Hurtigruten Tag 11 – Trollfjord, Antarktis, 7 Schwestern und ein letztes Mal

Langsam ist wirklich Endspurt bei unserer Reise, kaum zu glauben. Und endlich: Ein schönes Bild vom Trollfjord! Oder zumindest von der MS Trollfjord, die uns nordgehend um kurz nach acht Uhr morgens begegnet – ein schöner Auftag für einen herrlichen Tag.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Warten auf das perfekte Bild

Warten auf das perfekte Bild

Die Begrüßung der beiden Schiffe sollte auch jeden noch so motivierten Langschläfer geweckt haben, sodass eine Stunde später alle Mann auf dem Sonnendeck sind: Wir überqueren erneut den Polarkreis. Nach etwas Verwirrung (Tourguide Marco: Backbord/Links sehen Sie die Insel mit dem Globus [hektisches Gerenne nach links] die wir gleich Steuerbord/Rechts passieren werden [hektisches Gerenne zurück]) sind dann alle auf Position, und bei bestem Wetter verlassen wir gegen 9:20 das Polargebiet. Bis zum nächsten Mal… Immerhin dürfte bei diesem herrlichen Wetter jedem das gewünschte Bild gelungen sein, und es gibt noch eine Überraschung: Das Nebelhorn der Nordkapp hat nicht nur alle Passagiere, sondern auch ein paar Seeadler geweckt, die nun den Globus umkreisen. Ein hübscher Anblick.

Natürlich gibt es auch bei dieser Polarkreispassage eine kleine Überraschung: Einen Löffel Lebertran, und man darf den Löffel sogar behalten. Von wegen, in Norwegen gibt’s nichts geschenk. Unverschämt sind allerdings die älteren Passagiere, die den Lebertran wegschütten und sich nur Löffel und den Schnaps hinterher sichern. Leider hatte ich das nicht gesehen, so geht’s ja mal gar nicht.

Polarkreiskugel mit Seeadler

Polarkreiskugel mit Seeadler

Um 11:15 stand dann ein ganz besonderes Highlight an: Marco zeigt die Bilder, die er bei 60? Antarktis-Reisen gemacht hat. Ein eindrucksvoller Kontinent, aber man muss Eis und Pinguine mögen. Durchaus sarkastisch berichtet er von den Problemen, die bei diesen Expeditionsreisen auftreten (zum Beispiel, dass bei Kap Hoorn bei schlechtem Wetter eigentlich jedem schlecht wird – aber die Passage dauert ja nur 36 Stunden) und wie klein die Nordkapp neben den riesigen Kreuzfahrtschiffen ist. Der Vortrag war auf Englisch, da wir den deutschen ein paar Tage zuvor verpasst hatten. Aber dass er nur ein wenig geknipst hat, glaubt ihm bei diesen Bildern niemand. Wenn das keine Lust auf eine Antarktistour macht… Schon mal mit dem Sparen anfangen.

Und weiter geht’s im Programm: Mittagessen (ein letztes Mal), dann ein kleiner Umtrunk mit der Gruppe zum Abschied, garniert mit meinen Reisefotos, die die letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen, und Infos zum Ausschiffen morgen früh: Wir haben eine Stunde länger als die normalen Passagiere, die in Trondheim aussteigen, und da wir erst später am Flughafen sein müssen, bleibt uns noch genügend Zeit für einen weiteren Aufenthalt in Trondheim.

Anschließend gibt’s schon den nächsten Fototermin: Die sieben Schwestern, dieses Mal nicht der Wasserfall in einem Fjord (der nur im Sommer befahren werden kann), sondern eine Bergkette, die in einigen Sagen eine Rolle spielt. So nah wie wir an der Küste vorbeifahren ist das ein klarer Fall für’s Ultraweitwinkelobjektiv.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

Noch einmal die herrliche Landschaft genießen, und dann erreichen wir auch schon Brønnøysund – ein malerisches Städtchen mit einer wunderschönen Hafeneinfahrt. Hier haben wir über eine Stunde Zeit – genug, um die Ortschaft zu erkunden, Bilder vom Schiff zu machen oder im Einkaufszentrum Braunen Käse zu bunkern. Diese Norwegische Spezialität ist allerdings nicht mein Ding und hat denjenigen, die zugeschlagen haben, am nächsten Tag leichte Probleme bereitet: Der Scanner der Flughafensecurity konnte mit dem Zeug auch nichts anfangen, da war dann Taschen ausräumen angesagt.

Das Loch im Torghatten von Norden...

Das Loch im Torghatten von Norden…

Im Sonnenuntergang ging die Reise dann weiter – rechtzeitig, um das Loch im Berg aufs Bild zu bannen. Von Brønnøysund aus kommen ist es sehr dezent, beim Blick zurück dann deutlich auffallender.

... beim Blick zurück dagegen deutlich auffallender.

… und beim Blick zurück deutlich auffallender.

Viel Zeit für Fotos blieb aber nicht, da um 18:30 schon wieder das Abendessen serviert wurde. Und so segelten wir in den herrlichen Sonnenuntergang, und das Abenteuer nahm sein Ende.

Moment.

Klarer Himmel? Da war doch was. So weit südlich sind wir noch nicht, dass Polarlichter keine Chance hätten, und die Prognosen sehen gar nicht schlecht aus. Also wird gleich nach dem Essen auf Deck gestürmt (nach einem Abstecher auf die Kabine, Kamera und Stativ holen), der Kapitän gebeten, das Licht abzuschalten (klappt hervorragend – vielen Dank für diesen Service) und Ausschau gehalten.

Vorerst ist nichts zu sehen, also sammeln wir uns erstmal im Svalbard-Salon mit der Bar. Einige unserer Gäste laden uns zum ein oder anderen Drink ein, und so habe ich dann auf einmal zwei Guiness vor mir stehen (nachdem ich meins ausgetrunken hatte). Auch nicht schlecht – nur das mitten drin der Polarlichtalarm los geht. Schnell ein guiness ausgetrunken und ab an Deck: Die Show geht weiter. Ab 23 Uhr können wir über eine Stunde noch einmal das Schauspiel in der Ferne bewundern, das wir langsam hinter uns lassen. Das gute daran: Draußen wird mein Guiness auch wieder kalt:-)

Ein letztes Mal klicken die Kameras, und zum Abschied gibt sich das Polarlicht noch einmal Mühe – auch wenn es das letzte überwältigende Ereignis nicht mehr toppen kann.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Diesmal machen sich die neu zugestiegenen Fahrgäste negativ bemerkbar: Irgendjemand, der zumeist nur Englisch versteht, steht immer vor der Kamera. Aber wir haben doch die Gelegenheit für letzte Abschiedsfotos. Was bleibt, sind randvolle Speicherkarten und die Erinnerung an eine einmalige, wiederholenswerte Fahrt. Der Hurtigrutenvirus hat eindeutig identifiziert.

