Hurtigrute Tag 4: Bodø

7:18: Wir überqueren den Polarkreis

Ich war mal wieder wach, bevor mein Wecker klingelte, aber das passte heute ganz gut: Schließlich stand heute irgendwann zwischen sieben und acht die Polarkreisüberquerung an. Mittlerweile ist es um diese Zeit schon ziemlich hell, sodass die Kugel auf der Insel Vikingen gut zu sehen ist – einen Monat vorher ist hier noch alles im Dunkel, aber so sind gute Fotos möglich. Auf Deck tummeln sich auch ziemlich viele Schaulustige, die dem kühlen Wind trotzen. Die Crew bietet Sekt zum Anstoßen an, was aber nur wenige nutzen. Ziemlich genau um 7:18 überqueren wir dann den Polarkreis und erreichen die arktischen Breitengrade.

Warten auf die Nordnorge

Danach bleibt mir knapp eine Stunde, bis wir der Nordnorge begegnen. Die Begegnung wird sogar über die Schiffslautsprecher angekündigt, jedoch nur mit einer Vorwarnzeit von knapp einer Minute – da bleibt nicht viel Zeit für eine ordentliche Vinkekonkuranse. Aber auf der Nordnorge ist auch nicht viel mehr los.

Also ab zum Frühstück, und dann ein bisschen bei der Reiseleitersprechstunde Flagge zeigen, während das Wetter draußen wieder schlechter wird. Ørnes ist ja eigentlich einer der hübscheren Häfen und einige Fotos wert, aber da mir der Schnee auf dem Weg zum Bug waagrecht entgegen weht, wird das nicht viel mit Fotos.

In Ørnes bleiben wir etwas länger als geplant, da es viel Fracht gibt. Währenddessen wird erst Kai zur Rezeption gerufen, was ich mitkriege; kurz darauf auch Hans und ich, was erst einmal keiner von uns mitkriegt. Irgendwann treffe ich auf Kai, und wir disponieren um: Das Schiff braucht den Vortragsraum, und wir weichen mit unserem für den Nachmittag geplanten Vortrag auf 10:30 aus. Der Grund: Wir sind auf einer Fähre, es sind Ferien und Freitag, und rund 150 Gäste haben die Passage von Bodø nach Stamsund gebucht. Da wird der Vortragsraum als Gepäckablage gebraucht, Stauraum ist auf den umgebauten Schiffen knapp.

Der Gewinner

Aber bevor es soweit ist, steht noch die Verkündigung des Gewinners der Polarkreiswettbewerbs an. Einer aus unserer Gruppe hat die Zeit der Polarkreisüberquerung am besten geschätzt und erhält von Johan eine Hurtigrutenflagge – aber nur kurz, dann muss er sie vorerst abgeben, um seinen zweiten Preis in Empfang zu nehmen: Er hat den Vortritt bei der Polarkreistaufe.

Also rufen wir alle nach Njord (früher wurde ja nach Neptun gerufen, obwohl Njord auf den Polarkreiszertifikaten unterschrieben hat), und schon bald taucht er auf dem Oberdeck auf, bläst kräftig in sein Horn und führt die Taufe mit Snice durch – Snow & Ice. Vom anschließenden Fotoshooting und der Taufe der neuen Crewmitglieder bekomme ich nicht viel mit, da ich auch noch versuche, möglichst vielen aus unserer Gruppe noch den neuen Vortragstermin mitzuteilen.

Njord

Diesmal ist Hans dran und gibt einen Überblick über das Sonnensystem, bevor auch schon das Mittagessen drängt. Schließlich erreichen wir Bodø schon um 12:30…

Bodø gehört zu den Städten, an die man sich erst gewöhnen muss. Wie hieß es doch in der Ausflugsvorschau: „Der Bus macht auch eine Tour zu den schönsten Ecken in Bodø. Das dauert zwei Minuten.“ Mittlerweile hat die Stadt für mich an Reiz gewonnen, aber Sehenswürdigkeiten sind trotzdem rar. Dafür sind wir jetzt schneller in der Stadt: Es gibt einen neuen Anleger näher am Zentrum direkt am Kreisverkehr am Bahnhof, und der windige Weg dahin bleibt uns erspart.

Bei schönstem Wetter schlendere ich durch Bodø und fotografiere alte Bekannte; den Blick ins Lachsmuseum und den Gang auf das Scandic-Hotel schenke ich mir diesmal. Dann ziehen dunkle Wolken auf, und nach einer Stunde tobt ein Schneesturm, der einen auf dem Rückweg zum Schiff beinahe sandstrahlt. Ekelhaft.

Da tröstet es kaum, dass in meiner Mailbox jetzt die Geburtstagskarte der Nordstjernen gelandet ist, die heute 61 wird. An Bord ist es mittlerweile auch voll, 150 Tagesgäste sind kaum zu übersehen. Da hilft es auch nicht, dass es im Panoramasalon jetzt ein künstliches Kaminfeuer statt weiterer Sitzplätze gibt. Wir sind halt eine Fähre, das macht ja gerade den Reiz der Hurtigrute aus.

