Tag 4: Polarkreisüberquerung, Bodø und Lofoten

Viking-Insel und Hestmannen

Viking-Insel und Hestmannen

Jeden Tag neues Wetter: Nach dem eher trüben Wetter gestern begrüßt uns heller Sonnenschein, als wir gegen halb acht den Polarkreis überqueren. Kurz nach sieben bin ich dann auch schon an Deck – Nordgehend kenne ich die Vikinginsel mit dem Polarkreismonument eher nur als Schemen, von dem trotz der künstlichen Beleuchtung viele unscharfe Bilder entstehen. Wenn die Sonne scheint, ist das ganze schon viel fotogener, und auch der versteinerte Troll Hestmannen im Hintergrund ist gut zu sehen – er jagte mit seinem Pferd und wehenden Mantel der schönen Lekemøya hinterher und vergaß darüber den drohenden Sonnenaufgang, sodass er versteinerte und heute noch am Polarkreis zu sehen ist.

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Ruhiges Wasser vor Ørnes

Bei wunderschönem und recht warmem Wetter geht die Reise weiter nach Ørnes, das wunderschön am Ende eines kleinen Fjords liegt. Die Berge spiegeln sich im Wasser, und die Sonnenbrille macht sich bezahlt. Nach Ørnes bekommen wir dann Besuch von Neptun: Der Gewinner des Polarkreiswettbewerbs wird verkündet und darf auch gleich als erster getauft werden. Anschließend stellen sich wieder viele der Ice-Bucket-Challenge und werden mit einem Gläschen Schnaps oder Aquavit belohnt. Um das Gedränge schön zu fotografieren brauche ich irgendwann mal eine kleine Kameradrohne…

Bis zur Ankunft in Bodø bleibt noch etwas Zeit für das Mittagessen. Mittlerweile bin ich zum siebten Mal in Bodø, und allmählich erkenne ich auch den Reiz dieser Stadt, oder zumindest die interessanten Orte. Vor 140 Jahren bestand die Stadt noch aus einer Handvoll Häusern, und 1940 wurde es von der deutschen Luftwaffe weitestgehend in Schutt und Asche gelegt. Seitdem hat sich viel getan. Kari hat mir den Tipp gegeben, einmal in das Nordlandmuseum direkt hinter der Kirche zu gehen. Das gelbe Haus hat den Krieg wohl überlebt und bietet neben einem Überblick über die Stadtgeschichte auch einen kleinen Wikingerschatz aus Silber, darunter eine 1,2 kg schwere Gewandfibel. Noch beeindruckender ist ein samischer Gammen, eine also eine der kleinen Hütten, die die Samen benutzten – die letzte wurde erst 1950 errichtet. Unglaublich.

Am Hafen fällt mir zum ersten Mal die Gedenksäule für den Untergang der Prinsesse Ragnhild auf, die während des Kriegs bei Bodø unterging. Der Aufbruch in die Stadt verzögert sich etwas: Es macht zu viel Spaß, den Vorbereitungen für die Bootssafari zuzusehen, die mit Speedbooten Richtung Saltstraumen fahren werden. Das Nordlandmuseum ist direkt hinter die Kirche, beide haben geöffnet und sind einen Besuch wert. Zwischen einer halben und einer Stunde kann man für das Museum einplanen, wobei auch ein 25 Minuten langer Film mit englischen Untertiteln gezeigt wird. Anschließend blieb noch genug Zeit für einen Abstecher zur Gamle Salten am Scandic-Hotel, dem Denkmal für den Brand auf der Erling Jarl und einen Blick in das Lachs-Center, bevor wir auch schon wieder auf das Schiff müssen.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Erster Blick auf die Lofotenwand, noch 50 km entfernt.

Etwas später zeigt das Schiff den Nordlichtfilm, daher haben wir heute keinen Vortrag und können zusehen, wie die über 100 km lange Lofotenwand langsam Horizont auftaucht und immer größer wird. Es ist windig, aber ein traumhaftes Wetter – hoffentlich hält es bis zur Nacht.

Stamsund erreichen wir pünktlich zum Abendessen, danach nutze ich die Chance, um den zwischen hohen Bergen eingezwängten Ort einmal bei Tag zu sehen. Chic. Hier verlassen uns auch die Teilnehmer des Wikingerfests, während bei uns Nyr von 19 glücklichen Kühen auf dem Teller landet. Lecker.

