Tag 1: Auf nach Bergen

Ist es wirklich schon wieder so weit? Ich war doch gerade erst in Norwegen und habe noch kaum etwas aufgearbeitet – aber es ist wirklich wahr: Mit dem 6. Februar startet meine nächste Tour. In der Zwischenzeit gab es aus Norwegen eher unschöne Nachrichten:

Der Sturm Tor wütete also ganz schön. Das kann ja heiter werden; ich freue mich schon auf die Fahrt über das Westkap.

Morgenrot in BaWü

Morgenrot in BaWü

Am viel zu frühen Samstagmorgen sieht es aber erst einmal vielversprechend aus: Um 10:25 startet der Flieger in Frankfurt, daher holt Marcus mich um kurz vor sieben Uhr ab. Schließlich halten wir nicht nur die Vorträge auf der Reise zusammen, sondern sind auch schon lange genug auf der Heilbronner Sternwarte tätig. Da bietet sich eine gemeinsame Fahrt zum Frankfurter Flughafen an. Zumindest in Baden-Württemberg ist das Wetter auch prächtig; klarer Himmel und schönes Morgenrot begleiten uns auf der Fahrt.

In Frankfurt finden wir trotz Baustelle auch rasch die Einfahrt zum Parkhaus und sind kurz nach acht am Baggage-Drop der Lufthansa, wo erst einmal alle Automaten-Computer abstürzen und wir zum klassischen Check-In geschickt werden, wo noch echt Menschen arbeiten und wir das Gepäck somit auch tatsächlich aufgeben können. Die Security streikt dieses Mal auch nicht, sodass wir mit ausreichend Zeit am Gate warten.

Das ist doch nicht unser Flieger???

Das ist doch nicht unser Flieger???

Und irgendwann kreuzt ein ziemlich großer Flieger der Star Alliance auf. Beim Online-Check-In sah der kleiner aus – und es ist auch nicht unserer, beim Boarding machen wir erst einmal eine Flughafenrundfahrt mit dem Bus, bis wir unser Maschinchen erreichen, das uns (ausgerechnet) nach Oslo bringt.

Übrigens habe ich es seit November geschafft, bei SAS Frequent Flyer mit Silber-Status zu werden. Das bringt mir etwa eine Gratis-Cola pro Flug ein zusätzliches Gepäckstück und einen besseren Platz auf der Warteliste, falls das Flugzeug überbucht ist. So was schafft doch Vertrauen… Und nein, ich bin nicht zu viel in Norwegen.

Übrigens lief der Hinflug zwar unter Flagge von SAS, wurde aber von der Lufthansa durchgeführt. Damit gab es eine Mahlzeit an Bord (Sandwich oder Joghurt-Müsli) und zwei Freigetränke. Die Sitzreihe hinter uns plündert die Biervorräte – keine schlechte Idee: Das letzte bezahlbare Bier für die nächsten zehn Tage… aber der Bedarf an Koffein ist stärker, und um kurz vor zwölf muss ich nicht mit Bier anfangen.

In Oslo landen wir beinahe pünktlich; der Flug war noch etwas turbulent, und in Oslo wurde – O-Ton vom Flugkapitän – eine Landebahn umgedreht, sodass wir eine Schleife fliegen drehen mussten. Eine umgedrehte Landebahn weckt seltsame Bilder in mir…

Frisch gelandet Flughafen Oslo

Frisch gelandet Flughafen Oslo

Oslo mit seinen knappen Umsteigezeiten ist mir ja noch in schlechter Erinnerung, knapp zwei Stunden sollten aber reichen. Und tatsächlich habe schon recht bald meine Tasche in den Händen. Bloß der aufgesattelte Rucksack fehlt. Und die Namensschilder. Und die Schlösser sind anders. Und überhaupt ist das gar nicht mein Gepäck, das kommt erst eine halbe Stunde nach der Landung auf das Gepäckband. Ups…

Immerhin, der Zeitpuffer ist groß genug, und es langt, sodass wir den Anschlussflieger problemlos erreichen und kurz nach halb vier in Bergen landen, wo Kai und Margit uns schon erwarten. Margit nimmt Marcus und die erste Hälfte der Gruppe schon mal mit dem Transferbus zum Schiff, Ich warte mit Kai auf den Rest, und bei verhältnismäßig wenig Regen machen wir uns dann auf die Fahrt durch die Stadt und zum Schiff.

Zum Fotografieren taugt das Wetter nicht wirklich, aber es mittlerweile noch hell genug, dass sich die Fahrt lohnt – das war im Januar schon noch anders. Am Hurtigrutenterminal (dessen Haupteingang immer noch defekt ist) gibt es dann das üblicher Prozedere mit Sicherheitseinweisung, Kabine in Beschlag nehmen und ab zum Kiwi auf der anderen Straßenseite, Vorräte kaufen, anschließend etwas Verwaltung: Wann können wir unsere Vorträge halten, was planen Kai und Margit, und überhaupt: Die letzte gemeinsame Fahrt ist ein Jahr her, was ist seitdem passiert?

Anschließend geht’s in Restaurant zum Bergen-Buffet. Da heißt es zunächst einmal anstehen, bis Plätze frei sind – anscheinend sind an die 400 Gäste an Bord. Aber ich muss sagen, das Warten hat sich gelohnt: Das Buffet überzeugt wirklich. Lecker. Ich werde auf der Fahrt wohl besser auf das Frühstück verzichten, sonst heißt es wirklich 11 Tage 11 Kilo…

Meine Kabine ist auch überraschend geräumig, das Schiff hat ein schönes Umlaufdeck und ein schön großes Achterdeck zum Polarlichter beobachten – die Trollfjord macht einen guten Eindruck. Und neben der hübschen Nordkapp und der rüstigen Lofoten fährt sie immerhin auch noch. Irgendwie scheint nämlich grad die halbe Hurtig-Flotte außer Gefecht zu sein. Die Finnmarken war letzte Woche in Bergen liegen geblieben und tuckert jetzt endlich wieder nach Norden, die Midnatsol wurde nach den Umrüstarbeiten für die Arktistouren nach Bergen geschleppt und liegt gerade in Florø im Dock, und auf der Werft in Rissa liegen die Kong Harald (deren Umbau länger dauert als geplant) und die Polarlys (die jetzt umgebaut werden soll) neben der Spitzbergen, die in Frühjahr/Sommer in Dienst gehen soll.

Auf der Infoveranstaltung vom Schiff werden ein paar Neuigkeiten erwähnt. Es gibt wieder eine Kaffeeflatrate, aber mit Karte statt Becher und nur für eine Fahrt, aber immerhin, und weil so viele an Bord sind, soll man zehn Minuten vor Abfahrt an Bord sein.

