Tag 10: Vom Polarkreis bis nach Rørvik

Die südgehende Polarkreisüberquerung ist immer relativ gut vorhersagbar: Sie findet etwa um 9:20 statt. Also heißt es wieder einmal früh aufstehen (die Schiffsbegegnung mit der Trollfjord eine Stunde vorher ist ein guter Wecker), das Frühstück ausfallen lassen und ab neun Uhr mit der Kamera auf Deck 7 sein. Das Wetter ist trüb, aber brauchbar, und bald schon kommt die Insel Wiking an Backbord in Sicht. Passieren werden wir sie diesmal wie üblich an Steuerbord, und Tourguide Anna bereitet schon die südgehende Polarkreiszeremonie vor.

Der Hestmannen

Der Hestmannen

Die Lebertran-Ausgabe ist immer wieder faszinierend: Ein Teil der Gruppe vermeidet dieses Ritual, viele machen mit, und einige sogar mehrmals, um sich ein komplettes Service an Lebertranlöffeln zu verdienen. Immerhin bekomme ich nicht mit, dass jemand den Lebertran wegschüttet und nur den Löffel einsteckt. Brav:-)

Der Berg Hestmannen entgeht den meisten wohl. Er markiert den Beginn der längsten Sage – als Reiter mit langem Umhang jagt dieser Troll in der Legende die Magd Lekemøya bis weit hinter Brønnøysund; im Augenblick wirkt der 568 m hohe Berg ruhig und friedlich. Überhaupt ist die Landschaft mehr als nur einen Blick wert. Die Route führt südwärts über den kleinen Ort Nesna bis nach Sandnessjøen. In Nesna halten wir nur eine geschäftige Viertelstunde, in der zwei Gabelstapler Ladung umschlagen. Wer palettenweise Stockfisch sehen will, ist hier richtig.

Ein neuer Mitarbeiter

Ein neuer Mitarbeiter

Die sieben Schwestern verbergen sich mal wieder in den Wolken, und etwas Regen gibt einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Macht nichts: Es ist genug Zeit für ein paar Bilder mit den Gästen. Es macht wirklich Spaß, wenn man mit der Gruppe ins Gespräch kommt, und diese Reise ist sehr angenehm. Vor dem Tourguide-Büro hat sich mittlerweile auch ein neuer Mitarbeiter eingerichtet: Der kleine Troll wohnte bislang im Shop (14000 NOK, wenn ich mich richtig erinnere) und bewacht jetzt die Prospekte.

Aber ich bin ja nicht zum Spaß hier: Um 14:00 steht mein letzter Vortrag über Sternbilder und Mythen an. Der Streifzug durch die letzten 40.000 Jahre kommt gut an, und ich muss wirklich mal wieder an dem Buch arbeiten. Hoffentlich bis nächsten Sommer… In der Zwischenzeit regnet es draußen, sodass es am Abend in Brønnøysund ekelhaft nass ist.

Brønnøysund

Brønnøysund

Bei dem Wetter gibt es eigentlich nur zwei reizvolle Stationen in dem hübschen Städtchen. Die erste ist das Einkaufszentrum. Meine Suche nach Schuhen ist allerdings erfolglos – zwar werden gerade 25% Rabatt angeboten, aber ich will doch keine italienischen Schuhe kaufen. Dafür muss ich nicht nach Norwegen… Also wieder ab zum Frustkauf in die Buchhandlung. Langsam mache ich mir wegen Übergepäck doch Sorgen, aber das ist es wert.

Das eigentliche Highlight in Brønnøysund ist die Eisdiele direkt am Kai, aber bei dem Wetter habe nicht einmal ich Lust auf Eis. Schade, da es zurecht einen sehr guten Ruf hat. Und der Torghatten verbirgt sich bereits in der Finsternis: Der Berg mit Loch bleibt unsichtbar.