Wer Wikingerfest und Nordlicht & Sterne plant, für den ist der April-Termin perfekt: Es ist während der ganzen Tour noch hell, und in Svolvær, wo es wieder an Bord geht, herrscht Abenddämmerung. Ich habe mal wieder vergessen, dass dieser Ausflug jetzt schon stattfindet, und erlebe daher die Passage nach Svolvær einmal bei Tag – und Junge, was für ein Abendlicht! Die Bilder können das kaum wiedergeben:

Das einzige, was ich nicht sehe, ist die Vesterålen, der wir eigentlich kurz vor Svolvær begegnen sollten. Auf See habe ich sie nicht gesehen, gehupt wurde auch nicht, und Marinetraffic behauptet steif und fest, sie wäre in Svolvær im Hafen. Aber zu sehen ist sie da auch nicht.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær.

Dafür sehe ich Svolvær einmal bei Tag – die „Hauptstadt des Licht“ in der blauen Stunde. Nett. Am Hafeneingang sehe ich jetzt auch die Statue der Fischerfrauen, die Dafinn Bakke geschaffen hat und im Januar eher zu erahnen war. Eine knappe Stunde bietet genug Zeit für einen kurzen Marsch zum Scandic-Hotel mit den alten Rørbua-Häuschen und zur Galerie von Dagfinn Bakke, die allerdings geschlossen hat.

Als wir Svolvær um 22 Uhr verlassen, ist es immer noch ziemlich hell. Der Wetterbericht ist allerdings pessimistisch, und viel Polarlichtaktivität wird auch nicht vorhergesagt. Wir hatten schon deutlich mehr, aber auch sehr viel weniger. Über der Stadt hängt eine Wolkendecke mit etwas klarer Sicht am Horizont. Vielleicht klappt es ja nach dem Trollfjord, wenn es dunkler ist und wir weiter im Norden sind.

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Den Trollfjord erreichen wir mit etwas Verspätung, dafür gibt es pünktlich Trollfjordkarsk in der exquisiten Tasse (im Preis inbegriffen) und heiße Fiskekake (gratis). Für etwas Irritierung sorgt, dass der Fiskekake im Tagesprogramm als Fischsuppe angekündigt wird, aber das wird hier nicht so eng gesehen.

Gegen halb zwölf erreichen wir dann den Trollfjord, den der Captain wieder mit den Schiffsscheinwerfern beleuchtet. Vom Deck aus sind derweil die ersten Sterne zu erkennen, und wenig später auch der erste Grünschimmer – zumindest wenn man sich in den dunkleren Bereich am Heck hinter dem Schornstein zurückzieht. Also auf, die Kameras holen; das Schiff macht schon eine Durchsage, bevor ich Bescheid geben kann. Diesmal ist wohl auch der Captain von der Nordlicht-Sichtung überzeugt:-)

Ich stelle wieder mal fest, dass mir die Nordkapp lieber ist – an der breiteren Reling der Trollfjord habe ich Probleme, meine Kamera zu befestigen. Hinten am Heck geht es zu Glück, und ab Mitternacht arbeitet sie durch. Obwohl der Himmel selbst um Mitternacht noch recht hell ist (wobei Sommerzeit und Längengrad auch mit reinspielen), kann sich das Nordlicht durchsetzen und zeigt sogar etwas Farbe – oft nur ein geisterhaftes Grün, aber immer wieder auch etwas deutlicher. Nach einer Stunde, kurz vor Stokmarknes, sind auch noch einige kräftigere Bögen am Nordhorizont zu sehen, die ich mit der „Heckkamera“ aber nicht erwische. Aber wofür hat man eine Zweitkamera, und einen Kollegen, der ebenfalls eine Kamera hat. Um ein Uhr ist es auch schon weitestgehend dunkel, nur im Norden ist noch Dämmerung – langsam kommt die Mitternachtssonne.

Der Raftsund ist wieder eine grandiose Kulisse, und auch Stokmarknes ist schön. Das Polarlicht ist sehr ruhig und tanzt nicht, dafür gibt es einige schöne Bänder und Vorhänge, die sich langsam verändern. Dafür, dass kaum Aktivität vorhergesagt war, ist das gar nicht schlecht. Tromsø hatte immerhin einen Kp-Index von vier erreicht, und so hätte ich die zweite Hälfte der Show auch eingeschätzt. Nach Stokmarknes begnügen wir uns mit einem kurzen Blick nach draußen: Mehr Aktivität ist nicht zu erwarten, dafür frischt der Wind auf – immerhin haben meine Vallerret Handschuhe (aus Norwegen, via Kickstarter) sich bewährt. Kurz vor 2 Uhr ist auch keine schlechte Zeit, um die Bilder durch den Computer zu jagen und Feierabend zu machen. Am nächsten Morgen war mein kleiner Zeitraffer dann auch fertig:

