Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Kurs auf Kirkenes

Im Frühjahr zu fahren hat seine Vorteile, wenn man etwas von der Landschaft sehen will – sogar als Spätaufsteher. Mir bietet sich diesmal die Chance, die Anfahrt auf Kirkenes mitzuerleben. Normalerweise nutze ich diesen Aufenthalt gerne, um mit allem auf den aktuellen Stand zu kommen und das Schiff zu fotografieren, wenn alle auf Ausflügen sind, aber diesmal ist meine To-Do-Liste angenehm klein. Da kann ich nach dem Frühstück ganz entspannt die 20-Minuten-Wanderung in den Ortskern auf mich nehmen.

Im Hafen von Kirkenes treiben einige Eisschollen herum, da er vor dem Golfstrom geschützt ist – den östlichsten Punkt der Route haben wir mit Vardø in der Nacht passiert und sind nun schon wieder ein Stück südlich in einer großen Bucht. Trotzdem sind die Temperaturen recht angenehm, rund +5°C. Nach dem Frühstück und dem obligatorischen Blick in den Kiosk am Hafen geht es dann also ab in das Städtchen.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Das Feuerwehrauto ist nicht mehr im Dienst.

Viel zu bieten hat Kirkenes aber nicht, auch wenn die Häuser mittlerweile gut gepflegt sind und es ein paar nette Details gibt, zum Beispiel die Bären an den Laternenpfosten des Rathausplatzes, das Russendenkmal oder der Schutzbunker Anders-Grotta. Auch das alte Feuerwehrauto, das bis etwa 2002 noch im Einsatz war, hat seinen Reiz. Wohnen wollte ich hier oben trotzdem nicht, und es gibt nicht viel Wehmut, als wir pünktlich um 12:30 in See stechen und die neuen Gäste an Deck auf den Beginn ihrer Reise anstoßen können.

Die Überfahrt nach Vardø ist etwas holprig, einige Wellen sorgen für ein wenig Action. Einigen Passagieren ist es schon zu viel… mich stört zum Glück nur, dass wir Vardø wieder einmal mit Verspätung erreichen. Erst kurz vor 16:00 erreichen wir den Hafen. Die gute Nachricht: Die Liegezeit wird verlängert, wir haben doch eine volle Stunde Aufenthalt! Das langt für einen Besuch am Steilneset Hexendenkmal. Mit sehr zügigem Schritt schaffen wir den Weg in 11 Minuten – aber auch nur, weil es hell ist, der Weg zu sehen ist und kein Schnee liegt.

Bei finsterer Nacht und alleine wirkt es noch bedrohlicher, dafür sehe ich es jetzt auch einmal von außen. Rund 100 Menschen wurden hier im 17. Jahrhundert verbrannt, nachdem sie sich unter Folter der Hexerei für schuldig bekannt hatten. Ein kleines Infoheft fasst die Schicksale zusammen. In Hammerfest und Vardøhus fanden die Prozesse statt. Unter der norwegischen Bevölkerung traf es vor allem Frauen verbrannt, während bei den Sami eher Männer zum Tode verurteilt wurde – wohl auch Schamanen, die man bei der Gelegenheit gleich los wurde.

Die Festung Vardøhus

Die Festung Vardøhus

Neben dem düsteren Gang, in dem Lampen an jedes Opfer erinnern, steht noch ein Glasbau, in dem ein Stuhl brennt. Die Spiegel an der Decke sollen es jedem ermöglichen, sich einmal virtuell auf diesen Stuhl zu setzen. Das klappt nur mäßig… Aber es bleibt ohnehin nicht allzu viel Zeit, und schon bald heißt es ab zum Schiff. Noch ein paar Fotos der Festung Vardøhus von der anderen Seite, und dann ertönt auch schon die Schiffshupe – noch zehn Minuten bis zur Abfahrt. Da wird einem schon etwas anders, aber wir schaffen es als letzte noch an Bord. Hier ist dann genügend Zeit, um die Infobroschüre durchzulesen, die am Steilneset auslag.

