Das Weltall in 3D mit dem Space Walker 3D Fernglas

Erfahrene Sternfreunde sehen in Teleskopen keine Sterne, sondern Optikfehler. Das klingt zynisch, ist aber so – ich habe es selbst schon einmal erlebt, dass bei einer Saturnbeobachtung alle vom Anblick begeistert waren, während ich als erstes den Muschelbruch vom Okular bemerkt hatte. Und dann kommt ein Laden Namens 3D Astronomy und klebt Glasplättchen ins Okular, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Dabei weiß doch jeder, dass sich so wenig wie möglich im Strahlengang befinden soll.

Kein Wunder also, dass ich auf dieses Lederman Optical Array neugierig geworden bin, das zuerst in den 21mm 3D-Okulare (Astroshop) und jetzt in einem 3D Astro 8×42 Fernglas verbaut wurde. Erfunden hat das ganze Russ Lederman von Denkmeier Optical (auf Astronomyconnect gibt es ein Interview mit ihm dazu). Der Trick ist, dass ein Okular im Prinzip ein kontrolliertes Doppelbild erzeugt, bzw. einen Teil des Bilds versetzt. Angeblich musste er dazu auf ein neues Okulardesign zurückgreifen, damit es funktioniert.

Neumodisches Teufelszeug… Kann das funktionieren? Zum Glück habe ich nicht nur zwei Bücher über Astronomie mit dem Fernglas geschrieben, sondern kenne auch die richtigen Leute – als mir Stefan, den ich noch aus Heidelberg kenne und jetzt beim Astroshop ist, daher das Fernglas zum Testen anbot, habe ich natürlich sofort zugegriffen. Leider kam es erst an, nachdem ich schon nach Mallorca gestartet war, aber zurück in Deutschland war das Wetter gnädig: Ein paar Tage klarer Himmel bei abnehmendem Mond waren ideal, um dem 3D-Versprechen nachzugehen. Dazu muss ich sagen, dass ich im Kino die klassischen 2D-Filme bevorzuge, da bringt mir der 3D-Hype nichts. Mal sehen, wie’s im Universum ausschaut – Avatar war ja auch einer der wenigen Filme, die von 3D profitiert haben.

Der Lieferumfang des Space Walker 8x42

Der Lieferumfang des Space Walker 8×42

Auf den ersten Blick ist das Space Walker Fernglas hochwertig, aber unauffällig: Ein ordentliches 8×42 Dachkantfernglas. Zum Lieferumfang gehören zwei geflügelte Augenmuscheln, der übliche Regenschutz für die Okulare (dieser Doppel-Deckel, den man Tragegurt befestigen kann), zwei Objektivdeckel, die am Tubus befestigt sind, und eine etwas hochwertigere Tasche. Dazu noch Tragegurt und das allgegenwärtige Putztuch, sowie zwei Bedienungsanleitungen (eine für ein normales Fernglas, und eine für die 3D-Besonderheiten).

Die technischen Daten sind nicht schlecht:

  • 8×42 Dachkantfernglas
  • Phasenkorrigiert FMC-Vergütung (Fully Multi Coated)
  • Dielektrische Prismenvergütung
  • BaK4-Prismen
  • 60° Eigenbildfeld
  • 188 Fuß auf 1000 Yards, also in ordentlichen Einheiten ein Bildfeld von etwa 172m auf 1000m oder etwa 9,8°, wenn ich mich nicht verrechnet habe
  • Gummiarmiert
  • Wasserdicht
  • verstellbare Augenmuscheln (und somit Brillenträgertauglich)
  • geflügelte Augenmuscheln als Streulichtschutz
  • Dazu kommen Tragetasche und Trageriemen
Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Der Quell des 3D: Plättchen in einem Okular

Also ein gutes, handliches Dachkantfernglas. Nichts liegt näher, als das mit einem ähnlichen Glas zu vergleichen; das Celestron TrailSeeker 8×42 war da ganz gut geeignet. Mit knapp 300 Euro Listenpreis ist es ein gutes Stück günstiger als das Space Walker 3D Bino, aber natürlich auch ohne 3D; ohne 3D dürften beide in der selben Liga spielen.

Der erste Blick ist so ernüchternd wie erwartet: Bei Tag ist das Bild mäßig; die drei Glasplättchen sind deutlich zu sehen. Das Bild ist zwar deutlich plastischer, aber dafür erscheinen Bereiche gegeneinander verschoben zu sein. Es sieht nach Doppelbildern aus, auch wenn irgendwie doch kein Versatz zu erkennen ist und das Fernglas auch keine Kopfschmerzen verursacht. Ein ganz seltsamer Effekt, aber wie erwartet: Irgendwelche Sprünge im Lichtweg sind Blödsinn. Aber fairerweise: Das Fernglas ist ja als Nachtglas gedacht und nicht für den Einsatz am Tag. Mittlerweile weiß ich auch, an was mich das irgendwie erinnert: Ein Kaleidoskop:-)

Bis es dunkel wird, gibt es also noch genug Zeit, um einen Blick in die beiden Bedienungsanleitungen zu werfen. Die erste ist der typische mehrsprachige Waschzettel aus China, der die Handhabung von Ferngläsern ganz allgemein beschreibt. Der zweite beschreibt die Eigenheiten des LOA: Es macht am meisten Spaß bei dunklem Himmel, wenn die Glaskanten nicht mehr zu sehen sind. Okay, das ist bei Tag natürlich nicht gegeben.