Tag 4: Bodø

Ørnes

Ørnes

Der 13. Januar führt uns über den Polarkreis und nach Bodø. Von der Polarkreisüberquerung bekomme ich bis auf das Getute des Schiffshorns nichts mit. Keine Ahnung, wann wir das zwischen 6:30 und 8:00 geschafft hatten. Im Januar ist es um diese Uhrzeit aber ohnehin noch dunkel, sodass die Kugel auf der Insel nicht viel hergibt. Wenn ich mir das Tagesprogramm anschaue, wurde auch der Versuch aufgegeben, im Winter im Dunkeln Sekt zu diesem Ereignis anzubieten. Letzten Januar war außer der Crew auch praktisch niemand an Deck.

Ich führe stattdessen eine neue Tradition ein: Ich verschlafe das Frühstück, schließlich bin ich wegen dem Polarlicht hier – da ist die Zeit um Mitternacht am interessantesten. Prinzipiell hätte es sogar noch zum Frühstück gereicht, aber Ørnes ist ein netter kleiner Hafen, den ich immer gerne fotografiere: Hübsche Holzhäuser in einer Postkartenkulisse – der Anblick ist so typisch für Norwegen-Klischees, dass einem das keiner glaubt, der es nicht selbst gesehen hat.

King Neptune (Finnmarken-Version)

King Neptune (Finnmarken-Version)

Kurz darauf steht die Polarkreistaufe an: Eis für alle, aber nur in den Nacken. Zum Auftauen gibt es dann noch einen Grog oder ähnliches hinterher. Das ist immer ein Riesenspaß, diesmal windgeschützt an Deck 8 zwischen Panoramasalon und Schornstein. Wer will, kann sich zu Auftauen auch an die Lüftungsschlitze des Schornsteins stellen – ein praktisches Feature der Finnmarken. King Neptune verkündet den Gewinner des Polarkreiswettbewerbs (wer schätzt die Abfahrtszeit am genauesten?), erledigt seine kalte Pflicht und steht dann für Erinnerungsfotos zur Verfügung. Anschließend beginnt der Poststempel- und Polarkreisbriefmarkenverkauf. Die Hurtigrutenschiffe führen ja immer noch die Postflagge, auch wenn sie schon lange keine Briefe mehr transportieren, aber ein paar Privilegien sind noch erhalten. Dabei merkt man, dass die Finnmarken eher Kreuzfahrtschiff ist als die mittlere Schiffsgeneration: Wo auf der Nordkapp der Postmeister eher einsam Wache hielt, wird er hier fast überrannt.

Beim Mittagessen gibt es schon wieder Zeitdruck: Die 34 Häfen auf der Route wollen abgearbeitet werden, und in Bodø lohnt sich das Aussteigen. Zum Glück ist es nicht ganz so windig wie befürchtet, manchmal ist der Weg vom Hafen in die Stadt sehr unangenehm. Die Stadtverwaltung plant angeblich Wasserkanonen am Hafen, um die Schiffe zu begrüßen – wahrscheinlich wollen die, dass alle im Schiff bleiben, statt sich Bodø anzuschauen… Aber auch ohne Wasserspiele ist die Landschaft vor Bodø einfach grandios, und das Wetter spielt auch mit.

Bodø selbst braucht einige Zeit, um seinen Reiz zu entfalten: Im Krieg weitestgehend zerstört, dominiert moderne Architektur. Aber sie hat ihre schönen Stellen, die Norweger können auch moderne Architektur. Wir machen nur einen Kurzausflug: Das Restaurant auf dem Dach des Scandic-Hotels bietet leckere Heiße Schokolade und einen grandiosen Blick über die Stadt; ein Kellner schließt uns auch die Tür zu dem Rundgang auf.

Der Rückweg führt an der Gamle Salten („Alte Salten“) vorbei, die direkt am Hotel liegt und einst als Salten auf der Hurtigrute unterwegs war, sowie an Walfängern und dem Coop, einkaufen. Nur ein paar Meter vom Scandic Richtung Schiff liegt auch das Salmon Center mit Informationen zu Lachsfang und -verarbeitung – leider recht gut hinter Bauzäunen verborgen.

Ehrt die Kartoffel!

Ehrt die Kartoffel!