Nochmaaal!

Hurtigruten Tag 10 – Vesterålen, Trollkopf, Stokmarknes

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, nach dem Mitternachtskonzert die Vesterålen-Rundfahrt zu machen? Auch das „En richtge gudn Mor’n in Paradies“, das Marko über die Lautsprecher sendet, ändert nichts daran, dass die Nacht viel zu kurz war: Kurz nach acht sitzen wir im Bus, wo uns unser Reiseführer darüber aufklärt, dass die Notausgänge durch die „roten Extras“ über den Fenstern gekennzeichnet sind (nette Umschreibung für die Nothämmerchen), vorne wahrscheinlich ein Feuerlöscher ist und wir auf der Karte, die er durchgehen lässt, die schwarze Tour machen. Oder die blaue, so genau weiß er das nicht. (Immerhin ist das der einzige Zettel, der rumgeht – auf der Nordkapp-Tour waren es ein paar Bilder zu viel, die so gezeigt wurden.)

Vermittelt ein Gefühl von Weite: Die mittelalterliche Trondenes-Kirke bei Harstad.

Vermittelt ein Gefühl von Weite: Die mittelalterliche Trondenes-Kirke bei Harstad.

Die Vesterålen-Bustour wurde von Marko als der Ausflug mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis angepriesen – verkaufen kann er ja:-) Der erste Halt war nach kurzer Fahrt die Trondenes Kirke. Vor über 1000 Jahren wurden hier die ersten Wikinger zwangsgetauft; die Kirche selbst ist aber nicht ganz so alt. Innen ist sie prächtiger als außen, und bevor wir sie und das benachbarte (sehenswerte) Museum erkunden können, steht erst einmal eine kleine Messe an.

Im Museum werde ich dann auch endlich bei meiner Souvenirjagd fündig: Hier gibt’s die Gläser, mit denen wir uns beim Wikingerfest auf den Lofoten zugeprostet hatten (Skøl!), und für die ich im dortigen Shop keine Zeit hatte. Gekauft. Das Wikinger-Spiel, das sie auch anbieten, lasse ich aber liegen. Nächstes Jahr vielleicht… Wer es online spielen will: Hnefatafl. Hat seinen Reiz.

Blick von der Brücke über den Gezeitenstrom.

Blick von der Brücke über den Gezeitenstrom.

Unsere Tour führt uns durch Harstad auf die andere Seite der Insel, wo eine kleine Wanderung ansteht: Eine kleine Brücke führt über einen Gezeitenstrom mit herrlich klarem Wasser. Einige vorsichtige Mitreisende hatten schon Spikes angelegt, aber obwohl am Straßenrand noch Eis lag, war die Wanderung auch so gut zu bewältigen: Keine zehn Minuten später saßen wir wieder auf der anderen Seite der Brücke im Bus und waren alle ganz erschöpft:-)

Eine Theorie, warum wir hier zu Fuß über die Brücke mussten, ist ihre Traglast… aber so musste sie die Touristen aus drei Bussen und einen leeren Bus aushalten – schließlich musste er uns ja am Ende unserer Wanderung wieder einsammeln, und dazu mussten wir ihn erst einmal über die Brücke lassen. Egal, war trotzdem schön, und so haben die Anwohner des benachbarten Gehöfts auch etwas zu sehen (Guck mal, die Touris wieder!).

Dann ging es mit dem Bus auf die Fähre, wo Kaffee und (etwas) Kuchen serviert wurden – aber der Blick von der Fähre auf die Landschaft war reizvoller als die Aussicht, sich einen Platz suchen zu müssen. Vorbei an einem neu errichteten, vollautomatisierten Kuhstall ging es weiter zum Trollkopf. Man braucht wirklich nicht viel Fantasie, um in dem Gebirgszug einen schlafenden Troll zu erkennen.

Der Trollkopf.

Der Trollkopf.

Wer im Bus keine Fotogelegenheit hatte: Wir legen einen kurzen Fotostopp ein, der auch gut genutzt wird. Je weiter wir durch die traumhafte Landschaft der Vesterålen fahren, desto besser wird das Wetter. Tragisch: Wir kommen auch an den Ruinen eines Orts vorbei, der vor einigen Jahren von einer Lawine ins Meer gespült wurde. So schön die Landschaft auch ist, ungefährlich ist sie nicht, erst recht nicht im Winter. Ein Denkmal erinnert an den Ort. Auf der Fahrt kommen wir auch an weiteren verlassenen Häusern vorbei: Viele junge Menschen zieht es in die Städte.

 

Die Nordkapp von oben

Die Nordkapp von oben

Für die nächste Fotogelegenheit müssen wir noch zwei Ehrenrunden drehen: Vor Sortland führt eine Brücke über den Sund, und wir haben die Gelegenheit, unser Schiff von oben zu sehen – am Bug haben sich die Mitreisenden versammelt, um uns zuzuwinken. Da man auf der Brücke nicht anhalten darf (wohl aber langsam fahren), mussten wir unsere Überfahrt gut timen.

Andi und Daniela, das schweizer Pärchen, mit dem wir mittlerweile guten Kontakt haben, hat die Nordkapp übrigens mittlerweile in Nordknapp umgetauft – dieser ständige Stress, das Schiff, die Vorträge oder die Polarlichter nicht zu verpassen… (Bei dieser Gelegenheit schöne Grüße in die Schweiz, ich meld mich noch!)

Gut möglich, dass es der Ausflug mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ist, aber eins weiß ich: Wenn ich ihn nochmal buche, dann nicht unbedingt nach dem Mitternachtskonzert. In 24 Stunden zweimal hintereinander in einer Kirche… Schön war die Reise aber auf jeden Fall, und unser Reiseführer hat auch einiges zu erzählen gewusst.

Auf der Brücke der Finnmarken.

Auf der Brücke der Finnmarken.

Zurück an Bord, ist unser nächster Halt Stokmarknes mit dem Hurtigruten-Museum. Wir folgen dem Rat, gleich auf die Finnmarken zu gehen, die Teil des Museum ist – so können wir uns in Ruhe umsehen. Auf die Brücke der Nordkapp dürfen wir nicht mehr (wegen 9-11 in New York, und weil irgendein Idiot vor nicht allzu langer Zeit an allen Knöpfen gedreht hat, sodass das Schiff beinahe außer Kontrolle geraten war. Vielen herzlichen Dank – Intelligenz ist wirklich kein Selektionsmerkmal), aber auf der Finnmarken können wir uns umschauen. Das Schiff ist wohl etwa die Größenordnung der MS Lofoten – und danach weiß man den Luxus der Nordkapp umso mehr zu schätzen. Gemeinschaftsdusche auf dem Gang, aber ein extra-Salon für die Damen – na danke. Dann doch lieber die Nordkapp, die noch nicht so imposant wie die Midnatsol und die anderen modernen Hurtigrutenschiffe ist, aber auf der man es sehr gut aushalten kann. Eine Mehrtagestour auf der MS Lofoten dürfte schon etwas spezieller sein, wobei ich verstehen kann, dass es genug Interessenten dafür gibt.

