Polarlichtvideo – GRP107 im Zeitraffer

So langsam bin ich mit meinem Reiserückblick für die Nordlicht-und-Sterne-Tour GRP107 vom Januar fertig. Pünktlich dazu hat mir Arthus ein schönes Bild der Nordkapp in Honningsvåg geschickt, das ich niemandem vorenthalten will:

MS Nordkapp in Honningsvåg

MS Nordkapp in Honningsvåg

Ich geb’s zu: Ist doch hübscher als die Shell-Tankstelle.

Ich hab’s jetzt auch geschafft, meine ganzen Polarlichtbilder zu einem Film zu verarbeiten. Er steht wie immer bei Vimeo:

Nordlicht über der MS Nordkapp – Nordlicht und Sterne GRP107 im Januar 2015 from Alex Kerste on Vimeo.

Viel Spaß beim Anschauen!

Den ganzen Reisebericht gibt es in der Kategorie-Ansicht in der chronologisch richtigen Reihenfolge.

Tag 12 & 13 – Bergen und der Rückflug

Es ist eine seltsame Stimmung an Bord, während wir uns langsam nach Süden vorarbeiten: Bereits um 10 Uhr mussten die Kabinen geräumt werden, damit die Crew eine Chance hat, das Schiff für die nächste Reise fertig zu machen. Immerhin kommen wir erst gegen 14:30 in Bergen an, und rund zwei Stunden später dürften schon die nächsten Gäste an Bord kommen und sich auf das Bergen-Buffet freuen. Das große Gepäck wird im Laderaum verstaut und in Bergen dann über ein Gepäckband ausgegeben, bis dahin ist es außer Reichweite. Dummerweise habe ich meinen Kaffeebecher da ebenfalls mitverpackt… Nur das Handgepäck behält man, aber ich denke, nächstes Mal gebe ich das auch mit ab. Ständig darauf aufzupassen macht auch keinen Spaß.

Allerdings muss ich sagen, dass der Kontrast vom Schiff zu Flughäfen und der Bahn größer nicht sein könnte.

Auf dem Flugplatz: Never leave your baggage unattanded, or it will be SHOT because of terrorism. Oder vielleicht wegen der Diebstahlgefahr.

Auf der Nordkapp: Stell’s einfach irgendwo hin, wird schon keiner klauen.

Das Schiff ist mir da sympathischer… Trotzdem habe ich den letzten Teil der Reise im Computereck Reiseleitereck verbracht, um die nächste Reise zu planen, und es war ganz praktisch, den Laptop gelegentlich in Reichweite zu haben. Für den gelegentlichen Blick und Gang nach draußen war trotzdem genug Motivation da, schließlich wurde das Wetter immer besser.

Je näher es zum regenreichen Bergen ging, desto schöner wurde es, und letztlich hieß es dann, Abschied nehmen: In Bergen endete die Reise, und für alle, denen ich am Ausgang nicht mehr begegnet war: Macht’s gut, es war eine schöne Tour! Mir hat’s Spaß gemacht.

Im Bus zum Flughafen war nur etwa ein Drittel der Gruppe, der Rest durfte noch einen Tag in Bergen bleiben, da es keinen passenden Rückflug mehr gab. Für Felicitas und mich ging die Reise ebenfalls zum Flughafen, aber erstmal ins Hotel: Auch für uns gab es erst am nächsten Morgen einen Rückflug nach Stuttgart, und zumindest mir war ein Hotel am Flughafen sympathischer: So liegt das Frühstück näher an meinem Tagesrhythmus. Das Clarion Hotel am Bergen Lufthavn kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich in den Matratzen fast versunken wäre. So kuschlig…

Immer wieder süß: Der Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Immer wieder süß: Der Canadair Regionaljet 900, der uns gen Süden bringen würde.

Über die Rückreise gibt’s nicht viel zu erzählen: Vom sonnigen Bergen gings ins verschneite Württemberg, das Auto beim FlyAway-Service abgeholt (perfekter Service: Raus dem Zollbereich und der Gepäckausgabe vom Flughafen, den im Preis inbegriffenen Shuttleservice angerufen, die Treppe hoch und bis zum Auto gefahren worden. Und dann in das süddeutsche Schneechaos gestürzt, um irgendwann gegen Abend nach Hause zum kommen.

Der Plan für die Woche: Das Blog fertigschreiben (mittlerweile erledigt, da der Hackerangriff geendet hat), Bilder sortieren und die Seite für die Kursteilnehmer fertigstellen, und dann die ganzen Polarlichtbilder zu einem Zeitraffer-Film verrechnen. Und zwischendrin etwas Geld verdienen. Die Deadline: 11. Februar, wenn ich wieder auf der Nordkapp bin. Volles Programm, aber es könnte klappen.

Achja: Der Nordlichtfilm ist dann öffentlich, den wird es hier und auf Vimeo geben.

Tag 11 – Trondheim und südwärts

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Abschiedsfoto vor Trondheim – war eine schöne Zeit

Jetzt kommt der Teil der Reise, der mir auch neu ist: Letzten Februar endete die Reise ja schon in Trondheim. Da das Feuerwerk gestern noch mindestens bis 1 Uhr ging (zumindest hatte ich dann die Kamera abgebaut), verzichtete ich auf einen erneuten Gang durch Trondheim, obwohl wir zwischen 6:30 und 10 Uhr eigentlich ausreichend Zeit hätten. Diejenigen, die sich den Stadtbummel nicht nehmen ließen, stellten fest, dass die Geschäfte erst so gegen zehn Uhr aufmachen. Immerhin war so jeder rechtzeitig zum Gruppenfoto wieder an Bord, das wir mit Trondheim im Rücken auf Deck 7 aufnahmen. Ein Gruppenfoto gehört zu jeder Reise, und gegen den bedeckten Himmel kann man später ja immer noch etwas unternehmen:-)

Ich muss zugeben, dass ich von der Landschaft nicht zu viel mitgekriegt habe. Die letzte Reise war entspannender – stärkeres Polarlicht, aber dafür deutlich weniger. Dafür nutzte ich den Tag, um meinen Koffeinhaushalt wieder auf ein Arbeitsniveau zu bringen und mich in die Bildbearbeitung mit Pixelmator einzuarbeiten – Photoshop fehlt noch auf dem Reiselaptop, und das Gruppenbild musste noch etwas aufgehübscht werden. Aber das Ergebnis gibt’s nur für die Teilnehmer der Reise.