Båtsfjord

Båtsfjord

Heute haben wir keinen Vortrag nach Vardø, und Eismeerbaden gab es auch keines. Damit können wir den Abend ruhig ausklingen lassen, und trotz des Abendessens bleibt noch Zeit für einen Blick auf Båtsfjord. Das Städtchen hat anscheinend einen Spitzenplatz bei den angelandeten Fischmengen; viel mehr als Fischerei ist hier oben aber auch kaum möglich.

Als Spätprogramm ist noch eine kurze Modenschau geplant – die wird ansonsten gerne vor Tromsø gemacht, um die Zeit bis zum Mitternachtskonzert zu überbrücken, aber diesmal findet sie einen Tag vorher statt. So können wohl alle, die in Tromsø aussteigen, noch einen Blick in den Shop werfen. Ich muss aber nicht mitmachen, schließlich laufe ich schon die ganze Reise mit der roten Hurtigruten/Helly-Hansen-Jacke rum.

Modenschau

Modenschau

Dafür werden Kari und Thomas als Models verpflichtet und auf den Catwalk geschickt, um die aktuelle Mode vorzuführen – zusammen mit einigen anderen der Crew. Das Ereignis ist recht kurz, aber trotzdem nett anzuschauen. Weniger Spaß macht dagegen der Himmel. Die Kong Harald am Hafen von Berlevåg habe ich verpasst, dafür kann ich ein paar Schneeflocken bewundern. Das einzige Nordlys gibt es heute Abend wieder an der Bar, wo wir den Tag ausklingen lassen. Schade eigentlich.

Tag 7: Kirkenes, Eismeerbaden und etwas grünes Licht

Im Hafen von Kirkenes

Im Hafen von Kirkenes

Schon ist eine Woche vergangen, und mit Kirkenes haben wir den Wendepunkt der Reise erreicht. Bislang war ich nur einmal in der kleinen Stadt – wenn ich zum ersten Mal auf einem Schiff bin, nutze ich den Aufenthalt gerne, um das Schiff zu fotografieren. Schließlich gibt es im Winter genug Ausflüge, sodass kaum noch Passagiere an Bord sind, und viele verlassen das Schiff auch hier.

Im Rückblick hätte ich doch ruhig nach Kirkenes gehen sollen: Die Stadt hatte Barents-Festival und Markt, es war also richtig was los. Aber egal, auch so war der Vormittag gut ausgefüllt. Statt der üblichen Abfahrt um 12:30 blieb das Schiff sogar bis 13:00 im Hafen – eventuell wegen der vielen Ausflügler, die letzten Busse kamen von der Hundeschlittenfahrt erst kurz vor 13 Uhr zurück. Für einen kleinen Gang zum nächsten Rema 1000 langt die Zeit, auch wenn es umgezogen ist. Dabei gibt es schöne Fotomöglichkeiten für das Schiff, und auch der Kiosk direkt am Kai (in dem auch eine Station für die Tax Refunds ist)ist immer einen Blick wert. Alleine der süße Huskyschlitten am Eingang ist schon einen Blick wert.

Die weitere Fahrt verläuft ruhig: Der nächste Hafen ist Vardø, das planmäßig um 15:45 angelaufen werden sollte. Die Überfahrt ist ruhig und bietet genug Zeit für die Sprechstunde und die Vorbereitung des nächsten Vortrags. Ansonsten ist Entspannung angesagt – im Vortragsraum läuft ein Film über Vardø und den Pomorenhandel mit Russland (in drei Stunden um 14:45, 15:15 und 15:45 – da ist wohl schon eine spätere Ankunft in Vardø eingeplant), um die Zeit zu überbrücken.