Als es endlich dunkel geworden ist (immerhin haben wir noch August, aber im Gegensatz zum Norden Deutschlands gibt’s hier im Süden wenigstens noch etwas Nacht), gehe ich mit dem Fernglas für einen kurzen Test raus auf den Acker. Um mit den Nachteilen anzufangen: Der Tragegurt der Tasche langt nur, um sie mir um den Hals zu hängen, aber nicht als Schultergurt. Da es ein Leihgerät ist, will ich den Umhängegurt nicht am Fernglas befestigen. Zweiter Nachteil: Es hat (genau wie das TrailSeeker) eine geschlossene Brücke und ist daher nicht ganz so griffig wie ein Fernglas mit offener Brücke, bei dem man die einzelnen Tuben mit der Hand umfassen kann.

Aber genug gelästert, jetzt wird mal durchgeschaut. Zu den Bedingungen: Die Milchstraße ist im Zenit schwach, aber eindeutig zu erkennen, der Himmel ist also nicht ganz schlecht. Der erste Blick in den Himmel:

Wow.

Das funktioniert wirklich. Die Sterne scheinen tatsächlich unterschiedlich weit entfernt zu sein. Ein Schwenk durch die Milchstraße und Richtung Schütze: Hammer! Die offenen Sternhaufen treten deutlicher hervor, obwohl der 3D-Effekt natürlich willkürlich ist und nichts mit den realen Abständen zu tun hat. Reine Show, aber eine verdammt gute. Blick Richtung Osten, zur Andromeda: M31 hängt als deutlicher Nebelfleck zwischen den Sternen. Leider nicht dahinter, aber der Anblick ist trotzdem beeindruckend.

Viel mehr Zeit bleibt an diesem Abend nicht (morgen früh klingelt der Wecker), aber der erste Eindruck war Wahnsinn.

Ein normales 8x42 TrailSeeker-Fernglas und das 8x42 Space Walker 3D

Ein normales 8×42 TrailSeeker-Fernglas und das 8×42 Space Walker 3D

Die nächste Nacht: Jetzt geht’s mit Auto, Stativ und zusätzlich dem TrailSeeker raus auf den Acker. Die erste Erkenntnis: Verfluchte Dachkantferngläser. Ich habe zwar einen schön stabilen Stativadapter, aber der passt an keines der beiden Ferngläser, weil er zu breit ist. Also muss doch mein Auto als Stütze herhalten. Beide Ferngläser sind sehr klein und kompakt, daher ist es nicht so einfach, sie freihändig zu halten.

Mein erster Gedanke war eigentlich, dass ich mir das Fernglas als 7×50-Porro wünschen würde, aber die Wahl der Daten macht schon Sinn: Der 3D-Effekt wirkt bei dunklem Himmel und etwas Bewegung am besten, da wäre ein ruhig zu haltendes Fernglas wohl kontraproduktiv. Außerdem hat ein 8×42 nur eine Austrittspupille von etwa 5mm, also ein relativ dunkles Bild – was gleichzeitig bedeutet, dass der Himmelshintergrund dunkler wird, ohne dass man gleichzeitig weniger punktförmige Sterne sieht. Und als „Spaß-Glas“ ist Transportabilität wichtiger – auch wenn ein Porro preiswerter wäre. Passt also letztlich schon.

Der Überraschungseffekt der ersten Nacht ist nun natürlich verflogen, aber es macht immer noch Spaß. Das TrailSeeker zeigt am Himmel nicht weniger, aber das Bild ist nun mal flach und im direkten Vergleich langweilig. Also mal die Milchstraße abklappern. Schütze: Viele kleine Sternhaufen, sehr nett. So auffällig sind sie im normalen Fernglas nicht. M31: Chic wie beim ersten Mal. Der Ringnebel: Vielleicht zu erahnen, es sind halt nur 42mm Öffnung. Der Kleiderbügel: Nice. h und Chi Persei: Zwei Sternklumpen vor der Milchstraße. Melotte 20 im Perseus: Umwerfend, der erschlägt einen beinahe. (Wer übrigens Beobachtungsziele fürs Fernglas sucht, wird hier fündig.)

Dann mal der direkte Vergleich mit dem TrailSeeker an Mizar und Alkor: Beide zeigen Mizar, Alkor und den 7,5m Feldstern problemlos, bei den Sternchen 9. Größe ein Stück weiter links zeigen sich langsam Unterschiede: Im TrailSeeker sind sie noch gut zu erkennen, im Space Walker sind sie noch gut zu erahnen. Das TrailSeeker hat also ein etwas helleres Bild.

Aber für echtes Arbeiten (Veränderliche Sterne schätzen oder so) würde ich ohnehin zu einem normalen Großfernglas greifen, bei dem es auch keinen leichten Versatz zwischen den Flächen gibt. Wenn man kritisch ist, lässt sich auch ein Helligkeitsabfall zu Rand erkennen. Aber man beobachtet ja doch in erster Linie in der Bildmitte.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Fazit der zweiten Nacht: Der 3D-Effekt begeistert mich immer noch; das Fernglas löst tatsächlich einen gewissen Haben-Will-Reflex aus. Hätte ich so nicht erwartet.

