Tag 1: Bergen

Böse Zungen könnten behaupten, dass es langsam zur Gewohnheit wird: Wir haben den 3. April, und ich fliege schon wieder nach Norwegen. Dabei war ich noch nie im April in Norwegen… Die April-Tour ist daher auch für mich spannend: Wie sieht Norwegen im Frühjahr aus, und langen die kurzen Nächte, damit das Polarlicht sich durchsetzen kann?

Die Terminal-Bahn in FFM

Die Terminal-Bahn in FFM

Eine Änderung zu den letzten Reisen gibt es jedenfalls schon mal: Ich fliege mit KLM via Frankfurt mit Abflug um 11:45 – eine sehr astronomenfreundliche Zeit. Pro-Tipp: KLM fliegt über Amsterdam und somit als Inner-EU-Flug von Terminal 2 statt Terminal 1. Der Weg vom üblichen Parkplatz ist also noch etwas länger als üblich und beinhaltet eine kostenlose Fahrt mit der Shuttle-Bahn. Dafür gibt es im Terminal 2 nicht viele Möglichkeiten, um die Zeit totzuschlagen, nachdem mal einmal durch die Security durch ist.

KLM betreibt die Strecke mit City-Hoppern, also eher kleinen Maschinen. Die haben aber auch ihren Reiz (wenn auch nicht ganz so reizvoll wie die Propellermaschinchen von Widerøe), und wenn man sein Handgepäck ausreichend optimiert hat, passt es sogar in das Gepäckfach.

Lecker Essen bei KLM

Lecker Essen bei KLM

Anders als SAS ist hier nicht nur Coffee & Tea always free, sondern es gibt sogar eine Kleinigkeit zu essen und eine reichhaltigere Getränkeauswahl. Da der Flughafen Schiphol einen schon ganz gut auf die norwegischen Preise vorbereitet, ist das gar nicht mal so unpraktisch… Da das Lunchpaket einen Falafel und Wasser aus der Türkei umfasst, sind wohl gerade türkische Wochen. Auch nicht schlecht. Jedenfalls lande ich kurz vor 17 Uhr recht entspannt in Bergen, wo Kari die letzten Teilnehmer unserer Gruppe in Empfang nimmt. Bergen begrüßt uns zwar wie gewohnt mit Regen, aber dafür auch mit Temperaturen um die 10° und Tageslicht. Sehr ungewohnt, auf der kleinen Stadtrundfahrt einmal richtig was von der Stadt zu sehen…

Mit dem Bus geht es königlichen Schloss vorbei auf die gewohnte Tour durch Bryggen. Aber jede Tour ist anders: Den Abstecher durch Paradis nehmen wir diesmal nicht, dafür geht es am Aquarium vorbei in den Teil des Hafens, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Neu für mich: Es gibt auch in Bergen ein Hexendenkmal, mit dem an die Hexenverbrennungen erinnert wird. Das ist also keine Spezialität von Vardø, auch wenn es in Bergen nur eine einfache Stele gibt.

Anschließend geht es auf die Trollfjord, den Rest vom Team kennen lernen und den Vortragsraum sichern. Auf den Schiffen ist auch immer mehr Programm… Und nicht zu vergessen: Abendessen! Es gibt am Bergen-Buffett wieder Lachsröllchen, lecker. Anschließend stellt Tone – die ich schon von der Nordkapp kenne und die jetzt auf der Trollfjord Tourguide ist – die Crew vor, bevor der gemütliche Teil des Abends beginnt. Immerhin zwei von der Crew kennen mich noch, und mit den Gästen gibt es auch schon die ersten netten Gespräche – könnte eine angenehme Tour werden.

Abfahrt

Abfahrt

Gegen 22:30 verlassen wir Bergen, und die Wetterprognose für die nächsten Tage sieht gar nicht schlecht aus. Polarlicht wurde gestern ja schon bis hinab nach Deutschland gesichtet; da besteht die Hoffnung, dass es noch ein wenig mehr zu sehen gibt, sobald wir aus den Wolken raus sind. Für die Fahrt über die Stad morgen früh ist auch wieder ein Ententeich angesagt – bis jetzt ist alles sehr vielversprechend.

Neue Videos – Nordlicht GRP101 und Schnee auf dem Storsteinen

Den öffentlichen Teil meines Reiseberichts zur GRP101 kann ich nun abschließen – die letzten beiden Videos sind online. Fangen wir mit dem Nordlicht an: Wie immer habe ich meine Bilder zu einem Zeitraffer zusammengesetzt. Sobald Polarlicht zu sehen war, habe ich die Nikon D7100 an die Reling geschnallt und mit dem Tokina 11-16mm auf Dauerfeuer gestellt: Alle 11 Sekunden eine 5-Sekunden-Aufnahme mit automatischem Dunkelbild, das ganze bei 3200 ISO und f/2,8 bei 11mm Brennweite. Dabei ist mir zwar die ein oder andere Show über uns durch die Lappen gegangen, aber ich wollte einmal ausprobieren, die Kamera nicht zu bewegen und so längere Filme ohne Sprünge zu kriegen. Bei der letzten Fahrt stand das Polarlicht günstiger, sodass ich mehr vom Schiff drauf hatte, bzw. ich hatte die Kamera auf Deck 5 vorne oder seitlich anstatt wie auf dieser Reise oben auf Deck 7.

Nordlicht und Sterne GRP101 from Alex Kerste on Vimeo.