Durch die spätere Abfahrt kommen wir natürlich auch erst später in Vardø an. Irgendwann auf der Fahrt wird angekündigt, dass wir bis 17 Uhr bleiben würden, was Hoffnung macht, dass wir vielleicht doch eine ganze Stunde in dem Städtchen zur Verfügung haben könnten. Als wir um 16:00 am Ausgang stehen, kommt die Durchsage, dass wir doch erst gegen 16:15 ankommen. Damit können wir den Besuch beim Hexendenkmal auch wieder beerdigen: Mette gibt über ihren geliebten Bordfunk bekannt, dass bitte alle zehn Minuten vor Abfahrt wieder an Bord sein sollen und bewirbt trotzdem den Besuch bei der Festung Vardøhus – aber bei weniger als einer halben Stunde frei verfügbarer Zeit ist schon das knapp, schließlich muss man ja auch erst einmal von Bord kommen. Die Zeiten, an denen einfach die Gangway an das Schiff gelegt wurde, sind vorbei, und die moderne Technik braucht etwas länger. Ich möchte es wirklich einmal erleben, dass wir pünktlich in Vardø ankommen und eine volle Stunde Zeit haben. Schauen wir uns also das Eismeerbaden an.

Bei dem knappen Zeitfenster beobachten wir auch das Eismeerbaden nur vom Schiff aus. Das Plantschbecken ist direkt am Kai, und Eis haben wir auf dem Deck auch. Der Norweger hat ein entspanntes Verhältnis zum Eis und weiß, dass es glatt ist, dementsprechend sind nur ein paar Wege an Deck eisfrei. Eigentlich seltsam, dass nur beim Verlassen des Schiffs zum Tragen von Spikes aufgerufen wird… Ein paar Mutige finden sich immer, die in die Barentssee springen; einen längeren Aufenthalt macht aber keiner – schließlich muss das Schiff gleich weiter.

Polarlicht!

Polarlicht!

Kurz nach der Abfahrt ist Marcus mit unserem vorletzten Vortrag dran. Ein paar leichte Schläge während der Vortrags zeigen an, dass wir auf offener See sind, aber im großen Ganzen bleibt es ruhig genug. Das Abendessen schließt dann auch schon direkt an unsere Reise durch das Sonnensystem an. Der nächste Halt ist Båtsfjord, und wir liegen am Rand einer Wolkendecke. Ein klassischer Fall von immer mal wieder rausschauen, ob wir Wolkenlücken haben. Kurz vor Berlevåg ist es dann so weit: Der Himmel reißt ausreichend weit auf, und ein schönes Band ist kurzzeitig zu sehen. Zwischen der Durchsage des Schiffs und der Einsatzbereitschaft der Kameras vergeht natürlich etwas Zeit, sodass die schönsten Momente kaum auf die SD-Karten gebannt werden können.

Quer durch den Großen Wagen.

Quer durch den Großen Wagen.

Es ist nicht die größte Show, aber bei dem Kampf gegen die Wolken der letzten Tage ist man ja froh über alles – und da die Trollfjord recht ruhig vor dem Hafen liegt, bleibt auch genug Zeit, um zu fotografieren. Ein Polarlicht quer durch den Großen Wagen hat auch seinen Reiz, auch wenn es visuell schon wieder recht schwach ist.

Der Rest der Nacht verläuft leider wieder unter Wolken, aber einmal ausschlafen ist auch kein Fehler.

Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

Sogar Teleskope gibt es an Bord

Sogar Teleskope gibt es an Bord

Tag 7 (der 16. Januar) bedeutet endgültig den Wendepunkt: Kirkenes ist weder der nördlichste Punkt noch der östlichste (die Ehre gebührt Vardø), aber hier kehrt die Hurtigrute um.Ich mag Kirkenes ja: Die Stadt ist recht neu und hat recht wenig zu bieten. Die Tour mit Hundeschlitten und Eishotel habe ich schon mal gemacht, die russische Grenze reizt mich trotz der aktuellen politischen Lage eher wenig, und die Schneemobilsafari macht zwar bestimmt Spaß, aber schnell fahren kann ich auch auf deutschen Autobahnen. Damit habe ich in Kirkenes frei, kann mein Blog auf den aktuellen Stand bringen und Bilder vom Schiff machen. Die Finnmarken ist zwar groß, aber durchaus fotogen, und nachdem praktisch niemand an Bord ist, ist das optimal zum Fotografieren des Schiffs.