An Bord ist kaum Zeit zum Verschnaufen: Reiseleiter Heinz und der Chefkoch präsentieren um 14:30 – also noch im Hafen – drei der über 5000 Kartoffelarten und fordern auf, sie in Zukunft mit Respekt zu verzehren. Norwegen ist ja eh verrückt nach Kartoffeln, da passt es, dass es einmal Geschmacksproben verschiedener Sorten gibt.

Abfahrt ist um 15:00, eine halbe Stunde steht unser dritter Vortrag an. Wir legen die Vorträge nach Möglichkeit so, dass sie nicht mit Häfen oder Schiffsveranstaltungen kollidieren, aber das ist nicht immer ganz leicht. Die Termine auf Seestrecken werden so gewählt, dass es möglichst wenig Wellengang gibt – wobei wir auf dieser Fahrt wieder einen echten Ententeich haben, so ruhig war die Fahrt bislang selten.

Eine andere Tradition, die ich gerne pflege, ist das Lofotr Wikingerfest. Aber die Wetter- und Polarlichtvorhersage ist vielversprechend, daher lassen wir diese Veranstaltung diesmal ausfallen und besuche den Wikingerkönig hoffentlich im Februar auf der nächsten Tour. Stattdessen legen wir die Strecke zwischen Stamsund und Svolvær mit dem Schiff zurück und können über Svolvær tatsächlich einen schönen, wenn auch nicht zu intensiven Bogen von Polarlicht beobachten. Sehr chic und schon „echtes“ Polarlicht, aber noch nicht die große Show, auf die wir alle hoffen.

Nächstes Highlight, kurz vor dem Hafen von Svolvær: Schiffsbegegnung mit der Kong Harald. Wegen Polarlicht sind bei uns einige an Bord, als die Kong Harald an uns vorbei zieht. Eine Vinkekonkuransje ist das aber nicht: Nebenan ist fast niemand an Bord, und kurz nachdem sie an uns vorbei ist, gehen auch alle Lichter aus.

Die Hafeneinfahrt von Svolvær

Die Hafeneinfahrt von Svolvær

Ekkehard nutz die letzten Minuten vor Svolvaer, um uns auf eine ganz berühmte Kirche hinzuweisen (die diesmal im Dunkeln liegt), und versucht es dann mit dem tollen Denkmal von Dagfinn Bakke für die Fischerfrauen das an der Hafeneinfahrt von Svolvær steht und sich ebenfalls im Dunkeln verbirgt. Norwegen spürt den fallenden Ölpreis ja deutlich (eine ganze Reihe von Schiffen wurde stillgelegt, was sich in den Arbeitslosenzahlen bemerkbar macht), vielleicht wird ja jetzt auf einmal Strom gespart?

Egal, im Raftsund gibt es wieder lecker Fiskekake zu essen und heißen Trollfjordknert zu kaufen (und man kann die Tasse behalten!), und der Trollfjord wird schön beleuchtet. Ich muss fairerweise sagen, dass das die beste Show war, die ich bislang hatte: Wir sind ziemlich nah an der Mündung, und der Kapitän leuchtet den Trollfjord gut aus. Dabei hilft natürlich, dass die Finnmarken einen begehbaren Bug hat: Sowohl von dort als auch vom Panoramasalon aus sind die steilen Wände schön zu sehen. Ein schöner Tagesausklang, und einer der Gäste gibt mir auch noch andere Hustenbonbons für meine Stimme – langsam kommt sie wieder.

Polarlichter zeigen sich keine mehr, und so endet der Tag recht früh.

Tag 4: Polarkreis, Bodø und Lofoten

Dinge, die ich regelmäßig verpasse, Teil 1: Die Polarkreisüberquerung. Zumindest, wenn es am Vorabend noch Polarlicht gab und ich bis spät in die Nacht Bilder gesichtet und zum Film zusammengebastelt habe. Kurz nach sieben Uhr morgens war es diesmal so weit: Die Nordkapp überquert den Polarkreis, und das Hupen weckt sogar mich. Zum Aufstehen langt es trotzdem nicht, und es waren wohl auch nicht viele Gäste an Deck. Für schöne Fotos ist es auch noch zu dunkel… Mir tut die Crew immer leid, die um die Zeit versucht, Champagner zu verkaufen, während zumindest die Nordlichtfahrer noch im Bett sind – und im Augenblick stellt unsere Gruppe fast die Hälfte der Passagiere.