Ich muss das Video nächste Woche nochmal in HD hochladen… Es ruckelt etwas stärker, da ich professionelle Software benutzt habe, oder so… Das letzte Video habe ich ja mit der Software von GoPro erstellt und da zwar sehr schöne Übergänge von Bild zu Bild gehabt, dafür sind mir die Sterne „weggelaufen“, bzw. es gab ein paar seltsame Wellenbewegungen im Bild, da die Übergänge auf die großen Polarlichter statt die kleinen Sterne ausgerichtet waren. Jetzt habe ich mir LRTimeLapse geleistet, wenn auch nur in der einfachen Version – trotz Glättung ruckelt es stärker, dafür arbeitet es mit Adobe Lightroom zusammen. Die Suche nach der perfekten Software geht weiter (oder die Pro-Version kann mehr).

Außerdem habe ich die Filmchen vom Handy auf den Laptop gekriegt, die ich auf dem Storsteinen in Tromsø gemacht hatte. Das Schneetreiben da oben war deutlich unangenehmer als der Seegang auf dem Schiff, aber der Sonnenuntergang war die Strapazen wert.

Schnee auf dem Storsteinen from Alex Kerste on Vimeo.

Tag 12 – This the End

Der letzte Reisetag ist immer etwas seltsam, wenn man die komplette Tour bis Bergen macht: Die Kabinen müssen nach dem Frühstück geräumt werden, in der Regel also gegen 10 Uhr. So hat die Crew eine Chance, das Schiff wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen, bis am am Abend die nächsten Gäste zum Bergenbuffet einchecken. Das Problem mit dem Zeitdruck ist ganz gut gelöst, da das große Gepäck in den Laderaum gebracht wird, wenn man es rechtzeitig vor den Fahrstühlen deponiert – diesmal war die Deadline um 9 Uhr. Nächstes Mal werde ich wohl auch mein Handgepäck da abgeben, ansonsten muss man doch den ganzen Tag darauf aufpassen. Nur habe ich diesmal zu viel Glas dabei, daher will ich es nicht dem Gepäckband im Hurtigrutenterminal anvertrauen. Also sitze ich wieder mal auf meinem Handgepäck…

Schneesturm am Morgen...

Schneesturm am Morgen…

Die letzte Etappe bringt eine schöne Landschaft, allerdings dampfen wir Non-Stop von Florø (Abfahrt 8:15) nach Bergen (Ankunft 14:30). So weit im Süden ist die Hurtigrute nicht als Versorgungslinie nötig; der anspruchsvolle Part ist der hohe Norden. Daher wird nicht mit den anderen Fährverbindungen und Reedereien konkurriert, sondern nur Bergen als wichtigster Umschlaghafen angesteuert.

Wir nutzen die Gelegenheit, um ab elf Uhr unsere Foto-Impressionen in einer fast einstündigen Bildershow zu zeigen: Ohne Worte laufen noch einmal die vergangenen Tage über die Leinwand. Jede Reise ist ja anders, und jeder Reiseleiter und Lektor hat seinen eigenen Spielraum, was er neben dem Pflichtprogramm noch anbietet. Als erfahrene Urlauber haben Volker und ich uns schon länger angewöhnt, die Bildermassen zeitnah zu sichten und die brauchbaren Bilder zu sammeln, und das Ergebnis kann sich mal wieder sehen lassen. Die Teilnehmer unserer Reise erhalten die Bilder auch in hoher Auflösung über die Geheimseite, die auf der Reise bekannt gegeben wurde; die Serverkosten werden über das Trinkgeld finanziert:-) Meine Zeitrafferfilme gibt’s wieder über Vimeo auch für die Öffentlichkeit, ich muss sie nur noch ein wenig überarbeiten

Ansonsten gibt es über den letzten Reisetag eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass wir ständig anderes Wetter hatten. Den Anfang machte ein kleines Schneegestöber, das zwar sehr mystisch war, aber nicht sehr fotogen (Kudos an den Flix für diese Erkenntnis). Ansonsten gab es alles von Sonne bis Nebel, gerne auch gleichzeitig.

Zum Abschied gab es dann noch ein Farewell-Lied von Johan, das mit Applaus belohnt wurde – er hat ja die ganze Fahrt über mehr als eine gute Show geliefert und weit mehr als nur das Pflichtprogramm gemacht.

In Bergen ging es dann flott: Auschecken, ein Blick zurück auf das Schiff, das Gepäck vom Transportband holen, und dann ab zum Zubringerbus Richtung Bergen Lufthavn (zumindest für alle, die nicht noch einen Bonustag in Bergen haben). Unser Flieger nach Amsterdam startet pünktlich, und erst in Amsterdam-Schiphol gibt’s dann Stau wegen viel Verkehr Richtung Süden – knapp 15 Minuten warten auf der Rollbahn. Am Zielflughafen Frankfurt dürfen wir im Flieger auch noch einmal warten – niemand weiß, wo die Busse gerade hinfahren, die uns abholen sollen. Aber ein großes Lob an die Crew von KLM, die uns immer auf dem Laufenden hält. Gegen 23:00 die Beruhigung: Das Gepäck ist auf dem Laufband und größtenteils heil geblieben. Und dann: Ab ins Auto und nach Hause.

Das war’s. Bis November habe ich keine Hurtigrute mehr. Ganz Feierabend ist trotzdem noch nicht: Die Nordlichtfilme müssen noch aufbearbeitet werden, und Reiseberichte sind zu schreiben. Die nächste Tour ist dann vom 3.-14. November 2015, natürlich wieder auf der Nordkapp. Dann heißt es wieder: Hunting the light, auf der schönsten Seereise der Welt!

Tag 11 – Endlich Lofoten!

