Video: Die Winkekonkuranse mit der Nordkapp

So langsam bin ich mit der Aufarbeitung der Reise fertig: Alle Bilder sind hochgeladen, und mein Vimeo-Kanal hat jetzt auch wieder Platz für das letzte Video: Das Treffen mit der Nordkapp vor Berlevåg.

Hat Spaß gemacht, auch wenn wir die eindeutigen Sieger der Winkekonkuranse (wie auch immer das korrekt geschrieben wird) waren:-)

Tag 9 – Quer durch die Vesterålen

Schneebedeckte Berge vor schneeschwerem Himmel

Schneebedeckte Berge vor schneeschwerem Himmel

Bedeckter Himmel, aber ruhige See – wer nicht die Vesterålen-Rundfahrt gebucht hat, konnte heute ausschlafen und die Reise entspannt fortsetzen. Da ich die Bustour schon einmal gemacht hatte, entschied ich mich für letzteres – die Fahrt durch die Inseln ist ebenfalls reizvoll. Nachdem wir die Rundfahrer in Harstad abgesetzt hatten, passierten wir die erste Sehenswürdigkeit: Die alte Kirche von Trondenes. Da ihr rotes Dach heute nicht schneebedeckt weiß getarnt war, konnten wir sie sogar ganz gut sehen, wie Johann über den Infokanal allen mitteilte.

Der Kirchbau zu Trondenes im Utrøst-Cafe

Der Kirchbau zu Trondenes im Utrøst-Cafe

Die Kirche hat keinen Kirchturm (bzw. er steht separat neben der Kirche), wozu es natürlich eine Sage gibt – die auf einem der Gemälde im Utrøst-Cafe der Nordkapp dargestellt wird und mich sehr an den Bau der Götterfestung Asgard erinnert. Auch hier sollte der Erbauer um seinen Lohn geprellt werden. Manchmal fragt man sich, welche Moral die alten Geschichten vermitteln sollen…

Ein Highlight der Vesterålentour ist immer die Brücke bei Sortland: Das Schiff fährt immer genau dann unter der Brücke hindurch, wenn die Busse (bzw. heute der Bus) über die Brücke hinwegfährt. Da der Bus auf der Brücke nicht anhalten darf und man sie auch nicht zu Fuß überqueren darf, sorgt das immer für einen kleinen Verkehrsstau. Ende Januar wurde das Ereignis vom Tourguide ignoriert, aber Johann ist da besser – kurz nach 12 kam die Durchsage: „In wenigen Minuten fahren wir unter Brücke hindurch, wenn der Bus von der Vesterålen-Rundfahrt darüber fährt. Da ist es gut, vorne auf Deck 5 zu sein und dem Bus zuzuwinken. Das ist lustig.“ Recht hat er, und damit es noch lustiger ist, bringt Johann eine Flagge mit zum Bug, wir wollen ja auch gesehen werden.

In Sortland machen wir nur kurz Halt, um die Busreisenden wieder an Bord zu nehmen. Die Vertäuung des Schiffs am Gabelstapler ist interessant:-) Natürlich bleibt das Tau nicht am Stapler, sondern wird damit nur zum Poller gefahren.

Bis zum nächsten Hafen in Stokmarknes haben wir etwas über eine Stunde Zeit, die natürlich für das Mittagessen draufgeht. Da nach Bildern gefragt wurde: So sieht es aus, nachdem der erste Ansturm vorbei ist:

Die alte Finnmarken aus ungewohnter Perspektive.

Die alte Finnmarken aus ungewohnter Perspektive.

In Stokmarknes wartet das Hurtigrutenmuseum auf uns, das wir mit einiger Verzögerung auch erreichen – damit wir dennoch eine Chance haben, einen Blick hineinzuwerfen, verschiebt sich auch unsere Abfahrt etwas. Meine Ziele heute: Der Shop (mit wenig Beute, aber ich kann die Frage beantworten, ob man dort Schiffsmodelle findet: Ja, aber nur von Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken, sowie (in groß) von der alten Finnmarken – keine MS Nordkapp). Das Buch, das ich eigentlich gesucht habe, gibt’s nicht, aber immerhin nochmal die Trollturen und einiges zur Hurtigrute. Anschließend: Der Coop, da es am Mittagsbuffet wieder kein Eis gab.

Zurück an Bord steht eine Veranstaltung auf dem Programm: Der Küchenchef filettiert Fisch, und man kann ihn auch gleich probieren – roh oder mariniert. Norwegian Sushi. Lecker (auch wenn einige mittlerweile genug Fisch auf dem Speiseplan hatten).

Die Passagiere sind nicht die einzigen, die das ganze im Bild festhalten: Auch Johann und der Restaurantchef lassen die Handys mitlaufen, für Facebook und Youtube.

Die anschließende Fahrt durch den Raftsund ist schön, aber ereignislos, und den Trollfjord lassen wir links liegen. Dafür gibt es eine Windwarnung für das Westfjord heute Abend. Wer Probleme hat, sollte langsam an die Reisetabletten denken… Und noch eine wichtige Durchsage: Damit wir in Svolvaer mehr Zeit haben, gibt es das Abendessen schon um 17:30 und mit freier Platzwahl. Trotzdem zieht es sich bis nach dem Anlegen, bis alle ihr Dessert erhalten haben und in die Stadt gehen können.

Ein beliebtes Ziel ist die Magic Ice Galerie. Da ich da noch nie war, steht sie heute auf dem Programm. Über den vereisten Weg geht es ein paar Meter nach links, und 128 NOK ärmer kann ich die kleine Halle besichtigen, die voller Eisskulpturen ist. Ganz hübsch, aber wer das Eishotel in Kirkenes mitgemacht hat, muss da nicht unbedingt rein. Aber im Eintrittspreis ist ein kaltes Getränk enthalten, und die Skulpturen sind durchaus sehenswert.