Das hübsche Örtchen Ørnes um Viertel nach neun ist ohnehin eindrucksvoller als die Insel mit der Polarkreiskugel: Die roten Häuschen zwischen den hohen Bergen sind ein echtes Postkartenmotiv.

Nach der Abfahrt aus Ørnes wird der Polarkreiswettbewerb aufgelöst: Der Gewinner, der den Zeitpunkt der Polarkeisüberquerung am genauesten geschätzt hat, erhält ein kleines Präsent und darf sogar als erster getauft werden. King Neptune kam wieder pflichtbewusst an Deck und ist diesmal richtig gut gelaunt. Allerdings trauen sich nicht allzu für die Polarkreistaufe in seine Nähe. Dabei ist es im Winter viel angenehmer als im Sommer, der Unterschied zwischen dem Eis und der Umgebungsluft ist nicht so groß.

Am Mittag in Bodø ist es überraschend windstill – normalerweise kenne ich die Stadt nur mit unangenehmem Wind oder gar nicht, weil ich noch mit dem Vortrag am Nachmittag beschäftigt bin. Dieses Mal gehe ich auch nicht einkaufen, sondern mache etwas Sightseeing mit Jürgen und den beiden Monikas. Von einem der Hotels hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

Das Denkmal erinnert an das Unglück der Earling Jarl

Das Denkmal erinnert an das Unglück der Earling Jarl

Beim Weg entlang des Hafens sehe ich zwei neue Dinge. Die Hurtigrute ist ja sehr sicher, aber Unglücke geschehen immer wieder einmal. An Bord der Earling Jarl brach am 8. Januar 1958 ein Feuer aus, als das Schiff in Bodø am Kai lag. 14 Menschen starben, obwohl sofort mit den Rettungsmaßnahmen begonnen wurde. Seitdem wurde die Sicherheitsmaßnahmen noch deutlich verbessert. Das Denkmal, das an dieses Unglück erinnert, hatte ich vorher noch nicht gefunden.

Das Lachsmuseum ist nicht weit von dem Denkmal entfernt, in einer kleinen Ausstellung mit interaktivem virtuellem Fischbecken kann man sich hier über den Lachsfang informieren. Da eine reine Ausstellung langweilig ist, ist auch jemand da, der einen durch das kleine Museum führt. Dass die Lachse aus den Farmen einfach abgesaugt werde und nicht mit den Netzen herausgehoben werden, wusste ich auch nicht.

Das Lachsmuseum

Das Lachsmuseum

Um 15:00 hieß es schon wieder Abfahrt aus Bodø, und eine halbe Stunde später stand mein zweiter Vortrag auf dem Programm: Sternbilder, Deep-Sky-Objekte und die griechischen Sagen, dazu eine kurze Erklärung zur drehbaren Sternkarte. Untermalt wurde das mit etwas leichtem Geschaukel, da wir den Vestfjord überquerten. Der Ententeich von Nordsee störte aber kaum, nicht einmal die Leinwand hat gewackelt. Bei dem anschließenden Gespräch vor dem Vortragsraum war schon etwas mehr Bewegung, aber die Probleme hielten sich in Grenzen (soweit ich das mitbekommen habe). Wie es so schön heißt: Eine Hand für das Glas und eine für das Schiff.

A propos: Auch auf dieser Fahrt macht der Tour Guide auch ein kurzes Briefing, wobei es diesmal weniger um Wetter und Polarlichter geht als vielmehr um Essen (das neue A La Carte Menü muss promoted werden), die Ausflüge, und den Wein zu Abendessen. Von wegen „In Norwegen gibt es nichts geschenkt“: Wir dürfen ihn sogar einmal probieren.

Das Wikingerfest mache ich wohl nächstes Jahr wieder mit (die Show in dem rekonstruierten Langhaus macht mir immer wieder Spaß), diesmal hatte ich Zeit, um die Landschaft zu genießen. Leider war es regnerisch, heute also keine Chance für Polarlichter. Die Kamera zeigte einen Hauch von grünen Wolken: Die Aktivität war sehr gut, aber die Wolken waren stärker. In Svolvær war es regnerisch, mehr als ein kurzer Gang zum örtlichen Narvesen war nicht drin. Magic Ice ist ganz hübsch, aber da war ich letztes Jahr schon, und auf das Kriegsmuseum hatte ich keine Lust.