Und noch eine Nacht: Letztes Wochenende hatte ich es auf der Sternwarte Heilbronn dabei, man will ja interessantes Spielzeug auch mal zeigen. Dummerweise war es etwas diesig, und der gute Stadthimmel setzt den 42mm Öffnung natürlich Grenzen. Trotzdem hat es sich gegen ein zwanzig Jahre altes 7×50 Porro von Photo Porst ganz gut geschlagen und sogar ein paar Sterne mehr gezeigt. Aber es waren nur selten so viele Sterne im Bild, dass der 3D-Effekt zum tragen kam. An der beleuchteten Kilianskirche am Horizont nach Sonnenuntergang war der 3D-Effekt aber auch schon zu erkennen, und das LOA fiel nicht so sehr auf. Sehr interessant war, wie unterschiedlich verschiedene Beobachter darauf reagierten: Mal war es einfacher zu halten als das größere 7×50 Porro, ein einziger Beobachter sah verschiedene Schärfebereiche, andere konnten den 3D-Effekt bestätigen oder sahen ein besseres Bild als 7×50 Porro. Wieder ein anderer konnte den 3D-Effekt nicht nachvollziehen und hat die Bildfehler deutlich störender empfunden.

Fünf Leute, sechs Meinungen…

Es ist also gewiss kein Glas für alle, aber mir macht der Effekt einfach nur Spaß – aber es setzt definitiv einen guten, dunklen Himmel voraus, an dem auch ein normales 42mm-Fernglas Spaß macht.

Da denkt man, man hat alles schon mal gesehen, was mit 42mm Öffnung geht, und dann hat man auf einmal wieder Lust, auch in Deutschland raus auf den Acker zu gehen. Was jetzt noch fehlt ist ein Test am Nachthimmel mit Mond – aber da muss ich noch warten, bis er wieder am Abendhimmel zu sehen ist. Bis dahin ist meine Motivation eher gering, das Fernglas wieder herzugeben…

 

Vixen SG 2,1×42 – das Großfeldfernglas

Das Vixen 2,1×42 hatte ich zum ersten Mal auf dem Astrofest von Intercon Spacetec gesehen und fand es damals schon interessant: 42mm Öffnung und nur zweifache Vergrößerung? Bei einem klassischen Fernglas wäre das eine unmögliche Austrittspupille (20mm – irgendwo bei 7mm ist normalerweise Schluss, da man die Pupille ohnehin nicht weiter öffnen kann), aber ein Galilei-Fernglas wie dieses soll wohl anders funktionieren, sodass die Berechnung der Austrittspupille angeblich keinen Sinn macht. Sagt zumindest Astro-Optik Kohler über sein 2,3×40 Gucki. Da der Import von Artikeln aus der Schweiz immer ein Problem ist (irgendwer muss da sein, damit der Postbote den Zoll und die Mehrwertsteuer kassieren kann), habe ich das Gucki nie bestellt.

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Danke an Astroshop für das Testgerät!

Das Vixen ist da einfacher zu kaufen, schließlich gibt es das ganz regulär bei deutschen Händlern. Tja, und da ich ein paar Mitarbeiter bei Astroshop kenne, war natürlich nichts naheliegender als dort einmal nach einem Testgerät zu fragen. Hier der Link zum Gerät: Vixen Fernglas SG 2,1×42 Binokular für Sternfeldbeobachtung. Der letzte Auslöser war mein Norwegen-Trip im November: Wie wirken die Polarlichter durch so ein Fernglas? Ist früher Farbe zu sehen? Und wenn ich schon im hohen Norden bin, gibt’s hoffentlich auch so ein paar Sterne zu sehen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich durfte mir ein Vorführexemplar ausleihen.

Eher unscheinbar: Der Karton

Eher unscheinbar: Der Karton

Unboxing

Der Karton selbst ist erst einmal unauffällig und dezent: Grau-Schwarz und ohne Hinweis auf den Inhalt. Nur die Aufkleber geben einen Hinweis auf das Fernglas. Dafür wiegt er einiges und ist größer als gedacht – irgendwie hatte ich es doch einiges kleiner in Erinnerung.

Nach dem Öffnen zeigt sich des Rätsels Lösung: Ein ziemlich großer Styroporriegel sorgt für Volumen:-) So hat auch die Anleitung Platz. Angenehme Überraschung: Das Fernglas steckt in einer hochwertigen, gepolsterten Gürteltasche.

Der Inhalt der Box

Der Inhalt der Box

Ebenfalls in der Box: Ein Trageriemen und die Bedienungsanleitung. Sehr übersichtlich, das Ganze, aber was soll auch zu einem Fernglas noch dazu gepackt werden? (Okay: Das übliche Reinigungstüchlein, aber wer vermisst das schon…)

Die Tasche macht einen sehr guten Eindruck: Gepolstert und strapazierfähig. Sie hat eine Gürtelschlaufe und eine Kunststofföse für einen Karabinerhaken. Sieht sehr vertrauenserweckend aus – aber ich bin ja nicht an der Tasche interessiert, sondern am Inhalt.

Das Fernglas hat vier Staubschutzdeckel, die fast größer wirken als das eigentliche Bino, und bei dem Gewicht ist die Trageschlaufe keine schlechte Sache – das glatte Metallgehäuse  ist mangels Baulänge nicht besonders griffig. Mit dem Trageriemen kann man es sich aber auch umhängen, sodass keine Sturzgefahr besteht.