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Für einige ist es ja das Highlight der Reise: Im Hafen von Trondheim begegnen wir der Lofoten nach ihrem Werftaufenthalt. Einen Besuch ist sie auf jeden Fall wert: Noch bis in die 90er Jahre waren das die üblichen Schiffe für die Hurtigrute; in den 1980ern war die Flotte zwar um drei Schiffe ergänzt worden, die aber eher auf Container ausgelegt waren – von diesen dreien fährt nur noch die umgebaute MS Vesterålen die Route, Narvik und Midnatsol sind bereits ausgemustert. Und die mittlere Schiffsgeneration wie die Nordkapp kam erst in den 90ern, fährt nun aber auch schon seit rund 20 Jahren. Die MS Lofoten ist mittlerweile seit 50 Jahren unterwegs und wurde in der Werft wieder auf den Stil der 1960er umgestaltet. Mal sehen, wie lange dieser robuste Oldtimer noch im regulären Dienst betrieben wird – vorläufig gibt es jedenfalls noch die Möglichkeit, die klassische Postschiffreise auch auf einem klassischen Postschiff zu unternehmen, und genügen Enthusiasten, die auch die Nordstjernen in Betrieb halten. Bei guter Pflege ist das Alter kein Probleme, die Schiffe sind robust gebaut – kritischer sind Ladekapazität und Komfort.

Nach dem Besuch auf der Lofoten gab es eigentlich zwei Gruppen von Gästen: Die einen waren froh, ihre vergleichsweise geräumigen Kabinen auf der Nordkapp zu haben, die anderen buchten schon die nächste Reise auf einem Oldtimer und schwankten nur noch zwischen Ostsee auf der Nordstjernen und Hurtigrute auf der Lofoten. Wer die Reise bucht, muss wissen, auf was er sich einlässt – und dann kann es eine einmalige Tour sein, die viel mehr mit klassischer Seefahrt zu tun hat als die heutigen großen Schiffe.

In Trondheim verließen ein Großteil der Passagiere und der Besatzung das Schiff; auch die Nordlicht-und-Sterne-Reise endet oft genug in dieser hübschen Stadt. Da es für die GRP101 bis Bergen weiter geht, gab es für unsere Gäste noch einmal volles Programm. Im Anschluss an das Ablegen in Trondheim stand um 10:30 die Info-Veranstaltung zum Ausschiffen auf dem Terminplan: Wie checke ich an einem Flughafen, der nur noch beim Sicherheitscheck echtes Personal beschäftigt (wobei ich ja noch darauf hoffe, dass das irgendwann auch automatisiert wird – einen wirklichen Sicherheitsgewinn sehen ich bei der ganzen Paranoia nicht)? Wann muss die Kabine geräumt werden, und wohin mit dem Gepäck? Wie wird abgerechnet?

Nach den ganzen technischen Fragen und dem Mittagessen ging es entspannt weiter: Kai bot seinen Vortrag „Wussten Sie schon?“ mit Wissenswertem und Unterhaltsamem rund um Norwegen an. Ich beschäftigte mich stattdessen lieber mit einem anderen norwegischen Souvenir, dem Husten – nachdem mich heute in aller Frühe der Hochdruckreiniger aus dem Bett geholt hatte, holte ich etwas Schlaf nach und ignorierte die schöne Landschaft.

Je näher wir Bergen kommen, desto trüber wird das Wetter. Eine Stunde vor dem Abendessen versammeln wir noch einmal die ganze Gruppe im Panoramasalon für eine kleine Abschiedsveranstaltung. Volker und ich beschränken uns auf ein Dankeschön, während Margit und Kai noch einen augenzwinkernden Rückblick auf die Reise und das Land werfen. Abschließend heißt es noch einmal Skål, und dann ab zum letzten Dinner.

Da wir das Gepäck morgen früh schon um 9:00 Uhr vor die Fahrstühle stellen sollen, heißt es am Abend noch ein wenig packen – und bei mir ein wenig schlafen, zumindest bis ich gegen 22:00 wieder fit bin und in der Bar noch ein paar Leute treffe. Viel ist aber nicht mehr los, sodass ich dann wie die meisten anderen wohl auch die Nacht und das üblicherweise unruhige Westkap verschlafe.

Tag 10 – Zurück über den Polarkreis

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Der Tag beginnt wieder recht früh: Das morgendliche Treffen mit der MS Trollfjord schenke ich mir zwar (von der habe ich letztes Jahr schon ein schönes Foto gemacht), aber die Polarkreisüberquerung muss diesmal sein. Heute passieren wir die Insel wieder ganz regulär auf der linken Seite, sehen sie also rechts. Alles drängt sich auf Deck 7, und mit knapp 20 Minuten Verspätung passieren wir schließlich das Polarkreismonument. Das Wetter ist noch einmal auf Arktis eingestellt: Eine dicke Wolkendecke und Sprühregen zeigen, dass der Polarkreis nicht nur für Mitternachtssonne und Polarnacht steht, sondern auch für etwas raueres Wetter als in unseren heimatlichen Breiten. Aber das gehört dazu.

Das Inselchen

Da ist es ja, das Inselchen.

Anschließend steht die Polarkreis-Zeremonie auf dem Programm, im windgeschützten Bereich des Sonnendecks – schließlich ist das hier nicht Mallorca! Johan lässt noch einmal die vergangen Tage Revue passieren: Wir waren weit im Osten, waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Hammerfest), waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Honningsvåg) und haben einige schöne Polarlichter erlebt. Und wie versprochen beinhaltet die südgehende Polarkreis-Zeremonie kein Eis, und auch Neptun muss nicht mehr mit seiner Maske kämpfen – jetzt gibt’s was für die Gesundheit.