Aber für heute ist ohnehin keine Exkursion mehr geplant, stattdessen wird das Schiff erkundet (wo können wir unsere Kameras festschrauben, ohne zur Säge greifen zu müssen), was gibt es an Getränken, und wo kann man es am besten aushalten (sieht überall gut aus). Und natürlich: Wir haben WLAN ergattert:-) Und jetzt geht es von Bergen ab durch den Regen, auf die Reise zu hoffentlich klarem Himmel, ruhiger See und grünen Lichtern.

Neue Videos – Nordlicht GRP101 und Schnee auf dem Storsteinen

Den öffentlichen Teil meines Reiseberichts zur GRP101 kann ich nun abschließen – die letzten beiden Videos sind online. Fangen wir mit dem Nordlicht an: Wie immer habe ich meine Bilder zu einem Zeitraffer zusammengesetzt. Sobald Polarlicht zu sehen war, habe ich die Nikon D7100 an die Reling geschnallt und mit dem Tokina 11-16mm auf Dauerfeuer gestellt: Alle 11 Sekunden eine 5-Sekunden-Aufnahme mit automatischem Dunkelbild, das ganze bei 3200 ISO und f/2,8 bei 11mm Brennweite. Dabei ist mir zwar die ein oder andere Show über uns durch die Lappen gegangen, aber ich wollte einmal ausprobieren, die Kamera nicht zu bewegen und so längere Filme ohne Sprünge zu kriegen. Bei der letzten Fahrt stand das Polarlicht günstiger, sodass ich mehr vom Schiff drauf hatte, bzw. ich hatte die Kamera auf Deck 5 vorne oder seitlich anstatt wie auf dieser Reise oben auf Deck 7.

Nordlicht und Sterne GRP101 from Alex Kerste on Vimeo.

Ich muss das Video nächste Woche nochmal in HD hochladen… Es ruckelt etwas stärker, da ich professionelle Software benutzt habe, oder so… Das letzte Video habe ich ja mit der Software von GoPro erstellt und da zwar sehr schöne Übergänge von Bild zu Bild gehabt, dafür sind mir die Sterne „weggelaufen“, bzw. es gab ein paar seltsame Wellenbewegungen im Bild, da die Übergänge auf die großen Polarlichter statt die kleinen Sterne ausgerichtet waren. Jetzt habe ich mir LRTimeLapse geleistet, wenn auch nur in der einfachen Version – trotz Glättung ruckelt es stärker, dafür arbeitet es mit Adobe Lightroom zusammen. Die Suche nach der perfekten Software geht weiter (oder die Pro-Version kann mehr).

Außerdem habe ich die Filmchen vom Handy auf den Laptop gekriegt, die ich auf dem Storsteinen in Tromsø gemacht hatte. Das Schneetreiben da oben war deutlich unangenehmer als der Seegang auf dem Schiff, aber der Sonnenuntergang war die Strapazen wert.

Schnee auf dem Storsteinen from Alex Kerste on Vimeo.

Tag 12 – This the End

Der letzte Reisetag ist immer etwas seltsam, wenn man die komplette Tour bis Bergen macht: Die Kabinen müssen nach dem Frühstück geräumt werden, in der Regel also gegen 10 Uhr. So hat die Crew eine Chance, das Schiff wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen, bis am am Abend die nächsten Gäste zum Bergenbuffet einchecken. Das Problem mit dem Zeitdruck ist ganz gut gelöst, da das große Gepäck in den Laderaum gebracht wird, wenn man es rechtzeitig vor den Fahrstühlen deponiert – diesmal war die Deadline um 9 Uhr. Nächstes Mal werde ich wohl auch mein Handgepäck da abgeben, ansonsten muss man doch den ganzen Tag darauf aufpassen. Nur habe ich diesmal zu viel Glas dabei, daher will ich es nicht dem Gepäckband im Hurtigrutenterminal anvertrauen. Also sitze ich wieder mal auf meinem Handgepäck…

Schneesturm am Morgen...

Schneesturm am Morgen…

Die letzte Etappe bringt eine schöne Landschaft, allerdings dampfen wir Non-Stop von Florø (Abfahrt 8:15) nach Bergen (Ankunft 14:30). So weit im Süden ist die Hurtigrute nicht als Versorgungslinie nötig; der anspruchsvolle Part ist der hohe Norden. Daher wird nicht mit den anderen Fährverbindungen und Reedereien konkurriert, sondern nur Bergen als wichtigster Umschlaghafen angesteuert.

Wir nutzen die Gelegenheit, um ab elf Uhr unsere Foto-Impressionen in einer fast einstündigen Bildershow zu zeigen: Ohne Worte laufen noch einmal die vergangenen Tage über die Leinwand. Jede Reise ist ja anders, und jeder Reiseleiter und Lektor hat seinen eigenen Spielraum, was er neben dem Pflichtprogramm noch anbietet. Als erfahrene Urlauber haben Volker und ich uns schon länger angewöhnt, die Bildermassen zeitnah zu sichten und die brauchbaren Bilder zu sammeln, und das Ergebnis kann sich mal wieder sehen lassen. Die Teilnehmer unserer Reise erhalten die Bilder auch in hoher Auflösung über die Geheimseite, die auf der Reise bekannt gegeben wurde; die Serverkosten werden über das Trinkgeld finanziert:-) Meine Zeitrafferfilme gibt’s wieder über Vimeo auch für die Öffentlichkeit, ich muss sie nur noch ein wenig überarbeiten

Ansonsten gibt es über den letzten Reisetag eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass wir ständig anderes Wetter hatten. Den Anfang machte ein kleines Schneegestöber, das zwar sehr mystisch war, aber nicht sehr fotogen (Kudos an den Flix für diese Erkenntnis). Ansonsten gab es alles von Sonne bis Nebel, gerne auch gleichzeitig.

Zum Abschied gab es dann noch ein Farewell-Lied von Johan, das mit Applaus belohnt wurde – er hat ja die ganze Fahrt über mehr als eine gute Show geliefert und weit mehr als nur das Pflichtprogramm gemacht.

In Bergen ging es dann flott: Auschecken, ein Blick zurück auf das Schiff, das Gepäck vom Transportband holen, und dann ab zum Zubringerbus Richtung Bergen Lufthavn (zumindest für alle, die nicht noch einen Bonustag in Bergen haben). Unser Flieger nach Amsterdam startet pünktlich, und erst in Amsterdam-Schiphol gibt’s dann Stau wegen viel Verkehr Richtung Süden – knapp 15 Minuten warten auf der Rollbahn. Am Zielflughafen Frankfurt dürfen wir im Flieger auch noch einmal warten – niemand weiß, wo die Busse gerade hinfahren, die uns abholen sollen. Aber ein großes Lob an die Crew von KLM, die uns immer auf dem Laufenden hält. Gegen 23:00 die Beruhigung: Das Gepäck ist auf dem Laufband und größtenteils heil geblieben. Und dann: Ab ins Auto und nach Hause.