Fernglas, Tasche, Deckel und Handschlaufe.

Fernglas, Tasche, Deckel und Trageriemen.

Durch die Mischung aus Metall und gefühlt zwei massiven Glasblöcken ist es schwer, obwohl es so klein ist: gut 470g mit Tasche und 430g ohne Tasche, aber jeweils mit Deckeln und Umhängeschlaufe. Hier der Größenvergleich mit einem 7×50 Porro-Fernglas:

Vixen 2,1x42 und ein 7x50 Porro-Fernglas.

Vixen 2,1×42 und ein 7×50 Porro-Fernglas.

Der Blick durch das kleine Vixen ist ungewöhnlich: Fokussieren ist gar nicht so einfach und erinnert erst einmal an den Blick durch die Sehtestprüfgeräte beim Optiker. Man darf nicht die erste scheinbar scharfe Stellung nehmen, sondern muss wirklich einmal durchfokussieren, dann ist auch der Bildfeldrand beim Blick in Landschaft brauchbar. Das Bildfeld entspricht etwa dem beim Blick aus dem Fenster: Groß, aber nicht gigantisch. Trotzdem kein Vergleich mit einem normalen Fernglas, sondern um Welten größer. Am Bildrand lässt die Qualität nach, die Bildmitte macht einen schönen Eindruck. Und vor allem: Es ist hell! Selbst der Blick in die nebelverhangene Novemberlandschaft zeigt Details, die man ansonsten übersehen hätte. Wie wird es sich wohl am Nachthimmel machen? Bislang konnte ich es nur in einer Nacht testen.

Der Blick in den Himmel…

…ist erst einmal ungewohnt. Der erste Eindruck bei einer Nacht auf dem Land, aber noch einigermaßen in Stadtnähe: Das Gesichtsfeld ist groß, aber nicht so groß, wie man es bei 2x vielleicht erwarten würde. Die sieben Sterne des Großen Wagens passen komplett in das Gesichtsfeld; wirklich scharf wird etwa der Bereich der Kastensterne abgebildet. Durchaus imposant. Noch mehr als der Gewinn an Grenzgröße fällt zunächst die zusätzliche Trennschärfe auf: Während Mizar und Alkor ja als Augenprüfer bekannt sind, sind sie mit dem Vixen gar kein Problem. Plejaden und Hyaden machen richtig Spaß, die Milchstraße ist chic, nur die Andromeda-Galaxie bleibt wenig beeindruckend. Das mag an meinem Standort liegen, sie ist zwar ein Nebelfleck, aber doch recht klein. Bei dem bisherigen Wetter hatte ich leider nur eine Nacht, in der ich es kurz am Sternenhimmel testen konnte.

Die Randunschärfe ist vorhanden, stört mich aber nur, wenn ich darauf achte. Aber das wird natürlich jeder anders empfinden – es ist etwas Wahres an dem Spruch dran, dass fortgeschrittene Sternfreunde im Okular eher Optikfehler als Sterne sehen. Mit Brille macht es übrigens weniger Spaß: Dann ist der Augenabstand größer und das Bildfeld kleiner.

Besonders reizvoll wäre der Blick durch ein paar Nebelfilter mit dem Gerät auf den Sommerhimmel. Nordamerikanebel oder Schleiernebel dürften dann unter Alpenhimmel machbar sein – schade, dass es keine Filterhalter hat. (Wie gut kommt eigentlich ein Nebelfilter mit so einem großen Bildwinkel zurecht?)

Unter einem mäßigen Landhimmel (Kleiner Wagen komplett sichtbar) macht es Spaß, mit dem Vixen Sternhaufen zu jagen oder die Milchstraße abzufahren. Für die Suche nach einem ausgedehnten Komet in der Dämmerung dürfte es sehr gut sein. Aber man bleibt dennoch auf einen Ausschnitt des Himmels beschränkt – es ist nicht so, dass man den Eindruck einer Sternen-Brille hätte.

Der Einsatz für die Polarlichtjagd hat sich leider nicht gelohnt: Wenn die schwache Aurora mit bloßem Auge zu erkennen war, ging es auch im Fernglas, es zeigte jedoch nicht früher Farbe als mit bloßem Auge. Zum Überprüfen, ob man wirklich Polarlichter sieht, bleibt also weiterhin nur der Griff zur Kamera. (Es wäre reizvoll gewesen, einmal ein helles Polarlicht darin zu beobachten – aber das hatte ich auf dem letzten Trip nur einmal, und da hatte ich keine Zeit, um zum Fernglas zu greifen.)

Fazit

Nach dem ersten kurzen Beobachtungsabend bin dem Fernglas gegenüber etwas zwiespältig – die Bildqualität ist nicht ganz so gut, wie ich sie von meinem ersten Blick in Erinnerung hatte, aber durchaus okay: Die Bildmitte ist schön, und der Rand trägt eben nur zum Gesamteindruck bei, dort beobachte ich nicht. Und ein ganzes Sternbild auf einmal zu überblicken, ist etwas vollkommen anderes, als man es normalerweise gewohnt ist. Als Weitfeld-Spezialist und für die Jagd nach helleren Kometen ist es sehr, sehr reizvoll. Durch den Preis ist es aber kein Gerät, das ich einfach so mal kaufe. Verarbeitung und Zubehör sind erstklassig, es ist nur schade, dass sich 2″-Filter nicht adaptieren lassen. Unter einem dunklen Himmel dürfte es wesentlich beeindruckender sein als unter unserem typischen Landhimmel.