Am Ende dieses Relax-Tages mit ständig wechselndem Wetter stand Kristiansund, gefolgt von einem kleinen Abschiedstrunk in der Bar: Ein kurzer Rückblick auf die Reise, zu dem ich wenig beizutragen hatte – langsam versagte die Stimme, und große Reden waren von meiner Seite nicht mehr drin. Aber dafür hab ich ja die Webseite.

Beim Tagesausklang in der Bar gab es dann zwei große Fragen: „Gibt’s heute Abend nochmal Polarlicht?“ und „Kannst du es für eine Stunde abstellen, damit wir packen können?“ Den Gefallen konnte ich den Gästen tun, ohne Polarlicht konnte tatsächlich in Ruhe gepackt werden – schließlich müssen die Kabinen am nächsten Tag bereits um zehn Uhr geräumt sein. Das Ende der Reise ist nah…

Tag 10 – die längste Sage

Nachdem es in der letzten Nacht früh zu Bett ging (also schon kurz nach Mitternacht), hatte ich mich eigentlich auf Ausschlafen gefreut. Bis um viertel nach sechs mein Kabinenfenster per Hochdruckreiniger gereinigt wurde.

Gegen acht Uhr weckte mich dann die Durchsage, dass wir gleich der MS Trollfjord begegnen.

Und gegen neun Uhr kam dann die Durchsage, dass wir jetzt wieder den Polarkreis südgehend passieren, wegen des Wetters die Insel auf der linken Seite sehen würden, und es anschließend eine kleine Arktische Zeremonie gäbe.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Südgehend am Polarkreis-Monument vorbei.

Irgendwann gebe sogar ich das kuschlige Bett auf, und mittlerweile lag die Nordkapp auch nicht mehr so schief im Wasser wie noch gegen acht, also war letztlich doch Aufstehen angesagt. Und der Griff zur Kamera, weil ich die Insel mit der Polarkreiskugel vom Fenster aus sehen konnte. Soll doch keiner sagen, ich hätte den Polarkreis verschlafen:-)

Für mich beginnt nun der gemütliche Teil der Reise: Alle Vorträge sind gehalten, und je weiter nach Süden es geht, desto geringer sind auch die Aussichten auf Polarlicht. Parallel dazu darf ich meine Ernährung auf Ricola und Kaffee umstellen: Die trockene Luft der Klimaanlage fordert ihren Tribut in Form eines rauen Halses. Den Tipp, immer ein nasses Handtuch als Luftbefeuchter an den Türgriff zu hängen, habe ich in den ersten Nächten leider vergessen, und vielleicht sollte ich die Klimaanlage wärmer einstellen. Aber was soll’s.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Die sieben Schwestern sind heute etwas schüchtern.

Das Wetter ist mittlerweile nicht mehr so schön wie am Anfang unserer Reise, sondern eher trüb und wolkig. Die sieben Schwestern zeigten sich auch eher scheu. Der Sage nach sind sie die Töchter des Königs Sulitjelmakongen, dessen Reich auf der Höhe von Svolvaer lag, jedoch auf der anderen Seite des Vestfjords. In Svolvaer herrschte zu dieser Zeit König Vågekallen. Sein Sohn Hestmannen bemerkte eines Tages die Aufpasserin der sieben Schwestern, die schöne Jungfrau Lekemøya. Er schwang sich auf sein Pferd, woraufhin Lekemøya und die sieben Schwestern die Flucht ergriffen. Die Schwestern gaben die Flucht auf, dorch Hestmannen war nur an Lekemøya interessiert und ließ sie links liegen. Als die Jungfrau ihm zu entkommen drohte, schoss er ihr einen Pfeil hinterher. Der König der Sømnaberge bemerkte das und warf seinen Hut, um den Pfeil abzufangen – noch heute liegt der durchschossene Hut als Torghatten, der Berg mit Loch, vor Brønnøysund. An Lekemøya erinnert heute die Insel Leke, auf der sie Schutz suchte.

Ansonsten war es ein angenehm ruhiger Tag, der mit Gesprächen und der Landschaft gut ausgefüllt war. In Brønnøysund war es schon zu dunkel für schöne Bilder des Torghatten, und das Captain’s Dinner am Abend war wie immer eine lockere Veranstaltung.

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

MS Nordkapp trifft MS Kong Harald in Rørvik

In Rørvik konnten wir dann noch der Kong Harald beim Anlegen zusehen. Das Schiff hatte einen schlechten Start in das Jahr: Wegen einem Generatorschaden mussten die Passagiere im Januar auf die Midnatsol umsteigen (auf der ja Volker mit seiner Nordlicht-und-Sterne-Gruppe war), und am 2. Februar – also kurz nach unserer Reise – wurde sie bei Berlevåg von einem schweren Brecher beschädigt, der zwei Fenster eingedrückt hatte. Am 29.1. in Rørvik sah sie aber noch gut aus.

Da sowohl der Wetterbericht als die Polarlichtvorhersage schlecht aussahen, wurde dieser Abend für Gespräche genutzt, ganz gemütlich. Im Fernsehen (ja, das hat auch auf der Nordkapp Einzug gehalten) liefen Berichte über einen Sturm, der in halb Norwegen für Stromausfall gesorgt hatte, während wir weiterhin eine ruhige Fahrt hatten. Kurz nach Mitternacht hatten sich dann die letzten Gäste ins Bett verabschiedet, und ich ging noch für einen letzten Kontrollblick an Deck. In der Bar war niemand mehr, und draußen am Heck auch niemand. Ein Blick nach oben:

Åååååå!

Ein großer Fetzen grünen Lichts hing über dem Heck; das Nordlicht lieferte noch einmal eine großartige Show. Also einmal durch’s Schiff zur Rezeption rennen, um eine Durchsage machen zu lassen, zur Kabine, die Kamera hoelen, und die Show genießen. Noch eine Stunde lang gab es ein Abschiedsfeuerwerk, dass ich in diesen Breiten nicht erwartet hätte. Mittlerweile gab es auch wieder Wolken, aber das Nordlicht tanzte lange genau zwischen den Wolkenlücken. Ich durfte mir nur eine Kritik von den Gästen anhören: Nächstes mal bitte zehn Minuten früher Bescheid sagen, bevor alle im Bett sind.