Die Finnmarken in Kirkenes

Die Finnmarken in Kirkenes

Das Schiff ist im Art-Deco-Stil gehalten und hat im Gegensatz zur Nordkapp, die komplett von einem Künstler ausgestattet wurde, eine bunte Mischung an Kunstwerken. Einige sind modern und sagen mir nichts, andere sind sehr chic und klassisch.

Ich schaffe es sogar von Bord und gehe rund durch den Hafen, um ein paar schöne Bilder vom Schiff im verschneiten Hafen zu machen. Anscheinend genau das, was Twitter sehen will, selten hat etwas so viele Likes gekriegt wie das Bild links. Da die Hurtigrute im Hafen anlegt, der ein gutes Stück von der Stadt entfernt ist, besuche ich Kirkenes nicht weiter, sondern schaue der Crew bei der Pflege der Rettungsboote zu und verfluche das Schiffs-WLAN: Für rund 40 Euro erhält man einen Zugang, mit dem man zwar ins WLAN kommt, aber nicht mehr raus… Klar: An der Küste gibt es nicht überall LTE, aber wenn ich mit dem Handy im Hafen LTE habe, erwarte ich das eigentlich auch von dem kostenpflichtigen Zugang auf dem Schiff. Keine Verbindung kann ich selber… Daher sitze ich in Kirkenes zwar an meinem Blog, kann aber erst später posten.

Vardø

Vardø

Nachdem alle Ausflugsbusse wieder an Bord sind, geht es weiter Richtung Vardø – eine hübsche kleine Stadt, die früher Zentrum des Handels mit Russland war. Kaum zu glauben, wie viele Schiffe hier einst im Hafen lagen. Irgendwann gönne ich mir vielleicht den Spaß und steige morgens in Vadsø aus, um dann per Bus nach Vardø zu fahren und mir die beiden Orte einmal in Ruhe anzuschauen, bis ich in Vardø wieder zusteige. Das könnte sich lohnen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir in Kirkenes rechtzeitig ablegen, jedenfalls ist dir Überfahrt ruhig, und trotzdem kommen wir in Vardø mit einer halben Stunde Verspätung an. Zur Überbrückung gab es an Bord noch eine Präsentation zum alten Pomorhandel zwischen Russland und Norwegen.

Festung Vardøhus

Festung Vardøhus

In Vardø teilen wir uns auf: Volker schaut beim Eismeerbaden zu (aus dem auf der Treppe im Schiff irgendwie ein Eisbärbaden wird – stelle ich mir auch schön vor: Jeder kriegt ein Handtuch, Shampoo und einen Eisbär), ich gehe zur Festung Vardøhus und Ekkehard nimmt das Hexendenkmal in Angriff. Damit ist er mutiger als ich dachte: Der Weg war schon im November sportlich, und wir haben jetzt mehr Schnee und wieder nur 45 Minuten Liegezeit. Auf dem Weg zur Festung verlieren wir uns aus den Augen, und ich mache mich auf die Suche nach den Überresten des Venustransits von 1769. Damals wurde von hier beobachtet, wie unser innerer Nachbarplanet Venus vor der Sonne entlang zog. Es war die nördlichste Beobachtungsposition, James Cook auf Tahiti hatte den südlichsten Beobachtungspunkt. Der Soldat, der die Festung heute bewacht, war zwar sehr bemüht, konnte mir aber auch nicht weiter helfen – kein Wunder, schließlich waren die Gedenktafeln am Rathaus und nicht in der Festung. Mein Fehler… aber Vardøhus ist einen Besuch wert und beherbergt eine kleine Ausstellung mit dem wohl einzigen erhaltenen Kanonenwagen seiner Art sowie einer Reihe Militaria bis hin zur Weltkriegszeit. Von der Eberesche „Rogna“ vor dem Haus des Kommandanten sehe ich nichts. Sie gilt als nördlichster Baum und wird im Herbst zum Schutz vor dem Meeressalz eingepackt – Ekkehard hat allerdings gemeint, dass der Baum mittlerweile nicht mehr existiert.