Zum Abend geht es auf den Westfjord, und die See ist tatsächlich etwas unruhiger. Nach einigen Runden Kniffel leert die Bar sich langsam – einige suchen das Bett auf, während ich im Panoramasalon mein Blog schreibe und abwarte, ob bzw. wie oft die Gischt den siebten Stock erreicht, während die Nordkapp durch die Nacht fährt schaukelt. Morgen früh steht schon wieder der Polarkreis auf dem Programm.

Zum Abschluss noch eine kleine Impression der Nacht:

Wellen in der Finsternis – MS Nordkapp, 19.2.2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Tag 7 – Wendepunkt Kirkenes

Von dem guten Wetter der letzten Tage ist nichts mehr zu sehen: Kirkenes als Endpunkt der Reise steht an, wir haben in der Nacht den östlichsten Punkt der Fahrt umrundet und fahren jetzt ein Stück nach Südosten, in das norwegisch-russische Grenzgebiet. In Kirkenes bieten sich einige Touren an; die Schlittenhunde samt Schneehotel kenne ich schon, und Volker und Sabine wollen Snowmobil fahren. Mein Plan sieht vor, auszuschlafen und mir einmal Kirkenes anzuschauen. Zumindest der erste Teil davon scheitert, da ich die Infotaste aktiv habe. Vom Polarlichtalarm gegen vier Uhr habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber etwa ab kurz vor acht kommen immer wieder Infos für die Passagiere, die in Kirkenes von Bord gehen. Und Korrekturen für diese Infos. Und Ergänzungen. Und ein Ständchen von Johann: „Dies ist eine wichtige Mitteilung: This is the end. The end, my friend. You’re leaving us in Kirkenes, my friend. This is the end, my friend.“ Mit Gitarrenbegleitung. Singen kann er, nur still sein kann er nicht – alle fünf Minuten kommt eine Durchsage… Also doch mal aufstehen, das Frühstück mitnehmen und dann mit Margit nach Kirkenes spazieren – Reiseleiter unter sich.

Der Weg in die Stadt ist nichgt weit, aber touristisch hat Kirkenes nicht so viel zu bieten: Viele kleine Häuser, jede Menge Schnee und Erinnerungen an den Krieg. Die Andersgrotta ist ein alter Bunker, vor dem noch aus deutscher Besatzungszeit ein Wegweiser steht; die Kirche ist recht hübsch und hat zwei Uhren, die wohl prinzipiell verschiedene Zeiten anzeigen, und einige Geschäfte zeigen, warum Kirkenes als Stadt gilt. Wohnen wollte ich hier nicht…

Dafür hat die Schneemobiltour Spaß gemacht, vielleicht verzichte ich nächstes Mal doch auf das Kulturprogramm. Aber der Rema war eine gute Gelegenheit, um die Vorräte aufzufüllen.

Von Kirkenes bis Vardø geht es dann an einem Stück durch, und die Fahrtzeit geht für Mittagessen und Vortragsvorbereitung drauf. An Bord wird – diesmal in der Bar – wieder der Film über Vardø und Pomoren-Handel gezeigt, zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch. Blöd nur, dass während des englischen Films auch über die Bordsprechanlaga Infos über Vardø kommen und dem Film der Ton abgedreht wird, bis der Nachspann kommt. Anschließend erntet die Barkeeperin Applaus, als es ihr gelingt, die widerspenstige Leinwand wieder einzufahren…

Vardø selbst war einmal ein sehr umtriebiger Hafen und beherbergt noch immer die nördlichste Festung der Welt: Vardøhus. Da doch einiges an Schnee liegt und wir etwas verspätet anlegen, verzichtete ich auf den Marsch zum Hexendenkmal und besichtige mit den anderen die Festung – das Eisbaden scheint diesmal auch auszufallen. Erste Erkenntnis: Die alte Festung hat nichts mit den Radarkuppeln auf der anderen Hafenseite zu tun, sondern liegt einfach auf der anderen Straßenseite, keine fünf Minuten vom Schiff entfernt (und an einem angeblich sehr guten und günstigen Laden vorbei – nächstes Mal dann). Zweite Erkenntnis: Man kann sie in fünf Minuten komplett besichtigen, vor allem bei dem eisigen Wind, der gerade weht. Dafür ist es klar – wird das heute doch noch mal was mit Polarlichtern?

Wenn der Weißabgleich der Kamera von der gelblichen Beleuchtung verwirrt wird, könnte man fast meinen, wir wären in Marokko und nicht in Nordnorwegen, aber der Wind zerstört die Illusion. Bei 30 NOK oder 5 Euro Eintritt kann man nicht zu viel von der Festung erwarten, und in der Tat ist sie sehr übersichtlich. Kein Wunder, dass sie nie angegriffen wurde – wahrscheinlich hat sie jeder Angreifer übersehen oder wurde an ihr vorbeigeweht… Was ich ganz übersehen hab: 1769/70 gab es hier ein Observatorium, um den Venustransit zu beobachten. Davon ist aber nur noch eine Gedenktafel übrig.

Aber es heißt ohnehin, schnell wieder an Bord zu gehen, schließlich steht nun unser vierter Vortrag an: In 60 Minuten durch das Universum. Viel mehr Zeit ist, schließlich fängt das Abendessen pünktlich um 18:30 an. Es schwankt etwas, und am Abend wird es ungemütlicher: Das, was auf den ersten Blick über dem Schiff an Polarlicht erinnert, ist Schnee. Die Bar ist dementsprechend leer, einige bringen sich vor dem Geschaukel in Sicherheit oder nutzen die Zeit, um sich von der Frischluft bei Schneemobil oder Hundeschlitten zu erholen. Einmal bei Zeiten ins Bett ist auch eine nette Abwechslung zur letzten Tour – auch wenn gerade alle Polarlichtvorhersagen auf knallrot stehen und weltweit einiges gesichtet wird, hat die Aurora keine Chance gegen die Wolken über der Barentssee.