Das war’s. Bis November habe ich keine Hurtigrute mehr. Ganz Feierabend ist trotzdem noch nicht: Die Nordlichtfilme müssen noch aufbearbeitet werden, und Reiseberichte sind zu schreiben. Die nächste Tour ist dann vom 3.-14. November 2015, natürlich wieder auf der Nordkapp. Dann heißt es wieder: Hunting the light, auf der schönsten Seereise der Welt!

Tag 11 – Endlich Lofoten!

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Frisch aus der Werft: Die MS Lofoten in Trondheim.

Für einige ist es ja das Highlight der Reise: Im Hafen von Trondheim begegnen wir der Lofoten nach ihrem Werftaufenthalt. Einen Besuch ist sie auf jeden Fall wert: Noch bis in die 90er Jahre waren das die üblichen Schiffe für die Hurtigrute; in den 1980ern war die Flotte zwar um drei Schiffe ergänzt worden, die aber eher auf Container ausgelegt waren – von diesen dreien fährt nur noch die umgebaute MS Vesterålen die Route, Narvik und Midnatsol sind bereits ausgemustert. Und die mittlere Schiffsgeneration wie die Nordkapp kam erst in den 90ern, fährt nun aber auch schon seit rund 20 Jahren. Die MS Lofoten ist mittlerweile seit 50 Jahren unterwegs und wurde in der Werft wieder auf den Stil der 1960er umgestaltet. Mal sehen, wie lange dieser robuste Oldtimer noch im regulären Dienst betrieben wird – vorläufig gibt es jedenfalls noch die Möglichkeit, die klassische Postschiffreise auch auf einem klassischen Postschiff zu unternehmen, und genügen Enthusiasten, die auch die Nordstjernen in Betrieb halten. Bei guter Pflege ist das Alter kein Probleme, die Schiffe sind robust gebaut – kritischer sind Ladekapazität und Komfort.

Nach dem Besuch auf der Lofoten gab es eigentlich zwei Gruppen von Gästen: Die einen waren froh, ihre vergleichsweise geräumigen Kabinen auf der Nordkapp zu haben, die anderen buchten schon die nächste Reise auf einem Oldtimer und schwankten nur noch zwischen Ostsee auf der Nordstjernen und Hurtigrute auf der Lofoten. Wer die Reise bucht, muss wissen, auf was er sich einlässt – und dann kann es eine einmalige Tour sein, die viel mehr mit klassischer Seefahrt zu tun hat als die heutigen großen Schiffe.

In Trondheim verließen ein Großteil der Passagiere und der Besatzung das Schiff; auch die Nordlicht-und-Sterne-Reise endet oft genug in dieser hübschen Stadt. Da es für die GRP101 bis Bergen weiter geht, gab es für unsere Gäste noch einmal volles Programm. Im Anschluss an das Ablegen in Trondheim stand um 10:30 die Info-Veranstaltung zum Ausschiffen auf dem Terminplan: Wie checke ich an einem Flughafen, der nur noch beim Sicherheitscheck echtes Personal beschäftigt (wobei ich ja noch darauf hoffe, dass das irgendwann auch automatisiert wird – einen wirklichen Sicherheitsgewinn sehen ich bei der ganzen Paranoia nicht)? Wann muss die Kabine geräumt werden, und wohin mit dem Gepäck? Wie wird abgerechnet?

Nach den ganzen technischen Fragen und dem Mittagessen ging es entspannt weiter: Kai bot seinen Vortrag „Wussten Sie schon?“ mit Wissenswertem und Unterhaltsamem rund um Norwegen an. Ich beschäftigte mich stattdessen lieber mit einem anderen norwegischen Souvenir, dem Husten – nachdem mich heute in aller Frühe der Hochdruckreiniger aus dem Bett geholt hatte, holte ich etwas Schlaf nach und ignorierte die schöne Landschaft.

Je näher wir Bergen kommen, desto trüber wird das Wetter. Eine Stunde vor dem Abendessen versammeln wir noch einmal die ganze Gruppe im Panoramasalon für eine kleine Abschiedsveranstaltung. Volker und ich beschränken uns auf ein Dankeschön, während Margit und Kai noch einen augenzwinkernden Rückblick auf die Reise und das Land werfen. Abschließend heißt es noch einmal Skål, und dann ab zum letzten Dinner.

Da wir das Gepäck morgen früh schon um 9:00 Uhr vor die Fahrstühle stellen sollen, heißt es am Abend noch ein wenig packen – und bei mir ein wenig schlafen, zumindest bis ich gegen 22:00 wieder fit bin und in der Bar noch ein paar Leute treffe. Viel ist aber nicht mehr los, sodass ich dann wie die meisten anderen wohl auch die Nacht und das üblicherweise unruhige Westkap verschlafe.

Tag 10 – Zurück über den Polarkreis

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Going south: Der Polarkreis ist in Sicht!

Der Tag beginnt wieder recht früh: Das morgendliche Treffen mit der MS Trollfjord schenke ich mir zwar (von der habe ich letztes Jahr schon ein schönes Foto gemacht), aber die Polarkreisüberquerung muss diesmal sein. Heute passieren wir die Insel wieder ganz regulär auf der linken Seite, sehen sie also rechts. Alles drängt sich auf Deck 7, und mit knapp 20 Minuten Verspätung passieren wir schließlich das Polarkreismonument. Das Wetter ist noch einmal auf Arktis eingestellt: Eine dicke Wolkendecke und Sprühregen zeigen, dass der Polarkreis nicht nur für Mitternachtssonne und Polarnacht steht, sondern auch für etwas raueres Wetter als in unseren heimatlichen Breiten. Aber das gehört dazu.

Das Inselchen

Da ist es ja, das Inselchen.

Anschließend steht die Polarkreis-Zeremonie auf dem Programm, im windgeschützten Bereich des Sonnendecks – schließlich ist das hier nicht Mallorca! Johan lässt noch einmal die vergangen Tage Revue passieren: Wir waren weit im Osten, waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Hammerfest), waren in der nördlichsten Stadt der Welt (Honningsvåg) und haben einige schöne Polarlichter erlebt. Und wie versprochen beinhaltet die südgehende Polarkreis-Zeremonie kein Eis, und auch Neptun muss nicht mehr mit seiner Maske kämpfen – jetzt gibt’s was für die Gesundheit.

Lebertran.

