Sommerdreieck mit und ohne Weichzeichner

Der Cokin P830 Weichzeichner ist ja seit längerem ein offener Geheimtipp für Sternfeld-Fotografen. Für die kleine LX100 sind die P-Filter natürlich Overkill (auch wenn ich den Filterhalter adaptieren kann), aber da die Kamera ja ganz ordentlich für die Astrofotografie taugt, habe ich mir einen Cokin A830-Filter geholt (scheint der selbe zu sein wie der P830, nur mit anderem Format), ihn kleingesägt (Achtung: Das Plexiglas neigt zum Splittern) und den Rest mit „Hexenbepp“ auf einen 43mm-Adapterring geklebt, sodass ich ihn einfach und ohne viel Bauhöhe auf die LX100 schrauben kann. Heute Abend schwankt es zwar zwischen bedeckt und klar, sodass ich oben links auch einiges an Wolken drauf habe, aber die Kombination funktioniert:

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, ohne Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Sommerdreieck, 60s@800ISO, 24mm, mit Cokin A830 Weichzeichner

Die Bilder sind nicht weiter bearbeitet, nur die Gradationskurve wurde deutlich abgesenkt und die Bildgröße verkleinert. Die automatische Rauschreduzierung war aktiv, und ich habe die JPGs genommen, nicht mal die RAWs.

Sieht doch schon mal ganz gut aus, sogar der Kleiderbügel ist schön zu erkennen, und die Sternbilder sind mit Weichzeichner wie gewünscht auffälliger. Jetzt würde ich das gerne noch in einer richtig klaren Nacht testen. Aber wenn ich die 30-Sekunden-Aufnahme mit meinen Analog-Aufnahmen aus den 90ern vergleiche, bei denen das Fotolabor immer gemeint hatte „Da ist nichts drauf“ – Wahnsinn, was sich in 20 Jahren getan hat. Gefällt mir.

Die Astrobilder vom Wochenende – mit der Kompaktkamera LX100

Die Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100

Die neue Polarlicht-Cam? Panasonic Lumix LX100, hier mit aufgesetztem UHC-S-Filter.

Das letzte Wochenende ging es mal wieder mit der Sternwarte auf die Neue Heilbronne Hütte für ein Astrowochenende. Das Wetter hat mitgespielt, daher konnte ich mein neues Spielzeug testen: Die Panasonic Lumix LX100. Die kleine Kompakte ist eine Spätfolge der Horizonte Zingst, ein paar Tage habe ich sie dann in Stuttgart im örtlichen Handel gekauft – der war nicht nur billigster Anbieter, sondern hatte sie sowohl in schwarz da als auch in einer klassischen Alu-Kunstlederimitat-Kombination. Da konnte ich nicht widerstehen, und der örtliche Handel freut sich auch. Die Steuerung per WiFi und Handy-App hat auch ihren Reiz, damit geht dann auch Digiscoping durch’s Spektiv, ohne dass alles verwackelt:-)

Was die Kamera für mich interessant macht, ist das lichtstarke f/1,7-Objektiv in Verbindung mit einem recht großen Four Thirds Sensor und der Möglichkeit, alles manuell einzustellen: Fokus, Belichtungszeit und Blende haben Stellringe, und die ISO ist schnell erreichbar. Leider lässt sich der Fokus nicht mechanisch fixieren, der Ring hat nur elektronische Kontakte zum Fokussiermotor. Aber dafür ist die Kamera deutlich kleiner als meine Nikon D7100 DSLR mit Batteriepack – für eine Immer-Dabei ist sie zwar auch schon fast zu groß, aber in die große Jackentasche passt sie. Das Ziel, eine lichtstarke Kamera dabei zu haben, um in Norwegen zu sehen, ob der Grauschleier Polarlicht oder Nebel ist, ohne gleich die schwere DSLR zu holen, sollte so erreichbar sein.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Foto.

Die Milchstraße. 10 Sek. mit 1600 ISO und f/1,7, Einzelaufnahme, keine Filter, nachbearbeitet mit Affinity-Photo.