Lebertran.

Die Polarkreiszeremonie

Die Polarkreiszeremonie

Damit auch möglichst viele teilnehmen, darf man zur Belohnung den Löffel behalten. Das Angebot wird auch gut genutzt, und diesmal wird auch darauf geachtet, dass niemand nur den Löffel einsteckt und den Lebertran entsorgt. Irgendwer probiert’s zwar immer, aber diesmal ohne Erfolg. Recht so!

Während der Show, die zum Winterprogramm der Hurtigruten gehört, gibt es auch die Gelegenheit, mit den anderen Passagieren ins Gespräch zu kommen. Nur fotografieren ist etwas knifflig: Ständig ist Wasser auf dem Objektiv, die Kamera hat einen ziemlich hohen Verbrauch an Taschentüchern… Trotzdem lohnt es sich, den ganzen Tag über immer wieder nach draußen zu schauen: Es gibt ständig neues Wetter, und wir fahren nun die längste Sage entlang – die von den Sieben Schwestern. Wer die Kunstführung von Kai durch das Schiff schon einmal gehört hat, kennt sie: Die Magd Lekemøya, die die sieben Prinzessinnen vor dem Hestmannen beschützen wollte. Die Legende beginnt mit dem Hestmannen am Polarkreis und führt bis zum Torghatten bei Brønnøysund. Heute halten die Akteure sich leider eher bedeckt.

Lichtspiele vor Brønnøysund

Lichtspiele vor Brønnøysund

In Nesna halten wir nur kurz, und in Sandnessjøen sind die sieben Schwestern zumindest zu erahnen: Ihre Köpfe stecken jedoch in den Wolken. Nachdem wir den Hafen verlassen, haben wir theoretisch bessere Sicht auf sie, aber in der Praxis sehen wir nur Wolken. Dabei waren sie der Legende nach Nacktbaden… Aber zu jeder Legende gehört etwas geheimnisvolles, und Trolle sind ja dafür bekannt, aus gutem Grund das grelle Tageslicht zu meiden.

Die wichtigste Erkenntnis des Tages ist übrigens (je nach Interessensschwerpunkt): Die MS Lofoten ist rechtzeitig aus der Werft aufgebrochen, um zumindest ab Ålesund ihre Tour aufzunehmen, sodass wir sie morgen in Trondheim treffen können.

Bis Brønnøysund verläuft die Reise ruhig und ereignislos, solange man nicht aus dem Fenster schaut: Norwegen präsentiert noch einmal die gesamte Wetterpalette. Der Svalbard-Salong (besser bekannt als die Bar auf Deck 7) und die windgeschützten Bereiche auf dem Sonnendeck sind wunderbar geeignet, um die Fahrt zu genießen. Kurz vor Brønnøysund gibt es zum Abschluss noch einen wunderbaren doppelten Regenbogen.

Einfach schön. Die nächsten vier Bilder sind übrigens im Zeitraum von vier Minuten entstanden:

Im Kiosk am Kai in Brønnøysund gibt es angeblich das beste Eis in ganz Norwegen, und schlecht ist es wirklich nicht. Aber ist es Konkurrenz zu unserer Stamm-Eisdiele in Heilbronn? Bin mir nicht sicher – jedenfalls ist die Auswahl kleiner. Ich muss noch ein paar Mal probieren…

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Brønnøysund ist ein hübscher kleiner Ort, für den wir viel zu wenig Zeit haben – wir haben wieder etwas Verspätung. Später erfahre ich auch den Grund dafür: Der Kapitän hat wegen der Wellen immer wieder etwas Tempo herausgenommen, damit wir eine ruhigere Fahrt haben. Daher starte ich diesmal ohne Kamera (vom Handy mal abgesehen); nach dem außer der Eisdiele nur das Einkaufszentrum auf dem Plan steht. Aber das Wetter ist gnädig, und für ein paar hübsche Schnappschüsse vom Schiff langt’s.

Nur für den Torghatten sieht es schlecht aus: Der Berg selbst ist natürlich zu sehen, nur das Loch in ihm hebt sich kaum vom Hintergrund ab. Daher wird er nicht einmal als Highlight angesagt, stattdessen kommt nur der Hinweis, wann „feeding time“ ist – wegen Captain’s Dinner schon um 18:00 Uhr. Der Vollständigkeit halber probiere ich mein Glück dennoch am Torghatten. Außerdem steht die Venus gerade in einer Wolkenlücke auffällig neben der schmalen Mondsichel, und wenn es noch etwas dunkler wäre, wäre auch Mars direkt daneben zu sehen, so bleibt er hinter dem Wolkenschleier verborgen. Hübsch.

Ein Grund, warum ich die Hurtigrute so mag, ist die lockere Einstellung – auch das Captain’s Dinner wird nicht so ernst genommen, sondern ist eine lockere Abschiedsveranstaltung, bei der man einmal die Crew kennenlernen kann. Pünktlich kurz nach dem Einlaufen in Rørvik sind wir auch mit dem Essen fertig. Die Kong Harald musste mit dem Anlegen auf uns warten, da wir wieder etwas langsamer unterwegs waren. Trotzdem blieb genügend Zeit für einen Besuch im Coop, um Pfandflaschen abzugeben und Reisesouvenirs zu kaufen (Typisch Norwegisch: Schinken in der Tube). Von den DVDs ließ ich aber die Finger: Dragetreneren 2 (How to train your Dragon 2) für umgerechnet 20 Euro ist mir dann doch etwas zu teuer. Also ging es in strömendem Regen wieder zurück auf’s Schiff.

