Tag 3: Die Königsstadt Trondheim & erstes Licht

Richard With und Finnmarken

Richard With und Finnmarken

Schon um 6:00 legen wir fahrplangemäß in Trondheim an – zumindest glaube ich das; vom Anlegen bekomme ich nichts mit. Man gewöhnt sich doch recht schnell an die Geräusche an Bord. Mein Plan für heute sieht vor, kurz nach acht loszuziehen, um in Trondheim zu frühstücken, und das ziehe ich mit Volker auch gnadenlos durch: Ausflug 3K – Trondheim kulinarisch auf eigene Faust. Das schöne an den norwegischen Städten ist ja, dass man sie problemlos zu Fuß erkunden kann, und die großen Stadtpläne, die normalerweise auf dem Schiff ausliegen, wurden durch kompaktere Pläne ersetzt, in denen gleich Tourenvorschläge eingezeichnet sind. Die mittlere Tour mit 5km deckt das meiste ab; wir machen sie „rückwärts“ und ergänzen sie durch Restaurantbesuche. Das erste Ziel ist natürlich die Richard With, die direkt vor der Finnmarken liegt und ein schönes Fotomotiv abgibt.

Über vereiste Anlegeplätze kleinerer Schiffe geht es durch das Bakklandet-Viertel mit seinen wunderschönen kleinen Holzhäusern bis zu Nidaros-Dom.

Im Nidaros-Dom ist die Olaf-Quelle versteckt – ein kleiner Brunnen, in dem es seit einer Ewigkeit kein Wasser mehr gibt, der mit dem Nidaros-Dom aber das Ende einer Pilgerstrecke markiert. Statt einen Blick in den Dom zu werfen, gehen wir einmal in den Hof des angrenzenden Bischoffspalasts: Chic, durchaus einen Abstecher wert. Die Kirchenherren lebten nicht schlecht.

Die Temperaturen sind eisig, durch den Wind kommt es einem deutlich kälter vor als die rund 5° unter Null. Auf dem Weg vom Dom in die Innenstadt treffen wir einige Gäste, die die Stadt erkunden oder sich im Japan-Foto mit fehlenden Kameraequipment ausgestattet haben – vom Ladegerät bis zum Stativ. Ich sollte von dem Laden doch Prozente verlangen… Heute steht aber kein Fotohändler auf meinem Programm, stattdessen geht es in den Starbucks und die angrenzende Buchhandlung, meine Comic-Sammlung vervollständigen. Irgendwie muss das mit dem Norwegisch lernen doch klappen, auch wenn man mit Deutsch und Englisch gerade auf dem Schiff und in den Touri-Zentren problemlos durchkommt.

Da das Schiff schon gegen 12 Uhr wieder ablegt, steht nach einer schönen heißen Schokolade auch schon wieder der Rückweg an. Ein Besuch im Torget Einkaufszentrum muss sein: Einige kleinere Häuser wurden hier einfach überbaut und in das Einkaufszentrum integriert. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass einige einfach nicht verkaufen wollten, als Trondheim Torg errichtet wurde, und das Center einfach über die Häuser gebaut wurde… Von den Ausgrabungen, die im November auf dem Marktplatz waren, ist dafür nichts mehr zu sehen. Den Weg durch den Hafen zum Schiff kenne ich mittlerweile, und einige folgen uns auch – man hat als Astro-Lektor wohl doch eine gewisse Autorität, auch in Norwegen. Dabei sind gar keine Sterne zum Navigieren zu sehen. Macht aber nichts, die Finnmarken ist schon aus einiger Entfernung zu sehen.

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Erster Blick auf die MS Spitsbergen

Im Hafen ist es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie ein kleiner Kranwagen mit den Containern jongliert. Zur Abfahrt geht es an den Bug: Es ist zwar windig, aber es haben sich doch einige Passagiere versammelt, um die Fahrt durch den eindrucksvollen Trondheimfjord zu erleben. Sie verzögert sich etwas: Ein Passagier wird mehrmals ausgerufen. Keine Ahnung, ob er es noch an Bord geschafft hat. An Munkholmen vorbei geht es Richtung offenes Meer, und bis der Hunger alle Richtung Restaurant treibt, ergeben sich einige interessante Gespräche.

Während dem Essen bringt Ekkehard das Gespräch auf die Werften am Ufer; dabei kommt heraus, dass wir auch and er Werft vorbei fahren, in der gerade die Spitsbergen umgebaut wird – das neueste Hurtigrutenschiff, das ab Sommer gemeinsam mit der Lofoten fahren soll, aber auf einer touristisch interessanteren Route. Also raus aufs Deck und mit dem Teleobjektiv drauf halten: Neben dem linken Kran müsste sie liegen, die beiden weißen Schornsteine deuten darauf hin. Ein erster Jagderfolg.

