Tag 1: Gut wieder hier zu sein

Die neun Monate seit der letzten Reise haben zwar viel zu lange gedauert, andererseits waren sie so voll mit Terminen und Deadlines, dass es dann doch Schlag auf Schlag ging: Die nächste Tour steht an, vom 3. bis 14. November heißt es wieder Nordlicht auf der Nordkapp. Da der Flug von SAS durchgeführt wird, stört mich der Flugbegleiterstreik bei der Lufthansa auch nicht weiter, und Stuttgart ist ohnehin ein übersichtlicher Flughafen – alles bestens.

Jede Menge Nebel

Jede Menge Nebel

Naja, fast… Meinen Parkplatz habe ich wieder über den Flyaway-Service gebucht, nachdem das letztes Mal sehr gut geklappt hatte. Der Flug ging um 10:00, den Termin am Parkplatz hatte ich auf 7:30 gelegt, um genug Luft wegen Staus und Securitiy-Checks zu haben, und pünktlich um 7:25 war ich dann auch vor Ort. Nur mein Shuttleservice nicht, die Tiefgarage wird saniert, und ein Ausweichparklatz war nötig, irgendwas mit Plieningen und SI-Zentrum, und ohne Adresse für’s Navi. Die Fahrtstrecke wurde mir per Handy erklärt, An der B irgendwas rechts ab… Nur ist diese blöde Bundesstraße? Schließlich hatte ich es geschafft, für fünf Minuten Fahrtstrecke eine Stunde zu brauchen und noch einen Abstecher zum Fernsehturm zu machen. Wer Stuttgart kennt weiß: Ja, der liegt ganz wo anders. Der Trip fängt ja gut an… (Den Flyaway-Service nehme ich nächstes Mal wieder, aber vorher speicher ich mir alle Parkplätze im Navi.)

Aber wofür hat man Sicherheitsspielraum einkalkuliert. Um viertel vor neun war ich dann am Flughafen, trotz der Kameraausrüstung in fünf Minuten durch den Sicherheitscheck und hatte sogar noch Zeit, um auf den Flieger zu warten. Im dichten Nebel war von der Umgebung nichts zu sehen, erst nach dem Start änderte sich der Anblick schlagartig: Kaum hatten wir etwas Höhe gewonnen, gab es wieder strahlend blauen Himmel mit abnehmendem Mond, und es war wunderbar zu erkennen, wie die Täler vom Nebel verhüllt waren.

Der Flug ging über Kopenhagen, wo genug Zeit zum Umsteigen war. Auf dem Rückflug wird’s interessant: Da habe ich nur rund 40 Minuten, mein Gepäck wird es wahrscheinlich nicht schaffen… Kopenhagen ist durchaus hübsch (auch wenn Douglas Adams so schön gesagt hat, dass es das Sprichwort „So schön wie ein Flughafen“ aus gutem Grund nicht gibt), aber auch relativ groß. Mal sehen, wie weit Lande- und Start-Terminal auseinander liegen. Auf dem Flug waren auch schon die ersten Gäste, mit denen ich im Flieger und am Flughafen Bergen ins Gespräch kam.

Am Bergen Lufthavn wartete schon Jürgen, einer unserer beiden Reiseleiter. Bis zum Abflug dauerte es aber noch ein wenig, da zwei weitere Maschinen erwartet wurden, eine davon mit meiner Kollegen Moni – einer alten Kollegin von Astronomie Heute, die jetzt das erste Mal auf Hurtigrute geht. Die zweite Reiseleiterin (noch eine Monika – so kann ich mir die Namen wenigstens merken) war auch schon da.

Als alle Flieger da waren, war der Flughafen fest in unserer Hand: Etwa 60 der rund 80 Gäste waren jetzt am Nachmittag gelandet, die anderen waren schon etwas länger hier. Mit zwei Bussen fuhren wir dann mit einem kurzen Abstecher durch Bryggen zum Schiff: Einchecken, und – in meinem Fall – gleich wieder auschecken, und im nächsten Markt mit Getränken, Souvenirs und Snacks eindecken. Nur für den Fall, dass das Wetter wieder sehr gut wird und ich das Frühstück des öfteren verschlafe… Bergen zeigte sich mal wieder von seiner regnerischsten Seite; erst als ich wieder auf dem Schiff war, ließ der Regen nach.

Das Buffet war gut wie immer, und im Gespräch mit den Kollegen von der Reiseleitung wurden gleich die ersten Termine abgeklärt. Mal was neues: Der Vortragsraum stand schon am zweiten Tag (also morgen Vormittag, am ersten richtigen Tag der Reise) zur Verfügung. Gar nicht schlecht – so konnte der Einstiegsvortrag mit atmosphärischen Phänomenen, Polarlichtern und Fototipps noch vor Ålesund und Trondheim stattfinden, sodass jeder eine Chance hat, seine Fotoausrüstung zu ergänzen. Der einzige Nachteil: Die Ausschiffung von Bergen ging für den Feinschliff am Vortrag drauf. Schließlich wollten Moni und ich ihn gemeinsam halten, und da ist ein bisschen Absprache keine Fehler.

Zwischen Abendessen und dem ersten Arbeitsmeeting (ich bin hier ja nicht im Urlaub) war dann noch der frustrierte Blick auf die Polarlichtvorhersage (im Augenblick sehr aktiv, aber bei den Wolken keine Chance) und die Willkommensveranstaltung der Crew im Panoramasalon. Schade – kaum ein bekanntes Gesicht, also gibt’s auch für meine vierte Tour auf der Nordkapp eine neue Crew. Die Besatzung fährt ja normalerweise immer zwei Runden am Stück und hat dann erst einmal frei. Macht aber nichts: Mit Tourguide Anna lässt sich ebenfalls gut zusammen arbeiten, und in den Rest habe ich auch volles Vertrauen.

Feierabend war dann gegen ein Uhr, während unser Schiff bei recht ruhiger See Kurs um das Westkapp nimmt. Mal sehen, wie alle das erste Geschaukel zum Einstieg vertragen:-)