Die Polarkreiszeremonie

Die Polarkreiszeremonie

Damit auch möglichst viele teilnehmen, darf man zur Belohnung den Löffel behalten. Das Angebot wird auch gut genutzt, und diesmal wird auch darauf geachtet, dass niemand nur den Löffel einsteckt und den Lebertran entsorgt. Irgendwer probiert’s zwar immer, aber diesmal ohne Erfolg. Recht so!

Während der Show, die zum Winterprogramm der Hurtigruten gehört, gibt es auch die Gelegenheit, mit den anderen Passagieren ins Gespräch zu kommen. Nur fotografieren ist etwas knifflig: Ständig ist Wasser auf dem Objektiv, die Kamera hat einen ziemlich hohen Verbrauch an Taschentüchern… Trotzdem lohnt es sich, den ganzen Tag über immer wieder nach draußen zu schauen: Es gibt ständig neues Wetter, und wir fahren nun die längste Sage entlang – die von den Sieben Schwestern. Wer die Kunstführung von Kai durch das Schiff schon einmal gehört hat, kennt sie: Die Magd Lekemøya, die die sieben Prinzessinnen vor dem Hestmannen beschützen wollte. Die Legende beginnt mit dem Hestmannen am Polarkreis und führt bis zum Torghatten bei Brønnøysund. Heute halten die Akteure sich leider eher bedeckt.

Lichtspiele vor Brønnøysund

Lichtspiele vor Brønnøysund

In Nesna halten wir nur kurz, und in Sandnessjøen sind die sieben Schwestern zumindest zu erahnen: Ihre Köpfe stecken jedoch in den Wolken. Nachdem wir den Hafen verlassen, haben wir theoretisch bessere Sicht auf sie, aber in der Praxis sehen wir nur Wolken. Dabei waren sie der Legende nach Nacktbaden… Aber zu jeder Legende gehört etwas geheimnisvolles, und Trolle sind ja dafür bekannt, aus gutem Grund das grelle Tageslicht zu meiden.

Die wichtigste Erkenntnis des Tages ist übrigens (je nach Interessensschwerpunkt): Die MS Lofoten ist rechtzeitig aus der Werft aufgebrochen, um zumindest ab Ålesund ihre Tour aufzunehmen, sodass wir sie morgen in Trondheim treffen können.

Bis Brønnøysund verläuft die Reise ruhig und ereignislos, solange man nicht aus dem Fenster schaut: Norwegen präsentiert noch einmal die gesamte Wetterpalette. Der Svalbard-Salong (besser bekannt als die Bar auf Deck 7) und die windgeschützten Bereiche auf dem Sonnendeck sind wunderbar geeignet, um die Fahrt zu genießen. Kurz vor Brønnøysund gibt es zum Abschluss noch einen wunderbaren doppelten Regenbogen.

Einfach schön. Die nächsten vier Bilder sind übrigens im Zeitraum von vier Minuten entstanden:

Im Kiosk am Kai in Brønnøysund gibt es angeblich das beste Eis in ganz Norwegen, und schlecht ist es wirklich nicht. Aber ist es Konkurrenz zu unserer Stamm-Eisdiele in Heilbronn? Bin mir nicht sicher – jedenfalls ist die Auswahl kleiner. Ich muss noch ein paar Mal probieren…

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Die Nordkapp in Brønnøysund.

Brønnøysund ist ein hübscher kleiner Ort, für den wir viel zu wenig Zeit haben – wir haben wieder etwas Verspätung. Später erfahre ich auch den Grund dafür: Der Kapitän hat wegen der Wellen immer wieder etwas Tempo herausgenommen, damit wir eine ruhigere Fahrt haben. Daher starte ich diesmal ohne Kamera (vom Handy mal abgesehen); nach dem außer der Eisdiele nur das Einkaufszentrum auf dem Plan steht. Aber das Wetter ist gnädig, und für ein paar hübsche Schnappschüsse vom Schiff langt’s.

Nur für den Torghatten sieht es schlecht aus: Der Berg selbst ist natürlich zu sehen, nur das Loch in ihm hebt sich kaum vom Hintergrund ab. Daher wird er nicht einmal als Highlight angesagt, stattdessen kommt nur der Hinweis, wann „feeding time“ ist – wegen Captain’s Dinner schon um 18:00 Uhr. Der Vollständigkeit halber probiere ich mein Glück dennoch am Torghatten. Außerdem steht die Venus gerade in einer Wolkenlücke auffällig neben der schmalen Mondsichel, und wenn es noch etwas dunkler wäre, wäre auch Mars direkt daneben zu sehen, so bleibt er hinter dem Wolkenschleier verborgen. Hübsch.

Ein Grund, warum ich die Hurtigrute so mag, ist die lockere Einstellung – auch das Captain’s Dinner wird nicht so ernst genommen, sondern ist eine lockere Abschiedsveranstaltung, bei der man einmal die Crew kennenlernen kann. Pünktlich kurz nach dem Einlaufen in Rørvik sind wir auch mit dem Essen fertig. Die Kong Harald musste mit dem Anlegen auf uns warten, da wir wieder etwas langsamer unterwegs waren. Trotzdem blieb genügend Zeit für einen Besuch im Coop, um Pfandflaschen abzugeben und Reisesouvenirs zu kaufen (Typisch Norwegisch: Schinken in der Tube). Von den DVDs ließ ich aber die Finger: Dragetreneren 2 (How to train your Dragon 2) für umgerechnet 20 Euro ist mir dann doch etwas zu teuer. Also ging es in strömendem Regen wieder zurück auf’s Schiff.

Den Abend nutzt Johan nicht nur dazu, wieder etwas Musik zu machen, sondern auch, um etwas Angst zu machen: We are expecting some movement, between camel and donkey ride. Aber das kennen wir ja schon. Die offene Seestrecke scheint sich diesmal aber doch etwas mehr Mühe zu geben: Die Aufzüge werden abgeschaltet, und Johan spielt bis zum Schluss auf der Gitarre. Das letzte Stück: Riders on the Storm. Anschließend legt er die Lautsprecher sturmsicher auf den Boden.

Some waves on MS Nordkapp south of Rørvik from Alex Kerste on Vimeo.

Im Lauf der Nacht schaukelt es tatsächlich ein wenig, aber die Nordkapp verkraftet das gut, und die Passagiere soweit ich das mitkriege auch – mittlerweile können alle bei Seegang laufen, oder verschlafen ihn einfach. Ich kämpfe mich mit Volker an Deck 5 an den Bug: Wie geil. Unter der Brücke ist es windig, aber trocken, während rechts und links die Gischt hochspritzt. Auf Fotos kommt das bei weitem nicht so schön oder eindrucksvoll rüber wie in echt. Ein Riesenspaß!