Ich probier’s:-)

Tag 9 – Vesterålen, Hurtigrutenmuseum & Generalstreik

Ab jetzt schreibe dieses Reiseblog wieder im Rückblick. Daran sind nicht nur die kurzen, polarlichtreichen Nächte schuld, der norwegische Generalstreik oder das Schiffs-WLAN, sondern auch ein Hacker-Angriff auf meine Webseite. Irgendjemand hat meinen Server tagelang mit Login-Versuchen bombardiert, bis zu viermal pro Sekunde. Zum Glück haben die Sicherheitseinstellungen meines Servers gehalten, aber das hat auch dafür gesorgt, dass ich mich selber auch nicht mehr in mein Blog einloggen konnte (außer über’s Handy). Jetzt läuft alles wieder, und ich bin für ein paar Tage in Deutschland und versuche, Zeit dafür zu finden. Also, weiter geht’s.

Morgens um 10, nordwestlich von Harstad: Ein schöner Morgen!

Morgens um 10, nordwestlich von Harstad: Ein schöner Morgen!

Ich muss zugeben, dass ich wegen der langen Nächte ein wenig aus dem Rhythmus gekommen bin und heute einfach mal das Frühstück ausfallen ließ. Ebenso verpasst habe ich die Vesterålenrundfahrt, aber die hatte ich eh nicht gebucht. War zwar schön, und eigentlich wollte ich im Museum an der Kirche von Trondenes noch einkaufen, aber für diesmal war ohnehin die Fahrt mit dem Schiff durch die Inselwelt der Vesterålen geplant: Auch sehr schön, die Gegend einmal vom Wasser aus zu sehen.

In der Risøyrenna

In der Risøyrenna

Groß angekündigt wurde im Taagesprogramm die Fahrt durch die Risøyrenna. Die Fahrrinne ist nur 7m tief, von der Wasseroberfläche aus wirkt das aber gar nicht so bedrohlich… eine schöne Strecke, die unter einer großen Brücke hindurch nach Risøyhamn führt, wo die Teilnehmer der Walsafari ausstiegen. Der Ausflug ist neu, aber nachdem wir vor ein paar Tagen schon vom Schiff aus Orcas gesichtet hatten, dürfte es interessant werden. (Einige Unternehmen geben sogar eine Erfolgsgarantie: Wer keine Wale sieht, darf am nächsten Tag nochmal. Das Angebot dürften nur wenige Hurtigrutenfahrer wahrnehmen). Das Wetter ist jedenfalls wunderbar – kaum zu glauben, dass auf der Midnatsol neulich Sturmwarnung war.

In Risøyhamn verschwand jede Menge Pflanzenerde im Schiff. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was so alles transportiert wird, und in welchen Mengen. Der 200-Einwohner-Ort ist wohl eine Sackgasse: Nach dem Ablegen fährt unser Schiff rückwärts unter der Brücke hindurch und wendet erst später…

Winkekonkurransje bei Sortland? Heute nicht.

Winkekonkurranse bei Sortland? Heute nicht.

Sortland als Mittelpunkt der Vesterålen war letztes Mal sowohl für die Busreisenden der Rundfahrt als auch für die auf dem Schiff zurückgebliebenen ein Höhepunkt: Da der Bus genau dann über die Brücke fährt, wenn das Schiff darunter ist, wurden letztes Mal alle Passagiere zum Winken nach vorne geschickt. Entweder waren diesmal zu wenige auf der Nordkapp, oder unser Tourguide war unmotivierter, jedenfalls bemerkte ich die Brücke erst, als ich im Speisesaal mein Frühstück am Mittagsbuffet nachholte. Die Handykamera erwischte den Bus nur gerade so durch die Scheiben. Vielleicht wird’s nächstes Mal wieder besser, wenn mehr Passagiere an Bord sind.

A propos leeres Schiff: An dieser Stelle einen ganz herzlichen Gruß an unsere holländischen Mitfahrer: Hat Spaß gemacht mit euch! War wirklich eine sehr angenehme Reise!

Ein ernsteres Thema ist übrigens der Generalstreik, den es am 28.1.2015 zwischen 14 und 16 Uhr in ganz Norwegen gab und an dem auch die Besatzung der Nordkapp teilnahm. Der Grund: Die Regierung will mehr Zeitarbeit statt fester Verträge ermöglichen, die Regelungen zur Sonntagsarbeit lockern und generell die Arbeitszeiten verändern. 60-70% der Norweger sind dagegen, ich wünsche ihnen viel Erfolg.

Informationen zum Grund des Streiks gab es an Bord kaum, dank Hurtigforum war ich eine der Informationsquellen für unsere Besatzung. Etwas deprimierend fand ich den Gast, der mir ein paar Tage vorher noch lang und breit eine ideale und gerechte Gesellschaftsform erklärt hatte und bei der Ankündigung des Generalstreiks nur daran dachte, ob er eine Minderung des Reisepreises für sich herausschinden könne, falls der Besuch der Hurtigrutenmuseums in Stokmarknes ausfiele. Anstatt sich zu freuen, dass es noch Leute gibt, die für ihre Rechte eintreten, statt nur von Utopien zu träumen…

Das Hurtigrutenmuseum.

Das Hurtigrutenmuseum.

Außer einem verfrühten Mittagessen und einer bis 16 Uhr verlängerten Liegezeit in Stokmarknes war an Bord von dem Streik jedoch nichts zu spüren. So konnten wir fast zwei Stunden im Museum verbringen (das nicht am Generalstreik teilnahm) und hatten genug Zeit, um sowohl die aufgedockte Finnmarken als auch das Museum und den Shop in Ruhe zu erkunden.

Und unser Weltverbesserer? Von meinem Vorschlag, Hurtigruten mehr zu zahlen, da er ja auch länger im Museum sein konnte, wollte er nichts wissen. Stattdessen wurde darüber gemeckert, dass man den Maschinenraum der Finnmarken nicht besichtigen konnte. Manchen kann man es echt nicht recht machen.