Bye bye, Bodø

Nachdem wir Bodø verlassen, ziehe ich mich auf meine Kabine zurück, um in Ruhe noch ein paar Sachen aufzuarbeiten. Für den Westfjord hatten wir eigentlich gut Wellengang erwartet, aber die See ist trotz des starken Winds ruhiger als erwartet – heute früh während des Vortrags hatte es stärker gewackelt. Der Wind kommt von den Lofoten, sodass sich keine starken Wellen aufbauen können. Auch recht.

Um 17 Uhr gibt Johan noch einen Tagesrückblick und kündigt zugleich an, dass er demnächst auf die Richard With wechseln wird. Und er ist optimistisch, was das Wetter heute Abend für Raftsund und Trollfjord angeht, es könnte klar werden. Wir werden sehen… Aber erst steht das Abendessen auf dem Programm, es gibt Lammkeule. Nur die Teilnehmer des Wikingerfests erhalten nichts, die essen in dem rekonstruierten Langhaus. In Stamsund um 19 Uhr geht der Bus für diesen Ausflug ab, um 22 Uhr sollen sie in Svolvær wieder zusteigen. Irgendwann muss ich den Ausflug auch mal wiederholen…

Schnee in Svolvær

So geht es für mich mit dem Schiff nach Svolvær. Die „Hauptstadt des Lichts“ in den Lofoten versteckt sich im Schnee; da bleibe ich lieber an Bord und nutze die Zeit für Gespräche. Das ist das Schöne an den kleineren Schiffen: Man kommt leichter ins Gespräch.

Der Schnee hält auch unsere Wikinger auf, sodass wir mit einer Viertelstunde Verspätung abfahren. Wirklich toll wird das Wetter aber nicht; Johann macht Lesestunde und liest aus einem Buch über die Schlacht am Trollfjord vor. Hier kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den klassischen, armen Fischern mit Holzbooten und den modernen, reichen Fischern mit Dampfbooten und Schleppnetzen.

Am Trollfjord (mehr oder weniger)

Anschließend gibt es wieder Fiskekake draußen auf Deck 7, und wer will kann den Trolltrunk samt Tasse kaufen – für einen Halt am den Trollfjord ist die Sicht aber zu schlecht. Erst nach Mitternacht gibt es die ersten Wolkenlücken, und in Stokmarknes um ein Uhr sogar Wolkenlücken – aber kein Polarlicht, das mit bloßem Auge zu sehen wäre.

So langsam werde ich ungeduldig, für morgen in Tromsø ist auch bestenfalls eine vage Chance für brauchbaren Himmel vorhergesagt, und für Skjervøy sogar noch weniger. Grmpf.

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Hurtigrute Tag 3: Trondheim

Angeblich begann der Tag mit einem Schneesturm über Trondheim beim Anlegen – das kann ich nicht bestätigen, da ich das Anlegemaneuver regelmäßig verschlafe. Aber um 8 Uhr ist Trondheim weiß gepudert, und wir liegen wieder in Ila. Anscheinend war das Wetter zu schlecht, um am normalen Hurtigrutenkai festzumachen, sodass wir heute doch keine Gelegenheit haben, um die Vesterålen zu besuchen. Schade eigentlich. Aber der Hafen im Ila-Viertel ist eh schöner.

Anders als beim letzten Mal mit der Nordlys bleiben wir diesmal aber nicht in Ila, sondern parken um: Um 10 Uhr fährt die Nordkapp zum normalen Hurtigrutenterminal. Mit einem Stadtrundgang wird es diesmal also nichts, stattdessen geht es für mich einmal quer durch die Stadt. Etwa um 9 Uhr mache ich mich nach dem Frühstück auf, um die üblichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Ohne Rundtour fehlen mir so zwar ein paar Einkaufsmöglichkeiten, aber wir haben ja in Tromsø eine Viertelstunde länger als üblich.

Ila ist zwar wohl ein absoluter Ausnahme-Liegeplatz, aber der Weg in die Stadt ist schöner, da er durch ein Wohngebiet führt. Die klassischen kleinen Holzhäuschen bieten ebenso wie die Kirche und die Eisenbahnbrücke nette Fotomotive, und der Weg bis zur Stadtmitte ist etwa genauso weit. Über die königliche Residenz (Norwegens größtes Holzhaus) gehts über den Marktplatz zum Nidaros-Dom, weiter über die Gamle Bru nach Bakklandet, und über das alte Hafenviertel Nedre Elvehavn mit seinen wunderschön restaurierten Backsteinhäusern weiter zum Schiff – rund zwei Stunden dauert mein Ausflug, inklusive einem Ausflug ins Trondheim Torg. Jetzt habe ich die ins Einkaufszentrum integrierten Häuschen auch einmal bewusst von außen gesehen.