Den Haben-Will-Reflex, der dafür sorgt, dass bei mir schon einige Geräte stehen, die ich eigentlich nur mal testen wollte, hat das Vixen nicht ausgelöst – dafür ist es mir im Augenblick noch zu teuer, und andere Anschaffungen haben Vorrang. Aber es ist auch noch nicht von meiner Wenn-mal-Geld-übrig-ist-Liste verschwunden. Es ist halt ein Luxus-Artikel, den ich nicht unbedingt für’s Hobby brauche. Trotzdem gebe ich es nur ungern zurück – aber für die nächsten Wochen wird auch kein schönes Wetter vorhergesagt; für weitere zeitnahe Tests gibt es wohl keine Chance. Vielleicht schlage ich beim nächsten hellen Komet zu…

Neue Bücher: Starry Sky for Binoculars & Sportoptiken (und Italien, der Vollständigkeit halber)

Wenn ich nicht zum bloggen komme, ist das eigentlich ein gutes Zeichen: Dann hab ich nämlich zu tun, bzw. in diesem Fall ein paar Projekte abgeschlossen.

Starry Sky for Binoculars – die englische Version von Astronomie mit dem Fernglas

Starry Sky for Binoculars – die englische Version von Astronomie mit dem Fernglas

Wichtigstes Projekt: Starry Sky for Binoculars ist fertig und veröffentlicht. Es ist die englische Version von Astronomie mit dem Fernglas, meinem kleinen Astro-Buch. Wie üblich gibt’s das Werk bei Amazon, allerdings nur als EBook und SW-Version. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das EBook beliebter ist als die Print-Version (sogar in Deutschland – das hat mich doch etwas überrascht, dass EBook-Reader schon so verbreitet sind) und die SW-Version deutlich besser geht als die Farb-Version. Bei dem Preis-Unterschied zwischen Farbe und Schwarz-Weiß kann ich das aber auch gut verstehen. Da kann Print-on-Demand nicht mit Druckereien mithalten, bei denen die große Auflage den Preis druckt. Dafür werden die großen Auflagen dann in Polen oder gar China gedruckt statt z.B. in Leipzig, wie ich bei meinen durch Amazon gedruckten Büchern festgestellt habe.

Wie üblich gibt es auch das englische Buch komplett online unter http://starrysky.kerste.de. Mit dem Plugin Polylang kann man WordPress soweit verbiegen, dass es mehrsprachig wird, effektiv laufen also beide Versionen auf http://freebook.fernglasastronomie.de, und man kann zwischen den Sprachen umschalten. Nett. Nur das Headerbild muss ich noch umtauschen. (A propos Plugins: Die Twitter- und Facebook-Links haben wegen Datenschutz jetzt eine 2-Click-Aktivierung, es werden also beim Lesen dieser Seiten erstmal keine Daten übertragen. Tumblr scheint nichts zu übertragen…)

Also: Sagt’s weiter, dass es Buch und Webseite jetzt auch auf Englisch gibt! Besten Dank!

Sportoptiken von Alan Hale

Sportoptiken von Alan Hale

Ein weiteres abgeschlossenes Projekt: Die deutsche Übersetzung von Alan Hales Buch Sport Optics. Alan war Chef und Miteigentümer von Celestron und hat sein Wissen über Ferngläser, Spektive und Zielfernrohre in diesem Buch zusammengefasst. Wer wissen will, auf was es beim Kauf ankommt und was es alles gibt, wird hier fündig. Das EBook gibt es schon (nicht von der englischen Beschreibung irritieren lassen: Das Buch ist auf Deutsch, da muss nur noch die Amazon-Datenbank korrigiert werden), und als Print wird es bald verfügbar sein.

Sportoptiken ist eine reiche Wissensquelle auch und vor allem für Einsteiger, die Fehlkäufe vermeiden wollen, aber auch ich habe bei dem Projekt noch ein paar Dinge gelernt (und mehr über Zielfernrohre, als ich je gedacht hätte). Dem Projekt verdanke ich übrigens auch die englische Version von meinem Buch.

Wasserfall bei Marmore

Wasserfall bei Marmore

Das dritte Projekt, dass ich diese Tage abgeschlossen habe, war übrigens der Sommerurlaub. Eine Woche Umbrien. Daher wurde Starry Sky vom Pool aus veröffentlicht, WLAN macht’s möglich:-)

Umbrien ist eine hübsche Gegend, überraschend bergig und leider mit ziemlich vielen Insekten. Rom ist mit der Bahn nicht zu weit entfernt, damit habe ich die ewige Stadt auch mal gesehen. Ziemlich voll, aber ganz nett anzuschauen. Die Eintrittskarte für’s Kolosseum gilt auch für das Forum Romanum und ist richtig billig, wenn man sich die Preise für eine Flasche Wasser in der Innenstadt anschaut. Dafür sind die Pizza-Messer sogar noch stumpfer als in Deutschland.