Pünktlich um 16 Uhr nach Ende des Streiks ging die Reise dann weiter, und wer wollte, konnte auf dem Sonnendeck zusehen, wie Fisch fachmännisch filetiert wird. Außerdem: Norwegisches Sushi – die Chance, frischen Fisch zu probieren. Genau: Der erste Ausblick auf das Abendessen:-)

In Svolvaer kolliderte die Essenszeit etwas mit der Liegezeit, aber es blieb doch genug Zeit, um die Magic-Ice-Gallerie zu besichtigen oder kurz in die Stadt zu gehen. Ob die vereisten Gehwege auf den Generalstreik oder das gelassenere Verhältnis der Norweger zum zum Winter zurückgehen, darf jeder selbst entscheiden.

Svolvaer-Panorama

Svolvaer-Panorama

Nach Svolvaer war zwar ein Hauch von Grün am Himmel zu sehen, aber die „Hauptstadt des Lichts“ versteckte sich hinter Wolken – doch einmal eine ruhige Nacht und die Chance, etwas Schlaf nachzuholen:-)

Tag 8: Hammerfest

Gefühlt mitten in der Nacht (und laut Uhr kurz nach acht) hat mich das Hupen der Polarlys geweckt. Nach viel zu wenig Stunden Schlaf wurde ich dann von den Gästen auch noch mit „Und, die Polarlichterlichter um halb vier gesehen? Was für eine Show!“ begrüßt. Nein, habe ich nicht gesehen – aber ich freue mich ja, wenn die Gäste mehr sehen als ich und auf ihre Kosten kommen. Ehrlich:-)

Dafür gab’s dann kurz vor Hammerfest einen wunderschönen Mond. Ist doch auch hübsch:

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Halbmond bei Hammerfest

Projekt Schneewittchen

Projekt Schneewittchen

Vor Hammerfest gab es statt des Energietees vom letzten Jahr einen Energiekaffee, der viel Chili und Schokolade enthielt – geschmackliche eine deutliche Steigerung. Anlass dafür ist die Erdgasverflüssigungsanlage auf der Insel Melkøya, das „Projekt Schneewittchen“.

Hammerfest ist zumindest für die Werbung ja immer noch die nördlichste Stadt, auch wenn Honningsvåg mittlerweile ebenfalls Stadtrecht hat. Was mir dieses Jahr auffiel: Wie wenig Schnee dort liegt! Im letzten Jahr waren die Bänke noch bis zur Sitzfläche eingeschneit, und heute fast frei. Bei Temperaturen um die 0° eigentlich kein Wunder.

Die Tour „Hammerfest auf eigene Faust“ führte mich mich über eine Buchhandlung (diesmal ohne Beute) zu Sicksackveien und dem blauen Pavillon, den ich schon vom letzten mal kannte. Hier war der Vergleich zum Vorjahr extrem: Auch ohne Spikes sah er begehbar aus, während ich vor elf Monaten keinen Meter weit gekommen war. Mein Touristenprogramm führte mich anschließend zu den beiden Polarbären vor dem Rathaus, zum Getränkekaufen und dann in den berühmten Isbjørnklubben. Ja, jetzt bin ich auch Mitglied im ehrwürdigen und so weiter Club. Ist doch ein netter Gag, und der Eisbären-Pin ist auch nett.

So waren die zwei Stunden Aufenthalt auch rasch vorbei, und nicht nur am Wetter wird deutlich, dass wir langsam im Endspurt sind: Um 15:00 und bei leichter Dünung stand mein Vortrag zum Thema Sternbilder und Mythen auf dem Programm. Durch den Zwischenstopp in Ørnes hampelte ich nicht allzusehr vor der Leinwand herum und verlor kaum Zuhörer an die See. Die Kollegen auf der Midnatsol hatte es schwerer getroffen: Zwei Tage Regen, gestern schwerer Sturm, und während unseres Telefonats am frühen Abend kam dann die erneute Sturmwarnung mit dem Hinweis, dass alle, die nicht wirklich seefest sind, doch bitte in ihre Kabinen gehen sollten. Nach dem Polarlichtsturm, den wir nur am Rande mitgekriegt hatten, hatten die also auch den richtigen Sturm voll abgekriegt. Wo bei uns das Vier-Gänge-Menü auf dem Plan stand, gab’s da Reisetabletten…

Kurz vor Mitternacht war noch alles ruhig in Tromsø

Kurz vor Mitternacht war noch alles ruhig in Tromsø

Das exzessive Abendessen zog sich über fast zwei Stunden hin, wobei es kein Buffet gibt, sondern immer wieder mal etwas serviert wird. Es war als also nicht das große Fressen, das man erwarten könnte. Der Grund für den langen Zeitraum: Am Abend stand erneut Tromsø auf dem Plan, mit dem sehr empfehlenswerten Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Polarlichter waren keine zu sehen, aber ein schönes Panorama bei fast milden Temperaturen und Windstille. Die Polarlichtvoraussage war mäßig und für vier Uhr war klarer Himmel vorausgesagt, es sah also wieder einmal nach einer langen Nacht aus… und als kurz nach eins die Konzertbesucher wieder auf dem Schiff waren, war die erste Frage: Hast du die Polarlichter über der Eismeerkathedrale fotografiert?

Nein, hatte ich nicht – auf dem Schiff war es gerade auch zu hell, um sie zu fotografieren, aber der Steuermann ließ mit sich reden und schaltete erst die Beleuchtung auf dem Umlaufdeck aus und nach dem Verlassen des Hafens auch die Beleuchtung auf Deck 7. Nur der Schornstein strahlte noch hell auf.

Es gab nicht die ganz große Show, aber über lange Zeit viel Grün, teilweise auch hell genug für das bloße Auge. Der blaue Dunst auf den Fotos ist übrigens die Dampfwolke der MS Nordkapp. Der Film wird mehr hergeben als die Einzelbilder, aber es war ein netter Abschluss.

Kleine Schocker zuletzt: Die Kamera habe ich um 3 Uhr abgebaut, das gibt wieder eine kurze Nacht… Für Morgen (Mittwoch) ist von 14-16 Uhr Generalstreik angesagt, vielleicht mache ich mit und tauche auch erst um 16 Uhr auf:-)

Tag 7 – Kirkenes und retour

Ich sag’s doch: Wenn man bei den Polarlichtern lange genug wartet, sieht man auch rot:

Sonnenaufgang vor Kirkenes

Morgenrot vor Kirkenes

Kirkenes im Schnee

Kirkenes im Schnee

Okay, diesmal vielleicht nicht von den Lichtern selbst, aber immerhin… Kirkenes begrüßte uns mit einer langen Morgendämmerung und prächtigem Morgenrot, sodass die Teilnehmer der Hundeschlittentour und des Besuchs im Schneehotel bestes Wetter hatten. Mit den warmen Sachen lässt es sich auf dem Schlitten sehr gut aushalten.