Die Offiziere beim Farewell-Drink

Die Offiziere beim Farewell-Drink

Nun, wenn es mit den örtlichen Highlights nicht klappt, dann wenigstens auf dem Schiff: Für einige Gäste endet die Rundreise bereits in Trondheim (für die Nordlicht-und-Sterne-Touren im nächsten Jahr übrigens auch), daher findet das Captain’s Dinner schon heute statt. Wieder einmal lerne ich eine neue Version kennen: Um 18 Uhr lädt das Schiff zum Farewell-Drink in die Panorama-Lounge ein, wo Anna ein Gedicht über die Reise zum Besten gibt (in Deutsch und Englisch, wirklich toll) und die Crew vorstellt.

Gewinnerfoto mit Captain

Gewinnerfoto mit Captain

Die Stimmung ist gelöst, und beim anschließenden Abendessen wurde selten so viel gelacht wie heute. Ich bin gut damit beschäftigt, Gruppenfotos der einzelnen Tische zu machen, bevor Anna die Mitarbeiter des Service-Teams vorstellt. Und zwischendrin gibt es noch eine Neuerung: Vor zwei Tagen nahm jeder, der etwas im Shop gekauft hat, an einer Verlosung teil. And the Winner is: Moni! Damit hat sich der Jackenkauf noch mehr rentiert, Captain Nilsen überreicht ihr einen 500-NOK-Gutschein für den Shop. Willi und ich lassen es uns nicht nehmen, die Preisverleihung im Bild festzuhalten. Ich bin ja mal gespannt, ob ihr der Gewinn von der Heuer abgezogen wird:-)

Nach dem Abendessen erreichten wir dann Rørvik, wo es wieder einmal die Möglichkeit für eine Schiffsbesichtigung gab. Statt der Richard With konnten wir diesmal einen Blick in die Kong Harald werfen. Das Schiff wurde 1993 als erstes der neuen Schiffe in Dienst gestellt und löste die Finnmarken ab, die jetzt in Stokmarknes steht. Nach dem Besuch wussten auch alle wieder, „wo wir zuhause gehören“… Die Kong Harald ist ähnlich gebaut wie die Nordkapp, aber innen deutlich düsterer und 80er-Jahre-mäßig eingerichtet. Da kehrt man gerne wieder auf „sein Schiff“ zurück.

20151112-P1050378Danach muss ich natürlich noch ein Bild vom schönsten Schiff der Flotte machen, wie sie da so schön im Hafen von Rørvik liegt. Da Madis nicht an Bord ist, der auf meiner letzten Fahrt die Facebook-Seite vom Schiff betreut hat, muss ich wohl für ihn am Tau entlang fotografieren. Anschließend geht es hinaus auf die offene Meerstrecke der Folda.

Tag 10 – Zurück über den Polarkreis

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Der Tag beginnt wieder recht früh: Das morgendliche Treffen mit der MS Trollfjord schenke ich mir zwar (von der habe ich letztes Jahr schon ein schönes Foto gemacht), aber die Polarkreisüberquerung muss diesmal sein. Heute passieren wir die Insel wieder ganz regulär auf der linken Seite, sehen sie also rechts. Alles drängt sich auf Deck 7, und mit knapp 20 Minuten Verspätung passieren wir schließlich das Polarkreismonument. Das Wetter ist noch einmal auf Arktis eingestellt: Eine dicke Wolkendecke und Sprühregen zeigen, dass der Polarkreis nicht nur für Mitternachtssonne und Polarnacht steht, sondern auch für etwas raueres Wetter als in unseren heimatlichen Breiten. Aber das gehört dazu.

Das Inselchen

Da ist es ja, das Inselchen.

Anschließend steht die Polarkreis-Zeremonie auf dem Programm, im windgeschützten Bereich des Sonnendecks – schließlich ist das hier nicht Mallorca! Johan lässt noch einmal die vergangen Tage Revue passieren: Wir waren weit im Osten, waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Hammerfest), waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Honningsvåg) und haben einige schöne Polarlichter erlebt. Und wie versprochen beinhaltet die südgehende Polarkreis-Zeremonie kein Eis, und auch Neptun muss nicht mehr mit seiner Maske kämpfen – jetzt gibt’s was für die Gesundheit.