Parco dei Mostri

Parco dei Mostri

Zum Glück hat Italien mehr zu bieten als nur die Hauptstadt. Cascata delle Marmore zum Beispiel, die Wasserfälle von Marmore: Einer der höchsten Wasserfälle Europas, der 271 vor Christus geschaffen wurde und dank Stromgewinnung heute nicht immer volle Leistung bringt. Oder den Parco dei Mostri (wunderhübsch, und schattig!) und die ganzen Städtchen mit mittelalterlichem Stadtkern. Hat was.

Außerdem läuft die Planung für die Hurtigruten nächstes Jahr auch schon wieder an: So wie es aussieht, mache ich eine der beiden Februar-Touren von Nordlicht & Sterne für Astronomie.de. Wird mal wieder Zeit für ein paar schöne Polarlichter…

Hands on: 10Micron Leonardo Fernglas-Montierung

Zugegeben: Eigentlich würde ich jetzt gerne mit der Avalon M-Zero spielen – der Sommer fängt ja mit prächtigem Wetter an. Aber für die Heilbronner Sternwarte sind wir grad auf der Suche nach einem schönen Großfernglas in der 100mm-Klasse, und dazu gehört natürlich auch vernünftiger Unterbau. Eine Bino-Mount / Parallelogramm-Montierung hat mich schon immer gereizt, da gibt’s ja einige – zum Beispiel von Intercon Spacetec die Bino-Mount oder von Orion die Monster, die alle gar nicht mal so teuer sind. Das Problem ist nur: Das kleine „Monster“ hat eine Traglast von 6,5kg, und bei der Bino-Mount gibt’s keine Angabe (aber immerhin 4 kg Gegengewichte). Süß.

Süß deshalb, weil ein schönes 100mm-Fernglas mit Schrägeinblick locker an die 10 kg auf die Waage bringt. Die Vixen HF2 wäre tragfähig genug, aber ist nicht so komfortabel höhenverstellbar – der Vorteil einer Parallelogramm-Montierung ist ja, dass ein Objekt immer im Bild bleibt, auch wenn man die Höhe verstellt. Das ist natürlich perfekt für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Und dann gibt’s noch die neue 10Micron Leonardo. Die ist weder billig noch klein, aber sehr solide. Als ich das erste mal davor stand, dachte ich auch: Was für ein Monster. Aber nachdem Orion seine kleine Montierung schon Monster nennt, muss das wohl was anderes sein. Leviathan? Eine freundliche Version von Jörmungandr, der Midgard-Schlange? Groß A’Tuin? Keine Ahnung, aber die Größe ist erst einmal respekteinflösend. Bleiben wir einfach mal bei Leonardo, der ist ja auch als Geistesgröße bekannt. Als Tragkraft sind 13,5 kg angegeben, das langt sogar für ein C8.

Im Frühjahr konnte ich sie zum Glück einmal ausleihen (auch, um sie in der Öffentlichkeit vorzuführen). Wenn man sie erst einmal aus dem Karton befreit hat, ist sie gar nicht mehr so erschreckend, und passt (wenn die Gegengewichtsstange abgeschraubt ist) problemlos quer in den hinteren Fußraum von meinem Auto. Das Gewicht ist auch okay – 13 kg laut Hersteller, ohne Gegengewichte. Es gibt genügend Griffmöglichkeiten, sodass man sie gut greifen und tragen kann.

Die Montierung ist ausgereifte Ingenieurskunst, die man selber sehen muss, um das Preisschild zu begreifen – oder man muss zumindest einmal darunter stehen. Bilder werden ihr nicht gerecht… Das Prinzip ist simpel: Genau wie bei einer Schreibtischlampe ist die Halterung für das Fernglas an zwei parallelen Armen befestigt, so dass ihre Lage auch bei Höhenänderung gleich bleibt. Damit das auch mit richtigen Großferngläsern funktioniert, sind hier gleich vier statt zwei Stangen verbaut. Eine massive Gegengewichtsstange sorgt dafür, dass das Gerät auch in der eingestellten Höhe bleibt, ohne dass eine Klemmung betätigt werden müsste. Soweit ginge das alles auch mit Baumarktmitteln – die Details und die Verarbeitung sind es, die ein Foto nicht vermitteln kann.

Klemmungen in der Mittelachse auf dem Stativ (für rechts/links) und für die Höhe sind eine Selbstverständlichkeit, und die großen Klemmgriffe sind sehr angenehm zu bedienen. Weniger selbstverständlich (aber naheliegend) sind das Paar aus zwei großen Griffen, um gesamte Halterung für Fernglas/Teleskop nach oben oder unten zu schwenken, und der Handgriff an dem Parallelogramm-Ausleger, um den ganzen Arm zu bewegen. Überhaupt nicht selbstverständlich ist das Gelenk an der Fernglasaufnahme, mit dem das Fernglas noch zusätzlich ein Stück weit nach rechts oder links geschwenkt werden kann – so kann ein Objekt zentriert werden, ohne dass gleich die ganze Montierung bewegt werden muss. Dadurch ist die Befestigung des Fernglases etwas ungewöhnlich: An der Schraube ist ein kleiner Zapfen, der in diese Feinverstellung greift. Zum Befestigen des Fernglases muss die Schraube angehoben und in den Stativadapter geschraubt werden, anschließend wird sie mit einer Kontermutter in der Platte der Feineinstellung gesichert. Das ist blöd zu erklären, funktioniert aber ganz gut.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN.

