Alle beobachten die ISS

Der Gottie vom ClearSkyBlog bringt mich mal wieder um meinen Schlaf – die ISS ist zurzeit am Abendhimmel sichtbar, und er hat unter dem Hashtag #AlleBeobachtenDieISS zur gemeinsamen Beobachtung aufgerufen. Nun gut, wenn schon mal dunkel ist (nach einer Woche Island immer noch ungewohnt) und recht klarer Himmel, schnappe ich mir auch mal meine kleine Panasonic sowie ein Stativ und gehe kurz raus auf den Acker. Geknipst habe ich sie ja schon ein paar mal, jetzt soll zur Abwechslung gefilmt werden.

Pünktlich wie ein Uhrwerk taucht sie dann auch auf, zieht hoch über den Himmel am Großen Wagen vorbei, rammt beinahe noch die Wega und verschwindet kurz über dem Horizont im Erdschatten. Mit 6400 ISO und f/1,7 kann ich das sogar im Film einigermaßen festhalten. Aber seht selbst (was die Videokomprimierung nach dem Upload übrig lässt):

Alle beobachten die ISS – 6. Juni 2016, 22:54 MESZ from Alex Kerste on Vimeo.

Ebenso nett: Die Aktion hat es geschafft, das ein Astro-Thema auf Twitter trendet:-) Gratuliere allen Initiatoren zu dieser Idee!

Whisky im Weltall

Da ist mir der Stefan Gotthold doch glatt mal wieder zuvorgekommen – kaum taucht man endlich einmal ab, um am nächsten Buch zu schreiben (Deadline ist im November, uff), schon verpasst man alles… Vor drei Wochen ist eine Whiskyprobe zur Erde zurückgekehrt, von der ich bei all der ISS-Beobachtung nicht mitgekriegt habe, dass sie an Bord war (war aber auch eine kleine Probe – ein paar Reagenzgläser sind von der Erde aus kaum zu sehen).

Jetzt bin ich zwar eher Weintrinker (kein Wunder, wofür wohnt man in Württemberg), aber gegen einen guten Whisky ab und zu spricht nichts. Writer’s Tears ist mir ja schon mal in Augsburg über den Weg gelaufen, und mit Hurtigruten ist auf der MS Fram auch schon ein Fass um die Welt gereist – in der Hoffnung, dass der ständige Seegang, die Seeluft und die Temperaturschwankungen den Reifungsprozess positiv beeinflussen. Zum Vergleich wurde vorher eine Probeflasche abgefüllt, und das Ergebnis gibt’s auf der Fram im Bordshop (bei den norwegischen Preisen schon für ein normales Guiness will ich gar nicht wissen, was dann ein weitgereister Whisky kostet).

Die Ardbeg-Brauerei startet ins All

Die Ardbeg-Brauerei startet ins All

Die schottische Ardbeg-Distillery hat jetzt eine ähnliche Aktion durchgeführt, aber mit handfesteren wissenschaftlichen Ambitionen und in Zusammenarbeit mit NanoRacks LLC, die die Wirkung der Schwerelosigkeit (genauer: Mikrogravitation) auf Terpene erforschen will. Im Oktober 2011 brachte eine Progress-Kapsel neben den üblichen Versorgungsgütern auch ein paar Proben mit Whisky-Destillat mit, die in der Schwerelosigkeit reifen sollten. In Anbetracht der Frachtkosten wurde natürlich kein Whisky-Fass ins All geschickt. Die Space-Vial genannte Ampulle enthielt stattdessen kleine Holzstücke – schließlich macht das Fass einiges aus beim Reifeprozess und beeinflusst den Geschmack entscheidend. Genauer gesagt geht es um Terpene, die mit dem Holz des Fasses reagieren. Drei Jahre lang umkreiste die Probe an Bord der ISS die Erde (die Marketingabteilung kürte sie zum schnellsten Whisky aller Zeiten), während eine identische Kontrollprobe auf der schottischen Insel Islay reifte, in der Ardbeg-Destillerie.

Nach Abschluss des Experiments – mittlerweile sind beide Whisky-Destillate wieder auf der Erde – wird es sie aber nicht im Bordshop der ISS zu kaufen geben. Stattdessen werden beide Proben bei NanoRacks LLC in den USA chemisch untersucht: Hat die Schwerelosigkeit die Reifung beeinflusst, und lassen sich Unterschiede nachweisen? Die Reisegeschwindigkeit dürfte übrigens keinen Einfluss haben, schließlich wurde die Probe ja nicht beschleunigt (außer kurzfristig bei Start und Landung). Viel interessanter ist, ob die Durchmischung unter Schwerelosigkeit Einflüsse hat.