Lebertran.

Die Polarkreiszeremonie

Die Polarkreiszeremonie

Damit auch möglichst viele teilnehmen, darf man zur Belohnung den Löffel behalten. Das Angebot wird auch gut genutzt, und diesmal wird auch darauf geachtet, dass niemand nur den Löffel einsteckt und den Lebertran entsorgt. Irgendwer probiert’s zwar immer, aber diesmal ohne Erfolg. Recht so!

Während der Show, die zum Winterprogramm der Hurtigruten gehört, gibt es auch die Gelegenheit, mit den anderen Passagieren ins Gespräch zu kommen. Nur fotografieren ist etwas knifflig: Ständig ist Wasser auf dem Objektiv, die Kamera hat einen ziemlich hohen Verbrauch an Taschentüchern… Trotzdem lohnt es sich, den ganzen Tag über immer wieder nach draußen zu schauen: Es gibt ständig neues Wetter, und wir fahren nun die längste Sage entlang – die von den Sieben Schwestern. Wer die Kunstführung von Kai durch das Schiff schon einmal gehört hat, kennt sie: Die Magd Lekemøya, die die sieben Prinzessinnen vor dem Hestmannen beschützen wollte. Die Legende beginnt mit dem Hestmannen am Polarkreis und führt bis zum Torghatten bei Brønnøysund. Heute halten die Akteure sich leider eher bedeckt.

Lichtspiele vor Brønnøysund

Lichtspiele vor Brønnøysund

In Nesna halten wir nur kurz, und in Sandnessjøen sind die sieben Schwestern zumindest zu erahnen: Ihre Köpfe stecken jedoch in den Wolken. Nachdem wir den Hafen verlassen, haben wir theoretisch bessere Sicht auf sie, aber in der Praxis sehen wir nur Wolken. Dabei waren sie der Legende nach Nacktbaden… Aber zu jeder Legende gehört etwas geheimnisvolles, und Trolle sind ja dafür bekannt, aus gutem Grund das grelle Tageslicht zu meiden.

Die wichtigste Erkenntnis des Tages ist übrigens (je nach Interessensschwerpunkt): Die MS Lofoten ist rechtzeitig aus der Werft aufgebrochen, um zumindest ab Ålesund ihre Tour aufzunehmen, sodass wir sie morgen in Trondheim treffen können.

Bis Brønnøysund verläuft die Reise ruhig und ereignislos, solange man nicht aus dem Fenster schaut: Norwegen präsentiert noch einmal die gesamte Wetterpalette. Der Svalbard-Salong (besser bekannt als die Bar auf Deck 7) und die windgeschützten Bereiche auf dem Sonnendeck sind wunderbar geeignet, um die Fahrt zu genießen. Kurz vor Brønnøysund gibt es zum Abschluss noch einen wunderbaren doppelten Regenbogen.

Einfach schön. Die nächsten vier Bilder sind übrigens im Zeitraum von vier Minuten entstanden:

Im Kiosk am Kai in Brønnøysund gibt es angeblich das beste Eis in ganz Norwegen, und schlecht ist es wirklich nicht. Aber ist es Konkurrenz zu unserer Stamm-Eisdiele in Heilbronn? Bin mir nicht sicher – jedenfalls ist die Auswahl kleiner. Ich muss noch ein paar Mal probieren…

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Brønnøysund ist ein hübscher kleiner Ort, für den wir viel zu wenig Zeit haben – wir haben wieder etwas Verspätung. Später erfahre ich auch den Grund dafür: Der Kapitän hat wegen der Wellen immer wieder etwas Tempo herausgenommen, damit wir eine ruhigere Fahrt haben. Daher starte ich diesmal ohne Kamera (vom Handy mal abgesehen); nach dem außer der Eisdiele nur das Einkaufszentrum auf dem Plan steht. Aber das Wetter ist gnädig, und für ein paar hübsche Schnappschüsse vom Schiff langt’s.

