Tag 5: Tromsø

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Zur Abwechslung wieder ein trüber Morgen

Ein ruhiger Tag, zumindest für mich: Um Viertel nach neun werfe ich erstmals einen Blick aus dem Fenster und sehe einen trüben Himmel. Eigentlich war unser erster Vortrag für 9:00 geplant, aber wegen einer Terminkollision mussten wir ihn auf den Mittag verschieben. Nach der letzten Nacht ist das aber gar nicht schlecht, schließlich muss man auch mal schlafen. Daher lasse ich das Frühstück ausfallen, mache meinen Nordlicht-Zeitrafferfilm fertig, twittere ihn und gehe in Finnsnes kurz von Bord. Das Wetter ist wieder trübe – ob wir für diese Tour den Rhythmus beibehalten, dass auf einen schönen Tag ein bedeckter folgt? Von schlechtem Wetter will ich bei milden Temperaturen und ruhiger See ja gar nicht sprechen.

Finnsnes und die benachbarte Insel Senja gehören zu den Fleckchen, von denen man auf der Tour eigentlich viel zu wenig mitkriegt. Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und auch ein beliebter Ort für Polarlichttouren. Mir langt die Zeit nur, um ein paar Meter vom Schiff wegzugehen, die Schoko-Reklame einmal nicht von hoch oben zu knipsen und ein paar Schritte die Straße entlangzugehen.

Schokowerbung in Finnsnes

Schokowerbung in Finnsnes

Nach der Bewegung in Finnsnes kann ich mich dann guten Gewissens am Mittagsbuffet dem Frühstück widmen, nachdem ich mein Blog noch aktualisiert hatte. Kurz nach 13:00 dann der Blick auf die Uhr: Schon so spät? Und das jetzt, wo es extrem leckere Mousse au Chocolat gibt, bei der in 100 Gramm wohl 200 Gramm Schokolade enthalten sind? Aber gut, um 13:15 ist Hans mit seinem Vortrag dran, und ich will schließlich auch hören, was er über die Sonne zu erzählen hat. Außerdem zeigen wir ja die Polarlichtbilder der letzten Nacht:-)

Nach dem Vortrag bleibt noch eine Dreiviertelstunde, bis wir in Tromsø anlegen. Es ist draußen schon wieder sehr winterlich geworden: Schnee dominiert, auch wenn die Temperaturen mit rund +5° immer noch angenehm sind. Aber die Anfahrt auf die Stadt lasse ich mir nicht entgehen.

Kurs auf Tromsø

Kurs auf Tromsø

Das Wetter ist immer noch trüb, aber schon etwas besser; im Lauf des Nachmittags gibt es sogar ein paar blaue Flecken am Himmel. Eigentlich ideal, um mal wieder die Stadt zu erkunden. Tromsø ist ja als Paris des Nordens bekannt, also steht Einkaufen an – die Buchbestellungen abholen, nach gescheiten Schuhen schauen, nochmal in die Buchhandlung, dann in den Coop zum Auffüllen der Vorräte, zwischendrin hoch auf den Aussichtspunkt bei der Fischereischule – der Nachmittag geht schnell rum. Irgendwie erledige ich in Norwegen immer die ganzen Einkäufe, für die ich in Deutschland keine Zeit habe… Die typischen Touri-Highlights werden natürlich ebenfalls abgeklappert, und Tromsøs Greatest Souvenir Shop hat auch einige neue Sachen im Angebot. Hier lasse ich diesmal aber kein Geld. Trotzdem: Ein Besuch ist immer wieder ein Erlebnis. So viel Kitsch, und sogar ein paar reizvolle Sächelchen.

Die Tour zur Fischereischule ist neu, bislang war mir dieser Aussichtspunkt entgangen. Den Tipp verdanke ich Marcus, der ihn auf der letzten Tour von einem Wiederholungstäter erhalten hatte. Von da oben hat man wirklich einen hübschen Ausblick. Wenn ich schon nicht auf den Hausberg Storsteinen hoch komme, weil die Fjellheisen-Seilbahn noch getestet wird, bevor Touristen reingesetzt werden, gibt es immerhin von dort einen Blick auf die Stadt. Die Gondeln der Bahn sind noch im Probebetrieb. Während der Anfahrt hing eine Gondel ziemlich lange vor der Bergstation in der Luft – ist vielleicht ganz gut, dass erst mal getestet wird.