Lediglich die Bustour zur russischen Grenze fiel diesmal aus – ob es an der geringen Teilnehmerzahl oder doch am Wetter lag, habe ich nicht mitgekriegt. Für mich standen heute keine Ausflüge auf dem Plan, sondern Bilder sichten und zusätzliche Speicherkarten und Festplatten für die nächste Reise bestellen…

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Entweder die Amalthea oder die Antarctic im Nebel – ich bin aus Marinetraffic nicht schlau geworden.

Im Lauf des Tages wurde das Wetter immer schlechter, und in einer Mischung aus Schneetreiben und Nebel ging es wieder zurück in Richtung Vardø, dem östlichsten Punkt unserer Reise. Kurz vor Vardø stand ein Informationsfilm über den Pomorenhandel auf dem Programm, der bis ins frühe 20. Jahrhundert zwischen der Finnmark und Russland stattfand. Kaum zu glauben, wie viele einmal Schiffe gleichzeitig in Vardø lagen.

Heute gibt es in Vardø noch einiges zu sehen, wegen der frühen Dunkelheit wagte ich den Weg zu Hexendenkmal oder Festung allerdings nicht. Stattdessen: Eismeerbaden. Aber nur gucken, nicht schwimmen. Sogar einer von unserer Gruppe hat sich in die 2° warmen Fluten gewagt, außerdem ein Crewmitglied, das dann auch noch ein paar Runden geschwommen war. Respekt.

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Ab zum Eismeerbaden in Vardø

Angeblich war es gar nicht so schlimm, und das Schiff fühlte sich danach wie eine Sauna an. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass es ein Ersatz fürs Boblebad ist.

Nachdem alle wieder an Bord waren, gab es zum Aufwärmen dann auch schon den vorletzten Vortrag unserer Reihe: Das Universum in 60 Minuten, diesmal wieder von Felicitas und wegen des schlechten Wetters sogar mit mir als Zuhörer. Das Ende der Reise ist nahe – wobei wir ja sogar effektiv zwei Tage mehr an Bord haben, nachdem die Reise 2014 schon in Trondheim endete.

IMG_1439In Anbetracht des Wetters gab es schon eine gewisse Vorfreude auf den Abend: Endlich ein gemütlicher Abend in der Bar, und dann früh ins Bett.

Pustekuchen. Immer wieder machten sich Wolkenlücken breit, durch die das Polarlicht schimmerte – nicht allzu intensiv, aber doch wahrnehmbar und nur von einigen Häfen unterbrochen. Daher lief meine Kamera ab 21:30 durch, erst am Bug, später am Heck. Es gab auch einiges an Polarlicht, aber auch noch mehr Wolken – gegen halb 12 gab ich wie die meisten Gäste auf und kehrte in die Kabine zurück.

Der erste Schritt: Kamera putzen. Durch die salzhaltige Gischt hatte ich jetzt eine weiße Nikon statt einer schwarzen… Der Seegang nahm ebenfalls zu, daher verarbeitete ich die Bilder noch zu einem Filmchen für den Vortrag morgen Nachmittag, und machte gegen halb zwei Feierabend. Der Film ist ganz nett, die Einzelbilder weniger:

Der Legende zufolge gab es um halb drei noch einen Polarlichtalarm und ruchtig schönes Polarlicht, aber der ging völlig an mir vorbei. Aber Felicitas und einige Gäste hatten es gesehen und waren begeistert, daher konnte ich mich guten Gewissens dem Schlaf der Gerechten widmen.

Tag 6 – Vom Nordkap ostwärts

Auch  wenn es morgens kurz nach acht noch recht duster ist: Das Treffen mit der Midnatsol konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ob die Kollegen der GRP100 mich auch gesehen haben, weiß ich nicht sicher – aber es waren auf jeden Fall einige Leute an Deck.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Malerisch: Die Passage südlich der Insel Magerøya.

Nachdem die Midnatsol auf ihrem Kurs südwärts an uns vorbeigezogen war, stand erst einmal Bilder sichten, duschen und spätes Frühstück auf dem Programm. Dabei herrschte richtig Stress: Frühstück bis 9:30, Mittagessen dann von 10-13 Uhr wegen der Tour zum Nordkapp. Aber es ist kein Problem, hier eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. (Schreibe ich eigentlich zu viel über das Essen? Sollte ich Bilder davon posten? Oder ist das eher etwas für Facebook?)

Kurs auf Honningsvåg

Kurs auf Honningsvåg

Kurz nach 11 kam dann Honningsvåg in Sicht. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zum Nordkap. Gestern war die Tour wohl wegen zu schlechtem Wetter ausgefallen, aber bei unserem Besuch war das Wetter fast optimal. Das Schöne an den Wintertouren ist auch, dass das Kap dann nicht so überlaufen ist – bei drei Bussen kann man das Kap genießen. Mein Programm sah anders aus: Zum Nordkap wollte ich nicht schon wieder, auf Fischerdorf mit Weihnachtshaus hatte ich keine Lust, aber die berühmte Shelltankstelle am 71. Breitengrad, die musste diesmal sein. Vom Hafen aus sind es etwas über zwei Kilometer, ein schöner Spaziergang, um das Frühstück zu rechtfertigen. Da Sonntag war und die Temperaturen doch recht frisch, war kaum jemand unterwegs, aber ich bin wohl dem Hund des Schneepflugfahrers vom letzten Mal begegnet, der gerade Gassi geführt wurde.

Ein Troll?

Ein Troll?

Honningsvåg hat wie üblich viele kleine Holzhäuser, die nur etwas größer wirken als so mancher Geländewagen, der davor steht. Die verschneiten kleinen Häuser, die schroffen und vereisten Felsen und das düstere Licht haben ihren Reiz, aber leben wollte ich da nicht unbedingt. Die Shelltankstelle ist natürlich nur dann interessant, wenn man die Sache mit dem Breitengrad weiß, und auch dann eher ein netter Gag – für das nächste Mal dürfte der Hausberg von Honningsvåg auf dem Programm stehen, der einen schönen Ausblick bietet. Gelohnt hat es sich trotzdem: Ich glaube, ich habe schon wieder einen Troll gesehen, diesmal mit einer Kaffeetasse am Straßenrand. Als ich ihn erreicht hatte, war nur noch eine schneefreie Felswand zu sehen – die Trolle sind gerissen!