Von der Festung aus rechtzeitig wieder am Schiff zu sein ist kein Problem, auch ein Ausflug in den Supermarkt auf halber Strecke wäre noch möglich gewesen. Die Eismeerbader sind auch wieder auf dem Schiff, und Ekkehard hat es wohl auch geschafft – zumindest legen wir wie angekündigt ab, ohne dass fehlende Gäste ausgerufen werden. Immerhin zehn Mutige waren im Eismeer baden, obwohl die Finnmarken doch den beheizten Pool hat. Respekt. Eine halbe Stunde später gibt Heinz wieder seinen Tagesrückblick (erst deutsch, dann englisch), und die Ankunft in Båtsfjord fällt mit dem Abendessen zusammen.

Ein wenig Licht am Horizont.

Ein wenig Licht am Horizont.

Nach 21 Uhr gibt es ein leichtes Polarlicht, aber zu wenig, um eine Meldung zu rechtfertigen: Ein schwacher Bogen ist immer wieder zu sehen und kämpft an Steuerbord gegen die Wolken. Eher ein Fall für die Kamera als für das Auge. In Berlevåg begegnen wir der Polarlys, der wir den Liegeplatz im Hafen wegnehmen. Mit Winkekonkuranse ist wieder nicht viel – ich habe den Eindruck, dass nicht einmal der Captain an Bord der Polarlys ist.

Daher lassen wir den Tag gemütlich ausklingen, während draußen die Wolken und die Landschaft vorbeiziehen.

Tag 7 – Wendepunkt Kirkenes

Von dem guten Wetter der letzten Tage ist nichts mehr zu sehen: Kirkenes als Endpunkt der Reise steht an, wir haben in der Nacht den östlichsten Punkt der Fahrt umrundet und fahren jetzt ein Stück nach Südosten, in das norwegisch-russische Grenzgebiet. In Kirkenes bieten sich einige Touren an; die Schlittenhunde samt Schneehotel kenne ich schon, und Volker und Sabine wollen Snowmobil fahren. Mein Plan sieht vor, auszuschlafen und mir einmal Kirkenes anzuschauen. Zumindest der erste Teil davon scheitert, da ich die Infotaste aktiv habe. Vom Polarlichtalarm gegen vier Uhr habe ich zwar nichts mitgekriegt, aber etwa ab kurz vor acht kommen immer wieder Infos für die Passagiere, die in Kirkenes von Bord gehen. Und Korrekturen für diese Infos. Und Ergänzungen. Und ein Ständchen von Johann: „Dies ist eine wichtige Mitteilung: This is the end. The end, my friend. You’re leaving us in Kirkenes, my friend. This is the end, my friend.“ Mit Gitarrenbegleitung. Singen kann er, nur still sein kann er nicht – alle fünf Minuten kommt eine Durchsage… Also doch mal aufstehen, das Frühstück mitnehmen und dann mit Margit nach Kirkenes spazieren – Reiseleiter unter sich.

Der Weg in die Stadt ist nichgt weit, aber touristisch hat Kirkenes nicht so viel zu bieten: Viele kleine Häuser, jede Menge Schnee und Erinnerungen an den Krieg. Die Andersgrotta ist ein alter Bunker, vor dem noch aus deutscher Besatzungszeit ein Wegweiser steht; die Kirche ist recht hübsch und hat zwei Uhren, die wohl prinzipiell verschiedene Zeiten anzeigen, und einige Geschäfte zeigen, warum Kirkenes als Stadt gilt. Wohnen wollte ich hier nicht…

Dafür hat die Schneemobiltour Spaß gemacht, vielleicht verzichte ich nächstes Mal doch auf das Kulturprogramm. Aber der Rema war eine gute Gelegenheit, um die Vorräte aufzufüllen.