Später im Lauf der Nacht gelingt es mir immerhin, ein paar Eindrücke zu filmen, mit der Nikon D7100 und dem 30mm f/1,4 Sigma-Objektiv (das ich nach der Aktion auch noch mal putzen müsste, fällt mir gerade ein). Und dann ist es auch schon an der Zeit, sich in den Schlaf wiegen zu lassen, schließlich steht morgen Trondheim mit der Lofoten auf dem Plan.

Tag 6 – Rund ums Nordkapp

Ich weiß nicht, warum das Nordkap so einen Schlecht-Wetter-Ruf hat – bei drei Besuchen hatte ich nun jedesmal prächtiges Wetter. Die Fahrt um die Insel Magerøya herum war ruhig, und bei schönstem Sonnenschein ist sie ein Erlebnis. Irgendwo in dem Kanal haben wir auch den Tunnel überquert, der Honningsvåg mit dem Festland verbindet, aber an Bord war davon nichts zu bemerken.

Volker und Sabine nutzen ein paar noch freie Plätze für die Nordkapp-Tour aus, während ich den anderen Teil Honningsvågs anschaute, also den ohne Shell-Tankstelle. Die Gegend ist auf jeden Fall schöner als der Bereich um den berühmten 71. Breitengrad, auch wenn wohl ein nennenswerter Teil der Bevölkerung mit der Schneeabfuhr beschäftigt ist.

Zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten gehören die Kirche, ein Denkmal für einen Regisseur, das einen schönen Aussichtspunkt markiert (und für nächstes Mal auf meiner Sightseein-Liste steht), und natürlich das Hurtigrutenschiff MS Nordkapp, das elegant in einem Schneehaufen parkt – zumindest sieht es so aus.

Dieser Teil der Stadt ist allemal sehenswerter als die Bereiche im Norden, auch wenn ich keine so überzeugenden Troll wie letztes Mal gesehen habe. Der Souvenirshop im Ort hat ein großes Angebot, trotzdem lasse ich kein Geld da – und anstelle des Nordkap-Museums zieht es mich noch einmal auf die andere Hafenseite, Bilder vom Schiff machen. Die Sonne steht gerade günstig:

Nicht im Bild festgehalten habe ich die Sicherheitsübung, die wohl immer wieder in Honningsvåg stattfindet. Diesmal wurde Abandon Ship geübt. Aber das war Crew only; wer in der Kabine blieb, durfte mit dem Schiff untergehen:-)

Die Nordkap-Fahrer waren auch wieder rechtzeitig an Bord, wo statt Mittagessen Waffeln und heiße Schokolade auf sie (genauer gesagt: auf Käufer) warteten, sodass die Reise weiter gen Osten gehen konnte. Am Nordkap war das Wetter wohl noch besser als im letzten Februar, dafür war zumindest ein Bus deutlich besser beheizt, als nötig gewesen wäre.

Der Nachmittag ging wieder mit Vortragsvorbereitungen vorüber, aber kurz vor halb fünf gab es wieder die Chance, die Finnkirke zu fotografieren. Am annähernd hellichten Tag wirkt sie weniger imposant als in der langen Dämmerung im Januar, dafür stand Orion schön über ihr. Und das kitschige Farbenspiel war immer noch auffällig, obwohl die Sonne gerade erst unterging.

Respekt für die Krabbenfischer

Respekt für die Krabbenfischer

Der Himmel war zwar immer noch perfekt, dafür kamen wir langsam in einen leichten Sturm: Das Gewackel nahm zu, die Türen auf Deck 5 hatten Probleme damit, aufzugehen, und die Krabbenfischer, die uns nach der Finnkirke besuchten, mussten sich beim Anlegen ans Schiff etwas mehr Mühe geben. Aber Profis hält das nicht auf, und wer wollte, konnte sich wieder mit dem Abendessen fotografieren lassen (auch wenn es nicht exakt diese Krabben gibt).

In Kjøllefjord kam dann auch die Durchsage, dass die Schneemobiltour nach Mehamn wegen Sturm gecancelt wurde – es war unklar, ob wir den Hafen anlaufen und die Teilnehmer wieder an Bord nehmen könnten. Tatsächlich fiel Mehamn dann auch aus.

Nach Kjøllefjord stand dann das Nordkap-Buffet als Abendessen auf dem Programm – feste Sitzplätze, aber freie Essensauswahl. Das ist gar nicht schlecht, da es so schneller geht und alle, die Interesse hatten, pünktlich um 20:00 in unserem Abendvortrag über das Sonnensystem saßen. Immerhin gut die Hälfte unserer Gäste war anwesend, die See forderte ihren Tribut. Der Konferenzraum ist ganz vorne im Schiff und schwankt somit maximal, aber alle Anwesenden hielten sich auf ihren Stühlen, während wir auf einer eigenen Hurtigrute acht Planeten sowie die kleineren Mitglieder des Sonnensystems abhandelten und die Bilder der letzten Nacht präsentierten.

Die Polarlichtprognose war mäßig – schade, da das wohl bis auf weiteres die letzte wirklich klare Nacht im Polarlichtoval sein würde. Aber gestern gab es ja schon ein beeindruckendes Schauspiel über dem gesamten Himmel, und so gab es eine Premiere: Zum ersten Mal konnte ich den Vortrag vollständig halten, ohne vom Polarlicht unterbrochen werden. Also auf zu einem ruhigen Abend in der Bar.

Habe ich schon erwähnt, dass das Polarlicht unberechenbar ist? Es war schon einiges zu sehen, als wir zum Kontrollblick auf den hell erleuchteten 7. Stock standen. Da um 21:45, also in der nächsten Viertelstunde, der Hafen Berlevåg angelaufen werden sollte, gaben wir noch keinen Alarm. Etwas später kam dann die Durchsage, dass wir auf der rechten Seite die MS Nordlys passieren und außerdem Nordlys am Himmel sehen. Ähm – und der Hafen in Berlevåg? Wurde wegen schlechtem Wetter ausgelassen. Also mit der Rezeption geredet, dass doch bitte, bitte die Beleuchtung ausgeschaltet werden sollte, und dann ging eine Show los, die den gestrigen Abend sogar noch übertraf.

Eine wunderhübsche Corona über uns. Ich habe sie nicht ganz geknipst, da ich die Kamera an der Reling hatte und mich zwischendurch verabschiedete, um an der Rezeption um eine erneute Durchsage zu bitten. Die erfolgte etwas zögerlich, da schon so viele Durchsagen gemacht worden waren und es immer wieder Polarlicht gibt, aber als wir dann die Bilder präsentierten, glaubte uns der Kollege an der Rezeption dann doch, dass sich die Meldung gelohnt hat, und setzte sie auch bei Facebook rein.