Und wenn ich schon immer allen erzähle: „Lernt eure Kamera kennen!“, dann habe ich das Astro-Wochenende natürlich auch dafür genutzt. Der erste Test galt der ISO. Also 10-Sekunden-Bilder gemacht und die ISO hochgedreht: Bis etwa 800 ISO sieht es ordentlich aus, 1600 ISO rauscht schon ordentlich, und alles drüber ist für Langzeitaufnahmen unbrauchbar. Für Polarlichter sollte das aber locker langen.

Auch der erste Schnappschuss der Milchstraße mit 10 Sekunden und 1600 ISO sieht gar nicht so schlecht aus, nachdem ich ihn durch Affinity Photo gejagt habe. Für eine Kompaktknipse ganz ordentlich – vor allem weil das eine Einzelaufnahme ist, also das Rauschen nur weichgezeichnet wurde und nicht sauber durch Stacken beseitigt wurde:-)

[Affinity Photo ist auch eine Neuanschaffung: Da Adobe zwar immer noch Absturzbereichte von mir sammelt, für die CS4 aber noch nie ein Update herausgebracht hat und mittlerweile keine aktuellen RAW-Formate liest, war es Zeit für was anderes. Affinity lässt mich im Vergleich zu Photoshop nichts vermissen, ist ziemlich intuitiv bedienbar, hat einen RAW-Konverter integriert und eine Lizenz zum Kaufen statt einem Abo-Modell. Sowas noch als InDesign-Alternative mit vernünftigem EBook-Export, das wär was. Klare Kaufempfehlung.]

Bei f/1,7 klappt das manuelle Fokussieren auch noch einigermaßen, aber diese Lichtstärke steht nur bei 24mm zur Verfügung (schade, dass sie kein Ultraweitwinkel hat – 11mm wären für Polarlichter richtig nett). Beim Reinzoomen wird’s schnell dunkler, bei 50mm Brennweite bleiben noch etwa f/2,7 übrig – auch alles andere als schlecht, aber zum Fokussieren an Sternen zu wenig.

Warum zoome ich dann überhaupt rein? Ich habe noch einen 2″ UHC-S Filter und den Filterhalter von Baader habe – mit zwei weiteren Ringen kann ich so den Astro-Filter vor die Kamera setzen, leider im Augenblick mit dem Umweg über M37, sodass er bei kürzeren Brennweiten etwas vignettiert. Aber der Filter will ja eh möglichst gerade einfallendes Licht, da ist eine etwas längere Brennweite gar nicht so schlecht. Die Kombination mit der LX100 überzeugt wesentlich mehr als meine früheren Versuche mit einem großen (und durch den 2″-Filter ordentlich vignettierten) DSLR-Objektiv, nur ist Fokussieren problematisch und eine Minute bei 800ISO und f/2,7 noch zu wenig – die Kamera ist wie eigentlich alle Digitalkameras nicht besonders rotempfindlich, sodass H-Alpha-Nebel nicht hervorstechen. Ich muss das mal aus der Innenstadt probieren, mit einer großen Montierung und langen Belichtungszeiten. Unter Alpenhimmel bringt ein UHC-S-Filter eh nicht so viel.

Viel interessanter ist aber, dass ich über das M43-Gewinde auch den Cokin-P830-Weichzeichner von meiner DSLR anschrauben kann – perfekt für Sternbilder. Mit f/1,7 hat das Fokussieren noch geklappt, und da die Kamera sich auch programmieren lässt, wurde der klare Himmel am zweiten Abend ab Mitternacht auch für ernsthafte Fotos genutzt: Das Sommerdreieck, Cassiopeia bis Andromeda und Großer/Kleiner Wagen waren bei 24mm dankbare Ziele. Die Nachführung hat der Star Adventurer übernommen, bei der Kamera wäre der NanoTracker ebenfalls reizvoll gewesen – dann wären Kamera und Nachführung kompakter als meine DSLR…

Alle Bilder sind 10×60 Sekunden bei f/1,7 und 800 ISO belichtet. Die Bildbearbeitung war wieder mit Affinity Photo, wobei ich noch ein bisschen üben muss – aber das sieht schon sehr vielversprechend aus.