Um zehn Uhr ertönt dann das Horn der Vesterålen, die sich auf den Weg nach Süden macht, und vom anderen Ende der Stadt das der Nordkapp, die umparkt – irgendwo ein seltsames Gefühl…

Unsere Abfahrt in Trondheim verzögert sich etwas, da wir noch Fracht aufnehmen müssen – die Gabelstapler tun zwar ihr Bestes, um die verkürzte Liegezeit am richtigen Kai aufzuholen, aber eine halbe Stunde länger bleiben wir doch in der alten Königsstadt, bevor es weiter nach Rørvik geht, auf unser längstes Stück Seestrecke. Hier im Süden muss die Hurtigrute noch keine kleinen Ortschaften versorgen, hier trauen sich auch andere Schiffe im Winter raus auf See.

Point of Interest: Munkholmen

Munkholmen ist ein Point of Interest – das heißt, Martin vom Expeditionsteam erzählt an Deck etwas über die Mönchsinsel, zuerst auf Englisch, dann auf Deutsch. So haben auch die aus unserer Gruppe etwas davon, die nicht so gut Englisch können. Fein.

Munkholmen war in der Wikingerzeit Hinrichtungs- und Gefängnisinsel, bevor sie zum Kloster wurde. Der Legende nach waren die Mönche auch begeisterte Bierbrauer, deren Gelage noch im einige Kilometer entfernten Stadtzentrum zu hören war. Zumindest sollen sich die Städter darüber beschwert haben. Das muss ein starker Tropfen gewesen sein, der da gebraut wurde…

Durch die verzögerte Abfahrt verschieben sich die Termine an Bord alle etwas nach hinten. Draußen gibt es auch nicht viel zu sehen: Das schöne Wetter in Trondheim wird durch Schneetreiben ersetzt, mal gibt es null Sicht, mal ist es ganz nett, und dazu kommt noch etwas Seegang. Der Stokksund fällt somit aus. Um 14:45 gibt es eine Smacksprobe mit Miesmuscheln, dann passieren wir den berühmten roten Leuchtturm. Kjeungskjærfyr könnte Leuchtfeuer (fyr) auf der Schäre (skjær) des Zickleins (Kjeung) bedeuten… wo da eine Ziege gelebt haben soll (oder wovon), bleibt mir aber ein Rätsel.

Kjeungskjærfyr

Wie dem auch sei, nachdem wir den Leuchtturm passiert haben, bin ich mit meinem Vortrag über den Sternenhimmel dran. Parallel dazu gibt es vom Expeditionsteam auf Englisch einen Vortrag über die Wikinger. Anschließend heißt es wieder, ein paar Kameras einstellen – so langsam dürften die meisten gut vorbereitet sein, nur das Wetter ist unvorhersagbar. Die nächsten ein, zwei Tage gibt es eine Mischung aus Sonne, Wolken und Schnee – wobei sich Yr und Storm mit ihrer værvarsel, der Wettervorhersage, nicht ganz einig sind. Alles ist möglich.

Ruckzuck ist es 17 Uhr, und Johan gibt für das Expeditionsteam den Tagesrückblick auf Englisch, und um 17:30 das Ganze nochmal auf Deutsch. Und um 18 Uhr, pünktlich zur nächsten offenen Seestrecke, gibt es schon wieder Abendessen.

Auf der Folda schaukelt es wenig, einige sind froh, als wir mit etwas Verspätung um 21 Uhr Rørvik erreichen. Bis 21:25 liegen wir dort, damit bleiben knapp 15 Minuten, um die Richard With zu besuchen. Die Richard With wurde ja noch nicht umgebaut, da sie von Hurtigruten nur (zurück)geleast wird. Bei meinem ersten Besuch fand ich sie noch dunkel und düster, als ich von der Nordkapp rüber kam; heute kommt fast Heimweh auf. Irgendwo zwischen interessant und beruhigend finde ich, dass sie auch einigen unserer Gäste sehr gut gefällt. Wenn wir in Kirkenes sind, muss ich mal Bilder vom Innenleben der Nordkapp machen. Ich fühle mich hier immer noch wohl, aber ein paar Dinge hätte ich doch lieber so gelassen. Aber dazu mehr an einem anderen Tag.

Nach Rørvik gibt’s immer wieder mal Schnee – da morgen früh schon die Polarkreisüberquerung ansteht, ist das vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn wir heute ins Bett kommen.

Storytime mit Johan

Vorher sorgt Johan aber noch für das Abendprogramm: Nach Rørvik erzählt er (auf Englisch) ein Märchen, anschließend greift er zur Gitarre und singt einige Lieder aus den 60ern und 70ern, als die Musik noch gut war. Ein schöner Tagesausklang, und wenn es heute keine großen Wolkenlücken mit Grün dahinter mehr gibt, war es das für heute. Morgen geht’s dann schon über den Polarkreis.