Im Museumsshop werde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass mein Schiff in acht Minuten ablegt – Nordknapp, wohl wahr. Weiter geht die Reise durch Fjorde und Sunde mit schneebedeckten Bergen, bis wir gegen 17 Uhr das nächste Highlight erreichen: Den Eingang des Trollfjords, diesmal bei Tag. Wir platzieren uns auf dem Sonnendeck, und diesmal hält der Kapitän Bug voraus vor dem Trollfjord – hinenfahren darf er nicht, das Risiko durch herabstürzendes Eis oder Gestein ist zu groß.

Wer macht das erste Bild vom Trollfjord?

Wer macht das erste Bild vom Trollfjord?

So sieht er also bei Tag aus… Das Gedränge an der Reling war übrigens nicht nötig, diesmal bleibt genügend Zeit für Fotos.

Mittlerweile sind wir weit genug südlich und das Wetter ist wieder schlecht genug, dass heute kein Polarlicht-Alarm kommt (obwohl in diesem Gebiet regelmäßig noch schöne Polarlichter gesehen wurden), und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen. Ich nutze die Zeit, um für unsere Abschlussveranstaltung morgen Abend noch eine kleine Diashow zusammenzustellen, um die Reise Revue passieren zu lassen.

Was ebenfalls ausklingt: Mein Datenroaming. An Bord gibt es zwar WLAN, aber das Internet ist a) langsam und lässt b) keine E-Mails durch. Mit dem Gruppenbild hatte ich mein Highspeed-Datenvolumen bereits gestern aufgebraucht, und ich war zu geizig, nochmal zu verlängern (oder für 3 Euro Tagespässe zu buchen). Also war ich erst mal offline. Auch schön.

Hurtigruten Tag 8 – Kirkenes

Willkommen in Russland?

Willkommen in Russland?

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Kirkenes markiert den Wendepunkt unserer Reise. Weiter nach Osten kommen wir nicht, auch wenn mein Laptop meint, wir wären schon viel weiter – er hat auf Zeitzone Moskau/Murmansk umgestellt und meint, er wäre in der russischen Föderation. Naja. Wer will, kann immerhin einen Ausflug zur russischen Grenze machen, aber Schlittenhunde und Schneehotel reizen mich doch mehr.

Nach kurzer Busfahrt erreichen wir kurz nach 9 Uhr morgens das Lager der Schlittenhunde. Über 100 Hunde warten hier gespannt auf Bewegung; jeweils sieben bis acht ziehen einen Schlitten mit zwei Gästen und einem Musher oder einer Musherin. Bei Bedarf wird warme Kleidung gestellt; ich verlasse mich auf meinen Mantel und – was sich als weise herausstellt – meine Sonnenbrille. Immerhin legen die Hunde in 20 Minuten fünf Kilometer zurück. Bei Tempo 15 wird es durchaus frisch, auch wenn es für die Huskies schon fast zu warm ist. Dank der eisigen Wegstrecke erreichen sie trotzdem ein gutes Tempo, wälzen sich aber auch bei jeder Pause zum Abkühlen im Schnee. Wir haben ein gutes Gespann erwischt: Unser Schlitten fällt bei der wilden Hatz nicht um. Ein Riesenspaß für uns und die Hunde, die eindeutig Spaß an ihrer Arbeit haben.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Kurze Abkühlung im Schnee.

Nach der Fahrt gab es für uns ein warmes Getränk, während die Hunde schon wieder durchstarteten: 60 Teilnehmer hatten die Tour gebucht (eigentlich sogar 62, aber die letzten Nachzügler mussten wieder zurücktreten – die Schlittenhundefahrt und die Schneemobile sind die Touren, die man frühzeitig buchen sollte), daher wurde die Masse in drei Fahrten abgearbeitet.

Das "WC" im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Das „WC“ im Schneehotel – eine von vielen Skulpturen.

Im Anschluss an die Fahrt war genug Zeit, um das Schneehotel anzusehen. Ganz aus Schnee ist ein Hotel mit Rezeption, Bar und mehreren Zimmern errichtet worden. Jedes Zimmer ist mit Wandreliefs verziert, die von sehr schön bis sehr kitschig reichen. Wem das WC (oder heißt das EC? Eis-Closett?) zu kalt war, kann auch im Hauptgebäude aus Stein sanitäre Einrichtungen nutzen. Wenn es draußen -40° hat, soll die Temperatur in den Zimmern bei molligen -18° liegen. Die Betten sind auch aus Eis, Bettwäsche (und wohl auch Schlafsäcke) immerhin nicht. Perfekt, um eine Beziehung abkühlen zu lassen…

Kirkenes selbst bietet wohl keine weiteren Sehenswürdigkeiten, und viel Zeit bleibt ohnehin nicht mehr: Das Schiff ruft. Auch die Gruppe, die die russische Grenze besucht hat, ist wieder vollständig zurückgekommen. Das nächste Ziel ist Vardø, wo man die alte Festung besuchen kann (die wohl gerade geschlossen ist) oder im Eismeer baden kann (was einige australische Touristen sogar machen. Viel Spaß).

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Vardø bietet die Option, im Eismeer zu baden.

Für mich wird’s wieder ernst: Vor dem Abendessen steht noch mein vierter Vortrag an – Unser Kosmos, eine Reise durch das Universum. Natürlich steht auch wieder die Frage nach Polarlichtern an, aber obwohl der Kapitän wieder so lieb ist, das Licht auf dem Sonnendeck abzuschalten, gibt es nur ein paar strukturlose grüne Schimmer hinter den Wolken – zu wenig für schöne Beobachtungen, aber ideal um mit den Mitreisenden zu plaudern.

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme

Besser wurde es an diesem Abend nicht, und visuell war noch weniger zu sehen als auf dieser Aufnahme.

Übrigens, was man bei der Polarlichfotografiererei nicht vergessen sollte: Danach die Kamera wieder auf Normalbetrieb zurücksetzen. Ansonsten macht man beim nächsten Fotohalt erst ein Bild mit hoher ISO-Zahl, Spiegelvorauslösung und Langzeitbelichtung. Das nervt:-)

Hurtigruten Tag 7 – Nordkap

Heute ist’s beinahe stressig: Um 11 Uhr war Anmeldeschluss für die Schlittenhundefahrt in Kirkenes (gebucht), und um 11:15 legen wir in Honnigsvåg an. 3,5 Stunden liegt die Norkap hier. Wer einen Ausflug gebucht hat, geht entweder in das Fischerdorf Skarsvåg und besucht das Weihnachtshaus oder fährt wie wir zum Nordkap. Wer dazu keine Lust hat, kann das Highlight von Honnigsvåg mitnehmen: Wer zu Fuß bis zur Shell-Tankstelle geht, kann so den 71. Breitengrad zu Fuß überqueren. Hey hey!

