Hurtigrute Tag 1: We made it to Bergen!

Schönstes Wetter in Stuttgart

Mir war ja von Anfang an klar, dass die Flugverbindung mit diesem City-Hopping sportlich war, aber wenn das die einzige brauchbare Verbindung von Stuttgart nach Bergen ist: So sei es. Dass mir der Lufthansa-Mitarbeiter am Baggage-Drop viel Glück wünscht, ist natürlich kein besonders aufbauendes Zeichen, aber was soll’s. Oslo hat ein neues Terminal, das Durchchecken vom Gepäck sollte also kein Problem sein (hatte im Mai mit SAS ja perfekt geklappt), und ich habe Plätze schön weit vorne im Flieger reserviert, damit ich schnell aus dem Maschinchen komme, für meinen Spurt durch die Flughäfen. Was kann schon schief gehen?

Dass ich an der Security-Kontrolle in Stuttgart ziemlich alleine bin und daher zufällig für die Sprengstoffkontrolle meiner Kameras ausgewählt werde, wundert mich auch nicht. Irritierender ist, dass ich zusehen kann, wie der Tag dämmert und mein Flugzeug am Gate steht.

Und steht.

Und kurz nach dem offiziellen Start angekündigt wird, dass in etwa zehn Minuten mit dem Boarding begonnen wird. Statt wie geplant um 8:20 verlassen wir das Gate dann um 9:00 und heben 13 Minuten später sogar für den 30-Minuten-Flug ab.Das langt gerade, damit die Business-Klasse Frühstück serviert bekommt.

Nebel in Frankfurt

Gute Neuigkeiten, die schon im Flieger verkündet werden: Frankfurt kämpft mit Nebel, der Anschlussflug hat auch Verspätung. Ein Spurt von Gate A5 nach A25, und ich habe sogar noch 10 Minuten bis zum Boarding. Moni ist auch noch da – damit sind zumindest die Lektoren für die Tour zusammen. Mit ausreichend Verspätung geht es dann nach weiter nach Oslo, wo wir landen, als unser Anschlussflug gerade abhebt.

Und nun? Erst mal zur Gepäckausgabe, weil die Lufthansa nur den Zettel draufklebt, dass das Gepäck bis Bergen durchgecheckt wird, es aber nicht durchcheckt wird. Also Gepäck abholen, durch den Zoll, einen Stock höher und zum SAS-Schalter, wo wir freudig erfahren, dass wir automatisch auf den nächsten ebenfalls verspäteten Flieger umgebucht wurden. Kurz per SMS Kai informiert (einen unserer beiden Reiseleiter), und er erklärt sich bereit, mit dem Bus auf uns zu warten. Uff. In Skandinavien ist ein verpasster Flieger wohl kein größeres Problem als ein verpasster Bus, zumindest wenn alles auf einen Buchungscode läuft und die Fluggesellschaft dafür verantwortlich ist. (Andere traf es übler: Eine Maschine in Amsterdam war überbucht…). Einen Vorteil hat das Gepäckabholen: Ich komme an das Ladekabel für mein Handy ran. Um fünf Uhr morgens hatte ich das doch glatt mit dem Ladegerät ins große Gepäck gepackt, und so zwar die Powerbank dabei, aber kein Ladekabel. Fliegen in den 90ern: Man hat seine Boardingcard auf Papier. Fliegen 2017: Man hat die Boardingcard auf dem Handy. Und die Powerbank, falls der Akku leer geht. Und den Papierausdruck als Backup. Moderne Zeiten.

Also: Endlich ab nach Bergen, und mit nicht zu extremer Verspätung kamen wir beiden Lektoren dann auch als letzte im Bus an. Keine Zeit, um jemanden kennen zu lernen… Aber ich muss sagen, am Flughafen Bergen-Flesland  hat sich einiges getan: Der neue Terminal wurde kürzlich eröffnet, und mittlerweile fährt auch die Bybanen von der Stadt bis zum Flughafen. Chic, nur zum Umschauen bleibt nicht viel Zeit.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es dann ab auf die Trollfjord. Bergen ohne Regen und bei Licht – sehr ungewohnt.

An Bord dann: Schiff erkunden, Bekanntschaften auffrischen (nicht nur im Reiseleiter-und-Lektoren-Team, auch unter den Gästen gibt es Wiederholungstäter) und die Vortragsräume buchen. Und natürlich die Cruisekarte mit der Kreditkarte koppeln, um bezahlen zu können. Außerdem noch Abendessen: Bergenbuffet. Es gibt wieder diese Lachsröllchen und Eis. Lecker.