Nur für den Torghatten sieht es schlecht aus: Der Berg selbst ist natürlich zu sehen, nur das Loch in ihm hebt sich kaum vom Hintergrund ab. Daher wird er nicht einmal als Highlight angesagt, stattdessen kommt nur der Hinweis, wann „feeding time“ ist – wegen Captain’s Dinner schon um 18:00 Uhr. Der Vollständigkeit halber probiere ich mein Glück dennoch am Torghatten. Außerdem steht die Venus gerade in einer Wolkenlücke auffällig neben der schmalen Mondsichel, und wenn es noch etwas dunkler wäre, wäre auch Mars direkt daneben zu sehen, so bleibt er hinter dem Wolkenschleier verborgen. Hübsch.

Ein Grund, warum ich die Hurtigrute so mag, ist die lockere Einstellung – auch das Captain’s Dinner wird nicht so ernst genommen, sondern ist eine lockere Abschiedsveranstaltung, bei der man einmal die Crew kennenlernen kann. Pünktlich kurz nach dem Einlaufen in Rørvik sind wir auch mit dem Essen fertig. Die Kong Harald musste mit dem Anlegen auf uns warten, da wir wieder etwas langsamer unterwegs waren. Trotzdem blieb genügend Zeit für einen Besuch im Coop, um Pfandflaschen abzugeben und Reisesouvenirs zu kaufen (Typisch Norwegisch: Schinken in der Tube). Von den DVDs ließ ich aber die Finger: Dragetreneren 2 (How to train your Dragon 2) für umgerechnet 20 Euro ist mir dann doch etwas zu teuer. Also ging es in strömendem Regen wieder zurück auf’s Schiff.

Den Abend nutzt Johan nicht nur dazu, wieder etwas Musik zu machen, sondern auch, um etwas Angst zu machen: We are expecting some movement, between camel and donkey ride. Aber das kennen wir ja schon. Die offene Seestrecke scheint sich diesmal aber doch etwas mehr Mühe zu geben: Die Aufzüge werden abgeschaltet, und Johan spielt bis zum Schluss auf der Gitarre. Das letzte Stück: Riders on the Storm. Anschließend legt er die Lautsprecher sturmsicher auf den Boden.

Some waves on MS Nordkapp south of Rørvik from Alex Kerste on Vimeo.

Im Lauf der Nacht schaukelt es tatsächlich ein wenig, aber die Nordkapp verkraftet das gut, und die Passagiere soweit ich das mitkriege auch – mittlerweile können alle bei Seegang laufen, oder verschlafen ihn einfach. Ich kämpfe mich mit Volker an Deck 5 an den Bug: Wie geil. Unter der Brücke ist es windig, aber trocken, während rechts und links die Gischt hochspritzt. Auf Fotos kommt das bei weitem nicht so schön oder eindrucksvoll rüber wie in echt. Ein Riesenspaß!

Später im Lauf der Nacht gelingt es mir immerhin, ein paar Eindrücke zu filmen, mit der Nikon D7100 und dem 30mm f/1,4 Sigma-Objektiv (das ich nach der Aktion auch noch mal putzen müsste, fällt mir gerade ein). Und dann ist es auch schon an der Zeit, sich in den Schlaf wiegen zu lassen, schließlich steht morgen Trondheim mit der Lofoten auf dem Plan.

Tag 4: Polarkreis und Bodø (und noch mehr Polarlichter)

Letztes Jahr war die Polarkreisüberquerung ja ein ziemliches Highlight: Gefühlt waren alle 300 Passagiere an Deck, der Tourguide hatte gut Spannung aufgebaut, und gegen 7:12 morgens passierten wir mit lautem Gehupe die Insel mit dem beleuchteten Globus, und in wenigen Sekunden entstanden hunderte unterbelichtete und verwackelte Bilder der Insel.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Dieses Mal forderte das Polarlicht seinen Tribut, und nur eine Handvoll Gäste waren auf Deck 7 versammelt, sodass die Crew kaum Sekt verkaufen konnte. Der Globus lag im Dunkel und wurde nur sporadisch vom Suchscheinwerfer gestreift. Immerhin der Schiffstyphon war wie gewohnt, und um 7:20 passierten wir die Insel. Anschließend: Frühstück. Gähn.