Tag 6 – Rund ums Nordkapp

Ich weiß nicht, warum das Nordkap so einen Schlecht-Wetter-Ruf hat – bei drei Besuchen hatte ich nun jedesmal prächtiges Wetter. Die Fahrt um die Insel Magerøya herum war ruhig, und bei schönstem Sonnenschein ist sie ein Erlebnis. Irgendwo in dem Kanal haben wir auch den Tunnel überquert, der Honningsvåg mit dem Festland verbindet, aber an Bord war davon nichts zu bemerken.

Volker und Sabine nutzen ein paar noch freie Plätze für die Nordkapp-Tour aus, während ich den anderen Teil Honningsvågs anschaute, also den ohne Shell-Tankstelle. Die Gegend ist auf jeden Fall schöner als der Bereich um den berühmten 71. Breitengrad, auch wenn wohl ein nennenswerter Teil der Bevölkerung mit der Schneeabfuhr beschäftigt ist.

Zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten gehören die Kirche, ein Denkmal für einen Regisseur, das einen schönen Aussichtspunkt markiert (und für nächstes Mal auf meiner Sightseein-Liste steht), und natürlich das Hurtigrutenschiff MS Nordkapp, das elegant in einem Schneehaufen parkt – zumindest sieht es so aus.

Dieser Teil der Stadt ist allemal sehenswerter als die Bereiche im Norden, auch wenn ich keine so überzeugenden Troll wie letztes Mal gesehen habe. Der Souvenirshop im Ort hat ein großes Angebot, trotzdem lasse ich kein Geld da – und anstelle des Nordkap-Museums zieht es mich noch einmal auf die andere Hafenseite, Bilder vom Schiff machen. Die Sonne steht gerade günstig:

Nicht im Bild festgehalten habe ich die Sicherheitsübung, die wohl immer wieder in Honningsvåg stattfindet. Diesmal wurde Abandon Ship geübt. Aber das war Crew only; wer in der Kabine blieb, durfte mit dem Schiff untergehen:-)

Die Nordkap-Fahrer waren auch wieder rechtzeitig an Bord, wo statt Mittagessen Waffeln und heiße Schokolade auf sie (genauer gesagt: auf Käufer) warteten, sodass die Reise weiter gen Osten gehen konnte. Am Nordkap war das Wetter wohl noch besser als im letzten Februar, dafür war zumindest ein Bus deutlich besser beheizt, als nötig gewesen wäre.

Der Nachmittag ging wieder mit Vortragsvorbereitungen vorüber, aber kurz vor halb fünf gab es wieder die Chance, die Finnkirke zu fotografieren. Am annähernd hellichten Tag wirkt sie weniger imposant als in der langen Dämmerung im Januar, dafür stand Orion schön über ihr. Und das kitschige Farbenspiel war immer noch auffällig, obwohl die Sonne gerade erst unterging.

Respekt für die Krabbenfischer

Respekt für die Krabbenfischer

Der Himmel war zwar immer noch perfekt, dafür kamen wir langsam in einen leichten Sturm: Das Gewackel nahm zu, die Türen auf Deck 5 hatten Probleme damit, aufzugehen, und die Krabbenfischer, die uns nach der Finnkirke besuchten, mussten sich beim Anlegen ans Schiff etwas mehr Mühe geben. Aber Profis hält das nicht auf, und wer wollte, konnte sich wieder mit dem Abendessen fotografieren lassen (auch wenn es nicht exakt diese Krabben gibt).

In Kjøllefjord kam dann auch die Durchsage, dass die Schneemobiltour nach Mehamn wegen Sturm gecancelt wurde – es war unklar, ob wir den Hafen anlaufen und die Teilnehmer wieder an Bord nehmen könnten. Tatsächlich fiel Mehamn dann auch aus.

Nach Kjøllefjord stand dann das Nordkap-Buffet als Abendessen auf dem Programm – feste Sitzplätze, aber freie Essensauswahl. Das ist gar nicht schlecht, da es so schneller geht und alle, die Interesse hatten, pünktlich um 20:00 in unserem Abendvortrag über das Sonnensystem saßen. Immerhin gut die Hälfte unserer Gäste war anwesend, die See forderte ihren Tribut. Der Konferenzraum ist ganz vorne im Schiff und schwankt somit maximal, aber alle Anwesenden hielten sich auf ihren Stühlen, während wir auf einer eigenen Hurtigrute acht Planeten sowie die kleineren Mitglieder des Sonnensystems abhandelten und die Bilder der letzten Nacht präsentierten.

Die Polarlichtprognose war mäßig – schade, da das wohl bis auf weiteres die letzte wirklich klare Nacht im Polarlichtoval sein würde. Aber gestern gab es ja schon ein beeindruckendes Schauspiel über dem gesamten Himmel, und so gab es eine Premiere: Zum ersten Mal konnte ich den Vortrag vollständig halten, ohne vom Polarlicht unterbrochen werden. Also auf zu einem ruhigen Abend in der Bar.

Habe ich schon erwähnt, dass das Polarlicht unberechenbar ist? Es war schon einiges zu sehen, als wir zum Kontrollblick auf den hell erleuchteten 7. Stock standen. Da um 21:45, also in der nächsten Viertelstunde, der Hafen Berlevåg angelaufen werden sollte, gaben wir noch keinen Alarm. Etwas später kam dann die Durchsage, dass wir auf der rechten Seite die MS Nordlys passieren und außerdem Nordlys am Himmel sehen. Ähm – und der Hafen in Berlevåg? Wurde wegen schlechtem Wetter ausgelassen. Also mit der Rezeption geredet, dass doch bitte, bitte die Beleuchtung ausgeschaltet werden sollte, und dann ging eine Show los, die den gestrigen Abend sogar noch übertraf.