Am Abend steht noch der Raftsund auf dem Programm: Ab etwa 23 Uhr durchqueren wir die Trennlinie zwischen Lofoten und Vesterålen, vor dem Trollfjord wird wieder Halt gemacht. Bei der Dunkelheit fahren wir natürlich nicht hinein, aber er wird schön beleuchtet, während auf dem Achterdeck Fiskekake und der magische Trolltrunk angeboten werden. Danach lassen wir den Abend gemütlich ausklingen, die Ankunft in Stokmarknes um 1 Uhr ist dann ein guter Zeitpunkt, um Feierabend zu machen.

Tag 4 – Ørnes, Bodø und die Wikinger

MS Nordnorge

MS Nordnorge

Etwa um 7:33 haben wir den Polarkreis überquert, wie mir der Blick auf das Handy gepaart mit der Lautsprecherdurchsage bestätigt – den Blick aus dem Fenster spare ich mir allerdings, Frühstück ist für 9 Uhr geplant, und auf der Rückfahrt sehen wir die Kugel ohnehin besser. Im Bett ist’s auch nett. Unscharfe Bilder von der Kugel habe ich ohnehin schon genug, und auf der Rückfahrt kommen wir bei besserem Licht noch einmal an der Insel vorbei. Aber etwas früher aufstehen lohnt sich trotzdem: Gegen halb neun kam die MS Nordnorge in Sicht, und kurz darauf ertönte auch die Ansage über die Lautsprecher, dass wir in wenigen Minuten der Nordnorge begegnen. Hübsches Schiff, aber leicht erkältet: Vorne an den Rettungsbooten klebt noch Schnee, und das Begrüßungstuten klingt etwas dumpf und heißer.

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Kurz vor Ørnes.

Der erste Hafen auf dem Tagesprogramm ist Ørnes, und die grandiose Landschaft bietet eine schöne Kulisse für das Showprogramm des heutigen Tages: Die Polarkreistaufe. Ich hab das ja schon hinter mir, aber auch als Zuschauer ist es immer wieder ein großer Spaß. Neptun ist diesmal auch deutlich motivierter als beim letzten Mal (und diesmal habe ich auch eine Ahnung, wer unter der Maske steckt), sodass so mancher Passagier seine Eiswürfeltaufe kriegt.

Dabei ist nicht nur die Geräuschkulisse der Teilnehmer nett, sondern auch die One-Size-Fits-None-Größe der Neptun-Maske. Neptun muss öfter mal die Augen zusammenkneifen, um zu sehen, was er da macht:-) Aber trotz aller spitzer Schreie bleibe ich dabei, dass die Polarkreistaufe im Winter angenehmer ist als im Sommer, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Eis viel größer ist.

Nach der Show ging es wie gewohnt nach Bodø – mittlerweile gibt es eine Mehrheit dafür, Bodø als Budö und die MS Nordkapp als Nurdkapp auszusprechen. Aber mit zwei Schriftsprachen und ungezählten Dialekten ist Norwegen da wohl ohnehin recht flexibel.

Die Stadt Bodø ist nicht hübscher geworden, aber trotzdem lohnt sich der Gang in das Zentrum. Wollten Sie schon immer mal wissen, was die Reiseleitung in einer Stadt macht, während die Gäste die Stadt erkunden oder Ausflüge machen? Zur Auswahl stehen u.a.:

  1. Schuhe kaufen
  2. Optiker besuchen
  3. Als Ansprechpartner an Bord bleiben
  4. Internationale Küche beim Burgerking genießen
  5. Sightseeing
Sightseeing in Bodø geht schnell.

Sightseeing in Bodø geht schnell.

Kein Problem, ich bin ja nicht alleine und habe mich für Option 1 entschieden. Finnische Stiefel scheinen echt was zu taugen. Damit war der Aufenthalt zwar teurer als der Abstecher ins Rema 1000 beim letzten Mal, aber bei Kleidung ist Norwegen gar nicht mal so teuer wie man denken könnte.

Kurz nach der Abfahrt aus Bodø rief dann wieder die Pflicht: Vortrag Nummer 2 über die Sonne und das Leben der Sterne steht auf dem Programm, diesmal halte ich ihn wieder alleine. Im Anschluss wird noch die drehbare Sternkarte behandelt, die alle Reiseteilnehmer erhalten haben – ein Crashkurs zur Orientierung am Himmel.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang war bis Stamsund noch einige Zeit zu vertreiben: Heute gibt es für mich kein Abendessen auf dem Schiff, sondern wieder einmal eine kleine Zeitreise zum Lofotr Wikingerfest. Wenn man weiß, dass es ein reines Touri-Spektakel ist, kann man es durchaus genießen: Nach einer Busfahrt von knapp einer Dreiviertelstunde erreicht man ein rekonstruiertes, über 80m langes Wikinger-Langhaus, in dem ein Wikingerhäuptling zum Julfest einlädt. Sehr fein: Olav Dingsdabumsson (vielleicht merke ich mir den Namen irgendwann mal) wird wieder von einem motivierten Schauspieler gespielt. Weniger fein: Seine Halle ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch Umhänge gibt es für die Besucher dieses Mal keine. Dafür Lamm mit Karotten, Steckrüben, Brot, Rahm und einer Art Marmelade, Met und Gesang.