Vor lauter Organisation (nicht ganz trivial: Es ist wieder eine englische Nordlicht-Gruppe an Bord) und Gerede verpassen wir glatt die Vorstellung der Crew und das Auslaufen aus Bergen – schließlich geht es schon um 20 Uhr los, damit wir morgen den Hjørundfjord mit Urke besuchen können. Schade eigentlich, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. Erst gegen Mitternacht und weit auf offener See schaffe ich es, mal einen Rundgang an Deck zu machen. Kein Regen…

Anschließend heißt es Feierabend. Schließlich sind wir morgen um 8:45 schon kurz in Ålesund.

Übrigens, noch kurz für die Nachwelt: Die Tour geht vom 16.-26.10.2017.

Tag 12: Wir stürmen zurück

Um Viertel vor Fünf ist die Nacht vorbei: Das Schiff macht einige Schläge und Sätze, die sogar mich wecken. Was noch nicht in der Reisetasche verpackt ist, sondern noch auf der Fensterbank steht, verteilt sich nun auf dem Fußboden. Am nächsten Morgen erfahre ich, dass es wohl nur Windstärke 9 war, aber hart an der 10. Windstärke 9 hatte ich auch schon gehabt, aber diesmal fahren wir gegen den Wind, sodass die Brecher natürlich einiges härter sind. Abgesehen davon, dass ich nicht mehr einschlafen kann, macht mir das zum Glück nichts aus – für alle, die unter Seekrankheit leiden, ist das natürlich kein schöner Start in den letzten Reisetag.

Den Hafen Torvik lassen wir aus, da das Wasser so hoch steht, dass wir nicht unter der Brücke hindurch kämen, und das Schiff ist nur mit 5-10 km/h unterwegs, damit die Wellen nicht zu hart sind. Dadurch ist es an Bord nicht so heftig, dauert aber natürlich deutlich länger. In Florø haben wir rund eine Stunde Verspätung, und auch wenn die See am restlichen Tag nicht mehr ganz so wild ist, bleibt sie doch sehr unruhig. Es ist halt die Nordsee, und das gehört zu einer Seereise dazu.

Die Ruhe nach dem Sturm.

Die Ruhe nach dem Sturm.

In Küstennähe gibt es immer wieder ruhigere Passagen, und das Frühstücksbuffet ist überraschend gut besucht. Viel zu tun gibt es heute nicht: Bis 10 Uhr müssen die Kabinen geräumt sein und das Gepäck vor den Aufzügen stehen, sodass es bis zur Ankunft im Fahrzeugdeck verstaut werden kann. Für das Handgepäck wird der Konferenzraum als Lagerraum geöffnet, damit man es nicht ständig mitschleppen muss. Zu den Dingen, die unbedingt ins Handgepäck gehören, gehört natürlich auch die Tasse für den Coffee-Deal – mit Gesprächen und Kaffee bringt man den Tag auch rum. Die Alternative: Shoppen. Der Schiffsshop hat noch offen, und eine weitere rote Jacke wechselt in den Besitz unserer Reisegruppe. Auch wenn das jetzt vielleicht so klingt: Die Hurtigrute ist keine Butterfahrt, aber es gibt genug hochwertige Dinge, die man in Deutschland kaum noch findet. Es wird keiner zum Geldausgeben gezwungen…

Atemberaubend

Atemberaubend

Auch wenn der Sturm etwas nachlässt, bleibt es unruhig, aber der Blick vom Bug aus ist im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. Wenn man den Kopf etwas zur Seite geht, funktioniert das mit dem Atmen aber ganz gut… Da kann man verstehen, dass Norwegen den Stad Schiffstunnel plant, sodass diese unruhige Gegend dann umschifft werden kann. Ab 2018 wird’s wohl interessant, ein Vorprojekt läuft schon mal (Spiegel.de)

Je näher wir Bergen kommen, desto näher kommen wir auch der Landschaft, die teils nur wenige Meter von uns entfernt vorbeizieht. Das gibt eine leise Ahnung davon, wie es in einem engen Fjord sein muss. Mittlerweile haben unsere beiden Reiseleiter schwer zu schaffen: Die geschätzte Ankunftszeit ist kurz vor 16 Uhr. In den letzten Tagen wurde wegen des Streiks bei der Lufthansa schon nach Alternativen geschaut, und jetzt müssen die Fluggesellschaften informiert werden, dass über 50 Passagiere nach Amsterdam noch auf dem Schiff sind. So kann die Airline die Gepäckannahme schon einmal ausreichend besetzen. Über das Schiff können wir dann auch online einchecken und so wertvolle Minuten sparen. Der Service ist erstklassig, auch wenn so lange so schlechtes Wetter kurz vor Bergen wirklich ungewöhnlich ist – das hätten wir in der Barentssee erwartet, nicht hier. Die Transferbusse warten natürlich auch auf uns.

Eine Ferienhaussiedlung...