Eine wunderhübsche Corona über uns. Ich habe sie nicht ganz geknipst, da ich die Kamera an der Reling hatte und mich zwischendurch verabschiedete, um an der Rezeption um eine erneute Durchsage zu bitten. Die erfolgte etwas zögerlich, da schon so viele Durchsagen gemacht worden waren und es immer wieder Polarlicht gibt, aber als wir dann die Bilder präsentierten, glaubte uns der Kollege an der Rezeption dann doch, dass sich die Meldung gelohnt hat, und setzte sie auch bei Facebook rein.

Nach der größten Show schraubte ich die Kamera noch für Timelapse-Aufnahmen bis Mitternacht an die Reling, auch wenn so natürlich nicht alles im Bild festgehalten wurde. Aber es waren ja genug mobile Kameras an Bord, um das Spektakel zu dokumentieren.

Gegen ein Uhr gab dann auch der Käptn eine Polarlichtwarnung durch, allerdings war es dieses Mal deutlich schwächer als vor Mitternacht. Ein paar nette Bilder haben trotzdem geklappt:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch ein starkes Polarlicht samt Meldung über den Info-Kanal vom Schiff, aber die ging völlig an mir vorbei – ich hörte erst die Meldungen für Kirkenes wieder…

Tag 5 – Tromsø geht immer

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Sonnenaufgang, heiter bis wolkig

Der fünfte Reisetag beginnt mit einigen Häfen in der Nacht, die ich nach der Polarlichtaktivität der letzten Nacht erst einmal ignoriere. Der Sonnenaufgang verspricht zumindest für Ausflüge einen schönen Tag: Es ist heiter bis wolkig und nicht besonders kalt.

Zur Einstimmung auf den heutigen Tag gibt es diesmal einen kurzen Film über Tromsø, der die Entwicklung der Stadt beschreibt. Die deutsche Version um 10:20 liegt günstig und ist gut besucht.

Unser erster Termin ist Finnsnes, wo zur Abfahrt um 11:45 alle zum Gruppenfoto antreten durften. Im Hintergrund gibt es zwar keinen strahlend-blauen Himmel, aber immerhin die Insel Senja samt Brücke. Immer wieder eine schöne Kulisse und eine angenehme Einstimmung auf die Fahrt nach Tromsø.

Senja

Senja

Da am Sonntag die Läden in Tromsø geschlossen sind, fuhren Sabine, Volker und ich zusammen mit zwei jüngeren Gästen zur Fjellheisen-Bahn auf den Storsteinen. Zumindest war das der Plan – die Seilbahn fährt alle halbe Stunde, und mit dem Bus hätte es gerade so nicht gelangt, daher stiegen wir in zwei Taxis ein. Das erste fuhr auch zur Seilbahn (mit Navi…), dem zweiten Taxifahrer, zu dem ich mit dem Pärchen eingestiegen waren, konnte ich nach etwas Mühe auch klarmachen, wo wir hinwollten. Dann durften wir wieder aussteigen, weil er einen lukrativeren Auftrag erhalten hatte. Immerhin: Nach ein paar Minuten kam das nächste Taxi, und 150 Kronen ärmer erreichten wir dann auch den Fjellheisen, just in time – und wegen des großen Andrangs fuhr die Bahn auch zweimal.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Tag etwas windig war? Auf den letzten Metern vor dem Ziel merkten wir das dann auch: Der Wind blies schöne Schneefahnen vom Berg, und die Gondel schlug sanft gegen die Holzverkleidungen der Bergstation. Auf dem Plateau war es gelinde gesagt unangenehm – ein eisiger Wind und tiefer, lockerer Schnee, bei dem nicht einmal Stiefel etwas nutzen. Wenn ich es mal schaffe, die Videos vom Handy runterzukriegen, kann ich die Schneeverwehungen sogar im bewegten Bild zeigen – die Fotos geben nur einen vagen Eindruck davon.

Auch wenn es letztes Jahr deutlich angenehmer war: Der Sonnenuntergang war es wieder wert, sich durch den Schneesturm zu kämpfen. Auf einen verlängerten Aufenthalt hatte trotzdem keiner Lust, und mit der Gondel ging es dann wieder nach unten, wo die heimtückische Eisplatte vor der Talstation auf Opfer wartete. Nach einer kurzen Sightseeingtour (Eismeerkathedrale, Domkirke und Tromsøs größter Souvenirshop, der trotz Sonntag sogar offen hatte) waren wir wieder am Schiff. Die eineinhalb Stunden bis zum Ablegen wurden gut genutzt: Da die Wettervorsage gut war und wir Polarlicht erwarteten (nicht viel, aber doch brauchbar), nutzen wir die Chance zum Abendessen in der Pastafabrikken. Yonas‘ Pizzeria direkt am Kai hatte zu lange Wartezeiten, und die Pizza war eine willkommene Abwechslung zum Schiffsbuffet.

Um 18:30 wurde zum Abendessen gerufen, etwa um 19:00 Uhr ging die Lightshow los, und gegen 20:00 Uhr riefen wir dann unsere Leute an Bord. Die Show war deutlich besser als erwartet, und in einem heroischen Akt wiederstand ich der Versuchung, mit der Kamera das Licht zu jagen, und ließ sie fast bis Mitternacht am selben Eck an der Reling. Das Ergebnis waren fast 1000 Fotos, die einen schönen Zeitrafferfilm der Aurora ergeben. Die Stockfischpräsentation von Johann, die für das Außendeck geplant war, fand zum Glück in der Bar statt. Er hatte wohl mitgekriegt, wie wenig beistert alle von der Idee waren, die Außenbeleuchtung anzuschalten, und dass auf dem Wikingerfest gestern erwähnt wurde, dass man einen guten Stockfisch auch als Prügel einsetzen kann… Der Aufenthalt in Skjervoy (22:30-22:45) sorgte dann doch für eine Unterbrechung: Im Hafen ging die Beleuchtung von Sonnendeck und Schornstein natürlich wieder an.