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Hurtigrute Tag 2: Ålesund

Leaving Måløy

Wenn die das Wetter in Norwegen nicht passt, warte einfach eine halbe Stunde. Wohl wahr, gerade heute… Der erste Hafen des Tages war Måløy, wo meine Reise letzten November erst einmal unterbrochen wurde. Diesmal hat aber alles geklappt, und ich konnte mir den Ort nur noch beim Blick zurück anschauen. 7:30 ist nicht meine Zeit…

Nachdem gestern etwas Bewegung für die Stad und das Westkap angesagt war, war beim Frühstück wieder das fiese Unterhaltungsprogramm zu erwarten – wer torkelt am stärksten um das Buffett? Aber die Stad war gnädig, das Schwanken des Schiffs war war zwar spürbar, aber nach oben war noch Luft. Da habe ich schon mehr erlebt – wobei ich mit dieser Enttäuschung zugegeben sehr gut leben kann.

Faszinierende Lichtstimmung am Westkap

Nachdem wir wieder ruhigere Gewässer erreichten, gab es dann volles Programm: Ein bisschen Ausflugsberatung für die Gäste, ein kurzer Blick auf das eindrucksvolle Wetter, um 10:30 die Ausflugspräsentation durch das Schiff (die ich schwänzte, da wir gerade in Torik anlegten), dann um 11 Uhr ein kurzer Welcome-Drink, bei dem wir uns allen vorstellten, und anschließend Mittagessen, weil ab 12 Uhr Ålesund auf dem Programm steht.

Während Måløy noch mit Mistwetter und das Westkap mit Wind & Wellen glänzten, lächelte in Torvik die Sonne vom Himmel. In Ålesund war es wieder bedeckt, aber schön und mit +5° auch nicht besonders kalt. Also einmal hoch auf den Aksla mit seinen über 400 Stufen, anschließend durch den Wald runter in die Stadt und das Wunderhaus anschauen: Ein Häuschen, dessen Bewohner sich geweigert hatte, es beim großen Stadtbrand zu verlassen, und das vom Feuer auch wirklich verschont geblieben war.

Das Museum im Wunderhaus war geschlossen, daher blieb genug Zeit für einen Besuch im Jugendstil-Stadtzentrum, den üblichen Statuen und dem alten Hurtigrutenanleger. Die Bankskøyta – der Nachbau eines alten Fischerbootes – ist wohl vollendet, nur noch ein Plakat zeugt davon, dass hier ein Schiff gebaut wurde.

Also ab zurück zur Nordkapp, wo wir für 15:15 unseren ersten Vortrag über das Nordlicht angesetzt haben. Hier gebe ich immer die Warnung, dass wir nur noch zwei Fotogeschäfte auf der Strecke haben, morgen früh in Trondheim und dann in Bodø. Mit Fototipps und Kameras erklären ist der Tag dann auch gelaufen – um 17:30 bringe ich den Laptop in die Kabine, das Treffen mit dem Expeditionsteam habe ich so komplett verpasst.

Molde

Es langt gerade noch für einen Blick auf Molde (Sauwetter), dann steht auch schon das Abendessen an. Wo es gestern am Buffett noch norwegische Spezialitäten wie geschmorten Lammkopf oder so was gab (und natürlich auch Speisen für weniger experimentell orientierte Gäste), stand heute Lammkeule auf dem Speiseplan.

Danach ging es raus auf die Hustadvika mit etwas Seegang, kurzzeitig klarem Himmel und wenig später Schnee. Bis Kristiansund, das wir mit leichter Verspätung erreichten, hatte es sich dann eingeschneit – kein gutes Wetter für einen Landspaziergang im letzten Hafen des Tages.

Kristiansund

Ich beschränkte mich daher auf einen kurzen Abstecher auf Deck 5 und ansonsten den Panoramasalon. Der hat jetzt eine Bar, dafür aber weniger Sitzplätze und Musik plus zwei Fernseher, die laufen. Die neue Bestuhlung ist zwar bequem, aber auch gewöhnungsbedürftig, da sehr niedrig. Die Kombination aus niedrigen Sesseln und hohen Tischen lässt einen sich wieder jung fühlen, wenn man kaum auf den Tisch gucken kann… aber dafür erkennen mich einige Crew wieder. Schön, wieder hier zu sein, in der Tat.

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Hurtigrute Tag 1: Endlich wieder Bergen und Nordkapp

Es ist wieder soweit: Ab in den Norden, ab auf die Hurtigrute. Aber bevor es soweit ist: Ab auf die A81, Weinsberger Kreuz und Stuttgarter Kreuz warten. Obwohl mein Flieger zur sehr humanen Zeit von 12:05 starten soll, darf ich daher schon um 7:30 aufbrechen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h lege ich die knapp 90 km in rund zwei Stunden zurück. Eigentlich heißt es doch, dass die Leute von der Straße runter sind, wenn sie einen Job haben. Aber mit dem Berufsverkehr funktioniert das trotzdem nicht…

Ich stelle mein Auto wieder beim Flyaway-Service unter und bin sogar noch vor den empfohlenen zwei Stunden am KLM-Schalter. Bleibt genug Zeit für ein dekadentes Frühstück mit zwei Schokocroissants, bevor es zum Security-Check geht. Pro-Tipp: Wenn da eine Schlange ist und die Hinweisschilder schon anzeigen, dass am Nachbareingang nichts los ist, kann man ruhig die paar Meter gehen. Noch ein Pro-Tipp: Erst die Fototasche auf’s Band, und die Elektronik in die zweite Wanne für den Scanner. Dann kommt sie normalerweise zuerst raus, und man kann sie gleich befüllen – so geht es schneller.