Markiert den 71. Breitengrad: Die Shell-Tankstelle.

Markiert den 71. Breitengrad: Die Shell-Tankstelle.

Wir nehmen den Bus zum Nordkap.

Mittlerweile lassen sich Nordkap und Honnigsvåg bequem auf der Straße erreichen, sogar ohne Maut: Die Straße ist abbezahlt, und somit keine Maut mehr fällig. Das wäre mal was für Deutschland, wo eher umgekehrt gehandelt wird.

Die letzten Kilometer bis zum Nordkapp besteht Konvoi-Pflicht: Alle müssen auf der schmalen Straße hinter dem Schneepflug herfahren, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aber nicht viel zu tun hat und ein ordentliches Tempo vorlegen kann. Der Hund des Fahrers, der auf den glatten Wegen so seine Probleme hat, zieht einige Blicke auf sich. Endlich geht’s im Konvoi los, über eine Hochebene, die schon sehr arktisch aussieht – weit mehr als das Plateau bei Tromsø gestern. Immerhin nähern wir uns dem nördlichsten Punkt Europas. Das Wetter sieht (fürs Nordkap) gut aus: Immer wieder scheint die Sonne durch die Wolken

Gleichzeitig trostlos und faszinierend

Gleichzeitig trostlos und faszinierend

Am Nordkap selbst folgen wir wieder dem Rat von Tourguide Marko und stürmen nicht sofort zum Globus, sondern schlittern über eine Eisfläche zum Aussichtspunkt im Westen. Mit dem Geländer geht es ziemlich gut, auch wenn wir den Mitreisenden böse Blicke zuwerfen, die sich mit Spikes ausgestattet haben. Einfach so über das Eis zu gehen, so eine Unverfrorenheit.

Aber der Weg lohnt sich, und auf die letzten Meter stört auch kein Eis mehr. Wir haben nicht nur freien Blick auf das Kliff des Nordkaps samt Globus und Touristen, sondern auch nach Westen: diese Landzunge namens Knivskjellodden ist in Wirklichkeit Europas nördlichstes Ende. Genau wie das Nordkap selbst liegt es auf der Insel Magerøya, aber noch einmal 1400 Meter weiter nördlich, markiert also nicht das nördlichste Ende des europäischen Festlands. Der Fußmarsch dorthin dauert aber länger als wir Zeit haben.

Blick aufs Nordkap

Blick aufs Nordkap

Als wir dann zurückgehen und uns das Nordkap samt Globus ansehen, sind die meisten anderen schon wieder in der Nordkaphalle (mit dem Cafe, das sogar für Norweger zu teuer ist), und wir haben freie Bahn. Nachdem alles fotografiert ist, was zu fotografieren ist, geht es auch für uns in die Nordkaphalle. Wer dort den Informationsfilm nicht ansehen will (der sich wirklich lohnen soll), kann die Zeit im riesigen Souvenirshop vertreiben. Ich werde da zwar auch nicht fündig, andere ergattern ein Glas Marmelade.

Arktis-Stimmung am Nordkap

Arktis-Stimmung am Nordkap

Als wir das Nordkap schließlich verlassen (auch hier wieder die Warnung, pünktlich zu sein – wer zu spät kommt, wird erst am nächsten Tag abgeholt), wird das Wetter auch wieder etwas schlechter: Es zieht zu. Honnigsvåg selber bietet wenig sehenswertes, sodass wir direkt aufs Schiff gehen.

Gegen 16:30 passieren wir die kleine Felsformation der Finnkirche, und anschließend bekommen wir Besuch von Krabbenfischern. Die großen Königskrabben breiten sich langsam westwärts aus und werden gefischt. Bei der Vorführung der Krabbenfischer, die in voller Fahrt am Schiff anlegen und ihren Fang präsentieren, kann jeder eines der großen Tiere in die Hand nehmen. Man darf raten, was es später zu Essen gab:-)

Was ist das? Grünes Polarlicht. Was macht das? Grüne Wolken.

Was ist das? Grünes Polarlicht.
Was macht das? Grüne Wolken.

Nach dem Abendessen versammelt sich alles auf Deck 7, aber der Blick vom Sonnendeck in den Nachthimmel zeigt keine nennenswerten Polarlichter. Genauer gesagt: Da ist grün zu sehen, vor allem auf Fotos, aber das ganze ist hinter den Wolken. Mit anderen Worten: Wir sehen fahlgrün-schimmernde Wolken, was nur mäßig spektakulär ist. Kurz nach 20 Uhr fange ich daher mit meinem dritten Vortrag an: Das Sonnensystem. Merkur und Venus kann ich problemlos abhaken, und auch meine kleine Meteoritensammlung zeigen. Irgendwann kommt Volker rein, der Polarlichtwache gehalten hat, und meint, dass Lichter zu sehen sind – allerdings nur „kameragrün“ und nicht „bloßes-Auge-grün“. Die Mehrheit entscheidet sich, dass es sich nicht lohnt, deshalb raus zu gehen, und ich kann mit Mars weitermachen. Mit Rot-Blau-Brillen sind 3D-Ansichten des roten Planeten möglich, bis Volker kurz vor halb zehn wiederkommt: Jetzt lohnt es sich wirklich! Also zeige ich noch rasch die letzten vier 3D-Bilder in 15 Sekunden, und dann geht’s ab an Deck. Das war’s mit dem Vortragsprogramm für heute, und nachdem ich abgebaut und meine Kamera geholt habe, geht’s auch für mich ab an Deck.

Wow.

Polarlichter über uns: Eine Corona.  Mitten drin: Der Große Wagen.

Polarlichter über uns: Eine Corona.
Mitten drin: Der Große Wagen.

Wir sind jetzt mitten im Polarlichtoval direkt unter einem Polarlicht, die Lichtvorhänge sind auf allen Seiten von uns. Grün ist deutlich zu erkennen, manchmal auch ein Hauch von rot. So muss das. Die Fahrt auf der Barentssee, bei der wir eher unruhige See befürchtet hatten, belohnt uns mit einem unruhigen Himmel. Wahnsinn. Wenn das letzte Mal die Pflicht war, gibt der Feuerfuchs, der über den Schnee rennt und dabei Funken schlägt (um meine Lieblingserklärung für Polarlichter zu zitieren) sich diesmal richtig Mühe. Wahnsinn. Das Grün ist gut zu sehen, und die Bewegung der Lichtbänder ebenfalls.

Tanzende Vorhänge aus Licht.

Tanzende Vorhänge aus Licht.