Von Kirkenes bis Vardø geht es dann an einem Stück durch, und die Fahrtzeit geht für Mittagessen und Vortragsvorbereitung drauf. An Bord wird – diesmal in der Bar – wieder der Film über Vardø und Pomoren-Handel gezeigt, zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch. Blöd nur, dass während des englischen Films auch über die Bordsprechanlaga Infos über Vardø kommen und dem Film der Ton abgedreht wird, bis der Nachspann kommt. Anschließend erntet die Barkeeperin Applaus, als es ihr gelingt, die widerspenstige Leinwand wieder einzufahren…

Vardø selbst war einmal ein sehr umtriebiger Hafen und beherbergt noch immer die nördlichste Festung der Welt: Vardøhus. Da doch einiges an Schnee liegt und wir etwas verspätet anlegen, verzichtete ich auf den Marsch zum Hexendenkmal und besichtige mit den anderen die Festung – das Eisbaden scheint diesmal auch auszufallen. Erste Erkenntnis: Die alte Festung hat nichts mit den Radarkuppeln auf der anderen Hafenseite zu tun, sondern liegt einfach auf der anderen Straßenseite, keine fünf Minuten vom Schiff entfernt (und an einem angeblich sehr guten und günstigen Laden vorbei – nächstes Mal dann). Zweite Erkenntnis: Man kann sie in fünf Minuten komplett besichtigen, vor allem bei dem eisigen Wind, der gerade weht. Dafür ist es klar – wird das heute doch noch mal was mit Polarlichtern?

Wenn der Weißabgleich der Kamera von der gelblichen Beleuchtung verwirrt wird, könnte man fast meinen, wir wären in Marokko und nicht in Nordnorwegen, aber der Wind zerstört die Illusion. Bei 30 NOK oder 5 Euro Eintritt kann man nicht zu viel von der Festung erwarten, und in der Tat ist sie sehr übersichtlich. Kein Wunder, dass sie nie angegriffen wurde – wahrscheinlich hat sie jeder Angreifer übersehen oder wurde an ihr vorbeigeweht… Was ich ganz übersehen hab: 1769/70 gab es hier ein Observatorium, um den Venustransit zu beobachten. Davon ist aber nur noch eine Gedenktafel übrig.

Aber es heißt ohnehin, schnell wieder an Bord zu gehen, schließlich steht nun unser vierter Vortrag an: In 60 Minuten durch das Universum. Viel mehr Zeit ist, schließlich fängt das Abendessen pünktlich um 18:30 an. Es schwankt etwas, und am Abend wird es ungemütlicher: Das, was auf den ersten Blick über dem Schiff an Polarlicht erinnert, ist Schnee. Die Bar ist dementsprechend leer, einige bringen sich vor dem Geschaukel in Sicherheit oder nutzen die Zeit, um sich von der Frischluft bei Schneemobil oder Hundeschlitten zu erholen. Einmal bei Zeiten ins Bett ist auch eine nette Abwechslung zur letzten Tour – auch wenn gerade alle Polarlichtvorhersagen auf knallrot stehen und weltweit einiges gesichtet wird, hat die Aurora keine Chance gegen die Wolken über der Barentssee.

Tag 7 – Kirkenes und retour

Ich sag’s doch: Wenn man bei den Polarlichtern lange genug wartet, sieht man auch rot:

Sonnenaufgang vor Kirkenes

Morgenrot vor Kirkenes

Kirkenes im Schnee

Kirkenes im Schnee

Okay, diesmal vielleicht nicht von den Lichtern selbst, aber immerhin… Kirkenes begrüßte uns mit einer langen Morgendämmerung und prächtigem Morgenrot, sodass die Teilnehmer der Hundeschlittentour und des Besuchs im Schneehotel bestes Wetter hatten. Mit den warmen Sachen lässt es sich auf dem Schlitten sehr gut aushalten.