Bestes Wetter in Amsterdam – eindeutig dem Stützpunkt von KLM

Über den Flug (oder den Duty-Free-Bereich vom Stuttgarter Flughafen) gibt es nicht viel zu erzählen – angenehm ruhig, und mit einem kleinen Snack, der bei KLM im Flugpreis inbegriffen ist. Dann eineinhalb Stunden Umsteigezeit in Amsterdam, wo ich Hans treffe, und ab in die Maschine nach Bergen. Diesmal haben die Gäste, die uns auf dem Flug identifizieren wollen, schlechte Karten: Im Begleitheft zur Reise sind nur die Reiseleiter abgebildet, aber nicht wir Lektoren. Anreise incognito – und da ich auf dem Flug meinen Schottland-Reiseführer für den Sommer lese, bin ich bestens getarnt.

Erster Blick auf Bryggen

Während in Amsterdam noch bestes Wetter war, erwartet uns in Bergen grauer Himmel. Hier fliegt meine Tarnung dann auch endgültig auf, in der Wartehalle erwarten uns Kai und Margit, die die Tour als Reiseleiter begleiten. Fein:-) Über 70 Gäste sind es diesmal, die in zwei Busse verteilt und zum Schiff gebracht werden wollen. Da es noch hell ist, fällt die kleine Orientierungsfahrt etwas größer aus, nur aus dem Bus heraus zu fotografieren ist wie immer knifflig. Aber immerhin ist deutlich zu sehen, dass die Stadtbahn sich dem Flughafen immer weiter nähert – so viele Bybanen hatte ich noch nie gesehen. Dazu ist die Stadt noch gut beflaggt, da der König gerade Geburtstag hat.

Der Hurtigrutenterminalen wird saniert

Pünktlich um 18:00 fängt dann auch der ortsübliche Regen an, und wir entern über den Hurtigrutenterminal (wird gerade saniert) die Nordkapp. Ein bisschen habe ich ja ein mulmiges Gefühl – sie wurde im arktischen Design neu gestaltet. Aber gegenüber der Polarlys, auf der ich dem Umbau das erste Mal begegnet bin, hat die Nordkapp es besser verkraftet. Dazu mag natürlich auch die tolle Crew beitragen – so manch bekanntes Gesicht ist noch da, und Johan ist Reiseleiter (bzw. im Expeditionsteam – die ganzen Schiffe der neuen Generation wurden bzw. werden zu Expeditionsschiffen). Ein bisschen ist doch noch was vom Heimkommen da, trotz aller Neuerungen.

Meet the Crew

Für den Rest des Tages stehen noch das Bergenbuffett an, die Vorstellung der Crew und die Organisation der Vortragstermine – klappt soweit reibungslos; mal sehen, ob es noch irgendwelche Terminkollisionen gibt.

Die Ausfahrt aus Bergen ist weniger beeindruckend, mittlerweile schüttet es in Strömen. Dazu kommt noch eine aufbauende Durchsage: Morgen früh wird es zwischen 8 und 10 Uhr auf der Stad etwas Bewegung geben, Frühstück gibt es daher schon ab 7 Uhr. Na dann gute Nacht – aber nicht, ohne den Abend im umgestalteten Panoramasalon ausklingen zu lassen.

Bilder vom umgebauten Schiff gibt’s im Lauf der Reise, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

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Endlich wieder Norwegen

Irgendwie ist dieses Jahr stressig – ich sollte nicht an vier Büchern parallel zum normalen Tagesgeschäft arbeiten. Aber was soll’s – morgen geht’s erstmal wieder nach Norwegen, und im März werden hoffentlich zwei Projekte abgeschlossen.

Die Unterlagen für die GRP102

Die Unterlagen habe ich schon mal. Morgen um 12 startet der Flieger, und wenn nicht Stuttgart und die A81 im Weg wären, wäre das sogar eine richtig entspannte Anreise. Aber ich bin gespannt: Es geht mal wieder auf die Nordkapp, die sich seit meiner ersten Reise auf ihr stark verändert hat. Sie wurde ist jetzt Expeditionsschiff (was mehr Veranstaltungen durch die Crew bedeutet) und wurde im neuen Arktischen Design umgebaut. Mal sehen, was von der Kunst an Bord übrig geblieben ist… man hängt ja doch an den Erinnerungen an die ersten Fahrten.

Die Nordkapp von oben, anno 2014

Soviel erstmal nur in Kürze, bis heute Abend sollten noch ein paar andere Projekte abgeschlossen werden, damit ich die Reise genießen kann. Die Polarlichtvorhersage von http://spaceweather.com ist ja ganz optimistisch, und dem Wetterbericht glaube ich eh keine drei Tage im voraus.