Sicherheitsübung.

Sicherheitsübung.

Weiterer Vorteil der Tour zur Tanke: Man ist rechtzeitig wieder auf dem Schiff, um doch noch was vom Buffet mitzukriegen. (Fisch-Cordon-Bleu. Sehr lecker. Wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen.) Die Crew führte derweil eine Sicherheitsübung aus, mit Aussetzen eines Rettungsboots. Der Blick auf die Webcam des Nordkaps zeigte, dass nicht nur in Honningsvåg gutes Wetter war (bedeckt und kalt, aber windstill), sondern auch am Kap selbst gute Bedingungen herrschten.

Um viertel vor drei – die Ausflügler waren alle wieder an Bord und begeistert, kein Wunder – ging die Reise dann weiter ostwärts. Die Wetterprognose war nicht so berauschend und die Polarlichtaktivität der Gegend angemessen, sodass es nach einer ruhigen Nacht aussah. Für 20:00 war unser nächster Vortrag vorgesehen (von Felicitas über das Planetensystem), und da das Abendessen als Nordkappbuffet serviert wurde, passte das auch vom Zeitplan. Eine Stunde langt für jeden, um sich zu überfressen, und der Nachtisch hat es immer wieder in sich.

Krabbenfischer entern das Boot

Krabbenfischer entern das Boot

A propos Essen: Gegen 16:30, also zwischen Nordkap-Tour und Abendvortrag, stand schon wieder ein Highlight auf dem Programm. Kurz vor Kjøllefjord legten Krabbenfischer in voller Fahrt an der Nordkapp an und präsentierten ihren Fang. Einziges Problem: Entweder steht man an der Reling und beobachtet das Anlegemanöver, oder man sichert sich einen guten Platz auf Deck 7 für die Vorführung. Zeit für ein Foto mit den Krabben bleibt aber allemal.

Ich konnte das Anlegemaneuver von Deck 5 aus verfolgen, da hier ein guter Blick auf die Felsformation der Finnkirka möglich war. Mit f/1,4 und viel zu viel ISO war sie sogar schön zu fotografieren, auch wenn das Farbenspiel schon etwas arg nach Disneyland aussieht. Aber es ist durchaus eindrucksvoll. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass mir die Finnkirka nur im Mondlicht besser gefällt. Ist viel mystischer als das ständig wechselnde Farbenspiel. Andererseits sieht man sie dann nur auf den Fotos und nicht mit dem Auge.

Felicitas‘ Vortrag konnte ich mir nicht anhören: Ich hielt stattdessen Polarlichtwache am Bug, da schon vor dem Abendbuffet ein paar Lichter zu sehen waren.

Durch die Wolken war immer wieder ein Hauch von Grün zu erahnen, und die Kamerabilder waren schon ganz nett, aber Wetter und Intensität waren nicht sehr beeindruckend. Dafür wollte ich den Vortrag nicht unterbrechen – im Gegensatz zum Käptn, der Polarlichtwarnung ausgab. Also verschwand ich kurz in den Vortragsraum, um Entwarnung zu geben. Bis Berlevåg um 21:45 war immer wieder ein grauer Schleier zu sehen, und das Wetter besserte sich (im Gegensatz zur Polarlichtvorhersage). Bug voraus war immer wieder etwas zu sehen, aber nicht wirklich toll.

Klar, das dann die besorgten Fragen aufkamen, wie es den Rest der Nacht weitergehen würde – Polarlicht oder Ruhe & Erholung? Meine Schätzung war Ruhe & Erholung, dann kam kurz nach Berlevåg die Durchsage vom Käptn, dass es wieder Lichter gibt – und diesmal lohnte es sich! Der Nachteil dabei, die Kamera immer auf den selben Punkt zu richten, ist natürlich dass einem mal ein paar Highlights entgehen. Aber dafür gibt das später einen hübschen Film.

Quer über das Schiff erstreckte sich ein großer Bogen, und nun glaubten mir endlich alle, dass die Auro wirklich grün ist und sogar tanzt. Wow. So gehört sich das. Bis Båtsfjord um kurz vor Mitternacht ging die Show, und hoffentlich hat jeder die Durchsage gehört. Das Licht auf Deck 7 wurde (leider bis auf den Schornstein) abgeschaltet, und jeder kam auf seine Kosten (und auch wenn ich ein paar Leute an der Bar zusammentrommeln musste). Awesome, great show! Für ca. Stufe 5 schon sehr schön. Ich leide mit allen, die die Reise nicht machen konnten.

Nach Mitternacht und Båtsfjord leerte sich das Deck dann langsam, und der Kontrollblick um halb eins zeigte: Immer noch Lichtshow. Nicht mehr so stark und beeindruckend, aber doch gut genug für einige Fotos. Zwischen 0:40 und kurz vor zwei Uhr entstand dieser Nachschlag:

Aber das Ziel der Reise ist erreicht: Es kam die Bitte, doch die Lichter abzuschalten, damit man endlich schlafen darf… Mal sehen, wer sich jetzt noch alles den Nordlichtvirus eingefangen hat.

Bei mir droht dafür jetzt langsam der Supergau: Die externe Festplatte ist voll und der Laptop sowieso. Bleiben noch die 192 Gig Speicher in der Karte…

Tag 5 – Tromsø (ohne (erwähnenswertes) Polarlicht)

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Okay, zugegeben: Ich sage ja selbst auch immer wieder, dass die Hurtigrutenschiffe Fähren sind und keine Kreuzfahrtschiffe, obwohl natürlich schon einiges an Luxus da ist. Das Essen ist klasse und mehr als reichlich, die Kabinen haben alle Steckdosen, Dusche und WC (wobei ich mir bei der Lofoten nicht so sicher bin), und man kann es sehr gut darauf aushalten. Leider hatte ich es auf der letzten Fahrt nicht in den Whirlpool am windgeschützten Heck auf der Nordkapp zu steigen, aber von dort die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen muss klasse sein.