Lediglich die Bustour zur russischen Grenze fiel diesmal aus – ob es an der geringen Teilnehmerzahl oder doch am Wetter lag, habe ich nicht mitgekriegt. Für mich standen heute keine Ausflüge auf dem Plan, sondern Bilder sichten und zusätzliche Speicherkarten und Festplatten für die nächste Reise bestellen…

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Im Lauf des Tages wurde das Wetter immer schlechter, und in einer Mischung aus Schneetreiben und Nebel ging es wieder zurück in Richtung Vardø, dem östlichsten Punkt unserer Reise. Kurz vor Vardø stand ein Informationsfilm über den Pomorenhandel auf dem Programm, der bis ins frühe 20. Jahrhundert zwischen der Finnmark und Russland stattfand. Kaum zu glauben, wie viele einmal Schiffe gleichzeitig in Vardø lagen.

Heute gibt es in Vardø noch einiges zu sehen, wegen der frühen Dunkelheit wagte ich den Weg zu Hexendenkmal oder Festung allerdings nicht. Stattdessen: Eismeerbaden. Aber nur gucken, nicht schwimmen. Sogar einer von unserer Gruppe hat sich in die 2° warmen Fluten gewagt, außerdem ein Crewmitglied, das dann auch noch ein paar Runden geschwommen war. Respekt.

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Angeblich war es gar nicht so schlimm, und das Schiff fühlte sich danach wie eine Sauna an. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass es ein Ersatz fürs Boblebad ist.

Nachdem alle wieder an Bord waren, gab es zum Aufwärmen dann auch schon den vorletzten Vortrag unserer Reihe: Das Universum in 60 Minuten, diesmal wieder von Felicitas und wegen des schlechten Wetters sogar mit mir als Zuhörer. Das Ende der Reise ist nahe – wobei wir ja sogar effektiv zwei Tage mehr an Bord haben, nachdem die Reise 2014 schon in Trondheim endete.

IMG_1439In Anbetracht des Wetters gab es schon eine gewisse Vorfreude auf den Abend: Endlich ein gemütlicher Abend in der Bar, und dann früh ins Bett.

Pustekuchen. Immer wieder machten sich Wolkenlücken breit, durch die das Polarlicht schimmerte – nicht allzu intensiv, aber doch wahrnehmbar und nur von einigen Häfen unterbrochen. Daher lief meine Kamera ab 21:30 durch, erst am Bug, später am Heck. Es gab auch einiges an Polarlicht, aber auch noch mehr Wolken – gegen halb 12 gab ich wie die meisten Gäste auf und kehrte in die Kabine zurück.

Der erste Schritt: Kamera putzen. Durch die salzhaltige Gischt hatte ich jetzt eine weiße Nikon statt einer schwarzen… Der Seegang nahm ebenfalls zu, daher verarbeitete ich die Bilder noch zu einem Filmchen für den Vortrag morgen Nachmittag, und machte gegen halb zwei Feierabend. Der Film ist ganz nett, die Einzelbilder weniger:

Der Legende zufolge gab es um halb drei noch einen Polarlichtalarm und ruchtig schönes Polarlicht, aber der ging völlig an mir vorbei. Aber Felicitas und einige Gäste hatten es gesehen und waren begeistert, daher konnte ich mich guten Gewissens dem Schlaf der Gerechten widmen.

Hurtigruten Tag 8 – Kirkenes

Willkommen in Russland?

Willkommen in Russland?