Im Hafen und nach der Abfahrt waren trotz der Schiffsbeleuchtung noch Polarlichter zu sehen, und irgendwann wurde sie auch wieder abgeschaltet: Wow. Von einem Moment auf den anderen war es dunkel, und das Polarlicht flammte auf, über den gesamten Himmel. Jetzt konnte jeder sehen, dass es wirklich Grün gibt, und die Aurora legte einen schönen Tanz über den Himmel hin – eher ein langsamer Walzer als Rock’n’Roll, aber sehr eindrucksvoll. Trotzdem gab es Gäste, die das trotz Durchsage verpassten, weil es zu spät war… Aber wer Polarlichter sehen will, muss immer wieder rausgehen. Auch wenn Bar und Bett noch so angenehm sind.

Was für eine Show!

Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

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Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der „Hauptstadt des Lichts“). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Tag 3 – Ein ruhiger Tag in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

Heute stand Trondheim auf dem Plan – und nachdem ich schon um 2:00 den Rechner zugeklappt hatte, als die Bilder des Mitternachtspolarlichts zu einem kleinen Film verarbeitet waren, hat das mit dem Gang in die Stadt sogar geklappt. Aber vorher gab’s eine Premiere: Einen Besuch auf der MS Vesterålen. Ich bleibe dabei, dass sie von außen betrachtet kein schönes Schiff ist, aber der Innenraum hat durchaus seinen Reiz: Ein verwinkeltes Schiff mit recht rustikaler Ausstattung, aber interessant. Allerdings ist das Außendeck sehr glatt – wo auf der Nordkapp zumindest Gittermatten liegen, ist auf der Vesterålen Eis zu finden.

In Trondheim hatte ich kein Touri-Programm geplant, sondern Shopping. Die kleineren Läden machen aber meist erst gegen 10 Uhr auf, sodass die Auswahl begrenzt war. Und im Einkaufszentrum am Marktplatz gab es zwar eine interessante Architektur (viele kleine Häuser, die in die Einkaufspassage integriert sind), aber nichts, was meinen Kaufreflex ausgelöst hätte. Sehr interessant: In der Buchhandlung stand an fast jedem Bücherstapel „Verkauf erst ab Montag“. Na dann halt nicht.

Im Torgcenter Trondheim.

Im Torgcenter Trondheim.

Das Stadtzentrum von Trondheim ist 20 bis 30 Minuten vom Anlegeplatz unseres Schiffs entfernt, sodass es kein Problem ist, die wichtigsten Ziele zu Fuß anzusteuern. Volker und Sabine hatten das Tourismusprogramm durchgezogen, und nach einem schnellen Kaffee waren wir auch rechtzeitig zur Abfahrt wieder auf der Nordkapp.

Pünktlich um kurz nach 12 stand dann ein Techniktest auf dem Programm: Gelingt es uns, im Vortragsraum zwei Mikrofone gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, sodass Volker und ich und beim Vortrag abwechseln können? Die Antwort lautet ja, es geht (auch wenn es gelegentlich etwas Rückkopplung gibt). Da mein normaler Vortragstermin durch den Tourguide geblockt war, der da die Ausflüge vorstellen wollte, konnte unser Vortrag über atmosphärische Phänomene erst um 16:30 stattfinden.

Kjeungskjaer fyr

Kjeungskjaer fyr

Das gab mir die Chance, den Leuchtturm Kjeungskjaer fyr einmal in echt zu sehen – normalerweise bin ich bei der Passage gegen 14:30 immer im Vortragsraum. Jetzt kann ich bestätigen: Es gibt ihn wirklich. Süß.

Ab 16:00 beim Aufbau wurde mir auch klar, warum ich den Vortrag gerne früher halte: Es gab ein Stück offenere See, und am Bug war das Schwanken durchaus deutlich – zum Glück ließ es zum Vortrag wieder nach. Nur die Technik neigte zu Fehlfarben, und ich konnte das Abendgrün präsentieren. Irgendwie ist es blöd, wenn der Rotkanal im Bild fehlt…

Pünktlich zum Abendessen ging es dann auf die Folda, das nächste Stück offenes Meer. Die Wolkendecke hielt sich bis in die Abendstunden, sodass anschließend ein ruhiger Abend mit Kniffel anstand, und vergleichsweise frühem Feierabend. Die letzten Testbilder gegen 23:00 zeigten kein Grün, sodass alle zur Polarkreisüberquerung ausgeschlafen erscheinen können – morgen früh ab 7:00 ist Meeting auf dem Deck, als Vorbereitung auf die nächsten Nachtschichten werden wir aber wohl darauf verzichten. Die Wetteraussichten sind nicht ganz schlecht.

Von der Polarlys, die heute mit der nächsten Nordlicht-und-Sterne-Tour in Bergen startet, gibt’s auch News via Twitter:

Hübsche Glorie:-)

Und bevor Fragen aufkommen, ein paar Bilder vom Mittagsbuffet und Abendessen:

Die Nordkapp hinter der Richard With

Die Nordkapp hinter der Richard With

Auch nicht zu vergessen: Am Abend gab es noch ein Treffen mit der MS Richard With und die Möglichkeit, sich in Rørvik die Beine zu vertreten. Und mittlerweile kennen wir die meisten Kameras der Passagiere – das Polarlicht kann kommen. (Aber nicht morgen Abend, wenn wir auf dem Lofotr-Wikingerfest sind.)