Etwa eine Dreiviertelstunde währt das Schauspiel, bevor wir vorläufig einpacken und den Abend bei Guiness und Gesprächen ausklingen lassen können. Im Warmen bemerke ich dann auch, warum mich mein Kugelkopf im Stich gelassen hat: Jedesmal, wenn ich ihn drehen wollte, hat er sich vom Stativ abgeschraubt. Am Stativ sind drei kleine Inbusschrauben, mit denen er fixiert werden kann. Jetzt weiß ich, warum Dörr da zwei Inbusschlüssel beigelegt hat, die in Heilbronn liegen… Die Bilder sehen schon einmal vielversprechend aus, und wenn man sie zu einem Film zusammenfügt, stört das Schwanken des Schiffs auch weniger als bei Einzelaufnahmen.

Ein geisterhaftes Schauspiel

Ein geisterhaftes Schauspiel

 

Hurtigruten Tag 6 – Tromsø und erste Polarlichter

Heute ist mein freier Tag – genauer gesagt, es steht kein Vortrag an, und am morgen ist auch kein Ausflug fällig. Dementsprechend nutze ich die Nacht, um mal einen Blick in die Reiseunterlagen zu werfen: Das kleine Buch, das Hurtigruten verteilt (früher gab’s wohl mal einen DuMont Reiseführer, jetzt machen sie’s selber – und gut) ist sehr interessant, und gegen halb zwei morgens will ich dann doch Feierabend machen. Nur noch mal kurz rausschauen, ob Polarlichter zu sehen sind: Es ist taghell. Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir mittlerweile in Stokmarknes angelegt haben und daher alle Lichter an sind, wie im Hafen üblich. Der Gang um’s Schiff zeigt dann den geschäftigen Hafen und die alte Finnmarken, die mittlerweile Teil des Hurtigrutenmuseums ist. Um diese Nachtzeit gehe ich aber nicht rüber, sondern mache lieber ein paar Fotos und dann ab ins Bett.

Die Finnmarken am Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes.

Die Finnmarken am Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes.

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen (mittlerweile ist Mittwoch, der 26. Februar – der sechste Tag unserer Reise und der fünfte im Schiffsplan – unser Tag in Bergen zählt ja nicht zum Schiffsprogramm) ist malerisch: Die Sonne ist nur hinter leichter Bewölkung versteckt, und die Berge sind schneebedeckt. Das ist fast der erste Schnee, den ich in diesem Winter sehe…

Ein vielversprechender Sonnenaufgang

Ein vielversprechender Sonnenaufgang

Mit spätem Aufstehen, Gesprächen mit den Gästen, Frühstück und Mittagessen kriegt man den Tag auch sehr schnell rum, dazu noch ein bisschen Planung für die nächsten Vorträge: Ich versuche, sie schnell rum zu kriegen, da wir zwar einige Ausweichtermine haben, falls das Wetter doch einmal schlecht wird, aber man weiß ja nie… wenn ich vorne im Vortragsraum rumtanze, um Windstärke zehn auszugleichen, ist das nicht besonders produktiv, und von den Zuhörern hätte auch niemand was davon. Außerdem ist das Schiff zwar frisch aus der Werft und gut mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, aber bevor doch ein Virus zuschlägt, gehe ich lieber auf Nummer sicher. Jedenfalls sind alle Termine so gelegt, dass möglichst alle an Bord sind (es werden doch einige Landausflüge angeboten) und wir nicht ständig anlegen bzw. nicht in einer Region sind, wo es viel zu fotografieren gibt. Morgen ist ein Abendtermin vorgesehen, ansonsten sind alle Vorträge tagsüber.

Den ersten Halt des Tages habe ich verschlafen: Harstad mit der nördlichsten mittelalterlichen Steinkirche der Welt. Macht aber nichts: Beim Vesterålen-Ausflug ist sie auch eine Station. A propos Ausflug: Heute war auch Anmeldefrist für den Ausflug zum Nordkap (das sich anders als unser Schiff wirklich nur mit einem p schreibt). Unser Tischnachbar beim Abendessen (neben dem wir auch schon auf dem Hinflug gesessen hatten) hat die Nordlicht-und-Sterne-Tour schon zweimal gemacht und will dem Nordkap ebenfalls noch eine Chance geben: Bislang kennt er es nur mit Schneegestöber oder Nebel – sehr mystisch, aber nicht sehr fotogen.

Die Nordkapp neben dem Kreuzfahrtschiff Boudicca im Hafen von Tromsø.

Die Nordkapp neben dem Kreuzfahrtschiff Boudicca im Hafen von Tromsø.

Der interessanteste Hafen ist heute Tromsø. Etwa vier Stunden haben wir in der größten nordnorwegischen Stadt zur Verfügung, von 14:30-18:30. Da die größte Stadt Nordnorwegens nur 69.000 Einwohner hat, sollte das reichen. Im Hafen liegen wir neben dem zum Glück einzigen Kreuzfahrtschiff, dem wir auf der Reise begegneten: Die 1973 in Dienst gestellte Boudicca. Schon im Vergleich mit ihr wirkt die Norkapp gar nicht mehr so groß, aber viel gemütlicher und sympathischer.

Wir erkunden Tromsø wieder auf eigene Faust. Der Weg führt uns am schnurstracks am Polarmuseum vorbei über die markante Brücke bis zur Eismeerkathedrale. Der moderne Bau prägt das Statdtbild und liegt mehr oder weniger auf einer Verkehrsinsel. Das Design ist nicht ganz mein Geschmack, aber durchaus interessant. Das Eintrittsgeld sparen wir uns allerdings – auf der Rückfahrt steht das Mitternachtskonzert auf dem Plan, da sind wir dann eh in der Kirche. Stattdessen ist der Storsteinen unser nächstes Ziel: Der Hausberg, auf den eine Seilbahn fährt. Über die zum Teil mit gut 5-10 cm Eis bedeckten Straßen finden wir die Talstation dann auch, und auf dem Weg erreicht mich auch der erste Anruf aus der Heimat: Auf meinem Blog tut sich gar nichts mehr – ob alles klar ist, oder ob ich mit dem Gepäck verloren gegangen wäre? Ich sollte die Seite doch besser pflegen…

Vom Berg aus bietet sich eine überwältigende Aussicht nicht nur auf Tromsø: Das eis- und schneebedeckte Plateau vermittelt einen Eindruck von Arktis oder Hochalpen, und die Geländer zum Abhang hin bieten einen Hauch von Abenteuer. Sie sind vorhanden, aber weitestgehend unter Eis und Schnee verborgen…

Sonnenuntergang über Tromsø.

Sonnenuntergang über Tromsø.