Nach der größten Show schraubte ich die Kamera noch für Timelapse-Aufnahmen bis Mitternacht an die Reling, auch wenn so natürlich nicht alles im Bild festgehalten wurde. Aber es waren ja genug mobile Kameras an Bord, um das Spektakel zu dokumentieren.

Gegen ein Uhr gab dann auch der Käptn eine Polarlichtwarnung durch, allerdings war es dieses Mal deutlich schwächer als vor Mitternacht. Ein paar nette Bilder haben trotzdem geklappt:

Gegen vier Uhr gab es wohl noch ein starkes Polarlicht samt Meldung über den Info-Kanal vom Schiff, aber die ging völlig an mir vorbei – ich hörte erst die Meldungen für Kirkenes wieder…

Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

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Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der „Hauptstadt des Lichts“). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Tag 3 – Ein ruhiger Tag in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

MS Vesterålen und MS Nordkapp in Trondheim

Heute stand Trondheim auf dem Plan – und nachdem ich schon um 2:00 den Rechner zugeklappt hatte, als die Bilder des Mitternachtspolarlichts zu einem kleinen Film verarbeitet waren, hat das mit dem Gang in die Stadt sogar geklappt. Aber vorher gab’s eine Premiere: Einen Besuch auf der MS Vesterålen. Ich bleibe dabei, dass sie von außen betrachtet kein schönes Schiff ist, aber der Innenraum hat durchaus seinen Reiz: Ein verwinkeltes Schiff mit recht rustikaler Ausstattung, aber interessant. Allerdings ist das Außendeck sehr glatt – wo auf der Nordkapp zumindest Gittermatten liegen, ist auf der Vesterålen Eis zu finden.

In Trondheim hatte ich kein Touri-Programm geplant, sondern Shopping. Die kleineren Läden machen aber meist erst gegen 10 Uhr auf, sodass die Auswahl begrenzt war. Und im Einkaufszentrum am Marktplatz gab es zwar eine interessante Architektur (viele kleine Häuser, die in die Einkaufspassage integriert sind), aber nichts, was meinen Kaufreflex ausgelöst hätte. Sehr interessant: In der Buchhandlung stand an fast jedem Bücherstapel „Verkauf erst ab Montag“. Na dann halt nicht.

Im Torgcenter Trondheim.

Im Torgcenter Trondheim.

Das Stadtzentrum von Trondheim ist 20 bis 30 Minuten vom Anlegeplatz unseres Schiffs entfernt, sodass es kein Problem ist, die wichtigsten Ziele zu Fuß anzusteuern. Volker und Sabine hatten das Tourismusprogramm durchgezogen, und nach einem schnellen Kaffee waren wir auch rechtzeitig zur Abfahrt wieder auf der Nordkapp.

Pünktlich um kurz nach 12 stand dann ein Techniktest auf dem Programm: Gelingt es uns, im Vortragsraum zwei Mikrofone gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, sodass Volker und ich und beim Vortrag abwechseln können? Die Antwort lautet ja, es geht (auch wenn es gelegentlich etwas Rückkopplung gibt). Da mein normaler Vortragstermin durch den Tourguide geblockt war, der da die Ausflüge vorstellen wollte, konnte unser Vortrag über atmosphärische Phänomene erst um 16:30 stattfinden.

Kjeungskjaer fyr

Kjeungskjaer fyr

Das gab mir die Chance, den Leuchtturm Kjeungskjaer fyr einmal in echt zu sehen – normalerweise bin ich bei der Passage gegen 14:30 immer im Vortragsraum. Jetzt kann ich bestätigen: Es gibt ihn wirklich. Süß.

Ab 16:00 beim Aufbau wurde mir auch klar, warum ich den Vortrag gerne früher halte: Es gab ein Stück offenere See, und am Bug war das Schwanken durchaus deutlich – zum Glück ließ es zum Vortrag wieder nach. Nur die Technik neigte zu Fehlfarben, und ich konnte das Abendgrün präsentieren. Irgendwie ist es blöd, wenn der Rotkanal im Bild fehlt…

Pünktlich zum Abendessen ging es dann auf die Folda, das nächste Stück offenes Meer. Die Wolkendecke hielt sich bis in die Abendstunden, sodass anschließend ein ruhiger Abend mit Kniffel anstand, und vergleichsweise frühem Feierabend. Die letzten Testbilder gegen 23:00 zeigten kein Grün, sodass alle zur Polarkreisüberquerung ausgeschlafen erscheinen können – morgen früh ab 7:00 ist Meeting auf dem Deck, als Vorbereitung auf die nächsten Nachtschichten werden wir aber wohl darauf verzichten. Die Wetteraussichten sind nicht ganz schlecht.

Von der Polarlys, die heute mit der nächsten Nordlicht-und-Sterne-Tour in Bergen startet, gibt’s auch News via Twitter:

Hübsche Glorie:-)

Und bevor Fragen aufkommen, ein paar Bilder vom Mittagsbuffet und Abendessen:

Die Nordkapp hinter der Richard With

Die Nordkapp hinter der Richard With

Auch nicht zu vergessen: Am Abend gab es noch ein Treffen mit der MS Richard With und die Möglichkeit, sich in Rørvik die Beine zu vertreten. Und mittlerweile kennen wir die meisten Kameras der Passagiere – das Polarlicht kann kommen. (Aber nicht morgen Abend, wenn wir auf dem Lofotr-Wikingerfest sind.)

Tag 2 – First Light

Trüber Himmel über Torvik

Trüber Himmel über Torvik

Ein trüber Tag in Norwegen: Nachdem es in der Nacht noch ein wenig geschaukelt hat (am Bug war’s echt schön, wenn auch etwas dunkel), hatte auch das Westkap zum Frühstück mit mäßigem Wellengang angedeutet, was es kann. Oder, wie unser Tourguide so schön meinte: Der Seegang war zwischen Esel- und Kamelreiten; aber noch kein Bullenreiten. Also relativ harmlos… Dem ein oder anderen unserer Gäste hat es den Appetit trotzdem vermiest, aber ein leerer Magen ist der falsche Ansatz bei aufkommender Seekrankheit (genau wie Tabletten schlucken – die müssen vorher genommen werden. Tipp von unserer Reiseleiterin: Ein Waldspaziergang hilft). Zum Glück bin ich da unanfällig, auch wenn es schon beeindruckend ist zu sehen, wie der Horizont zwischen oberem und unterem Fensterrand hin- und herpendelt.

Aber die offene See geht ja nie lange, und gegen 10:30 erreichen wir Torvik. Von Bord gehen lohnt sich aber nicht: Einerseits sind wir nur kurz da, und andererseits macht das Wetter auch keine Lust darauf. Grauer Himmel, graue See – wenn es so bleibt, dann mal gute Nacht.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Eine Infoveranstaltung jagt die andere.