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Island im Dezember: Reykjanes und schon wieder nach Hause…

Wie heißt es in Blade Runner doch so treffend:

All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, wie Tränen im Regen.

Der letzte Tag in Island beginnt, und es regnet. Gut, dass wir den Stadtrundgang schon gestern Abend erledigt haben. Daher steht jetzt nur noch ein Besuch in der Bäckerei ums Eck an, zum Frühstücken. Rund 20 Euro für zwei belegte Brote und eine heiße Schokolade. Aber was soll ich sagen: Es hat geschmeckt. (Und auf dem Weihnachtsmarkt in Deutschland ist es auch nicht billiger, nur wird da keine Kreditkarte akzeptiert.)

Perlan

Und dann: Hotel räumen und Abfahrt. Das erste Ziel ist Perlan, der Wasserbehälter über der Stadt. Kurz vor zehn Uhr ist er noch hübsch beleuchtet, und von der Aussichtsplattform auf dem Dach könnte man den Ausblick auf die Stadt genießen, wenn es weniger stark regnen würde. So bleibt es bei einer kurzen Runde um das Dach und der letzten Chance, nach Souvenirs zu schauen. Der Shop ist auch gut auf Weihnachten ausgerichtet.

Im Augenblick wird im Perlan umgebaut, einer der Tanks soll zu einem Museum werden. Vielleicht ergibt sich mal eine Gelegenheit, eines Tages da einen Blick reinzuwerfen. Aber wir können nicht warten, bis die Umbauarbeiten fertig sind: Der Südwesten will noch abgeklappert werden, einmal rund um die Halbinsel Reykjanes.

Der erste größere Halt ist Seltún, ein Gebiet mit heißen Schlammquellen, die munter vor sich hin blubbern. Ein Fest für die Sinne, schließlich wurde hier einst Schwefel gewonnen… Ein Steg führt durch das Gebiet, sodass man den Quellen (wohl) gefahrlos nahe kommen kann. Mittlerweile hat auch der Regen aufgehört, und Sonnenstrahlen brechen zwischen den Wolken hervor.

Das untere Gebiet kennen wir ja schon vom letzten Mal, aber ein Stück den Berg hinauf gibt es noch weitere heiße Quellen. Der Weg sieht erst einmal nach Schlammschlacht aus, aber vielleicht geht’s doch?

Ja, die ersten paar Meter sind ganz gut gangbar, also machen wir uns an den Aufstieg. Die Erkenntnis: Man kommt wirklich hoch – dafür könnte der Rückweg durchaus spannend werden, es ist doch recht steil… Aber es lohnt sich, nach einigen Höhenmetern bietet sich ein toller Ausblick auf Seltún und die übrige Umgebung:

Aber noch haben wir das Ziel nicht erreicht, der Dampf steigt einige Meter über uns aus dem Boden. Da wollen wir hin, der letzte Rest ist auch noch zu schaffen.

Wenn der Boden zu Knete wird

Bis man merkt, dass die Schuhe immer dicker und schwerer werden – wo wir weiter unten noch durch normalen Matsch gewandert waren, machen sich hier die heißen Quellen bemerkbar. Der Boden ist seltsam und bleibt an den Schuhen kleben, ohne wirklich viel Halt zu geben.

Die Hoffnung, auf nacktes Gestein ausweichen zu können, zerschlägt sich auch: Was wie Fels aussieht, hat die Konsistenz von Knete. Warm ist der Boden allerdings nicht – es ist ein seltsames Zeug, das mittlerweile sämtliches Profil an den Schuhen aufgefüllt hat. Da will man nicht zu lange an der selben Stelle stehen…

Die oberen Wärmequellen

Besonders vertrauenserweckend wirkt die Gegend nicht, und langsam kommen Bedenken auf, ob wir noch Schuhe haben, wenn wir wieder an den Autos sind. Bevor es an den Abstieg geht, muss einiges von dem Zeug aber wieder ab, sonst wird der Hang zur Rutschpartie. Es ist wiederspenstig, aber es geht irgendwie. Die Reste lassen sich dann ziemlich gut im Bach abspülen; und die Schuhe scheinen auch nicht allzusehr angegriffen worden zu sein – die Sohle ist noch dran.

Das war vielleicht das eindrucksvollste Stück Island bislang. Keine Absperrung, nur der gesunde Menschenverstand, der einen von der Natur fern hält, und ein Boden, wie man ihn definitiv nicht von zuhause kennt..

Anschließend geht es schnurstracks auf der Straße weiter zur Küste. Hier erwarten uns mal wieder schwarzer Strand und moosüberwucherte Lavafelder. Am Ufer gibt es irre Wolkenformationen, wilde Wellen und jede Menge Müll, bis hin zur Laptoptasche und großen Schrottteilen, die vielleicht mal zur Küchenzeile eines Boots oder Flugzeugs gehörten.