Und jetzt ist er weg. Wo einst die beiden Pools waren, ist jetzt neu geplättelt und leerer Raum. Nur die Duschkabine gibt’s noch, und Bademäntel im Shop. Hallo Hurtigruten, falls ihr das lest: Mein Gummientchen und ich hätten gerne den Whirlpool wieder. Das geht doch nicht, dass es den nur auf Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken gibt:-(

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

Nun ja, widmen wir uns weniger ernsten Themen. Heute wurde die Polarkreistaufe nachgeholt. King Neptune war diesmal deutlich freundlicher als beim letzten Mal, hat niemanden angepöbelt und kam sogar freiwillig. Letztes Mal mussten wir ihn herbeirufen – dafür hatten damals auch mehr Leute die Polarkreistaufe mitgemacht. Diesmal kamen so Kommentare wie „zu kalt“, dabei war der Temperaturunterschied zwischen Eis und Luft viel kleiner als im Februar 2014…

Leider wird das Wetter immer schlechter, und Wolken ziehen auf. Bei Finnsnes war es heiter bis wolkig, aber nicht mehr so perfekt wie in den letzten Tagen, als wir noch deutlich unterhalb des Polarlichtovals waren. Die Fahrten unter einer Brücke hindurch sind immer wieder spannend, oft ist der Abstand zwischen Brücke und Schornstein wirklich gering. Das Foto kann das nur ungenügend wiedergeben… Die Brücken sorgen übrigens auch dafür, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bei vielen Fjorden draußen bleiben müssen, und geben gleichzeitig die maximale Höhe der Hurtigrutenschiffe vor.

Die 1,5km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Die 1,5 km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Nach Finnsnes ging es weiter nach Tromsø. Das kenne ich ja mittlerweile, daher konnte ich mir das Tourismusprogramm sparen. Für den Storsteinen war es auch etwas dunkel (die Sonne lässt sich erst seit ein paar Tagen wieder in Tromsø blicken, und durch die Wolkendecke ist es etwas finsterer als im letzten Februar), daher steuerte ich meine üblichen Ziele an: Die örtlichen Buchhandlungen. Und wieder einmal bin ich fündig geworden und nun stolzer Besitzer der Eventyr von Asbjørnsen und Moe. Das ist wohl das Standard-Werk über die norwegischen Sagen und Märchen, so wie bei uns die Brüder Grimm. Jetzt muss ich das nur noch lesen können, ist natürlich ein etwas dickeres Hardcover-Buch auf Norwegisch. Man braucht ja Herausforderungen. (Ich weiß noch nicht, wie ich das im Gepäck unterbringe…)

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Als Einkaufsstadt ist Tromsø gar nicht schlecht – vielleicht sollte ich nächstes Mal doch wieder einen Ausflug machen, die Hundeschlittentour könnte billiger sein als ein Ausflug in das Nerstranda Senter. Aber auch die nehmen gerne Kreditkarten.

Der Satz „Tromsø geht immer“ in Sachen Polarlicht hat diesmal leider nicht gestimmt. Es gab wohl gegen 19:00 Polarlicht, wie die Kollegen von der Midnatsol aus der Barentssee berichtet haben, aber einerseits gab’s da bei uns Essen, und andererseits war es bedeckt. Nachmittags konnte der Mond noch durch die Wolken schimmern, abends ging erst nichts mehr, und dann war klar, aber ohne nennenswertes Polarlicht. Halt nur noch „Kameragrün“ und nichts, was einen zum Aufbleiben überreden könnte.

Aber was soll’s: So konnte man in Ruhe mit den Gästen plauschen. Am nächsten Morgen war ja schon wieder volles Programm: Das Treffen mit der Midnatsol stand an (touristisch vollkommen wertlos, da lang vor Sonnenaufgang, aber wenn man schon die Kollegen auf dem Schiff hat) und natürlich Honningsvåg und das Nordkapp.

Tag 4: Polarkreis und Bodø (und noch mehr Polarlichter)

Letztes Jahr war die Polarkreisüberquerung ja ein ziemliches Highlight: Gefühlt waren alle 300 Passagiere an Deck, der Tourguide hatte gut Spannung aufgebaut, und gegen 7:12 morgens passierten wir mit lautem Gehupe die Insel mit dem beleuchteten Globus, und in wenigen Sekunden entstanden hunderte unterbelichtete und verwackelte Bilder der Insel.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Irgendwo da ist die Polarkreiskugel. und die paar wackeren Passagiere, die schon auf waren.

Dieses Mal forderte das Polarlicht seinen Tribut, und nur eine Handvoll Gäste waren auf Deck 7 versammelt, sodass die Crew kaum Sekt verkaufen konnte. Der Globus lag im Dunkel und wurde nur sporadisch vom Suchscheinwerfer gestreift. Immerhin der Schiffstyphon war wie gewohnt, und um 7:20 passierten wir die Insel. Anschließend: Frühstück. Gähn.

Aber wieder ins Bett gehen lohnte sich auch nicht mehr, stattdessen suchte ich den Panoramasalon auf – während der letzten Reise gab es da keine Plätze am Fenster, diesmal hatte ich eine Chance und konnte mich gleichermaßen den EMails wie auch der Landschaft widmen. Derweil tuckerte die Nordkapp weiter Richtung Ørnes, einem der schöneren Häfen in einer grandiosen Landschaft.

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der seit der letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Ørnes. Der Berg im Hintergrund erinnert mich an einen liegenden Trollkopf. Ist der etwa seit meiner letzten Vesterålenreise hierher gewandert?

Der Platz am Bug war zugig, aber die Aussicht lohnt sich immer wieder. Während der kurzen Liegezeit im Hafen widersetzten sich einige Passagiere der Kälte, und wir konnten einige Bilder der letzten Nacht vergleichen. Es ist sehr angenehm, dass dieses Mal schon so weit im Süden und vor meinem ersten Vortrag geübt werden konnte: So hatte jeder ausreichend Zeit, sich doch mit seiner Kamera zu beschäftigen, und auch manche kleine Kompaktknipse konnte das Grün am Himmel festhalten. Mittlerweile kennt man auch einige Reiseteilnehmer und ist per Du, es wird langsam familiär. Und es ist sogar etwas von meinem Vortrag hängen geblieben: Gegenüber der Sonne, die gerade am Horizont kratzte, konnten wir den Erdschatten samt Venusgürtel erspähen. Die Idylle rundeten ein paar Seeadler auf einer kleinen Insel ab.