Tag 2 – First Light

Trüber Himmel über Torvik

Trüber Himmel über Torvik

Ein trüber Tag in Norwegen: Nachdem es in der Nacht noch ein wenig geschaukelt hat (am Bug war’s echt schön, wenn auch etwas dunkel), hatte auch das Westkap zum Frühstück mit mäßigem Wellengang angedeutet, was es kann. Oder, wie unser Tourguide so schön meinte: Der Seegang war zwischen Esel- und Kamelreiten; aber noch kein Bullenreiten. Also relativ harmlos… Dem ein oder anderen unserer Gäste hat es den Appetit trotzdem vermiest, aber ein leerer Magen ist der falsche Ansatz bei aufkommender Seekrankheit (genau wie Tabletten schlucken – die müssen vorher genommen werden. Tipp von unserer Reiseleiterin: Ein Waldspaziergang hilft). Zum Glück bin ich da unanfällig, auch wenn es schon beeindruckend ist zu sehen, wie der Horizont zwischen oberem und unterem Fensterrand hin- und herpendelt.

Aber die offene See geht ja nie lange, und gegen 10:30 erreichen wir Torvik. Von Bord gehen lohnt sich aber nicht: Einerseits sind wir nur kurz da, und andererseits macht das Wetter auch keine Lust darauf. Grauer Himmel, graue See – wenn es so bleibt, dann mal gute Nacht.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Was sind die Alternativen? Um 10:15 wird der Polarlichtfilm von Hurtigruten gezeigt, der wieder einmal meinen morgigen Vortrag vorwegnimmt. Im Anschluss, um 11:00, halten wir unsere Infoveranstaltung: Allen Gästen sagen, wo es die Infos gibt, was wir machen, wer wir sind, wo es die Vorträge gibt und dass morgen in Trondheim die letzte sinnvolle Möglichkeit ist, fehlendes Foto-Equipment nachzurüsten (da wir Sonntags in Tromsø sind). Außerdem: Gäste kennenlernen. Und um 11:30 gab’s schon Mittagessen, da wir ab 12:00 in Ålesund sind – wer an den Landausflügen teilnehmen will, hat so auch die Gelegenheit, etwas zu Essen. Bei uns ist es entspannter, und vor allem: Die Warnhinweise bezüglich Kamera haben funktioniert, die ersten Kameraeinstellungen konnten wir schon vornehmen. Jetzt habe ich auch mal eine Sony Alpha in der Hand gehabt, wieder ein neues Kameramodell kennengelernt:-)

Nach der Shoppingtour letztes Mal stand heute wieder der Aksla auf dem Programm, der Hausberg von Ålesund. Die reguläre Treppe ist wegen Bauarbeiten gesperrt, aber es gibt eine Alternative, die allerdings einen Umweg beinhaltet und somit etwas länger dauert. Durch ein Winterwunderland geht es jetzt über verschneite Treppen hoch auf den Aksla – besseres Schuhwerk wäre kein Fehler gewesen, aber mit dem Aufstieg hat man sich immerhin des Mittagessen verdient (ach Blödsinn – ich werde für die Tour bezahlt, da ist das Essen inclusive). Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall: Wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt.

Das Wetter wird immer besser, die vorhandenen Wolken sind geradezu malerisch, und es ist sogar klarer Himmel zu sehen. Der Wetterbericht hat anderes versprochen, aber damit können wir sehr gut leben. Vom Aksla aus sehen wir sogar die MS Lofoten, die gerade auf Werft liegt – wenn auch nur klein am Horizont; auf dem Foto ist sie rechts in der Bucht zu erahnen. Und der größte Lofotenfan an Bord war nicht auf dem Aksla und musste sich mit Fotos begnügen:-)

Alt und neu.

Alt und neu.

Auf dem Rückweg zum Schiff bemerke ich zum ersten mal so richtig, was sich eigentlich in dem Bau am Kai verbirgt: Hier wird ein altes Boot nachgebaut. Das Projekt nennt sich Bankskøyta – hier wird ein Sunnmore Bank Fischerboot nachgebaut, da alle Originale verloren gegangen sind. Zwischen 1860 und etwa 1900 wurden über 300 dieser Schiffe gebaut und ab etwa 1910 durch Motorboote ersetzt. Das Blog dazu gibt’s unter http://bankskoyta.no. Im Herbst 2015 soll das Schiff fertig sein. Man findet doch auf jeder Reise etwas neues.

Die Polarlichtvorhersage für heute Abend war so lala, aber bei Sonnenschein ließen wir Ålesund hinter uns. Für Volker und mich war es Zeit, uns trotzdem in die Kabine zu verziehen: Morgen steht der erste Vortrag an, und das muss ja einmal durchgespielt werden. Kurz vor 18 Uhr dann eine Durchsage: Johan Pearson, unser Tourguide, lädt zu einer Recap (auf Englisch) ein. Auch was neues für mich… Dahinter verbirgt sich ein unterhaltsamer Ausblick auf Wetter und Reise von heute und Morgen, ein Polarlichtausblick der optimistischer ist als meine Prognose, und der Blick auf die Weinkarte. Es ist interessant zu sehen, wie jeder Tourguide seinen eigenen Stil hat. Er trägt das ganze sehr ruhig und unterhaltsam vor – gut gemacht, Respekt.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Da wir erste Essenssitzung haben, geht’s direkt im Anschluss in das Restaurant. Da nach Essensbildern gefragt wurde: Es gab Lamm mit Gemüse und Kartoffeln, als Vorspeise Dorsch und als Nachtisch Eis mit Obst. Das ganze mit leichtem Zeitdruck wegen der zweiten Essenssitzung um 20:30 und abgerundet durch drei Geburtstage, die mit Gesang gefeiert wurden.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