Der nächste Jagdaufruf ist weniger erfolgreich: Der Kapitän sagt durch, dass ein paar Wale zu sehen seien. Aber bis ich an Deck bin, sind sie schon weg; Volker hat wenigstens noch eine Schwanzspitze erspähen können. Für seine Kamera waren sie aber doch zu flott.

Unseren zweiten Vortrag verschieben wir etwas, da nach der Passage des berühmten unaussprechlichen Leuchtturms Kjeungskjærfyr um 14:30 wieder lokale Delikatessen an Deck präsentiert werden. Damit jeder eine Chance zum Probieren hat, beginnen wir etwas später. Der Wind am Bug ist eisig, oben auf Deck 8 lässt es sich besser aushalten. Die Gischt des Schiffs hat einen netten Effekt: Da hinter uns die tiefstehende Sonne leuchtet, gibt es unter uns einen Regenbogen neben dem Schiff. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Nach dem Vortrag bleibt etwas Zeit für den gemütlichen Teil; die Wetterprognosen für diesen Abend sind ja nicht so toll. Vorfreude gibt’s trotzdem: Dan hat aus Tromsø tolle Bilder der letzten Nacht gepostet (und er ist auch erkältet; ich bin bei den Vorträgen ebenfalls froh über das Mikro), und für morgen Abend in Svolvær ist gutes Wetter vorhergesagt. In Rørvik begegnen wir nach dem Abendessen der Nordnorge und nutzen die Gelegenheit für einen Besuch. Ich bekomme leichtes Heimweh – sie ist fast identisch mit „meiner“ Nordkapp, nur die Inneneinrichtung ist anders, aber ebenfalls sehr chic. (Jeder hat so seine Vorlieben. Die Finnmarken ist ein schönes, großes und luxuriöses Schiff, aber mein Favorit ist etwas kleiner – so läuft man sich häufiger über den Weg. Aber andere lassen zum Beispiel nichts auf die Lofoten kommen. Es gibt für jeden das richtige Schiff.)

Vom Heck der Nordnorge aus gibt es einen guten Blick auf die Finnmarken, und auf dem Achterdeck ziehen Schneehaufen den Blick auf sich: Im Norden gibt es wohl echten Winter. (Die Lofoten hat aus Kirkenes schöne Grüße bei -25° gepostet.) Schönes Schiff; Volker kann mich trotzdem wieder auf die Finnmarken zerren:-) Bemerkenswert ist übrigens die Schräglage der beiden Schiffe zueinander: Jedes wird so getrimmt, dass es bei Seitenwind die Küste entlang möglichst gerade im Wasser liegt; wenn bei gutem Wind ein nord- und ein südgehendes Schiff nebeneinander liegen, fällt das erst so richtig auf.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Das erste grüne Beweisfoto. Für das Auge war Grau schwarz und Grün grau.

Der Abend klingt gemütlich in der Bar aus; da die Finnmarken nicht einmal zur Hälfte besetzt ist (die Nordnorge sogar nur zu einem Viertel), hat nur der Ausschank im Panoramasalon offen. Unsere beiden Reiseleiter haben zum gemütlichen Abendtreffen eingeladen, und zwischendurch werfen wir immer wieder einen Blick nach draußen. Am frühen Abend ist ein kameragrüner Lichtstreifen unter den Wolken am Horizont zu sehen, gegen 23 Uhr ein Grünschimmer hinter den Wolken – gegen Mitternacht kann man beruhigt ins Bett gehen, und ich kann den Blogeintrag für diesen Tag beenden. Ein paar grüne Bilder sind immerhin entstanden.

Abgesehen davon, dass um halb zwei, nachdem wir Brønnøysund verlassen haben, die Durchsage kommt, dass es vom Bug aus Polarlicht zu sehen gibt. Also wieder ganz anziehen (zum Glück war ich ja noch am Rechner), Kamera schnappen und ab an den Bug.

Stimmt, da ist Nordlicht – etwa von der Stärke, die man so weit im Süden erwarten kann: Kameragrün, mit bloßem Auge grau, keine starke Bewegung, aber trotzdem ganz schön anzuschauen. Es haben sich doch einige von der Gruppe am Bug versammelt und trotzen dem Wind und der Kälte, auch wenn das natürlich noch nicht die Show ist, auf die wir alle hoffen.

Und noch ein Wort an alle, die schneller Blogeinträge erwarten und dabei das freundliche Augenzwinkern vergessen: Ich mache das zum Spaß und in meiner Freizeit; wer mehr Leistung will, kann ja versuchen, mich mit Bestechungsgeldern zu motivieren:-) Ansonsten gibt’s immer wieder ein paar Impressionen über meinen Twitter-Kanal. Aber keine Echtzeit-Polarlicht-Bilder, so gut ist meine Handy-Kamera auch nicht. Und es gibt auf der Reise viel zu sehen und zu erleben, wer sitzt da schon freiwillig ständig am PC:-)