Was sind die Alternativen? Um 10:15 wird der Polarlichtfilm von Hurtigruten gezeigt, der wieder einmal meinen morgigen Vortrag vorwegnimmt. Im Anschluss, um 11:00, halten wir unsere Infoveranstaltung: Allen Gästen sagen, wo es die Infos gibt, was wir machen, wer wir sind, wo es die Vorträge gibt und dass morgen in Trondheim die letzte sinnvolle Möglichkeit ist, fehlendes Foto-Equipment nachzurüsten (da wir Sonntags in Tromsø sind). Außerdem: Gäste kennenlernen. Und um 11:30 gab’s schon Mittagessen, da wir ab 12:00 in Ålesund sind – wer an den Landausflügen teilnehmen will, hat so auch die Gelegenheit, etwas zu Essen. Bei uns ist es entspannter, und vor allem: Die Warnhinweise bezüglich Kamera haben funktioniert, die ersten Kameraeinstellungen konnten wir schon vornehmen. Jetzt habe ich auch mal eine Sony Alpha in der Hand gehabt, wieder ein neues Kameramodell kennengelernt:-)

Nach der Shoppingtour letztes Mal stand heute wieder der Aksla auf dem Programm, der Hausberg von Ålesund. Die reguläre Treppe ist wegen Bauarbeiten gesperrt, aber es gibt eine Alternative, die allerdings einen Umweg beinhaltet und somit etwas länger dauert. Durch ein Winterwunderland geht es jetzt über verschneite Treppen hoch auf den Aksla – besseres Schuhwerk wäre kein Fehler gewesen, aber mit dem Aufstieg hat man sich immerhin des Mittagessen verdient (ach Blödsinn – ich werde für die Tour bezahlt, da ist das Essen inclusive). Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall: Wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt.

Das Wetter wird immer besser, die vorhandenen Wolken sind geradezu malerisch, und es ist sogar klarer Himmel zu sehen. Der Wetterbericht hat anderes versprochen, aber damit können wir sehr gut leben. Vom Aksla aus sehen wir sogar die MS Lofoten, die gerade auf Werft liegt – wenn auch nur klein am Horizont; auf dem Foto ist sie rechts in der Bucht zu erahnen. Und der größte Lofotenfan an Bord war nicht auf dem Aksla und musste sich mit Fotos begnügen:-)

Alt und neu.

Alt und neu.

Auf dem Rückweg zum Schiff bemerke ich zum ersten mal so richtig, was sich eigentlich in dem Bau am Kai verbirgt: Hier wird ein altes Boot nachgebaut. Das Projekt nennt sich Bankskøyta – hier wird ein Sunnmore Bank Fischerboot nachgebaut, da alle Originale verloren gegangen sind. Zwischen 1860 und etwa 1900 wurden über 300 dieser Schiffe gebaut und ab etwa 1910 durch Motorboote ersetzt. Das Blog dazu gibt’s unter http://bankskoyta.no. Im Herbst 2015 soll das Schiff fertig sein. Man findet doch auf jeder Reise etwas neues.

Die Polarlichtvorhersage für heute Abend war so lala, aber bei Sonnenschein ließen wir Ålesund hinter uns. Für Volker und mich war es Zeit, uns trotzdem in die Kabine zu verziehen: Morgen steht der erste Vortrag an, und das muss ja einmal durchgespielt werden. Kurz vor 18 Uhr dann eine Durchsage: Johan Pearson, unser Tourguide, lädt zu einer Recap (auf Englisch) ein. Auch was neues für mich… Dahinter verbirgt sich ein unterhaltsamer Ausblick auf Wetter und Reise von heute und Morgen, ein Polarlichtausblick der optimistischer ist als meine Prognose, und der Blick auf die Weinkarte. Es ist interessant zu sehen, wie jeder Tourguide seinen eigenen Stil hat. Er trägt das ganze sehr ruhig und unterhaltsam vor – gut gemacht, Respekt.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Lecker Lamm zum Abendessen.

Da wir erste Essenssitzung haben, geht’s direkt im Anschluss in das Restaurant. Da nach Essensbildern gefragt wurde: Es gab Lamm mit Gemüse und Kartoffeln, als Vorspeise Dorsch und als Nachtisch Eis mit Obst. Das ganze mit leichtem Zeitdruck wegen der zweiten Essenssitzung um 20:30 und abgerundet durch drei Geburtstage, die mit Gesang gefeiert wurden.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

First Light – mit bloßem Auge als Grauschimmer am Horizont.

Der Plan für den Abend war ein gemütlicher Tagesausklang in der Bar. Tja, der Blick nach draußen hat eine Vielzahl Sterne gezeigt. So viel zur Wettervorhersage. Der Gang zum Bug zeigte etwas Nebel, also ab in die Kabine, Kamera holen, und: Grün fotografiert. Heute schon das erste, schwache („kameragrüne“) Polarlicht. Also ab zum Tourguide, eine Durchsage machen lassen, und ab auf Deck 7, Kamera aufbauen und schauen, wer von den Gästen die Durchsage gehört hat. Immerhin ein Viertel der Gruppe konnte das graue Band am Horizont bestaunen und bestätigen, dass die Kamera grün sieht. Die Gelegenheit, schon einmal mit den Kameraeinstellungen zu spielen, unseren Pflichtteil (Polarlicht zeigen) abzuhaken, zu bestätigen, dass da noch mehr geht, wenn man weiter im Norden ist, und die Sternbilder zu zeigen. Nach etwa einer Stunde waren dann alle überzeugt, dass sich da heute nicht mehr viel tut, und auch meine Bilderserie wollte ich nicht weiterführen: Das Licht war weitestgehend statisch, bis auf ein paar Andeutungen von Strukturen. Aber da es mittlerweile seitlich vom Schiff war und vor Kristiansund zunehmender Seegang war, gaben wir auf. Die nächsten Tage würden hoffentlich mehr bringen, und die Voraussage ist im Augenblick gar nicht so schlecht. Für Sonntagabend (wenn wir Tromsø verlassen) wird mehr Materie vorhergesagt, und das Wetter könnte sogar mitspielen (statt dem bislang vorhergesagten Orkan). Schaun wir mal – vor allem haben wir so eine Chance, uns morgen Trondheim in wachem Zustand anzusehen.

In Kristiansund verzichteten wir darauf, von Bord zu gehen, stattdessen genossen wir noch das Konzert, das Johann mit der Gitarre gab (einen Musiker haben wir in diesem Jahr nicht an Bord, aber Johann ist gut). Und jetzt gegen halb 12 ist die Bar praktisch leer, die meisten Gäste sind wohl schon im Bett, und ich habe mein Blog fertig – jetzt noch ein wenig am Vortrag feilen, und dann heißt es auch für mich Feierabend.