Der Plan für den Abend war ein gemütlicher Tagesausklang in der Bar. Tja, der Blick nach draußen hat eine Vielzahl Sterne gezeigt. So viel zur Wettervorhersage. Der Gang zum Bug zeigte etwas Nebel, also ab in die Kabine, Kamera holen, und: Grün fotografiert. Heute schon das erste, schwache („kameragrüne“) Polarlicht. Also ab zum Tourguide, eine Durchsage machen lassen, und ab auf Deck 7, Kamera aufbauen und schauen, wer von den Gästen die Durchsage gehört hat. Immerhin ein Viertel der Gruppe konnte das graue Band am Horizont bestaunen und bestätigen, dass die Kamera grün sieht. Die Gelegenheit, schon einmal mit den Kameraeinstellungen zu spielen, unseren Pflichtteil (Polarlicht zeigen) abzuhaken, zu bestätigen, dass da noch mehr geht, wenn man weiter im Norden ist, und die Sternbilder zu zeigen. Nach etwa einer Stunde waren dann alle überzeugt, dass sich da heute nicht mehr viel tut, und auch meine Bilderserie wollte ich nicht weiterführen: Das Licht war weitestgehend statisch, bis auf ein paar Andeutungen von Strukturen. Aber da es mittlerweile seitlich vom Schiff war und vor Kristiansund zunehmender Seegang war, gaben wir auf. Die nächsten Tage würden hoffentlich mehr bringen, und die Voraussage ist im Augenblick gar nicht so schlecht. Für Sonntagabend (wenn wir Tromsø verlassen) wird mehr Materie vorhergesagt, und das Wetter könnte sogar mitspielen (statt dem bislang vorhergesagten Orkan). Schaun wir mal – vor allem haben wir so eine Chance, uns morgen Trondheim in wachem Zustand anzusehen.

In Kristiansund verzichteten wir darauf, von Bord zu gehen, stattdessen genossen wir noch das Konzert, das Johann mit der Gitarre gab (einen Musiker haben wir in diesem Jahr nicht an Bord, aber Johann ist gut). Und jetzt gegen halb 12 ist die Bar praktisch leer, die meisten Gäste sind wohl schon im Bett, und ich habe mein Blog fertig – jetzt noch ein wenig am Vortrag feilen, und dann heißt es auch für mich Feierabend.


So schnell ändern sich Pläne: Kaum hatte ich den letzten Absatz getippt und gespeichert, kommt die Polarlichtmeldung über den Lautsprecher. Also ab auf Deck 5, wo das Polarlicht etwas deutlicher ist als vor Kristiansund, und die Kamera noch einmal auf Dauerfeuer gestellt, zumindest für rund eine Stunde und 221 Bilder. Rund 30-40 Passagiere dürften sich auf dem Umlaufdeck versammelt haben, einigen kann ich dann auch den Bogen des Nordlichts erklären, und auch weitere Fototipps gibt es: Blende 22 ist nicht mit kleiner Blende gemeint, da haben die Infoflyer vom Schiff verwirrt. Es ist erwartungsgemäß nicht die große Show, aber hey: So weit im Süden die ersten Polarlichter, und das, obwohl der Wetterbericht Wolken angesagt hat? Nicht schlecht. Sogar etwas Bewegung ist gelegentlich zu sehen. Das ist besser als erwartet und lässt für die nächsten Tage hoffen.

Also fast in Echtzeit: Das Mitternachtspolarlicht:

Und jetzt doch gute Nacht; morgen um acht ist Frühstück und anschließend Trondheim angesagt. Diesmal will ich wirklich in die Stadt!

Tag 1: On the boat again

Am 1. Februar war ich noch im Hotel am Bergener Lufthavn, und zehn Tage später, am 11. Februar verlasse ich Bergen schon wieder – wieder mit der Nordkapp, und wieder für die Nordlicht und Sterne Tour. Und die nächste Reise für November ist auch schon bestätigt. So cool:-)

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Abgesehen davon, dass wir diesmal von Frankfurt über Amsterdam mit KLM statt von Stuttgart über Copenhagen mit SAS geflogen sind, hat das Ganze was von Déjà vu: Kai ist wieder Reiseleiter, und Volker und Sabine sind wie bei der Tour im letzten Februar dabei, außerdem haben sie ihre Reiseleiterin von der Midnatsol mitgebracht, Margit. Überflüssig zu erwähnen, dass Kai und Margit sich auch schon kennen. Am Reiseleitertisch könnte es lustig werden…

Die Fliegerei wird langsam etwas nervig, oder zumindest das Warten am Flughafen. Immerhin: Die erste Strecke waren wir mit einer Embraer 190 unterwegs, die Innen überraschend viel Platz bietet – nach den Cityhoppern der letzten Tour hatte ich schlimmeres erwartet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist ganz hübsch und lässt zusammen mit Trondheim, Oslo und Copenhagen die Frage aufkommen, warum Deutschland eigentlich keine hübschen Flughäfen hat… und man kann mit Euro bezahlen, auch nicht schlecht.

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord...

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord…

Da beim letzten Tourbericht nach Bildern vom Essen gefragt wurde: Tada! Links die lecker Flug-Verpflegung. Diese Art Kuchen kann ich besser empfehlen als die Käse-Dingsbums-Dinger, die es als Alternative gab. Mit dem Bergen-Buffet auf dem Schiff kann er trotzdem nicht mithalten (Lachs, irgendwas Geschnetzeltes, Gemüse, noch mehr Lachs (aber mit Pfeffer), Rentier, Schwein – schade, dass ich erst spät zum Essen kam, als das Buffet schon geplündert und nicht mehr fotogen war).