Den Abend nutzt Johan nicht nur dazu, wieder etwas Musik zu machen, sondern auch, um etwas Angst zu machen: We are expecting some movement, between camel and donkey ride. Aber das kennen wir ja schon. Die offene Seestrecke scheint sich diesmal aber doch etwas mehr Mühe zu geben: Die Aufzüge werden abgeschaltet, und Johan spielt bis zum Schluss auf der Gitarre. Das letzte Stück: Riders on the Storm. Anschließend legt er die Lautsprecher sturmsicher auf den Boden.

Some waves on MS Nordkapp south of Rørvik from Alex Kerste on Vimeo.

Im Lauf der Nacht schaukelt es tatsächlich ein wenig, aber die Nordkapp verkraftet das gut, und die Passagiere soweit ich das mitkriege auch – mittlerweile können alle bei Seegang laufen, oder verschlafen ihn einfach. Ich kämpfe mich mit Volker an Deck 5 an den Bug: Wie geil. Unter der Brücke ist es windig, aber trocken, während rechts und links die Gischt hochspritzt. Auf Fotos kommt das bei weitem nicht so schön oder eindrucksvoll rüber wie in echt. Ein Riesenspaß!

Später im Lauf der Nacht gelingt es mir immerhin, ein paar Eindrücke zu filmen, mit der Nikon D7100 und dem 30mm f/1,4 Sigma-Objektiv (das ich nach der Aktion auch noch mal putzen müsste, fällt mir gerade ein). Und dann ist es auch schon an der Zeit, sich in den Schlaf wiegen zu lassen, schließlich steht morgen Trondheim mit der Lofoten auf dem Plan.

Tag 7 – Wendepunkt Kirkenes

Von dem guten Wetter der letzten Tage ist nichts mehr zu sehen: Kirkenes als Endpunkt der Reise steht an, wir haben in der Nacht den östlichsten Punkt der Fahrt umrundet und fahren jetzt ein Stück nach Südosten, in das norwegisch-russische Grenzgebiet. In Kirkenes bieten sich einige Touren an; die Schlittenhunde samt Schneehotel kenne ich schon, und Volker und Sabine wollen Snowmobil fahren. Mein Plan sieht vor, auszuschlafen und mir einmal Kirkenes anzuschauen. Zumindest der erste Teil davon scheitert, da ich die Infotaste aktiv habe. Vom Polarlichtalarm gegen vier Uhr habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber etwa ab kurz vor acht kommen immer wieder Infos für die Passagiere, die in Kirkenes von Bord gehen. Und Korrekturen für diese Infos. Und Ergänzungen. Und ein Ständchen von Johann: „Dies ist eine wichtige Mitteilung: This is the end. The end, my friend. You’re leaving us in Kirkenes, my friend. This is the end, my friend.“ Mit Gitarrenbegleitung. Singen kann er, nur still sein kann er nicht – alle fünf Minuten kommt eine Durchsage… Also doch mal aufstehen, das Frühstück mitnehmen und dann mit Margit nach Kirkenes spazieren – Reiseleiter unter sich.

Der Weg in die Stadt ist nichgt weit, aber touristisch hat Kirkenes nicht so viel zu bieten: Viele kleine Häuser, jede Menge Schnee und Erinnerungen an den Krieg. Die Andersgrotta ist ein alter Bunker, vor dem noch aus deutscher Besatzungszeit ein Wegweiser steht; die Kirche ist recht hübsch und hat zwei Uhren, die wohl prinzipiell verschiedene Zeiten anzeigen, und einige Geschäfte zeigen, warum Kirkenes als Stadt gilt. Wohnen wollte ich hier nicht…

Dafür hat die Schneemobiltour Spaß gemacht, vielleicht verzichte ich nächstes Mal doch auf das Kulturprogramm. Aber der Rema war eine gute Gelegenheit, um die Vorräte aufzufüllen.

Von Kirkenes bis Vardø geht es dann an einem Stück durch, und die Fahrtzeit geht für Mittagessen und Vortragsvorbereitung drauf. An Bord wird – diesmal in der Bar – wieder der Film über Vardø und Pomoren-Handel gezeigt, zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch. Blöd nur, dass während des englischen Films auch über die Bordsprechanlaga Infos über Vardø kommen und dem Film der Ton abgedreht wird, bis der Nachspann kommt. Anschließend erntet die Barkeeperin Applaus, als es ihr gelingt, die widerspenstige Leinwand wieder einzufahren…

Vardø selbst war einmal ein sehr umtriebiger Hafen und beherbergt noch immer die nördlichste Festung der Welt: Vardøhus. Da doch einiges an Schnee liegt und wir etwas verspätet anlegen, verzichtete ich auf den Marsch zum Hexendenkmal und besichtige mit den anderen die Festung – das Eisbaden scheint diesmal auch auszufallen. Erste Erkenntnis: Die alte Festung hat nichts mit den Radarkuppeln auf der anderen Hafenseite zu tun, sondern liegt einfach auf der anderen Straßenseite, keine fünf Minuten vom Schiff entfernt (und an einem angeblich sehr guten und günstigen Laden vorbei – nächstes Mal dann). Zweite Erkenntnis: Man kann sie in fünf Minuten komplett besichtigen, vor allem bei dem eisigen Wind, der gerade weht. Dafür ist es klar – wird das heute doch noch mal was mit Polarlichtern?