Dr. Bill Lumsden, der „Head of Distilling and Whisky Creation“ bei Ardbeg, kommentiert das Experiment mit: „Unser Team hofft, herauszufinden, wie sich die Geschmacksnuancen unter unterschiedlichen Gravitationsbedingungen entwickeln. Die Ergebnisse können den Reifungsprozess für Whisky von Grund auf revolutionieren.“

Ich glaube zwar nicht, dass große Unterschiede gibt, und noch weniger, dass wir in naher Zukunft die erste Destillerie in der Erdumlaufbahn erleben werden, aber was soll’s: Bei Wissenschaft geht es ja darum, dass man eben nicht weiß, was dabei herauskommt – ansonsten wären alle Experimente nur eine intellektuelle Freizeitbeschäftigung. Im nächsten Jahr sollen die Ergebnisse vorgestellt werden – warten wir einmal ab, was dabei herauskommt. Etwas mehr Hintergrundinfos gibt es unter Ardbegspace.de und http://www.ardbeg.com.

ISS über Heilbronn

Es ist mal wieder soweit – zurzeit ist die Internationale Raumstation ISS am Himmel zu sehen. Zeit, es mal wieder mit Fotos zu versuchen…

Im Prinzip ist es ganz einfach: Man nehme ein gutes Teleskop mit viel Brennweite – in meinem Fall kann ich ja auf der C14 der Heilbronner Sternwarte zugreifen – , eine gute Kamera (meine Nikon D7100 – wobei Vollformat wegen des größeren Sensors noch besser wäre, das erhöht die Chancen, die flinke Raumstation auf’s Bild zu bekommen) und die passenden Adapter, um die Kamera ans Teleskop anzuschließen. Tja, und dann noch den Sucher justieren, dass er möglichst gut passt (wir haben zum Glück einen Telrad und einen optischen Sucher montiert), dann mal an Jupiter scharfgestellt und den Fernauslöser montiert.

Jupiter war auch eine gute Möglichkeit um die Belichtungszeit grob abzuschätzen. Ich bin dann bei 800 ISO und 1/640 Sekunde Belichtungszeit gelandet – Öffnung (14 Zoll/35cm) und Brennweite (3900mm), also f/11, sind ja durch das Teleskop vorgegeben.

ISS über Heilbronn

ISS über Heilbronn

Die schöne Webseite http://www.heavens-above.com/ gibt für jeden Standort die Sichtbarkeitsdaten aus, und diesen Abend um 22:03 war es soweit: Als heller Stern (bis zu -3,3 mag, sogar noch heller als Jupiter) tauchte die Station am Nordwesthorizont auf, um fast im Zenit über Heilbronn hinwegzuziehen. Also: Alle Achsklemmen der Montierung gelöst, die Kamera auf Dauerfeuer gestellt (ist genau wie Liveview eine tolle Sache für so was), und ab dafür. Dank GPS-Empfänger, der den Fernauslöser durchschleift, habe ich auch bei dem Bild die korrekte Uhrzeit.

Knapp 300 Bilder später konnte ich mich dann an die Auswertung machen: Immerhin auf zehn Bildern war sie drauf, gar nicht so schlecht. Schön war sie aber erst fast im Zenit, als der Abstand am geringsten war – irgendwo um die 400km, vielleicht auch etwas weniger. Damit war sie am hellsten, aber auch am schwersten zu treffen, da dann langsam die Montierung dem Teleskop im Weg war, und es auch direkt nach oben gerichtet war.

Aber die Ergebnisse sind für meinen zweiten Versuch gar nicht so mies. Ich hab auch zum Größenvergleich noch ein Foto von Jupiter eingefügt, aus der Serie zum scharf stellen. Ja, die Bilder könnten etwas schärfer sein (nächstes Mal vielleicht doch etwas kürzer belichten), aber soweit schon mal nicht ganz schlecht. Nachbearbeitet ist noch nichts. Endlich lohnt sich auch mal die Pixeldichte der Nikon D7100: So füllt die Raumstation ein paar Pixel mehr, und man kann etwas mehr erkennen. Das Bild einfach anklicken, um zur vollen Auflösung gelangen.