Aber wieder ins Bett gehen lohnte sich auch nicht mehr, stattdessen suchte ich den Panoramasalon auf – während der letzten Reise gab es da keine Plätze am Fenster, diesmal hatte ich eine Chance und konnte mich gleichermaßen den EMails wie auch der Landschaft widmen. Derweil tuckerte die Nordkapp weiter Richtung Ørnes, einem der schöneren Häfen in einer grandiosen Landschaft.

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der seit der letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der etwa seit meiner letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Der Platz am Bug war zugig, aber die Aussicht lohnt sich immer wieder. Während der kurzen Liegezeit im Hafen widersetzten sich einige Passagiere der Kälte, und wir konnten einige Bilder der letzten Nacht vergleichen. Es ist sehr angenehm, dass dieses Mal schon so weit im Süden und vor meinem ersten Vortrag geübt werden konnte: So hatte jeder ausreichend Zeit, sich doch mit seiner Kamera zu beschäftigen, und auch manche kleine Kompaktknipse konnte das Grün am Himmel festhalten. Mittlerweile kennt man auch einige Reiseteilnehmer und ist per Du, es wird langsam familiär. Und es ist sogar etwas von meinem Vortrag hängen geblieben: Gegenüber der Sonne, die gerade am Horizont kratzte, konnten wir den Erdschatten samt Venusgürtel erspähen. Die Idylle rundeten ein paar Seeadler auf einer kleinen Insel ab.

Kunst auf der Nordkapp

Kunst auf der Nordkapp

Von Ørnes aus geht die Reise weiter nach Bodø. Letztes Mal war ich mit Vortragsvorbereitungen beschäftigt und hatte von der Stadt nichts mitgekriegt, diesmal hatte ich etwas Zeit dafür. Bis dahin war aber noch volles Programm: Unser Reiseleiter Kai gab eine Kunstführung durch das Schiff. Wie alle Hurtigrutenschiffe ist auch die Nordkapp ein Gesamtkunstwerk, und die Bilder haben sogar eine Bedeutung. Und nach dem unterhaltsamen kleinen Rundgang weiß man sogar, was dahinter steckt: Welche Sagen hier verewigt wurden, und dass manche Szene den Fischfang und -transport vor gerade einmal 100 oder 150 Jahren zeigt. Die Bilder sind nicht nur Deko, und auch der Künstler hat sich wohl in dem Tryptichon verewigt. Sehr nett.

King Neptune ließ sich aber nicht blicken – hatte der Herrscher des Meeres etwa auch wegen Polarlichtern verschlafen?

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Für Bodø hatte ich nicht ganz so viel Zeit wie unsere Passagiere, da um 15:30 mein zweiter Vortrag anstand – diesmal über die Sonne, und kurz nach der Abfahrt. Allerdings erinnert mich Bodø auch an Heilbronn: Es wurde im Krieg weitestgehend zerstört und viel zu schnell wieder aufgebaut. Der Glockenturm ist noch das sehenswerteste Ziel, neben ein paar Wandmalereien. Meine Tour führte mich zum Getränkekauf ins REMA1000, und dann wieder zurück in den Vortragsraum auf dem Schiff. Das war gar nicht so einfach – weniger wegen der vereisten Straßen als vielmehr wegen des starken Gegenwinds.