Kunst auf der Nordkapp

Kunst auf der Nordkapp

Von Ørnes aus geht die Reise weiter nach Bodø. Letztes Mal war ich mit Vortragsvorbereitungen beschäftigt und hatte von der Stadt nichts mitgekriegt, diesmal hatte ich etwas Zeit dafür. Bis dahin war aber noch volles Programm: Unser Reiseleiter Kai gab eine Kunstführung durch das Schiff. Wie alle Hurtigrutenschiffe ist auch die Nordkapp ein Gesamtkunstwerk, und die Bilder haben sogar eine Bedeutung. Und nach dem unterhaltsamen kleinen Rundgang weiß man sogar, was dahinter steckt: Welche Sagen hier verewigt wurden, und dass manche Szene den Fischfang und -transport vor gerade einmal 100 oder 150 Jahren zeigt. Die Bilder sind nicht nur Deko, und auch der Künstler hat sich wohl in dem Tryptichon verewigt. Sehr nett.

King Neptune ließ sich aber nicht blicken – hatte der Herrscher des Meeres etwa auch wegen Polarlichtern verschlafen?

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Wandschmuck in Bodø. Heilbronn hat das auch, aber da sind die Graffiti nicht so schön.

Für Bodø hatte ich nicht ganz so viel Zeit wie unsere Passagiere, da um 15:30 mein zweiter Vortrag anstand – diesmal über die Sonne, und kurz nach der Abfahrt. Allerdings erinnert mich Bodø auch an Heilbronn: Es wurde im Krieg weitestgehend zerstört und viel zu schnell wieder aufgebaut. Der Glockenturm ist noch das sehenswerteste Ziel, neben ein paar Wandmalereien. Meine Tour führte mich zum Getränkekauf ins REMA1000, und dann wieder zurück in den Vortragsraum auf dem Schiff. Das war gar nicht so einfach – weniger wegen der vereisten Straßen als vielmehr wegen des starken Gegenwinds.

Zum Vortrag waren dann auch alle Gäste wieder an Bord, und ich handelte die Sonne und das Leben der Sterne ab. Weiterer Programmpunkt: Die drehbare Sternkarte und ein Crashkurs in Orientierung am Himmel. Die wichtigsten Sternbilder hatten wir schon am ersten Abend live gezeigt, ebenso den Komet Lovejoy in Felicitas‘ Fernglas. Daher konnte ich mich hier kurz fassen. Problematisch war nur, dass nicht jeder die drehbare Sternkarte erhalten hatte. Zum Glück erhält man auch als Lektor gelegentlich ein Exemplar, das dann als Ersatz dient, aber der Hinweis sei gestattet: Wer die Themenreise bucht, sollte überprüfen, ob den Unterlagen auch wirklich eine Sternkarte beiliegt. Das gilt natürlich nur, wenn sie auch zum Umfang gehört – keine Ahnung, ob sie auch in Zukunft dazu gehört. Wer keine hat, kann den Sternenhimmel übrigens zum Beispiel mit seinem Smartphone und einer kostenlosen App wie Celestron SkyPortal erkunden.

Magischer Trolltrunk gefällig?

Magischer Trolltrunk gefällig?

Da die Wetter- und Weltraumwettervorhersagen so gut waren, verkniff ich mir dieses Jahr die Teilnahme am Lofotr Wikinger-Fest (obwohl ich eigentlich im Museumsshop noch einkaufen wollte). Eine weise Entscheidung: Wegen Niedrigwasser fuhr die Nordkapp nach dem Abendessen in Schleichfahrt Richtung Raftsund und Svolvaer. Mit rund einer Stunde Verspätung konnten wir dann in Svolvaer anlegen und die Ausflügler wieder an Bord nehmen. Wer wollte, konnte immer noch die Zeit nutzen, um die Magic Ice Galerie zu besichtigen.

Oder er nutze die Zeit zum Aufwärmen – es gab schon wieder Polarlicht, und gar nicht mal so schlecht. Über Svolvaer als „Hauptstadt des Lichts“ standen zwar schon die ersten Wolken, aber bis dahin gab es wieder einen schönen ruhigen Tanz, bei dem auch etwas Farbe zu sehen war – trotzdem war es nicht immer leicht, zwischen Wolken und Aurora zu unterscheiden.

Nach gut 200 Aufnahmen und 80 Minuten beendete ich die Aufnahmeserie, um im Hafen die Speicherkarte zu leeren und den Akku zu laden. Der Batteriegriff mit dem zweiten Original-Akku von Nikon war eine geniale Anschaffung. Erinnert sich noch jemand an meinen letzten Reisebericht, bei dem mein Ersatzakku den Geist aufgeben hatte? Den mir mein örtlicher Fachhändler als super-robust und ganz toll verkauft hatte? Dieser Hähnel Extreme Li-Ion? Und der nach der ersten Nacht den Geist aufgegeben hatte? Der Austauschakku ist genauso gut – extrem bedeutet wohl, dass er keine extremen Breitengrade mag. Scheißdrecksgelump, außerschwäbisches. Gut, dass ich noch die Originale dabei habe.

Aber wie es sich gehört, komme ich danach wieder an Deck und werde zuerst gefragt, ob ich auch im Hafen fotografiert hatte, es wäre gerade wieder ganz toll gewesen.

Toll. Ganz toll.

Natürlich hatte ich nicht fotografiert. Aber bei der anschließenden Fahrt durch den Raftsund wieder:-) Das Licht gab sich wieder Mühe, ich sah Farbe und manch anderer hielt sie auch im Bild fest. Von der Fahrt wird es kein Video geben, da das Licht seitlich von uns war und die Belichtungszeiten zu lang für die Landschaft, aber über den schneebedeckten Bergen war es ein beeindruckender Anblick. Wow.

Nur die Crew hatte ein Problem: Eigentlich gab es den magischen Trolltrunk und Fiskekake auf dem Sonnendeck, aber alle standen am Bug, Polarlichter gucken. Der Halt am Trollfjord fiel wegen unserer Verspätung aus, aber wenn er genauso gut angeleuchtet worden wäre wie die Kugel am Polarkreis, hätten wir ohnehin genauso viel gesehen wie bei der letzten Fahrt vorne am Bug.

Und sehr beruhigend: Ab Mitternacht ließ die Aktivität nach, und wir konnten beruhigt ins Bett gehen. Endlich schlafen… wobei der Raftsund auch bei Nacht sehr beeindruckend ist. Amazing!