Die 10Micron Leonardo mit einem 100mm-Fernglas auf dem TAN 2014.

Kritisch wird es nur, wenn man auf diese Art alleine ein schweres 100mm-Fernglas chinesischer Fertigung auf der Schraube mit kleinem Fotogewinde befestigen will (der Montierung liegen zwei Befestigungschrauben bei, eine mit großem und eine mit kleinem Fotogewinde) und das Fernglas chinesischen Standards entsprechend das Stativgewinde so hahe an den Prismen hat wie bei kleineren Ferngläsern – dann lässt sich das Fernglas nämlich schon von Haus aus nicht ausbalancieren, und die Schraube zu treffen, wird etwas kniffliger.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Wenn am Fernglas eh schon gebastelt werden muss, damit die Stativbefestigung am Schwerpunkt liegt, kann man es auch gleich mit einer Prismenschiene versehen. Und dann kann auch gleich noch eine Schnellklemme auf die Montierung geschraubt werden – dann ist das Fernglas ausbalanciert und die Montage leichter.

A propos leicht: Das Ganze muss natürlich noch ausbalanciert werden. Damit die Gegengewichtsstange nicht zu lang wird, ist sie kürzer als der Parallelogramm-Ausleger. Daher ist etwas mehr an Gegengewichten nötig, als die eigentliche Optik wiegt, und bei etwas größeren Optiken sind zusätzliche Gegengewichte nötig. Sehr praktisch: Die Montierung lässt sich über eine Schraube in der Horizontalen fixieren, sodass die Gegengewichte in aller Ruhe auf die Stange geschoben werden können. Dann wird die Schraube einfach herausgezogen und um eine Vierteldrehung gedreht, und schon ist die Montierung wieder frei beweglich.

Etwas ungewöhnlich (wenn man nur die kleineren Montierungen gewohnt ist) ist die Befestigung der Leonardo auf dem Stativ: Sie wird auf einen flachen, mitgelieferten Flansch geschraubt und nicht über eine Mittelschraube. Ich hatte zur Montierung noch ein T-Pod-Stativ von Baader, auf dem der Flansch einfach mit drei Inbusschrauben befestigt wird. Dann muss nur noch die Gegengewichtsstange an die Montierung geschraubt werden, die Montierung auf den Flansch gesetzt und mit drei griffigen Schrauben befestigt werden. Das geht recht komfortabel, wenn man den Ausleger über einem der Stativbeine positioniert, dann kann nichts umkippen.

Um die Montierung auch auf vorhandenen, stabilen Stativen mit EQ-Anschluss zu verwenden, gibt es von Baader den Flanschkopf #245 1145 für Celestron/NexStar – er müsste auch mit dem Ansatzflansch der Leonardo kompatibel sein. Die Chancen sind sehr gut, dass ich das diesen Sommer noch ausprobieren werde…

Die Leonardo im Einsatz - mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Die Leonardo im Einsatz – mit einem ED80-Refraktor und Herschelkeil in der Fußgängerzone.

Und wie ist sie im Feldeinsatz? Sie ist natürlich keine Montierung, die man zusammen mit dem Fernglas immer im Auto hat, um mal schnell einen Blick in die Sterne zu werfen – die Höhenverstellung lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Leute durch das Fernglas schauen sollen. Ihren ersten Test hatte sie im April bei der Veranstaltung „Kinder Kinder“ in der Heilbronner Fußgängerzone. Da waren wir als Sternwarte natürlich auch vertreten, und die Leonardo war ein genialer Kundenfänger:-) Aber sie hat nicht nur als Blickfang funktioniert: Wir hatten einen ED80 mit Herschelkeil drauf gesetzt und konnten so jedem gefahrlos die Sonne zeigen. Nachführung/Einstellen war über den Sonnensucher vom Baader-Herschelkeil auch kein Problem und immer wieder nötig: Wer schon einmal Kinderführungen gemacht hat, weiß, dass da atombombensicher gebaut werden muss. Die Leonardo hatte mit grober Behandlung durch Kinderhände keine Probleme, aber sobald das erste Kind sich mit beiden Händen an das Okular hängt, wird die Montierung natürlich erst einmal verstellt. Also musste immer wieder nachgestellt werden. (Wieder mal meinen großen Respekt vor allem, die mit Kindern arbeiten!)

Vom kleinsten Besucher bis zum größten konnte so jeder bequem einen Blick in das Teleskop werfen. Für den kleinen Refraktor hatten wir uns übrigens nicht nur wegen der Sonnenbeobachtung entschieden, sondern auch, weil so nicht jedes mal der Augenabstand vom Fernglas verstellt werden musste – für Erwachsene ist das kein Problem, aber bei einer Kinderveranstaltung ist oft schon der Blick in ein Einzelokular anspruchsvoll genug.

Eine Woche später waren die Taubensuhler Astronächte der Kollegen aus Bellheim, wo die Montierung ihren ersten Einsatz unter dem Sternenhimmel hatte. Auch hier hatte sie Eindruck geschunden (erste Zweifel, ob sie ein 100mm-Fernglas überhaupt trägt, waren nach dem ersten Blick auf die Leonardo in voller Lebensgröße beseitigt) und sich bewährt. Auch bei etwas höherer Vergrößerung wurde das Fernglas noch ordentlich getragen, der Farbfehler und später der Tau auf den Linsen hat da mehr bei der Beobachtung gestört.