Und ein Stück weiter dann Ruinen: Massive Bauten aus groben Lavasteinen mit winzigen Fenstern und Türen. Wer hat hier freiwillig gelebt? Bei der Brandung dürfte man kaum mit Booten anlanden können, und Ackerbau ist völlig unmöglich. Ob die Bewohner eine Wette verloren hatten, dass sie hier siedelten?

Weit gefehlt – noch bis 1884 war Selatangar ein großer Stützpunkt für die Fischerei; in offenen Booten ging es im Winter auf Fischfang. Wahnsinn.

Angeblich geht in Selatangar auch der Geist von Tanga-Tómas um, der einst die Bewohner terrorisierte, aber von ihm ist nichts zu sehen – die Gegend ist wohl selbst für Gespenster zu unwirtlich. Beeindruckend, aber auch unglaublich karg.

Gunnuhver

Unsere Zeit in Island neigt sich wie der kurze Tag unerbittlich dem Ende zu, weiter geht es nach Gunnuhver. Vor rund hundert Jahren wurde die Gegend noch für die Blumenzucht genutzt, bis der Boden dafür zu heiß wurde – ein paar Fundamentreste des ehemaligen Hauses sind noch zu erkennen. Vor zwei Jahren war die Gegend gesperrt, da die Schlammquelle zum Schlammgeysir geworden war – hier gibt’s einen Film davon. Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden, und man kann die verbliebenen Stege wieder begehen. Imposant ist es trotzdem, was immer noch an Wassermassen aus der Erde schießt und den eingestürzten Steg umspült.

Die Klippen bei Valahnúkur

Von Gunnuhver sind es nur ein paar Minuten mit dem Auto zur Küste. Hoch ragt der Berg Valahnúkur über das Meer. Einst stand auf ihm Islands erster Leuchtturm, bis ihn 1887 ein Erdbeben schwer beschädigte. 1905 war der Leuchtturm endgültig einsturzgefährdet, er stand nur zehn Meter vom Abgrund entfernt, und selbst der Leuchtturmwärter traute sich nicht mehr, dort Wache zu halten. Die Reste des 1908 abgebrochenen Leuchtturms sind noch heute am Fuß des Berges zu sehen, neben der Ruine eines Lagerhauses, das den Turm einst versorgte.

Offen gesagt kann ich seine Bedenken nachvollziehen; einige Spalten oben am Berg scheinen neu zu sein…

Vom Valahnúkur hat man trotzdem immer noch einen tollen Ausblick, linkerhand unter anderem auf einen Strand mit riesigen, rundgeschliffenen Felsen. Sie wirken fast wie Kiesel, bis man einen Größenvergleich hat. Ideal für eine Fotosession zwischen den „Kieseln“. In die andere Richtung sind Gunnuhver und der neue Leuchtturm von Reykjanesviti schön zu sehen.

Jetzt bleibt nur noch ein natürliches Ziel: Die Brücke zwischen den Kontinenten. Ein netter Gag, und nur wenige Minuten entfernt. Hier driften die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte auseinander, und irgendjemand hat eine Brücke über eine Spalte gebaut, die dadurch entstanden ist. Sie führt über jede Menge kleine Lavasteine, die wie eine schwarze Schutthalde in dem kleinen Graben unter der Brücke liegen.

Das klassische Touri-Bild (und dafür ist die Brücke ja da; noch kann man auch ohne Brücke durch die Schlucht wandern): Jemand hält die Arme hoch und scheint so die Brücke zu stützen. Und das ganze möglichst, bevor der nächste Bus mit Touris kommt… aber wir haben Glück: Es kommt zwar ein Bus, aber nur mit vier Insassen. Es ist wirklich Nebensaison. Dafür ist das Wetter auch nicht so angenehm, dass man jetzt den ganzen Tag hier verbringen wollte.

Damit endet unser diesjähriges Sightseeing. Der nächste Halt ist das Hotel in Keflavik, danach um 17 Uhr die Blaue Lagune. Im Mai war ich zu dem Schluss „überteuertes Freibad“ gekommen; im Winter und bei Dunkelheit macht sie schon mehr Spaß. Über der Lagune steht der Vollmond, es ist klar und keine Spur von Grün am Himmel; irgendwann ziehen dann dunkle Wolken auf, und wir beenden den Badeausflug.

Das Wetter ist wechselhaft: Mal klar, mal wieder bedeckt – wir können guten Gewissens Essen gehen, stilgerecht im KFC (der für Vegetarier nichts im Angebot hat und daher durch ein Dunkin Donuts abgerundet wurde). Anschließend noch ein letztes Mal raus ins Dunkle fahren und warten: Teilweise sternklarer Himmel, aber keine Spur von Polarlicht. Schließlich wird der Mond von dichten Wolken bedeckt, wir kapitulieren endgültig und fahren in dichtem Regen die paar Kilometer zurück nach Keflavik, die Autos volltanken. Bis dahin hat sich der Regen in Schnee verwandelt – es war kein Fehler, die Nordlichtjagd abzubrechen.