Da der Schnee in der Stadt weitestgehend verschwunden ist, zeigen sich auch die Spuren des Winters: Zahlreiche Bürgersteige und Straßen sind zerbröselt, und etwas abseits der Innenstadt ist auch manches Haus renovierungsbedürftig. Zuerst ist aber die Straßenreinigung schwer am Schaffen: Der Bagger mit der großen Bürstenwalze, der den ganzen Rollsplit zur Seite schiebt, ist schon beeindruckend. Und der Schneehaufen neben der Fischereischule deutet darauf hin, das mit dem Schnee auch gerne mal Asphalt weggeräumt wird. Ich bin gespannt, wie es hier im Oktober aussieht, nach dem Sommer. Da es noch hell ist und die Wolkendecke weitestgehend geschlossen, brauche ich heute Abend während des Abendessens keine Polarlichtwache zu machen. Damit fällt das Essengehen in Tromsø auch aus, ich kann ausnahmsweise in Tromsø auf dem Schiff essen.

Der Rest des Tages ist entspannt: Während des Abendessens legen wir noch einmal im Norden von Tromsø an, um zusätzliche Fracht aufzunehmen, die wegen eines Streiks nicht am normalen Kai eingeladen werden konnte. Im Anschluss hält der Kapitän einen interessanten Vortrag über Leuchttürme und Navigation im Lauf der Zeit – war schön, einmal einen Einblick in seine Arbeit zu erhalten. In Tromsø hat der Kapitän übrigens gewechselt. Jeder arbeitet ja 22 Tage am Stück, und er Wachwechsel kann so einigermaßen nahe an den Wohnorten erfolgen. Nur die Crewmitglieder, die Ansprechpartner für die Passagiere sind, machen normalerweise die Rundreise von Bergen aus.

Die Nordnorge

Die Nordnorge

Ein letzter Programmpunkt bleibt noch, nachdem der Himmel bedeckt ist: Der Nordnorge winken. Da sind gerade einige Reiseleiter an Bord, die wir auch kennen, also muss das sein. Da beide Schiffe Verspätung haben, begegnen wir ihr erst kurz vor 22 Uhr. Mittlerweile ist es dunkel und windig genug, dass wir nur erahnen können, wer gerade an Bord ist. Immerhin weht der Wind mir das Handtuch nicht aus der Hand. Anschließend bleibt nur noch, den Abend zu genießen und in Ruhe ausklingen zu lassen, während die Trollfjord versucht, die Zeit wieder aufzuholen. Skjervøy erreichen wir um 23:45 mit 75 Minuten Verspätung, und damit habe ich auch wieder genug Internet, um diesen Blogbeitrag abzuschicken. Da der Himmel weiterhin bedeckt ist, ist es Zeit für Feierabend. Aber erst nach einem Gang um das Schiff, schließlich hat Skjervøy eine hübsche kleine Kirche. Wenn dieses Mal schon kein Nordlicht über der Stadt schimmert, wird wenigstens die fotografiert.

Skjervøy

Skjervøy

Tag 5 – Tromsø (ohne (erwähnenswertes) Polarlicht)

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Mein Gummientchen und ich wollen den Whirlpool auf der Nordkapp wieder:-(

Okay, zugegeben: Ich sage ja selbst auch immer wieder, dass die Hurtigrutenschiffe Fähren sind und keine Kreuzfahrtschiffe, obwohl natürlich schon einiges an Luxus da ist. Das Essen ist klasse und mehr als reichlich, die Kabinen haben alle Steckdosen, Dusche und WC (wobei ich mir bei der Lofoten nicht so sicher bin), und man kann es sehr gut darauf aushalten. Leider hatte ich es auf der letzten Fahrt nicht in den Whirlpool am windgeschützten Heck auf der Nordkapp zu steigen, aber von dort die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen muss klasse sein.