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Kirkenes markiert den Wendepunkt unserer Reise. Weiter nach Osten kommen wir nicht, auch wenn mein Laptop meint, wir wären schon viel weiter – er hat auf Zeitzone Moskau/Murmansk umgestellt und meint, er wäre in der russischen Föderation. Naja. Wer will, kann immerhin einen Ausflug zur russischen Grenze machen, aber Schlittenhunde und Schneehotel reizen mich doch mehr.

Nach kurzer Busfahrt erreichen wir kurz nach 9 Uhr morgens das Lager der Schlittenhunde. Über 100 Hunde warten hier gespannt auf Bewegung; jeweils sieben bis acht ziehen einen Schlitten mit zwei Gästen und einem Musher oder einer Musherin. Bei Bedarf wird warme Kleidung gestellt; ich verlasse mich auf meinen Mantel und – was sich als weise herausstellt – meine Sonnenbrille. Immerhin legen die Hunde in 20 Minuten fünf Kilometer zurück. Bei Tempo 15 wird es durchaus frisch, auch wenn es für die Huskies schon fast zu warm ist. Dank der eisigen Wegstrecke erreichen sie trotzdem ein gutes Tempo, wälzen sich aber auch bei jeder Pause zum Abkühlen im Schnee. Wir haben ein gutes Gespann erwischt: Unser Schlitten fällt bei der wilden Hatz nicht um. Ein Riesenspaß für uns und die Hunde, die eindeutig Spaß an ihrer Arbeit haben.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Nach der Fahrt gab es für uns ein warmes Getränk, während die Hunde schon wieder durchstarteten: 60 Teilnehmer hatten die Tour gebucht (eigentlich sogar 62, aber die letzten Nachzügler mussten wieder zurücktreten – die Schlittenhundefahrt und die Schneemobile sind die Touren, die man frühzeitig buchen sollte), daher wurde die Masse in drei Fahrten abgearbeitet.

Das "WC" im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Das „WC“ im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Im Anschluss an die Fahrt war genug Zeit, um das Schneehotel anzusehen. Ganz aus Schnee ist ein Hotel mit Rezeption, Bar und mehreren Zimmern errichtet worden. Jedes Zimmer ist mit Wandreliefs verziert, die von sehr schön bis sehr kitschig reichen. Wem das WC (oder heißt das EC? Eis-Closett?) zu kalt war, kann auch im Hauptgebäude aus Stein sanitäre Einrichtungen nutzen. Wenn es draußen -40° hat, soll die Temperatur in den Zimmern bei molligen -18° liegen. Die Betten sind auch aus Eis, Bettwäsche (und wohl auch Schlafsäcke) immerhin nicht. Perfekt, um eine Beziehung abkühlen zu lassen…

Kirkenes selbst bietet wohl keine weiteren Sehenswürdigkeiten, und viel Zeit bleibt ohnehin nicht mehr: Das Schiff ruft. Auch die Gruppe, die die russische Grenze besucht hat, ist wieder vollständig zurückgekommen. Das nächste Ziel ist Vardø, wo man die alte Festung besuchen kann (die wohl gerade geschlossen ist) oder im Eismeer baden kann (was einige australische Touristen sogar machen. Viel Spaß).

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Für mich wird’s wieder ernst: Vor dem Abendessen steht noch mein vierter Vortrag an – Unser Kosmos, eine Reise durch das Universum. Natürlich steht auch wieder die Frage nach Polarlichtern an, aber obwohl der Kapitän wieder so lieb ist, das Licht auf dem Sonnendeck abzuschalten, gibt es nur ein paar strukturlose grüne Schimmer hinter den Wolken – zu wenig für schöne Beobachtungen, aber ideal um mit den Mitreisenden zu plaudern.

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme.

Übrigens, was man bei der Polarlichfotografiererei nicht vergessen sollte: Danach die Kamera wieder auf Normalbetrieb zurücksetzen. Ansonsten macht man beim nächsten Fotohalt erst ein Bild mit hoher ISO-Zahl, Spiegelvorauslösung und Langzeitbelichtung. Das nervt:-)