Eine Ferienhaussiedlung…

Als wir Bergen schließlich kurz vor 16 Uhr erreichen, muss es schnell gehen. Durch den Regen (obwohl, für Bergen ist das eigentlich kein Regen, eher erhöhte Luftfeuchtigkeit) geht es vom Schiff zum Airport, sodass für ein richtiges Adieu kaum Zeit bleibt. Am Lufthavn lässt uns der Bus fast vor der Türe heraus, und wir leiten alle schnellstmöglich zu Check-In und Gepäckaufgabe. Am SAS-Schalter für Kopenhagen helfe ich durch die Menüs der Automaten, an den anderen sind Monika und Jürgen beschäftigt. Für den Check-In ist der Buchungscode nötig; wer nur die Boarding-Karte griffbereit hat, muss einen Schalterbeamten suchen – zumindest finde ich da im Computer auch nichts passendes. Der eigentliche Check-In ist ja schon erledigt (die meisten haben die Boarding-Karte auf dem Schiff ausgedruckt, meine ist auf dem Handy), aber den Gepäckaufkleber braucht man trotzdem. Dann schnell das Gepäck zum Baggage Drop bringen und aufgeben (ich bin bei 22,7kg – Punktlandung, nachdem ich alle neu gekauften Bücher eingepackt habe), anschließend die Treppe hoch (oder den Aufzug dahinter nehmen) und durch die Security. Hier lassen wir den Reisenden nach Amsterdam den Vorrang: Das Boarding für den Flieger von KLM dauert nicht mehr allzu lange, ist aber noch machbar. Mein Flug über Kopenhagen (und dann weiter nach Stuttgart oder Hamburg) hat mehr Luft; über eine Stunde bleibt mir, um noch eine Kleinigkeit zu essen.

Kaum Zeit bleibt dabei für die Rückerstattung der norwegischen Mehrwertsteuer. Auch wenn die Formulare schon vorher ausgefüllt waren: Der Mitarbeiter vom Narvesen schickt uns zum Service-Point, die aber auch nur einen Stempel auf das Formular setzen, und erst später wird klar, dass die Rückerstattung in der halb-geschlossenen Buchhandlung nach der Sicherheitskontrolle stattfindet.

Vor dem internationalen Bereich gibt es dann auch einen Briefkasten, in den die Formular zur Rückerstattung auf die Kreditkarte eingeworfen werden können. Wer den wohl in der Hektik gefunden hat?

Gratis Wasser.

Gratis Wasser.

Da der Flughafen gerade stark umgebaut und erweitert wird, könnte das bei meinem nächsten Besuch bereits ganz anders aussehen. Meine nächsten Touren – 10. Januar, 6. Februar und 24. Oktober 2016 – gehen nur bis Trondheim, und im Sommer 2017 soll ein neues Terminal fertig sein. Und anders als in Berlin dürfte die Erweiterung hier auch funktionieren…

Eines hat mein Weltbild aber dann doch noch erschüttert: Ein Wasserspender für kostenloses, kaltes Wasser. Von wegen „In Norwegen gibt es nichts geschenkt“. So was vermisse ich in Deutschland. Wenn man schon jede kleine Wasserflasche abgeben muss, ist das eine nette Aufmerksamkeit.

Der Rückflug verläuft reibungslos: Wir landen 20 Minuten früher als geplant in Kopenhagen, und die Anschlussmaschine startet sogar am selben Terminal. Mit anderen Worten: Ich kann in Stuttgart (ebenfalls 20 Minuten früher als geplant) mein Gepäck in Empfang nehmen. Vor dem Flughafen wartet auch schon das Shuttle vom FlyAway Service, sodass ich nicht einmal anrufen muss, und die A8 nach Heilbronn ist an diesem Samstagabend auch schön frei.

Auf dem Rückflug bin ich nur noch mal ins Grübeln gekommen, als ich die hell erleuchteten Städte unter mir sah: Als Astronom und Biologe stört mich das ja; die Lichtverschmutzung nimmt uns nicht nur den Blick auf die Sterne, sondern hat auch auf die Tier- und Pflanzenwelt negative Auswirkungen, inklusive uns. Andererseits: Welch ein Luxus, dass wir unsere Städte hell erleuchten können, ohne Fliegerbomben fürchten zu müssen. Vor 70 Jahren war das anders. Und dann zünden Terroristen in den Städten Bomben, als ob sie damit irgendetwas sinnvolles bewirken könnten – gerade eben wieder in Paris. Es ist eine großartige Welt, und immer wieder versucht irgendjemand, sie zu zerstören oder anderen seine Meinung aufzudrücken. Das ist zwar nicht das Reisefazit, das ich eigentlich ziehen will, aber es bleibt nur: Genießen und erhalten wir diese Welt, solange es geht. Sie ist es wert.

Ach ja, noch etwas für die Teilnehmer der Reise: Meine Bilder und die Filme gibt’s voraussichtlich im Lauf der Woche. Ein Job ist erst erledigt, wenn der Papierkram erledigt ist:-)