Auf dem Plateau sind wir alles andere als alleine, es wird nicht nur als Ausflugsziel genutzt, sondern auch von vielen Fotografen. Da steht einiges an professionellem Equipment, viele haben Fotostative aufgebaut. Nun, wir fotografieren uns und die Umgebung freihand, und als die Sonne sich vom Himmel zurückzieht, verlassen wir auch allmählich das Plateau. Immerhin haben wir ein Schiff zu erreichen. An der Seilbahn gab es erst einmal Stau, und wir können dem Quietschen der Bahn zuhören. Deutscher Standard ist das nicht, aber sie funktioniert, und unten angekommen entscheiden wir uns, mit dem Stadtbus zurück zum Schiff zu fahren. Von dem Plan, der Dame in der Hurtigrutenjacke zu folgen, nehmen wir Abstand: Der Bus macht erst noch eine kleine Stadtrundfahrt, und sie steigt fern vom Hafen aus – wohnt wohl hier und gehört nicht zur Nordkapp.

Domkirche in Tromsø

Domkirche in Tromsø

Am Hafen angekommen bleibt noch genügend Zeit für einen kurzen Stadtrundgang. Sehr sehenswert (und für meinen Geschmack hübscher als die Eismeerkathedrale) ist die Domkirke, die vor dem tiefblauen Abendhimmel noch schöner wirkt. Ein Reinfall ist der weltbeste Souvenirshop ein paar Meter weiter, den wir ohne Beute wieder verlassen. Schade eigentlich. Der Drop-In-Tattoo-Laden reizt auch niemanden von uns.

Zurück auf dem Schiff ist beim Abendessen die Spannung hoch: Wird es heute was geben? Noch ist alles ruhig, aber später gibt der Kapitän dann Alarm: Polarlichter! Um 20 Uhr gelingt mir meine erste Polarlichtaufnahme, die ich weiter unten ja schon gepostet hatte.

Tour Guide Marko gibt Tipps zur Fotografie (maximal 800 ISO, ruhig 20-30 Sekunden belichten), und damit gelingen einige gute Aufnahmen. Was weniger gut geklappt hat: Mein Rat vom ersten Vortrag, man möge sich doch im Voraus schon einmal mit seinen Kameraeinstellungen vertraut machen. Aber die meisten Probleme sind lösbar, und es wird fotografiert was das Zeug hält. Andere halten sich auch an meinen Rat, sich nicht nur mit der Technik zu beschäftigen, sondern das Schauspiel auch mit bloßem Auge zu beobachten. Ich hab da leicht reden: Meine Kamera steht auf Serienaufnahme und werkelt alleine vor sich hin, was auch gut so ist: Sie steht an der Reling, und vor lauter Menschen komme ich eh nicht mehr an sie ran. Bös erwischt hat es unser junges schweizer Pärchen: Das hat zwar ein gutes Stativ und eine gute Kamera, aber der Händler hat keine Adapterplatte beigepackt. In dem seiner Haut möchte ich nicht stecken, wenn die beiden wieder zuhause sind. Später verleiht Volker immer wieder sein Stativ, während eine Auswahl meiner Aufnahmen den Teilnehmern zur Verfügung steht (die Geheimseite ist mittlerweile online, mit einer Auswahl der gelungen Fotos). Problematisch sind eigentlich nur die Leute, die ständig vor Kameras stehen oder über Stative fallen – anscheinend sind die Polarlichter immer da am schönsten zu sehen, wo gerade eine Kamera steht, obwohl sie sich über den gesamten Himmel erstrecken. Noch besser ist eigentlich nur der Kollege, dem bei dem Schauspiel nur die Frage einfällt: „Wo ist eigentlich das Sternbild Krebs?“ Das hat mich dann doch etwas aus der Bahn geworfen…

Kurz nach Tromsø: Das erste Polarlicht als Vorhang aus Licht.

Kurz nach Tromsø: Das erste Polarlicht als Vorhang aus Licht.

Und wie sieht ein Polarlicht aus? Ich nenne mich zwar Schriftsteller, aber ich wünschte, ich hätte die richtigen Worte… Die Bilder und Filme vermitteln einen falschen Eindruck. Sie bestehen aus Einzelaufnahmen von 5-30 Sekunden, dementsprechend läuft das Schauspiel wesentlich langsamer ab (obwohl wir im Lauf der Reise auf innerhalb von Sekunden Veränderungen sehen). An diesem Abend ist es eher ein breites Band mit vertikalen Strukturen, das sich langsam verändert. Die grüne Färbung ist sehr dezent, aber es ist auch kein besonders starkes Polarlicht, das wir heute sehen. Da geht noch mehr! Das geisterhafte Schimmern lässt aber leicht verstehen, welchen Eindruck das Polarlicht früher auf die Menschen gemacht haben muss. Fast zwei Stunden lang können wir es beobachten, dann verblasst das Schauspiel, ohne ganz zu verschwinden. Gegen Mitternacht mache ich die letzten Bilder, aber hier ist es nur schwach hinter Wolken zu erkennen. Und in unserer Gruppe herrscht Erleichterung: Entgegen aller Befürchtungen seit dem regnerischen Bergen hatten wir Erfolg, (fast) alle sind beeindruckt, und die Pflicht ist erledigt. Was jetzt an Polarlichtern kommt, ist die Kür.

Polarlichtjagd auf dem Sonnendeck

Polarlichtjagd auf dem Sonnendeck

Hurtigruten Tag 4 – Nidaros-Dom und Wolkenlücken

En richtge gudn Morn – so oder so ähnlich wurden wir heute über die Bordsprechanlage auf Norwegisch begrüßt, gefolgt von Englisch und Deutsch. Wir haben mittlerweile Montag, den 24. Februar, und Trondheim erreicht. Der morgendliche Gang auf Deck 5 (hier ist der Umlauf um das Schiff und die Strecke, die jeder vor dem Frühstück viermal zurücklegen sollte, um sich die Kalorien zu verdienen) war vielversprechend: Das Wetter ist heiter bis wolkig, und vor uns liegt das Hurtigrutenschiff Vesterålen. Innen soll sie sehr schön sein, aber von außen springt bei mir kein Funke über. Da macht die Nordkapp doch mehr her.

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen, direkt vor der Nordkapp.

Wir entscheiden uns wieder gegen die Stadtrundfahrt und wollen auch Trondheim zu Fuß erkunden. Vorher gibt’s noch die Warnung von Tour Guide Marko, pünktlich zu sein: Es ist zwar kein Problem, das Schiff auf seiner Fahrt einzuholen, aber auch kein ganz billiger Spaß: Entweder nimmt man das Taxi für 1100 Euro, oder den Bus, der 10 Minuten zu spät ankommt, oder für 150 Euro das Flugzeug als billigste Möglichkeit. Also nochmal Uhrenvergleich, und los gehts. Einen Stadtplan zum mitnehmen gibt’s übrigens wie bei allen größeren Stationen beim Büro vom Tour Guide, ebenso wie einen Tagesplan mit Infos dazu, wann welcher Hafen angesteuert wird, welche Tageshighlights an Bord geplant sind, welchem Hurtigrutenschiff wir auf offener See begegnen, wann es Fotogelegenheiten gibt und wann Anmeldefrist für die Ausflüge ist. Alles perfekt organisiert.