Das Essen auf dem Flug war aber nicht das Highlight, da gab es eine andere Überraschung: Kurz vor Amsterdam (also im Landeanflug, als man nicht mehr an das Handgepäck samt der richtigen Kamera durfte) konnten wir eine Glorie beobachten. Nett, hatte ich vorher auch noch nie bemerkt. Gut, dass ich entgegen meiner Gewohnheit einen Fensterplatz hatte, auch wenn ich nur mit dem iPhone fotografieren knipsen konnte.

Eine Glorie

Eine Glorie

Aber mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man sie doch ganz gut erkennen. In Bergen gab es dann das übliche Programm: Die Fahrt zum Schiff mit einer kurzen Rundfahrt durch Bergen, diesmal mit einer etwas anderen Tour. Ich nutzte die Zeit, um die Gäste in meinem Bus mit Informationen zum Schiff, zum Ablauf des Abends und zu Bergen zuzuschütten. Das Wetter ist so, wie man es von Bergen erwartet: Nieselregen.

Auf dem Schiff ging es dann erstmal auf die Kabine, diesmal auf Deck 5. Nett: Die Kabinen sind größer, und der Föhn hat deutlich mehr Power als auf Deck 6 (will sagen, es kommt ein ordentlicher Luftstrom raus, der nicht nur den Griff erwärmt). Gewöhnungsbedürftig: Die Kabine liegt auf dem Umlaufdeck. Also entweder die Vorhänge zumachen, oder auf norwegisch machen und jeden reinschauen lassen…

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Nach dem Check-In (nochmal der Hinweis an alle Passagiere: Immer schön die Hände desinfizieren!) gingen wir erstmal vom Schiff, Getränke für die Kabine bunkern. Damit sind wir definitiv auf Reiseleiter-Niveau, im nächsten Laden trafen wir Margit.

Anschließend: Sturm auf die Reste vom Bergen-Buffet, eine kleine Geburtstagsfeier mit Tänzchen der Crew, Inforveranstaltung durch den Tour-Guide vom Schiff (mit 250 Passagieren ist die Nordkapp besser ausgelastet als im Januar), ein skeptischer Blick auf die Wettervorhersage (eieiei), auspacken und dann Abfahrt aus Bergen. Neu: Die Crew verkauft Sekt für 99 NOK zum Anstoßen.

Nach dem Nieselregen zur Abfahrt stand ein kurzer Abendausgang in der Bar an, inclusive dem traditionellen ersten Kameraputzen. Bad News: Guiness ist alle… Dafür wurde ich in der Cafeteria mit „Immer noch da?“ begrüßt:-)

Und während alle anderen sich verabschieden, schreibe ich noch kurz mein erstes Blog. Da Abflug in FFM erst um 12 Uhr Mittags war, bin ich fit – und so gegen halb eins fängt das Schwanken vom Schiff an, schließlich umrunden wir am ersten Morgen ja immer das Westkapp – also ab auf offene See. Bislang hatte ich das immer verschlafen, jetzt schaue ich’s mir mal vom Bug aus an. Allen anderen: Gute Nacht!

Nach der Reise ist vor der Reise

Die Reiseunterlagen.

Die Reiseunterlagen.

Kaum habe ich die Nacharbeiten zur Nordlicht-und-Sterne-Reise GRP107 abgeschlossen, steht schon die nächste Tour an: GRP101 startet am Mittwoch, für mich beginnt der Flug diesmal in Frankfurt, wieder mit Volker. Die Reiseunterlagen sind da, und wer sich wundert, warum GRP101 nach GRP107 kommt: Die 101 war ausgebucht, und 107 wurde nachträglich angeboten – was sich bei der Polarlichtausbeute auch gelohnt hat, und Glück mit dem Wetter hatten wir auch. Jetzt hat ja das Sturmtief Ole neue Rekorde gesetzt, und so richtig schön sind die Aussichten noch nicht. Aber in Norwegen ändert sich das Wetter ja stündlich. Mal sehen, wie die Nordkapp das schwere Wetter überstanden hat.

Da letztes Mal gefragt wurde, hier schon einmal die Reisedaten:

  • Tag 1 – 11.2.2015: Bergen (Ablegen gegen 22:30)
  • Tag 2 – 12.2.2015: Ålesund
  • Tag 3 – 13.2.2015: Königsstadt Trondheim (am Freitag, ideal zum Shoppen – als ob ich die Buchhandlungen noch nicht durch hätte)
  • Tag 4 – 14.2.2015: Polarkreis und Lofoten (vielleicht komme ich diesmal zum Wikingerfest)
  • Tag 5 – 15.2.2015: Tromsø (Sonntags…)
  • Tag 6 – 16.2.2015: Honningvåg und Nordkapp
  • Tag 7 – 17.2.2015: Kirkenes, der Wendepunkt
  • Tag 8 – 18.2.2015: Hammerfest (mal wieder im Isbjørnklubben vorbeischauen) und Tromsø zur Mitternacht
  • Tag 9 – 19.2.2015: Vesterålen und Lofoten (Mit Hurtigrutenmuseum)
  • Tag 10 – 20.2.2015: Polarkreis (schon wieder)
  • Tag 11 – 21.2.2015: Trondheim (bevor die Läden aufmachen) und Kristiansund
  • Tag 12 – 22.2.2015: Back to Bergen – das Ende der Reise

Und da ich ja nicht nur zu meinem Vergnügen hinfahre (auch wenn es immer wieder Spaß macht), darf ich mich noch ein wenig auf Bergen vorbereiten – ich darf nicht nur die Dinge über den Wolken erklären, sondern auch auf der Fahrt durch Bergen etwas über die Stadt erzählen. Kein Problem, ich bin ja nicht das erste mal da.