Fairerweise sind nicht nur mir hübsche Fotos gelungen:

Fazit: War ein schönes Wochenende (bei dem wir nicht nur fotografiert haben, sondern auch das 20+40×100-Großfernglas der Sternwarte mal wieder unter gutem Himmel genutzt – sehr chic, auch wenn die Tasche der Leonardo-Montierung meine komplette Rückbank blockiert), sondern die Kamera hat sich auch bewährt. Sehr nettes Spielzeug:-)

Irgendwie deprimierend, wie gut die besseren Kompaktkameras mittlerweile sind…

ISS über Heilbronn

Es ist mal wieder soweit – zurzeit ist die Internationale Raumstation ISS am Himmel zu sehen. Zeit, es mal wieder mit Fotos zu versuchen…

Im Prinzip ist es ganz einfach: Man nehme ein gutes Teleskop mit viel Brennweite – in meinem Fall kann ich ja auf der C14 der Heilbronner Sternwarte zugreifen – , eine gute Kamera (meine Nikon D7100 – wobei Vollformat wegen des größeren Sensors noch besser wäre, das erhöht die Chancen, die flinke Raumstation auf’s Bild zu bekommen) und die passenden Adapter, um die Kamera ans Teleskop anzuschließen. Tja, und dann noch den Sucher justieren, dass er möglichst gut passt (wir haben zum Glück einen Telrad und einen optischen Sucher montiert), dann mal an Jupiter scharfgestellt und den Fernauslöser montiert.

Jupiter war auch eine gute Möglichkeit um die Belichtungszeit grob abzuschätzen. Ich bin dann bei 800 ISO und 1/640 Sekunde Belichtungszeit gelandet – Öffnung (14 Zoll/35cm) und Brennweite (3900mm), also f/11, sind ja durch das Teleskop vorgegeben.

ISS über Heilbronn

ISS über Heilbronn

Die schöne Webseite http://www.heavens-above.com/ gibt für jeden Standort die Sichtbarkeitsdaten aus, und diesen Abend um 22:03 war es soweit: Als heller Stern (bis zu -3,3 mag, sogar noch heller als Jupiter) tauchte die Station am Nordwesthorizont auf, um fast im Zenit über Heilbronn hinwegzuziehen. Also: Alle Achsklemmen der Montierung gelöst, die Kamera auf Dauerfeuer gestellt (ist genau wie Liveview eine tolle Sache für so was), und ab dafür. Dank GPS-Empfänger, der den Fernauslöser durchschleift, habe ich auch bei dem Bild die korrekte Uhrzeit.

Knapp 300 Bilder später konnte ich mich dann an die Auswertung machen: Immerhin auf zehn Bildern war sie drauf, gar nicht so schlecht. Schön war sie aber erst fast im Zenit, als der Abstand am geringsten war – irgendwo um die 400km, vielleicht auch etwas weniger. Damit war sie am hellsten, aber auch am schwersten zu treffen, da dann langsam die Montierung dem Teleskop im Weg war, und es auch direkt nach oben gerichtet war.

Aber die Ergebnisse sind für meinen zweiten Versuch gar nicht so mies. Ich hab auch zum Größenvergleich noch ein Foto von Jupiter eingefügt, aus der Serie zum scharf stellen. Ja, die Bilder könnten etwas schärfer sein (nächstes Mal vielleicht doch etwas kürzer belichten), aber soweit schon mal nicht ganz schlecht. Nachbearbeitet ist noch nichts. Endlich lohnt sich auch mal die Pixeldichte der Nikon D7100: So füllt die Raumstation ein paar Pixel mehr, und man kann etwas mehr erkennen. Das Bild einfach anklicken, um zur vollen Auflösung gelangen.