Die Innenstadt von Trondheim ist nicht nur sehenswert, sondern auch gut zu Fuß erreichbar. Der Weg führt durch den Industriehafen und den Yachthafen mit hübschen alten Wirtschaftsgebäuden bis zum Zentrum.

Blick auf alte Speicherhäuser ind Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Blick auf alte Speicherhäuser in Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Wer die Stadtrundfahrt gebucht hatte, wurde bequem mit dem Bus zum berühmten Nidaros-Dom gefahren; zu Fuß waren wir ein paar Minuten vor der geführten Gruppe da. Der Grund für die Eile: Die Orgel wird gerade neu gestimmt, daher ist der Dom nicht frei zugänglich. Mit der Gruppe konnten wir einen Blick in das eindrucksvolle Gebäude werfen, bevor wir Trondheim weiter erkundeten.

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen.

Trondheim selbst hat einiges zu bieten. Da wäre die malerische Altstadt mit ihren kleinen Gassen und bunten Holzhäusern, die gammlige Brücke (okay: Gamle Bybroen, die alte Stadtbrücke) und rund um den Marktplatz die sehenswerte Innenstadt. Bei Temperaturen im Plusbereich kam auch kein Winterfeeling auf. Da Montag war, konnten wir auch einkaufen gehen: Klamotten (da immer noch einige Koffer vermisst wurden), eine Schützhülle für das iPad im Apple Store (damit später mit dem iPad der Sternenhimmel erklärt werden konnte, ohne das es zu kalt würde) und Reinigungsmittel für die Kamera (gegen das ganze Salz- und Regenwasser, das sich in den letzten Tagen auf der Kamera angesammelt hatte).

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Entgegen aller Internetseiten gibt es in Trongheim sogar ein Starbucks; der Tag war gerettet. Dafür hat die Tourist-Information nicht diese berühmten Norweger-Elche, die auf der Einkaufsliste standen. Was typische Souvenirs angeht, war die Reise bislang eh ein Flop – aber immerhin wurde das Wetter immer freundlicher, und wir waren ja nicht zum Einkaufen hier. Bei dem Preisniveau macht das eh keinen großen Spaß, da lieber in ein billiges Land wie Ägypten oder die USA…

Der Vormittag war somit gut ausgefüllt, und wir konnten uns auf den Rückweg zum Schiff machen, das wir auch pünktlich zum Mittagsbuffet erreichten. Mit entspannen war aber nichts, schließlich mache ich die Reise nicht zum Spaß: Jetzt hieß es erst einmal, den Wetterbericht und die Polarlichtprognosen noch in meinen Vortrag einbauen, und am frühen Nachmittag stand dann der erste Vortrag exclusiv für die Teilnehmer der Nordlicht und Sterne Tour an: Atmosphärische Phänomene. Von der blauen Himmelsfarbe über Nebensonnen und Erdschatten bis zum Regenbogen gab es einen Überblick über die Phänomene des Nachthimmels. Und anschließend: Polarlichter, Sagen und Entstehung. Natürlich war das eine Wiederholung des Hurtigrutenfilms, aber wenn man es zweimal hört, bleibt es besser im Gedächtnis.

Leider war das Wetter noch nicht polarlichtfreundlich, und die Sonne recht inaktiv – bis auf die Breaking News, dass gerade ein Fleckengebiet um den Sonnenrand rotiert und seine Strahlung die Erde knapp verfehlen würde.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Mit dem Vortrag und der Vorschau sowie dem Aufräumen des Konferenzraums (er ist für rund 120 Personen ausgelegt und war mit unseren über 70 Teilnehmern gut besucht) war ich rechtzeitig fertig, um das nächste Tagesereignis mitzukriegen: Die Passage einer Brücke bei Sør-Trøndelag. Viel Platz war nicht mehr zwischen Brücke und Schiff. Marko moderierte das Ereignis wieder sehr schön und machte den Countdown, wann wir fotografieren (oder in Deckung gehen) sollten.

Der Himmel wurde zwar besser und zeigte Strukturen sowie Spuren von Himmelsblau, aber noch keine Chance für sternklaren Himmel. Langsam wurden nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir unruhig… Daher war das Hauptereignis des Abends noch die Begegnung mit der südgehenden Richard With im Hafen von Rørvik. Und wieder einmal die Erkenntnis, dass die Nordkapp hübscher war.

Übrigens hatte ich spätestens jetzt den Überblick verloren, wo wir eigentlich waren und welcher Tag war – spätestens jetzt war ich heilfroh, mir den GPS-Empfänger für meine Kamera gegönnt zu haben. Für alle die es interessiert: Der Solmeta GPS Geotagger N3 war ständig auf meiner Nikon. Mit dem Händler habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, ich kann beides empfehlen.

Übrigens auch das Guiness im Bordcafe: Es kommt aus der Dose, was schon einmal deutlich besser ist als das aus der Flasche (es hat den richtigen Schaum). 82 Kronen sind natürlich kein Schnäppchen.

Hurtigruten Tag 2 – Bergen und Check-In

Mit leichter Verspätung komme ich nun endlich dazu, weiter über die Reise zu berichten. Mit dem Beitrag hab ich am 1. März angefangen, danach war die Internetverbindung abgebrochen, dann mein Roaming-Volumen aufgebraucht und ohnehin keine Zeit mehr… Also zurück in die Vergangenheit: Samstag, 22. Februar.

Noch immer fehlen drei Teilnehmern unserer Gruppe (natürlich auch Sandra) Gepäckstücke, und der Frankfurter Flughafen weiß von nichts – rund 20.000 Gepäckstücke sind dem Verdi-Streik zum Opfer gefallen. Das hindert uns aber nicht daran, das reichhaltige Buffet im Hotel zu genießen (es stellt sich die Frage, welche Themenreise wir begleiten: „Nordlicht und Sterne“, „11 Tage, 11 Kilo“ oder doch „11 Tage über der Reling“?), die beiden Reiseleiterinnen näher kennen zu lernen und schließlich Bergen bei Tag zu erkunden, bevor die Stadtrundfahrt ansteht.

Buffet-Clarion-Admiral-Bergen

Das Buffet gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Bergen selbst ist ein hübsches Städtchen, wenn es mal trocken ist – unsere Tour führt uns über den Markt auf den Hausberg, wobei wir uns für die Fahrt mit der Seilbahn nach oben entscheiden und zu Fuß absteigen wollen. Oben angekommen, ist das Wetter brauchbar: Kein Regen (dafür mal kurz etwas Schneefall und recht viel Wind), und Bergen ist zu sehen. Ebenfalls erstmals zu sehen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen (links, gegenüber den beiden gelben Arbeitsschiffen): Die MS Nordkapp.