Zum Vortrag waren dann auch alle Gäste wieder an Bord, und ich handelte die Sonne und das Leben der Sterne ab. Weiterer Programmpunkt: Die drehbare Sternkarte und ein Crashkurs in Orientierung am Himmel. Die wichtigsten Sternbilder hatten wir schon am ersten Abend live gezeigt, ebenso den Komet Lovejoy in Felicitas‘ Fernglas. Daher konnte ich mich hier kurz fassen. Problematisch war nur, dass nicht jeder die drehbare Sternkarte erhalten hatte. Zum Glück erhält man auch als Lektor gelegentlich ein Exemplar, das dann als Ersatz dient, aber der Hinweis sei gestattet: Wer die Themenreise bucht, sollte überprüfen, ob den Unterlagen auch wirklich eine Sternkarte beiliegt. Das gilt natürlich nur, wenn sie auch zum Umfang gehört – keine Ahnung, ob sie auch in Zukunft dazu gehört. Wer keine hat, kann den Sternenhimmel übrigens zum Beispiel mit seinem Smartphone und einer kostenlosen App wie Celestron SkyPortal erkunden.

Magischer Trolltrunk gefällig?

Magischer Trolltrunk gefällig?

Da die Wetter- und Weltraumwettervorhersagen so gut waren, verkniff ich mir dieses Jahr die Teilnahme am Lofotr Wikinger-Fest (obwohl ich eigentlich im Museumsshop noch einkaufen wollte). Eine weise Entscheidung: Wegen Niedrigwasser fuhr die Nordkapp nach dem Abendessen in Schleichfahrt Richtung Raftsund und Svolvaer. Mit rund einer Stunde Verspätung konnten wir dann in Svolvaer anlegen und die Ausflügler wieder an Bord nehmen. Wer wollte, konnte immer noch die Zeit nutzen, um die Magic Ice Galerie zu besichtigen.

Oder er nutze die Zeit zum Aufwärmen – es gab schon wieder Polarlicht, und gar nicht mal so schlecht. Über Svolvaer als „Hauptstadt des Lichts“ standen zwar schon die ersten Wolken, aber bis dahin gab es wieder einen schönen ruhigen Tanz, bei dem auch etwas Farbe zu sehen war – trotzdem war es nicht immer leicht, zwischen Wolken und Aurora zu unterscheiden.

Nach gut 200 Aufnahmen und 80 Minuten beendete ich die Aufnahmeserie, um im Hafen die Speicherkarte zu leeren und den Akku zu laden. Der Batteriegriff mit dem zweiten Original-Akku von Nikon war eine geniale Anschaffung. Erinnert sich noch jemand an meinen letzten Reisebericht, bei dem mein Ersatzakku den Geist aufgeben hatte? Den mir mein örtlicher Fachhändler als super-robust und ganz toll verkauft hatte? Dieser Hähnel Extreme Li-Ion? Und der nach der ersten Nacht den Geist aufgegeben hatte? Der Austauschakku ist genauso gut – extrem bedeutet wohl, dass er keine extremen Breitengrade mag. Scheißdrecksgelump, außerschwäbisches. Gut, dass ich noch die Originale dabei habe.

Aber wie es sich gehört, komme ich danach wieder an Deck und werde zuerst gefragt, ob ich auch im Hafen fotografiert hatte, es wäre gerade wieder ganz toll gewesen.

Toll. Ganz toll.

Natürlich hatte ich nicht fotografiert. Aber bei der anschließenden Fahrt durch den Raftsund wieder:-) Das Licht gab sich wieder Mühe, ich sah Farbe und manch anderer hielt sie auch im Bild fest. Von der Fahrt wird es kein Video geben, da das Licht seitlich von uns war und die Belichtungszeiten zu lang für die Landschaft, aber über den schneebedeckten Bergen war es ein beeindruckender Anblick. Wow.

Nur die Crew hatte ein Problem: Eigentlich gab es den magischen Trolltrunk und Fiskekake auf dem Sonnendeck, aber alle standen am Bug, Polarlichter gucken. Der Halt am Trollfjord fiel wegen unserer Verspätung aus, aber wenn er genauso gut angeleuchtet worden wäre wie die Kugel am Polarkreis, hätten wir ohnehin genauso viel gesehen wie bei der letzten Fahrt vorne am Bug.

Und sehr beruhigend: Ab Mitternacht ließ die Aktivität nach, und wir konnten beruhigt ins Bett gehen. Endlich schlafen… wobei der Raftsund auch bei Nacht sehr beeindruckend ist. Amazing!