Tja, und das Fazit?

Wenn man die Leonardo mal live gesehen hat, überzeugt sie sehr schnell. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr die Anschaffung eines iPads für unsere Führungen, aber jetzt wird es doch erst einmal die Leonardo mit einem Großfernglas. Sorry, Apple… Ab Spätsommer wird sie dann wohl auf einer unserer Sandsteinsäulen auf der Plattform zum Einsatz kommen, und dann kann ich auch mal den erwähnten Adapterflansch für andere Stative ausprobieren.

Cometron 12×70 – erster Eindruck

Zugegeben: Es ist nicht mein erster Eindruck von diesem Fernglas. Ich hatte das Glück, im Sommer das erste Exemplar des Celestron Cometron 12×70 einmal mit in die Alpen nehmen zu können, um es ein wenig zu testen. Ich war damals schon begeistert: Das Fernglas ist sehr leicht und hat eine große Austrittspupille, sodass ich es bei Tag gut und bei Nacht zumindest kurzfristig freihand halten kann – und das bei einem 12×70, das bei der Naturbeobachtung (wo steckt unsere Wandergruppe?) ebenso schöne Bilder liefert wie bei Nacht (wie viele Sternhaufen stecken in einer Milchstraße?).

Ich konnte es zusammen mit ein paar Kollegen mit einem älteren Fujinon 16×70 vergleichen, das mehr als zehnmal soviel gekostet hat.

Links: Cometron 12x70 Rechts: Fukinon 16x70

Links: Cometron 12×70
Rechts: Fujinon 16×70

Das Ergebnis war verblüffend und irgendwo deprimierend. Das Fujinon hat natürlich ein wesentlich robusteres Gehäuse (da merkt man, wo ein Teil vom Geld steckt), aber am Himmel waren die beiden etwa auf Augenhöhe: Einige Objekte waren im Fujinon besser, einige im Cometron. Und am Tag war das Cometron praktischer, da über den Mitteltrieb beide Okulare gleichzeitig fokussiert werden können. Das Fujinon hat Einzelokularfokussierung – bei der Astronomie kein Problem, bei der Naturbeobachtung schon eher.

Ob das Cometron in zehn oder fünfzehn Jahren noch genauso gut dastehen wird wie das Fujinon heute, ist natürlich schwer zu sagen – aber wenn es einigermaßen pfleglich behandelt wird, sollte das eigentlich passen. Und bei einem Preisunterschied von Faktor zehn…

Schon damals war mir klar: Haben will. Und jetzt sind die ersten regulären Exemplare endlich in Deutschland angekommen. Das ist jetzt meins:

Links: ein 7x50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er Rechts: Das Cometron 12x70

Links: ein 7×50 von Photo Porst, Baujahr ca. Mitte der 90er
Rechts: Das Cometron 12×70, frisch in meiner Sammlung eingetroffen

Das ist schon eine Nummer größer als das 7×50, das ich normalerweise immer griffbereit im Regal habe (mein Astro-Favorit ist bislang ein Konus 12×50, das ich für vor gut 20 Jahren auf dem ATT in Essen für 50 DM gefunden hatte).

Viel Zeit zum Testen war noch nicht, aber optische Fehler hat mein Exemplar auf den ersten Blick nicht, und der Test am Sternenhimmel war beeindruckend: Der Orionnebel knapp über dem Horizont, ein Sternenmeer in den Hyaden und ein Gesichtsfeld voller Plejaden machen was her. Eindrucksvoll und überdeutlich zu erkennen waren natürlich die großen Sternhaufen im Fuhrmann. Am Sternenhimmel lohnt sich ein Stativ, freihand war das Bild dann doch schon etwas zittrig, aber es war durchaus brauchbar – um die Milchstraße abzugrasen, geht es gut. Nur bei M31 musste ich kapitulieren – die stand im Zenit, da war die Beobachtung dann doch gelinde gesagt sportlich.

Mit anderen Worten: Ich bin begeistert, vor allem für 85 Euro.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Mein größter Kritikpunkt ist der Stativadapter, der nicht viel mehr ist als eine Dreingabe. Aber immerhin: Er langt, um das Fernglas auf ein Stativ zu bringen. Ein 7×50 dürfte er auch stabil tragen; beim 12×70 hilft er immerhin, es ruhig zu halten. Die Tasche ist trotz Polsterung sehr dünn, und ihr Tragegurt könnte länger sein. Ein stabiler Köcher wäre natürlich eine feine Sache… Andererseits: Celestron hat da gespart, wo es nicht stört. Das Fernglas ist klasse, und wenn der Stativadapter fehlen würde, hätte ich eigentlich gar nichts daran auszusetzen. Mit anderen Worten: Jammern auf hohem Niveau. Beim Fujinon war das Zubehör besser – zumindesst ist die Tasche stabiler, ein 90°-Stativadapter war im Preis nicht enthalten.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Jahrhundertkomet ISON seine Sonnenpassage überlebt und der Himmel mitspielt, damit das Cometron auch den Komet einmal sieht, für den es entworfen wurde.

Kleiner Nachtrag: Das 12×70 ist das erste Fernglas, bei dem ich freiwillig den Umhängegurt angebracht habe. Er ist angenehm breit und lang – deutlich sinnvoller als der Gurt der Tragetasche. Nett:-)