Um die Götter zufriedenzustellen, bleiben anschließend noch knapp 20 Minuten für den Shop, die weise genutzt werden wollen – ansonsten müsste ich die Vesterålenrundfahrt mitmachen, die sich zwar lohnt, aber in aller Herrgottsfrühe losgeht. Und nachdem es gerade um Odin & Co ging, ist die Herrgottsfrühe gewiss das falsche…

Auf der rund 50-Minütigen Rückfahrt nach Svolvaer zeigte sich dann auch schon wieder das erste Polarlicht als leichter Grünschimmer auf dem Kameradisplay. Trotz aller Vorwarnung präsentierten uns unsere Gäste kaum Bilder der Fahrt nach Svolvaer (der „Hauptstadt des Lichts“). Nach Svolvaer gab es dann immerhin noch bis halb Zwölf Polarlicht – nicht die ganz große Show, aber immerhin schon mit einem Hauch von Farbe und durchaus gut sichtbaren Strukturen.

Was ich ganz vergessen habe: Trollfjord war auch noch. Diesmal mit Fiskekake-Ausgabe und Trolltrunk-Ausschank am Heck, Verkauf nur in der Bar und Beleuchtung vorne am Schiff. Aber jetzt habe ich auch eine wunderhübsche Trolltasse:-) Takk!

Hurtigruten Tag 5 – Polarkreis, Sonne, Wikinger und Trollfjord

Die Kabinen in den Hurtigrutenschiffen haben keine Fenster zu öffnen, dafür eine Klimaanlage, die trockene Luft produziert. Tipp von Tour Guide Marko: Ein Handtuch nassmachen und auswringen, danach kann es als Luftbefeuchter dienen. Ein Glas Wasser irgendwo hinzustellen ist auf einem Schiff keine besonders gute Idee. Aber das Handtuch funktioniert gut.

Ebenfalls keine gute Idee: Nur auf das WLAN des Schiffs zu vertrauen. Internet geht zwar ganz gut (vor allem nach Mitternacht, wenn die meisten im Bett sind und man die Verbindung für sich alleine hat), aber EMail abrufen geht überhaupt nicht. Die Lösung: Der Weekpass der Telekom, um für läppische 15 Euro online gehen zu können. Zum Glück ist man mittlerweile das norwegische Preisniveau gewohnt.

Das Highlight of the Day ist am 25. Februar die Überquerung des Polarkreises um 7:12 Uhr. Es heißt also früh aufstehen, wenn man die Insel mit der Weltkugel links am Schiff vorbeiziehen sehen will.

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war's eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein...

Am Horizont: Die Insel mit dem Polarkreismonument. Auf Deck 7 war’s eng, Deck 5 dürfte frei gewesen sein…

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Die Weltkugel, die den Polarkreis markiert.

Trotz der Kälte gibt es Gedränge auf dem Schiff, jeder will ein Foto – was bei dem Dämmerlicht nicht ganz einfach ist; viele Bilder werden noch am selben Tag wieder gelöscht. Das Schiffshorn kündet die Passage an, und kurz darauf verlassen die Fotografen die Reling – es ist wieder Platz, um in aller Ruhe die zurückbleibende Kugel zu fotografieren. Das Begrüßungsgetränk zum Aufwärmen und Wachwerden zieht die Meute nun mehr an als die beleuchtete Kugel.

Die schöne Landschaft, an der wir jenseits des Polarkreises entlang fahren, genießen wir dann in aller Ruhe vom Frühstücksbuffet aus. Schon eine Stunde später gibt’s den nächsten Foto-Termin, als uns die MS Nordnorge entgegenkommt.

Damit auch ja keiner zur Ruhe kommt, steht um 9:30 dann das hübsche Örtchen Ørnes auf dem Programm, bei dem wir allerdings nicht aussteigen – der Aufenthalt ist kurz.