Wenn der Weißabgleich der Kamera von der gelblichen Beleuchtung verwirrt wird, könnte man fast meinen, wir wären in Marokko und nicht in Nordnorwegen, aber der Wind zerstört die Illusion. Bei 30 NOK oder 5 Euro Eintritt kann man nicht zu viel von der Festung erwarten, und in der Tat ist sie sehr übersichtlich. Kein Wunder, dass sie nie angegriffen wurde – wahrscheinlich hat sie jeder Angreifer übersehen oder wurde an ihr vorbeigeweht… Was ich ganz übersehen hab: 1769/70 gab es hier ein Observatorium, um den Venustransit zu beobachten. Davon ist aber nur noch eine Gedenktafel übrig.

Aber es heißt ohnehin, schnell wieder an Bord zu gehen, schließlich steht nun unser vierter Vortrag an: In 60 Minuten durch das Universum. Viel mehr Zeit ist, schließlich fängt das Abendessen pünktlich um 18:30 an. Es schwankt etwas, und am Abend wird es ungemütlicher: Das, was auf den ersten Blick über dem Schiff an Polarlicht erinnert, ist Schnee. Die Bar ist dementsprechend leer, einige bringen sich vor dem Geschaukel in Sicherheit oder nutzen die Zeit, um sich von der Frischluft bei Schneemobil oder Hundeschlitten zu erholen. Einmal bei Zeiten ins Bett ist auch eine nette Abwechslung zur letzten Tour – auch wenn gerade alle Polarlichtvorhersagen auf knallrot stehen und weltweit einiges gesichtet wird, hat die Aurora keine Chance gegen die Wolken über der Barentssee.

Tag 5 – Tromsø geht immer

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Der fünfte Reisetag beginnt mit einigen Häfen in der Nacht, die ich nach der Polarlichtaktivität der letzten Nacht erst einmal ignoriere. Der Sonnenaufgang verspricht zumindest für Ausflüge einen schönen Tag: Es ist heiter bis wolkig und nicht besonders kalt.

Zur Einstimmung auf den heutigen Tag gibt es diesmal einen kurzen Film über Tromsø, der die Entwicklung der Stadt beschreibt. Die deutsche Version um 10:20 liegt günstig und ist gut besucht.

Unser erster Termin ist Finnsnes, wo zur Abfahrt um 11:45 alle zum Gruppenfoto antreten durften. Im Hintergrund gibt es zwar keinen strahlend-blauen Himmel, aber immerhin die Insel Senja samt Brücke. Immer wieder eine schöne Kulisse und eine angenehme Einstimmung auf die Fahrt nach Tromsø.

Senja

Senja

Da am Sonntag die Läden in Tromsø geschlossen sind, fuhren Sabine, Volker und ich zusammen mit zwei jüngeren Gästen zur Fjellheisen-Bahn auf den Storsteinen. Zumindest war das der Plan – die Seilbahn fährt alle halbe Stunde, und mit dem Bus hätte es gerade so nicht gelangt, daher stiegen wir in zwei Taxis ein. Das erste fuhr auch zur Seilbahn (mit Navi…), dem zweiten Taxifahrer, zu dem ich mit dem Pärchen eingestiegen waren, konnte ich nach etwas Mühe auch klarmachen, wo wir hinwollten. Dann durften wir wieder aussteigen, weil er einen lukrativeren Auftrag erhalten hatte. Immerhin: Nach ein paar Minuten kam das nächste Taxi, und 150 Kronen ärmer erreichten wir dann auch den Fjellheisen, just in time – und wegen des großen Andrangs fuhr die Bahn auch zweimal.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Tag etwas windig war? Auf den letzten Metern vor dem Ziel merkten wir das dann auch: Der Wind blies schöne Schneefahnen vom Berg, und die Gondel schlug sanft gegen die Holzverkleidungen der Bergstation. Auf dem Plateau war es gelinde gesagt unangenehm – ein eisiger Wind und tiefer, lockerer Schnee, bei dem nicht einmal Stiefel etwas nutzen. Wenn ich es mal schaffe, die Videos vom Handy runterzukriegen, kann ich die Schneeverwehungen sogar im bewegten Bild zeigen – die Fotos geben nur einen vagen Eindruck davon.

Auch wenn es letztes Jahr deutlich angenehmer war: Der Sonnenuntergang war es wieder wert, sich durch den Schneesturm zu kämpfen. Auf einen verlängerten Aufenthalt hatte trotzdem keiner Lust, und mit der Gondel ging es dann wieder nach unten, wo die heimtückische Eisplatte vor der Talstation auf Opfer wartete. Nach einer kurzen Sightseeingtour (Eismeerkathedrale, Domkirke und Tromsøs größter Souvenirshop, der trotz Sonntag sogar offen hatte) waren wir wieder am Schiff. Die eineinhalb Stunden bis zum Ablegen wurden gut genutzt: Da die Wettervorsage gut war und wir Polarlicht erwarteten (nicht viel, aber doch brauchbar), nutzen wir die Chance zum Abendessen in der Pastafabrikken. Yonas‘ Pizzeria direkt am Kai hatte zu lange Wartezeiten, und die Pizza war eine willkommene Abwechslung zum Schiffsbuffet.