Auf dem Rückweg in die Stadt (der erst einmal den Berg hinauf führt) sehen wir nicht nur die ersten Trolle, sondern auch zahlreiche Jogger – es ist wohl am Wochenende üblich, den Berg hinaufzulaufen. Wer’s mag… Unser Rückweg bot eine schöne Aussicht und war auch eindrucksvoll: Immer wieder ein schöner Blick auf die Stadt, im Wald verborgene Trolle und und das Hinweisschild, dass man die Hexe nicht fotografieren soll.

No Photos of the Witch.  Aber Solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

No Photos of the Witch.
Aber solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

Bergen hat eine schöne Altstadt und mach den Eindruck eines lebenswerten, netten kleinen Städtchens. Viele kleine Gässchen, Einzelhandel gibt es auch noch, und ganz wichtig: Gegenüber vom McDonalds liegt immer noch das Starbucks, in dem wir uns aufwärmen und das Free WiFi ausnutzen. Noch ist die Motivation gering, einen Daypass zu buchen, um ins Internet zu kommen. Den Zeitraum zwischen Hotel und Schiff, die beide WLAN bereit stellen, wird man wohl auch im 21. Jahrhundert überleben…

Gegen 13:30 beginnt dann die Stadtrundfahrt zum Schiff, bei der wir einiges über die Stadt erfahren – und mehr sehen, als wir gedacht hatten: Mit fast 270.000 Einwohnern ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens und bei weitem nicht so klein wie gedacht. You ain’t see nothing yet. Wichtigstes modisches Accessoire ist aber wohl das Paar Gummistiefel, immerhin ist Bergen die regenreichste Stadt Europas. Auch die Neubauten sind zumindest teilweise im traditionellen Holz-Stil gehalten, und auch bei den anderen muss ich sagen: Ich würde gerne einige unserer Architekten zum Nachsitzen nach Norwegen schicken. Hübsch. Beim ersten Stopp im Hafen sorgt dann auch ein plötzlicher Regenschauer dafür, dass alle rasch wieder im Bus sitzen und die Fahrt in die höhergelegenen Regionen der Stadt beginnt, mit gemütlich wirkenden Neubauten.

Auch die traditionelle Bryggen-Häuserzeile am Hafen darf natürlich nicht fehlen: Früher ein reines Männer-Viertel, in dem wegen Feuergefahr auch auf Heizungen verzichtet wurde, ist es heute ein schöner Einblick in die ungemütliche Vergangenheit, der zum Glück den Modernisierungsplänen der 1970er getrotzt hat.

Im Bus stören die Regenschauer nicht...

Im Bus stören die Regenschauer nicht…

Und dann, endlich: Ankunft im Hurtigruten-Terminal, wo das Gepäck aus dem Bus auf das Schiff gebracht wird, während wir unsere Cruise-Cards erhalten (der Zimmerschlüssel, der über die Kreditkarte auch zum Bezahlen verwendet werden kann). Der badische Dialekt macht da gleich mal eine Grußkart‘ draus und wirft die Frage auf, wofür man denn eine Grußkart‘ braucht… Die Sicherheitsunterweisung in Filmform ist Pflicht, und danach können alle ihren Kabinen beziehen, die nicht noch einmal zurück auf’s Schiff müssen, weil sie etwas vergessen haben…

Der Gang im sechsten Stock und die KAbine mit Blick auf ein Rettungsboot

Der Gang im sechsten Stock und die Kabine mit Blick auf ein Rettungsboot

Meine Kabine im sechsten Stock ist nicht zu groß – für eine Person langt’s locker, für zwei Personen wird’s schon enger. Das Bett (rechts) lässt sich ausklappen, und das Sofa links kann ebenfalls zum Bett umgelegt werden. Ich habe freien Blick auf ein Rettungsboot, was aber mehr als okay ist: Es gibt Tageslicht, und wenn ich was von der Landschaft sehe, weiß ich, dass ich ein Problem habe. A propos: Der Generalalarm wird heute auch geübt, damit jeder weiß, wie ein Alarm klingt. Das Abendprogramm ist überschaubar: Ein reichliches Buffet für’s Abendessen, den Tourguide schnappen, um den Vortragsraum zu reservieren, und abends Meet&Greet auf dem Panoramadeck vorne im Schiff: Die Crew stellt sich vor, und Tour Guide Marco macht noch einmal klar, dass die Nordkapp eine Fähre ist: Anders als auf Kreuzfahrtschiffen wird nicht an jedem Hafen die Schiffsevakuierung geübt, und es kümmern sich auch nur 50 Leute (vom Kapitän bis zum Maschinist) um das Schiff und seine bis zu mehr als 600 Passagiere – zurzeit ist die Norkapp nur zur Hälfte ausgebucht. Ein Kreuzfahrtschiff wie die MS Europa hat dagegen pro Passagier ein Besatzungsmitglied. Gott sei Dank: Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein muss, wenn ständig ein Animateur hinter einem her ist. Immerhin: Die Zimmer werden einmal am Tag gemacht, und es hat bislang noch jeder Passagier geschafft, das Bett selbständig herauszuklappen. Was will man mehr? Marcos Show zeigt schon, dass uns eine unterhaltsame und leicht makabre Zeit bevor steht.

Abends gegen halb elf verlassen wir dann auch Bergen: Die Fahrt beginnt.

Hurtigruten – Polarlichter gesehen!

Ja, ich bin ein schlechter Blogger – mittlerweile hat die MS Nordkapp Tromsö passiert, und ich habe den Überblick verloren, welchen Tag wir eigentlich haben. Morgen steht das Nordkapp auf dem Programm, es sind endlich alle Gepäckstücke auf dem Schiff angekommen, und nur mein Twitterfeed war in letzter Zeit ein Lebenszeichen. Die Tage sind gut ausgebucht.

Bevor ich mit Tag 2 (Stadtrundfahrt durch Bergen und die erste Nacht an Bord) weitermache, hier ein kurzer Zwischenstand: Zwei von fünf Vorträgen sind gehalten, den Regen haben wir hinter uns gelassen, einige Passagiere hat man näher kennen gelernt, und heute Abend gab es die erste Polarlichter. Relativ schwach, aber die grünliche Färbung war erahnbar, und das Schauspiel war fast zwei Stunden lang sichtbar. Die ersten Bilder:

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Polarlicht mit 30mm f/1,4

Und dann mit mehr Bildfeld:

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Polarlicht mit 11mm f/2,8; 20 Sek bei 800 ISO.

Damit ist der Erfolgsdruck auch von dieser Reise genommen, und alle können es genießen. (Bis auf meinen Ersatzakku der Nikon – der ist keine zwei Monate alt und schon tot, als ich ihn gerade aus dem Ladegerät in die Kamera verfrachten wollte.