Und jetzt ist er weg. Wo einst die beiden Pools waren, ist jetzt neu geplättelt und leerer Raum. Nur die Duschkabine gibt’s noch, und Bademäntel im Shop. Hallo Hurtigruten, falls ihr das lest: Mein Gummientchen und ich hätten gerne den Whirlpool wieder. Das geht doch nicht, dass es den nur auf Midnatsol, Trollfjord und Finnmarken gibt:-(

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

King Neptune freut sich auf die Polarkreistaufe.

Nun ja, widmen wir uns weniger ernsten Themen. Heute wurde die Polarkreistaufe nachgeholt. King Neptune war diesmal deutlich freundlicher als beim letzten Mal, hat niemanden angepöbelt und kam sogar freiwillig. Letztes Mal mussten wir ihn herbeirufen – dafür hatten damals auch mehr Leute die Polarkreistaufe mitgemacht. Diesmal kamen so Kommentare wie „zu kalt“, dabei war der Temperaturunterschied zwischen Eis und Luft viel kleiner als im Februar 2014…

Leider wird das Wetter immer schlechter, und Wolken ziehen auf. Bei Finnsnes war es heiter bis wolkig, aber nicht mehr so perfekt wie in den letzten Tagen, als wir noch deutlich unterhalb des Polarlichtovals waren. Die Fahrten unter einer Brücke hindurch sind immer wieder spannend, oft ist der Abstand zwischen Brücke und Schornstein wirklich gering. Das Foto kann das nur ungenügend wiedergeben… Die Brücken sorgen übrigens auch dafür, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bei vielen Fjorden draußen bleiben müssen, und geben gleichzeitig die maximale Höhe der Hurtigrutenschiffe vor.

Die 1,5km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Die 1,5 km lange Gisundbrücke – Maßarbeit mit der Nordkapp.

Nach Finnsnes ging es weiter nach Tromsø. Das kenne ich ja mittlerweile, daher konnte ich mir das Tourismusprogramm sparen. Für den Storsteinen war es auch etwas dunkel (die Sonne lässt sich erst seit ein paar Tagen wieder in Tromsø blicken, und durch die Wolkendecke ist es etwas finsterer als im letzten Februar), daher steuerte ich meine üblichen Ziele an: Die örtlichen Buchhandlungen. Und wieder einmal bin ich fündig geworden und nun stolzer Besitzer der Eventyr von Asbjørnsen und Moe. Das ist wohl das Standard-Werk über die norwegischen Sagen und Märchen, so wie bei uns die Brüder Grimm. Jetzt muss ich das nur noch lesen können, ist natürlich ein etwas dickeres Hardcover-Buch auf Norwegisch. Man braucht ja Herausforderungen. (Ich weiß noch nicht, wie ich das im Gepäck unterbringe…)

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Die Nordkapp in Tromsø. Ist sie nicht wunderhübsch?

Als Einkaufsstadt ist Tromsø gar nicht schlecht – vielleicht sollte ich nächstes Mal doch wieder einen Ausflug machen, die Hundeschlittentour könnte billiger sein als ein Ausflug in das Nerstranda Senter. Aber auch die nehmen gerne Kreditkarten.

Der Satz „Tromsø geht immer“ in Sachen Polarlicht hat diesmal leider nicht gestimmt. Es gab wohl gegen 19:00 Polarlicht, wie die Kollegen von der Midnatsol aus der Barentssee berichtet haben, aber einerseits gab’s da bei uns Essen, und andererseits war es bedeckt. Nachmittags konnte der Mond noch durch die Wolken schimmern, abends ging erst nichts mehr, und dann war klar, aber ohne nennenswertes Polarlicht. Halt nur noch „Kameragrün“ und nichts, was einen zum Aufbleiben überreden könnte.

Aber was soll’s: So konnte man in Ruhe mit den Gästen plauschen. Am nächsten Morgen war ja schon wieder volles Programm: Das Treffen mit der Midnatsol stand an (touristisch vollkommen wertlos, da lang vor Sonnenaufgang, aber wenn man schon die Kollegen auf dem Schiff hat) und natürlich Honningsvåg und das Nordkapp.