Um 18:30 wurde zum Abendessen gerufen, etwa um 19:00 Uhr ging die Lightshow los, und gegen 20:00 Uhr riefen wir dann unsere Leute an Bord. Die Show war deutlich besser als erwartet, und in einem heroischen Akt wiederstand ich der Versuchung, mit der Kamera das Licht zu jagen, und ließ sie fast bis Mitternacht am selben Eck an der Reling. Das Ergebnis waren fast 1000 Fotos, die einen schönen Zeitrafferfilm der Aurora ergeben. Die Stockfischpräsentation von Johann, die für das Außendeck geplant war, fand zum Glück in der Bar statt. Er hatte wohl mitgekriegt, wie wenig beistert alle von der Idee waren, die Außenbeleuchtung anzuschalten, und dass auf dem Wikingerfest gestern erwähnt wurde, dass man einen guten Stockfisch auch als Prügel einsetzen kann… Der Aufenthalt in Skjervoy (22:30-22:45) sorgte dann doch für eine Unterbrechung: Im Hafen ging die Beleuchtung von Sonnendeck und Schornstein natürlich wieder an.

Im Hafen und nach der Abfahrt waren trotz der Schiffsbeleuchtung noch Polarlichter zu sehen, und irgendwann wurde sie auch wieder abgeschaltet: Wow. Von einem Moment auf den anderen war es dunkel, und das Polarlicht flammte auf, über den gesamten Himmel. Jetzt konnte jeder sehen, dass es wirklich Grün gibt, und die Aurora legte einen schönen Tanz über den Himmel hin – eher ein langsamer Walzer als Rock’n’Roll, aber sehr eindrucksvoll. Trotzdem gab es Gäste, die das trotz Durchsage verpassten, weil es zu spät war… Aber wer Polarlichter sehen will, muss immer wieder rausgehen. Auch wenn Bar und Bett noch so angenehm sind.

Was für eine Show!

Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

GRP101-DSC_7291

Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der „Hauptstadt des Lichts“). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Tag 3 – Ein ruhiger Tag in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

Heute stand Trondheim auf dem Plan – und nachdem ich schon um 2:00 den Rechner zugeklappt hatte, als die Bilder des Mitternachtspolarlichts zu einem kleinen Film verarbeitet waren, hat das mit dem Gang in die Stadt sogar geklappt. Aber vorher gab’s eine Premiere: Einen Besuch auf der MS Vesterålen. Ich bleibe dabei, dass sie von außen betrachtet kein schönes Schiff ist, aber der Innenraum hat durchaus seinen Reiz: Ein verwinkeltes Schiff mit recht rustikaler Ausstattung, aber interessant. Allerdings ist das Außendeck sehr glatt – wo auf der Nordkapp zumindest Gittermatten liegen, ist auf der Vesterålen Eis zu finden.

In Trondheim hatte ich kein Touri-Programm geplant, sondern Shopping. Die kleineren Läden machen aber meist erst gegen 10 Uhr auf, sodass die Auswahl begrenzt war. Und im Einkaufszentrum am Marktplatz gab es zwar eine interessante Architektur (viele kleine Häuser, die in die Einkaufspassage integriert sind), aber nichts, was meinen Kaufreflex ausgelöst hätte. Sehr interessant: In der Buchhandlung stand an fast jedem Bücherstapel „Verkauf erst ab Montag“. Na dann halt nicht.

Im Torgcenter Trondheim.

Im Torgcenter Trondheim.

Das Stadtzentrum von Trondheim ist 20 bis 30 Minuten vom Anlegeplatz unseres Schiffs entfernt, sodass es kein Problem ist, die wichtigsten Ziele zu Fuß anzusteuern. Volker und Sabine hatten das Tourismusprogramm durchgezogen, und nach einem schnellen Kaffee waren wir auch rechtzeitig zur Abfahrt wieder auf der Nordkapp.

Pünktlich um kurz nach 12 stand dann ein Techniktest auf dem Programm: Gelingt es uns, im Vortragsraum zwei Mikrofone gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, sodass Volker und ich und beim Vortrag abwechseln können? Die Antwort lautet ja, es geht (auch wenn es gelegentlich etwas Rückkopplung gibt). Da mein normaler Vortragstermin durch den Tourguide geblockt war, der da die Ausflüge vorstellen wollte, konnte unser Vortrag über atmosphärische Phänomene erst um 16:30 stattfinden.

Kjeungskjaer fyr

Kjeungskjaer fyr

Das gab mir die Chance, den Leuchtturm Kjeungskjaer fyr einmal in echt zu sehen – normalerweise bin ich bei der Passage gegen 14:30 immer im Vortragsraum. Jetzt kann ich bestätigen: Es gibt ihn wirklich. Süß.

Ab 16:00 beim Aufbau wurde mir auch klar, warum ich den Vortrag gerne früher halte: Es gab ein Stück offenere See, und am Bug war das Schwanken durchaus deutlich – zum Glück ließ es zum Vortrag wieder nach. Nur die Technik neigte zu Fehlfarben, und ich konnte das Abendgrün präsentieren. Irgendwie ist es blöd, wenn der Rotkanal im Bild fehlt…

Pünktlich zum Abendessen ging es dann auf die Folda, das nächste Stück offenes Meer. Die Wolkendecke hielt sich bis in die Abendstunden, sodass anschließend ein ruhiger Abend mit Kniffel anstand, und vergleichsweise frühem Feierabend. Die letzten Testbilder gegen 23:00 zeigten kein Grün, sodass alle zur Polarkreisüberquerung ausgeschlafen erscheinen können – morgen früh ab 7:00 ist Meeting auf dem Deck, als Vorbereitung auf die nächsten Nachtschichten werden wir aber wohl darauf verzichten. Die Wetteraussichten sind nicht ganz schlecht.