Der Hafen von Ørnes.

Der Hafen von Ørnes.

Übrigens ist es immer noch nicht kalt: obwohl Winter ist, hat auch Norwegen 2014 nicht besonders viel Schnee abgekriegt. Die Temperaturen sind frisch, aber nicht unerträglich. Aber damit damit keinem zu warm wird, steht kurz nach zehn die Polarkreistaufe an, mit Eiswürfeln in den Nacken und einem Schnaps hinterher, anschließen Fototermin mit König Neptun (auch wenn Njørd die Urkunde unterschrieben hat).

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist...)

Fototermin mit Neptun (der aus gutem Grund verkleidet ist…)

Tipp: Wer als letzter dran ist, erhält alles übriggebliebene Eis. Ideal für alle, denen doch noch zu warm ist…

Auf den nächsten Höhepunkt verzichtete ich wieder: Die Fahrt zum Saltstrømen dürfte zwar ganz nett sein und das Fliegereimuseum von Bodø auch, aber da die Stadt im Krieg völlig zerstört wurde und heute eher zweckmäßig als schön ist, verbrachte ich den Aufenthalt in Bodø lieber damit, den Vortrag nochmal aufzupolieren.

Die gute Neuigkeit des Tages: Mittlerweile waren endlich alle Koffer aufgetaucht, und jetzt konnten alle die Reise entspannt antreten. Irgendwo hinter Ørnes war auch die Sonne erstmals aufgetaucht – ganz passend, da die Sonne auch das Thema des heutigen Vortrags war. „Der Stern von dem wir leben“ hat ja einiges zu bieten, und diesmal gab es auch keinen anschließenden Fototermin, sodass danach noch die Chance für eine Fragerunde bestand. Hier kam auch mein kleines Handspektroskop zum Einsatz.

Heute Abend durfte es aber keine Polarlichter geben: Volker und ich waren beide auf dem Lofotr-Wikingerfest, das auch von all denen genossen wurde, die beim Essen Probleme mit dem schwankenden Schiff hatten. Nach einer längeren Busfahrt begrüßte uns ein Wikingerhäuptling in einem an historischer Stelle wieder errichteten Langhaus, und ein Fest wurde nachgespielt – inclusive den Versuche, seinen Sohn zu verheiraten und den Sklave zu verkaufen. Nette Show, gutes Essen und leckeres Met, und auch der Tanz war ganz witzig (wenn auch unkoordiniert, und einige Gäste hatten sich gedrückt).

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Auf dem Lofotr Wikingerfest.

Schade war nur, dass wir nur eine Stunde Zeit hatten – schließlich mussten wir das Schiff in Svolvær erwischen. Da ein Engländer wohl seine Kamera am Festbankett vergessen hatte (auch wenn sie nicht wiedergefunden wurde), hatten wir trotzdem leichte Verspätung. Aber wir kamen fast in dem Moment an, als Marko durchsagte, dass das Schiff ausnahmsweise auf uns warten würde. Daher legten wir doch noch pünktlich ab.

Ach ja, freudige Überraschung: Auf der Fahrt zum Bus und am Langhaus hatten wir einige Sterne gesehen; am Schiff standen aber wieder Wolken und keine Polarlichter am Himmel. Trotzdem waren etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht alle an Deck: Der berühmte Trollfjord stand auf dem Programm. Er sollte vom Schiff beleuchtet werden, außerdem konnte man bei Marko einen Voucher für einen Magic Drink auf Deck 7 erwerben – zusammen mit einer Trolltasse. Nach einer Rücksprache mit Angelika hatten wir die Info, dass der Fjord am Bug am besten zu sehen sein sollte. Dummerweise hatte das niemand dem Käptn gesagt, und so drängten sich einige am Bug, während die Scheinwerfer ziellos in der Gegend herum fuhren und Felsen sowie kleine Eisschollen beleuchteten – die Fahrt in den Fjord ist im Winter zu gefährlich, da Eis oder Gestein auf das Schiff stürzen kann.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Das war nicht der Trollfjord, der hier beleuchtet wurde.

Die Show war wohl eindeutig für die zahlenden Gäste auf dem Sonnendeck und nicht für die frierenden am Bug. Immerhin: Als das Schiff dann wendete, konnten wir doch noch einen Blick auf den Eingang zum Trollfjord erhaschen. Ohne Schiffsbeleuchtung. Und damit hatten wir für heute genug gesehen.

Trollfjord, 1. Versuch

Trollfjord, 1. Versuch