So schnell ändern sich Pläne: Kaum hatte ich den letzten Absatz getippt und gespeichert, kommt die Polarlichtmeldung über den Lautsprecher. Also ab auf Deck 5, wo das Polarlicht etwas deutlicher ist als vor Kristiansund, und die Kamera noch einmal auf Dauerfeuer gestellt, zumindest für rund eine Stunde und 221 Bilder. Rund 30-40 Passagiere dürften sich auf dem Umlaufdeck versammelt haben, einigen kann ich dann auch den Bogen des Nordlichts erklären, und auch weitere Fototipps gibt es: Blende 22 ist nicht mit kleiner Blende gemeint, da haben die Infoflyer vom Schiff verwirrt. Es ist erwartungsgemäß nicht die große Show, aber hey: So weit im Süden die ersten Polarlichter, und das, obwohl der Wetterbericht Wolken angesagt hat? Nicht schlecht. Sogar etwas Bewegung ist gelegentlich zu sehen. Das ist besser als erwartet und lässt für die nächsten Tage hoffen.

Also fast in Echtzeit: Das Mitternachtspolarlicht:

Und jetzt doch gute Nacht; morgen um acht ist Frühstück und anschließend Trondheim angesagt. Diesmal will ich wirklich in die Stadt!

Tag 1: On the boat again

Am 1. Februar war ich noch im Hotel am Bergener Lufthavn, und zehn Tage später, am 11. Februar verlasse ich Bergen schon wieder – wieder mit der Nordkapp, und wieder für die Nordlicht und Sterne Tour. Und die nächste Reise für November ist auch schon bestätigt. So cool:-)

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Eine Embraer 190 – sieht nach Keksdose aus, ist innen aber überraschend geräumig.

Abgesehen davon, dass wir diesmal von Frankfurt über Amsterdam mit KLM statt von Stuttgart über Copenhagen mit SAS geflogen sind, hat das Ganze was von Déjà vu: Kai ist wieder Reiseleiter, und Volker und Sabine sind wie bei der Tour im letzten Februar dabei, außerdem haben sie ihre Reiseleiterin von der Midnatsol mitgebracht, Margit. Überflüssig zu erwähnen, dass Kai und Margit sich auch schon kennen. Am Reiseleitertisch könnte es lustig werden…

Die Fliegerei wird langsam etwas nervig, oder zumindest das Warten am Flughafen. Immerhin: Die erste Strecke waren wir mit einer Embraer 190 unterwegs, die Innen überraschend viel Platz bietet – nach den Cityhoppern der letzten Tour hatte ich schlimmeres erwartet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist ganz hübsch und lässt zusammen mit Trondheim, Oslo und Copenhagen die Frage aufkommen, warum Deutschland eigentlich keine hübschen Flughäfen hat… und man kann mit Euro bezahlen, auch nicht schlecht.

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord...

Kein Vorgeschmack auf das Bergenbuffet auf der Nordkapp: Der Imbiss an Bord…

Da beim letzten Tourbericht nach Bildern vom Essen gefragt wurde: Tada! Links die lecker Flug-Verpflegung. Diese Art Kuchen kann ich besser empfehlen als die Käse-Dingsbums-Dinger, die es als Alternative gab. Mit dem Bergen-Buffet auf dem Schiff kann er trotzdem nicht mithalten (Lachs, irgendwas Geschnetzeltes, Gemüse, noch mehr Lachs (aber mit Pfeffer), Rentier, Schwein – schade, dass ich erst spät zum Essen kam, als das Buffet schon geplündert und nicht mehr fotogen war).

Das Essen auf dem Flug war aber nicht das Highlight, da gab es eine andere Überraschung: Kurz vor Amsterdam (also im Landeanflug, als man nicht mehr an das Handgepäck samt der richtigen Kamera durfte) konnten wir eine Glorie beobachten. Nett, hatte ich vorher auch noch nie bemerkt. Gut, dass ich entgegen meiner Gewohnheit einen Fensterplatz hatte, auch wenn ich nur mit dem iPhone fotografieren knipsen konnte.

Eine Glorie

Eine Glorie

Aber mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man sie doch ganz gut erkennen. In Bergen gab es dann das übliche Programm: Die Fahrt zum Schiff mit einer kurzen Rundfahrt durch Bergen, diesmal mit einer etwas anderen Tour. Ich nutzte die Zeit, um die Gäste in meinem Bus mit Informationen zum Schiff, zum Ablauf des Abends und zu Bergen zuzuschütten. Das Wetter ist so, wie man es von Bergen erwartet: Nieselregen.

Auf dem Schiff ging es dann erstmal auf die Kabine, diesmal auf Deck 5. Nett: Die Kabinen sind größer, und der Föhn hat deutlich mehr Power als auf Deck 6 (will sagen, es kommt ein ordentlicher Luftstrom raus, der nicht nur den Griff erwärmt). Gewöhnungsbedürftig: Die Kabine liegt auf dem Umlaufdeck. Also entweder die Vorhänge zumachen, oder auf norwegisch machen und jeden reinschauen lassen…

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Durchaus geräumig: Meine Kabine mit eingeschränkter Sich auf Deck 5.

Nach dem Check-In (nochmal der Hinweis an alle Passagiere: Immer schön die Hände desinfizieren!) gingen wir erstmal vom Schiff, Getränke für die Kabine bunkern. Damit sind wir definitiv auf Reiseleiter-Niveau, im nächsten Laden trafen wir Margit.

Anschließend: Sturm auf die Reste vom Bergen-Buffet, eine kleine Geburtstagsfeier mit Tänzchen der Crew, Inforveranstaltung durch den Tour-Guide vom Schiff (mit 250 Passagieren ist die Nordkapp besser ausgelastet als im Januar), ein skeptischer Blick auf die Wettervorhersage (eieiei), auspacken und dann Abfahrt aus Bergen. Neu: Die Crew verkauft Sekt für 99 NOK zum Anstoßen.

Nach dem Nieselregen zur Abfahrt stand ein kurzer Abendausgang in der Bar an, inclusive dem traditionellen ersten Kameraputzen. Bad News: Guiness ist alle… Dafür wurde ich in der Cafeteria mit „Immer noch da?“ begrüßt:-)

Und während alle anderen sich verabschieden, schreibe ich noch kurz mein erstes Blog. Da Abflug in FFM erst um 12 Uhr Mittags war, bin ich fit – und so gegen halb eins fängt das Schwanken vom Schiff an, schließlich umrunden wir am ersten Morgen ja immer das Westkapp – also ab auf offene See. Bislang hatte ich das immer verschlafen, jetzt schaue ich’s mir mal vom Bug aus an. Allen anderen: Gute Nacht!