Von der Polarlys, die heute mit der nächsten Nordlicht-und-Sterne-Tour in Bergen startet, gibt’s auch News via Twitter:

Hübsche Glorie:-)

Und bevor Fragen aufkommen, ein paar Bilder vom Mittagsbuffet und Abendessen:

Die Nordkapp hinter der Richard With

Die Nordkapp hinter der Richard With

Auch nicht zu vergessen: Am Abend gab es noch ein Treffen mit der MS Richard With und die Möglichkeit, sich in Rørvik die Beine zu vertreten. Und mittlerweile kennen wir die meisten Kameras der Passagiere – das Polarlicht kann kommen. (Aber nicht morgen Abend, wenn wir auf dem Lofotr-Wikingerfest sind.)

Tag 1: On the boat again

Am 1. Februar war ich noch im Hotel am Bergener Lufthavn, und zehn Tage später, am 11. Februar verlasse ich Bergen schon wieder – wieder mit der Nordkapp, und wieder für die Nordlicht und Sterne Tour. Und die nächste Reise für November ist auch schon bestätigt. So cool:-)

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Abgesehen davon, dass wir diesmal von Frankfurt über Amsterdam mit KLM statt von Stuttgart über Copenhagen mit SAS geflogen sind, hat das Ganze was von Déjà vu: Kai ist wieder Reiseleiter, und Volker und Sabine sind wie bei der Tour im letzten Februar dabei, außerdem haben sie ihre Reiseleiterin von der Midnatsol mitgebracht, Margit. Überflüssig zu erwähnen, dass Kai und Margit sich auch schon kennen. Am Reiseleitertisch könnte es lustig werden…

Die Fliegerei wird langsam etwas nervig, oder zumindest das Warten am Flughafen. Immerhin: Die erste Strecke waren wir mit einer Embraer 190 unterwegs, die Innen überraschend viel Platz bietet – nach den Cityhoppern der letzten Tour hatte ich schlimmeres erwartet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist ganz hübsch und lässt zusammen mit Trondheim, Oslo und Copenhagen die Frage aufkommen, warum Deutschland eigentlich keine hübschen Flughäfen hat… und man kann mit Euro bezahlen, auch nicht schlecht.

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord...

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord…

Da beim letzten Tourbericht nach Bildern vom Essen gefragt wurde: Tada! Links die lecker Flug-Verpflegung. Diese Art Kuchen kann ich besser empfehlen als die Käse-Dingsbums-Dinger, die es als Alternative gab. Mit dem Bergen-Buffet auf dem Schiff kann er trotzdem nicht mithalten (Lachs, irgendwas Geschnetzeltes, Gemüse, noch mehr Lachs (aber mit Pfeffer), Rentier, Schwein – schade, dass ich erst spät zum Essen kam, als das Buffet schon geplündert und nicht mehr fotogen war).

Das Essen auf dem Flug war aber nicht das Highlight, da gab es eine andere Überraschung: Kurz vor Amsterdam (also im Landeanflug, als man nicht mehr an das Handgepäck samt der richtigen Kamera durfte) konnten wir eine Glorie beobachten. Nett, hatte ich vorher auch noch nie bemerkt. Gut, dass ich entgegen meiner Gewohnheit einen Fensterplatz hatte, auch wenn ich nur mit dem iPhone fotografieren knipsen konnte.

Eine Glorie

Eine Glorie

Aber mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man sie doch ganz gut erkennen. In Bergen gab es dann das übliche Programm: Die Fahrt zum Schiff mit einer kurzen Rundfahrt durch Bergen, diesmal mit einer etwas anderen Tour. Ich nutzte die Zeit, um die Gäste in meinem Bus mit Informationen zum Schiff, zum Ablauf des Abends und zu Bergen zuzuschütten. Das Wetter ist so, wie man es von Bergen erwartet: Nieselregen.

Auf dem Schiff ging es dann erstmal auf die Kabine, diesmal auf Deck 5. Nett: Die Kabinen sind größer, und der Föhn hat deutlich mehr Power als auf Deck 6 (will sagen, es kommt ein ordentlicher Luftstrom raus, der nicht nur den Griff erwärmt). Gewöhnungsbedürftig: Die Kabine liegt auf dem Umlaufdeck. Also entweder die Vorhänge zumachen, oder auf norwegisch machen und jeden reinschauen lassen…

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Nach dem Check-In (nochmal der Hinweis an alle Passagiere: Immer schön die Hände desinfizieren!) gingen wir erstmal vom Schiff, Getränke für die Kabine bunkern. Damit sind wir definitiv auf Reiseleiter-Niveau, im nächsten Laden trafen wir Margit.

Anschließend: Sturm auf die Reste vom Bergen-Buffet, eine kleine Geburtstagsfeier mit Tänzchen der Crew, Inforveranstaltung durch den Tour-Guide vom Schiff (mit 250 Passagieren ist die Nordkapp besser ausgelastet als im Januar), ein skeptischer Blick auf die Wettervorhersage (eieiei), auspacken und dann Abfahrt aus Bergen. Neu: Die Crew verkauft Sekt für 99 NOK zum Anstoßen.

Nach dem Nieselregen zur Abfahrt stand ein kurzer Abendausgang in der Bar an, inclusive dem traditionellen ersten Kameraputzen. Bad News: Guiness ist alle… Dafür wurde ich in der Cafeteria mit „Immer noch da?“ begrüßt:-)

Und während alle anderen sich verabschieden, schreibe ich noch kurz mein erstes Blog. Da Abflug in FFM erst um 12 Uhr Mittags war, bin ich fit – und so gegen halb eins fängt das Schwanken vom Schiff an, schließlich umrunden wir am ersten Morgen ja immer das Westkapp – also ab auf offene See. Bislang hatte ich das immer verschlafen, jetzt schaue ich’s mir mal vom Bug aus an. Allen anderen: Gute Nacht!