auf die nächste englische Vorstellung hätten wir zu lange warten müssen. Dafür gab es eine kleine Wanderung durch die sehr schöne Uni zur (auf ihre Art) beeindruckende Skischanze und am botanischen Garten vorbei.

Zurück im Stadtzentrum gab es noch die Gelegenheit, die Kong Harald zu besichtigen – jeden Tag legen zwei Hurtigrutenschiffe in Tromsø an (einmal nachmittags nordgehend für mehrere Stunden, und einmal südgehend kurz vor Mitternacht für das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale). Mit einem Ausweis erhält man eine Besucherkarte und kann sich auf dem Schiff umsehen. So konnten wir die halbe Flotte kennenlernen. Sehr nett.

Mittlerweile war von Dan, unserem Guide für die Nacht, auch eine EMail gekommen: Bitte die Pässe einpacken, da Regen vorausgesagt war, müssen wir eventuell bis Finnland fahren…

Nach dem Abendessen im Hotel Clarion Aurora (das entgegen der Kritiken und Befürchtungen nicht nur aus einer Suppe bestand, sondern lecker und ausreichend war) stiegen wir dann zu Dan von Arctic Experience ArcticX.no – einem netten Kerl, mit dem wir auch schnell ins Gespräch kamen. Schließlich wollten wir wissen, wie er die tollen Fotos machte, die er unter anderem auf https://www.facebook.com/ArcticEx immer wieder zeigt. Sehr vielversprechend war, dass er die selbe Kameraausstattung hat wie ich: Nikon D7100 und Tokina 11-16mm. Nice. Ich werde seine Tricks hier nicht verraten, sondern gebe nur einen Tipp: Wer in Tromsø ist und Polarlichter sehen will, ist bei Dan genau richtig. Er ist hochmotiviert und will die Aurora selber sehen, und durch den kleinen Bus ist es ein klasse Erlebnis, nur mit ein paar Leuten in der Wildnis zu stehen, während es am Himmel ein Schauspiel gibt.

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Twin Peaks: Polarlicht hinter Wolken

Unser erster Halt war nach einer Stunde „Twin Peaks“, ein Berggipfel an der Straße nach Finnland. Durch ein paar Wolkenlücken waren Sterne zu erkennen, ebenso immer wieder das Tanzen des Polarlichts. Außerdem war es saukalt und windig, sodass wir uns für die Weiterfahrt entschieden. Nur Dan wollte noch ein kurz ein paar Fotos machen, daraufhin packte auch ich mein Stativ aus, und darauf auch alle anderen. Es hat sich gelohnt: Die ersten Kameratricks konnten gleich angewendet werden, und trotz Wolken gab es einige schöne Bilder.

Es ist immer gut, wenn der Guide motivierter ist als seine Gäste:-)

Nach dem kurzen Stopp ging es dann weiter, bis kurz vor die finnische Grenze. Auf einer riesigen, einsamen Ebene in der Nähe eines Sees hatten wir unser Ziel erreicht, und das gerade rechtzeitig: Unter einem beeindruckenden Sternenhimmel (Klassen besser als in den Alpen, alleine deshalb hatte sich die Tour schon gelohnt) bauten wir unsere Kameras auf. Nach einer kurzen Stärkung mit Dans würziger Suppe, Karottenkuchen und heißer Schokolade standen die nächsten eineinhalb Stunden unter dem Motto: Awesome! Holy Crap!

Das Polarlicht fing als breites Band über den gesamten Himmel an, und nach einer Stunde legte es richtig los: Ein rascher Tanz, bei dem neben Grün auch Rot zu sehen war. Unbeschreiblich, und als Fotograf konnte man nur das selbe machen wie Dan: Von einem Eck zum nächsten rennen und abdrücken, ohne sich um die Kameraeinstellungen zu scheren. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal überbelichtete Polarlichtbilder machen würde. Und Dan konnte kaum glauben, dass keinen von uns kalt war – zum Glück war es windstill, und nur wenig unter dem Gefrierpunkt. Er war hier auch schon bei -40 Grad gewesen; die Ebene reicht wohl bis Russland.

Gegen Mitternacht erreichten uns dann die Wolken, und Dan brachte uns sicher zum Hotel zurück – in Tromsø erwartete uns Schneeregen und das warme Bett. Wer sich auch einmal im Winter in Tromsø rumtreibt und die Aurora empfehlen will, dem kann ich Dan und Arctic Experience nur wärmstens empfehlen – mit ihm würde ich sofort wieder fahren; er ist mindestens so polarlichtverrückt wie ich und bestens vorbereitet.

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Weihnachtsbäume für Norwegen auf der MS Lofoten

Mittwoch war dann nach einem Besuch im Polarmuseum Pooltag (der Whirlpool auf dem Dach des Hotels ist sehr angenehm, wenn auch kochend heiß), Bilder davon gibt’s aber keine:-) Das Hurtigrutenschiff zum Abschied war die Lofoten mit einer Ladung Weihnachtsbäume, und am nächsten Mittag ging es dann auch schon zurück nach Deutschland. Die MS Midnatsol sahen wir dann nur noch vom Flieger aus.

Jetzt heißt es warten bis zum 20. Januar, wenn es wieder auf die Hurtigrute geht, und ich muss mich erst einmal wieder an die langen Tage hier im Süden gewöhnen…