Außerdem ist morgen früh schon um halb sechs Abfahrt vom Hotel: Die Mitreisenden am Flughafen absetzen, angemotzt werden, warum man hier mit dem Auto steht, die Autos bei Sixt abgeben, Gepäck einchecken und ab in den Flieger – das war es mit Island (und Skandinavien) für dieses Jahr.

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Island im Dezember: Die Snæfellsnes-Halbinsel

Island hat im Dezember echte Vorteile: Man kriegt zwar vielleicht kein Abendessen, aber dafür kann man am nächsten Morgen ausschlafen – früh aufbrechen bringt eh nichts, wenn es frühestens gegen halb zehn zu Dämmern anfängt. Und da es an diesem Morgen weniger Regen gibt als vielmehr „Wasser mit Schlitzen drin“, wirkt das Hotel sogar beinahe reizvoll…

Die Kirche in Stykkishólmur

Trotzdem heißt es irgendwann Aufbruch, und bis wir kurz vor zehn Stykkishólmur erreichen, hat es sogar aufgehört zu schütten. Island hat ja einige kreative Kirchen, und die dieses 1000-Einwohner-Ortes gehört auch dazu: Ein moderner Bau, der trotzdem nicht schlecht aussieht. Für 11 Uhr ist eine Messe oder ein Konzert geplant; wir nutzen die Gelegenheit, um einen Blick ins Innere zu werfen. Der Pfarrer scheint auch der einzige zu sein, der an diesem Sonntagmorgen außer uns in dem Ort unterwegs ist.

Der nächste Halt ist die steile Insel Súgandisey mit dem kleinen Leuchtfeuer über dem Ort, die über einen Damm mit Stykkishólmur verbunden ist, gefolgt vom Hafen, an dem es viele hübsche, alte Häuser gibt, sowie die Skulptur eines Segelboots. Nettes Örtchen.

Unter den Wolken ist am Horizont sogar ein helles Schimmern zu erkennen. So richtig klar wird es heute zwar nicht, aber immerhin hält sich der Regen für den Rest des Tages zurück. Die Rundfahrt über die Halbinsel Snæfellsnes beschränkt sich daher nicht auf ein paar Fotos aus dem Auto heraus, sondern lohnt sich.

Der Saxholl, Mittags um 12

Die Route führt erst einmal weit nach Westen, zum Saxholl. 390 Stahlstufen führen zum Rand dieses Kraters hinauf; und oben ist das Wetter bald angenehmer als an seinem Fuß. Ich wüsste ja schon gerne, wer die Idee hatte, eine Treppe auf einen Vulkan zu bauen – aber sie läuft sich ganz gut, und oben ist es zwar windig, aber man kann es durchaus einige Zeit aushalten. Und trotz der tief hängenden Wolken lohnt sich der Ausblick auf die wilde Landschaft. Vom Snæfellsjökull ist aber nichts zu sehen, auch wenn man ihn über den Kraterrand anpeilen kann.

Der Weg zur Bucht von Djúpalónssandur

Und weiter gehts zum nächsten Halt: Der Bucht von Djúpalónssandur. Hier liegen in einer unwirtlichen Lavalandschaft die Reste eines Fischerboots, das 1948 verunglückte, ebenso wie einige große Steine, an denen die Fischer früher ihre Stärke beweisen konnten.

Etwas im Inland liegt ein kleiner See versteckt, und das Meer, das gegen die Felsen brandet, gibt einen Eindruck davon, wie gefährlich die Seefahrt sein kann. Mit einem Wikinger-Langboot wollte ich hier wirklich nicht unterwegs sein…

Auch diese Küste ist wieder ein schwarzer Lavastrand, die einzigen Farbtupfer sind die rostigen Überreste des Fischkutters Epine, die mittlerweile unter Denkmalschutz stehen. Es ist beeindruckend, wie weit die Stahlteile im Landesinneren liegen. Was für Kräfte waren hier am Wirken!

Noch beeindruckender und unwirklicher finde ich aber immer wieder die moosbewachsenen Lavafelder, die die Landschaft prägen.

Lóndrangar

Entlang der Küste geht die Fahrt weiter. Die Höhle von Vatnshellir ist geschlossen (im Mai waren wir kurz nach Einlass vorbeigekommen und hatten sie daher ebenfalls nicht besucht), erst bei den Felsnadeln von Lóndrangar steht wieder ein Halt an. Die Beobachtungsplattformen haben wir für uns alleine; es sind zwar noch ein paar wenige Touristenbusse unterwegs, aber im großen Ganzen haben wir unsere Ruhe – auch, weil die Busse die Fahrt in der umgekehrten Richtung machen.

In Arnarstapi wird getankt, bevor es an der imposanten Statue von Bárður Snæfellsás vorbei zur Küste geht. Bárður soll einer der ersten Siedler in der Gegend gewesen sein, bärenstark, zauberkundig und unbeherrscht. So tötete er seine beiden Neffen, da diese nicht auf seine Tochter aufgepasst hatten – einen der beiden stieß er in die Schlucht Rauðfeldar. Nach dieser verschwand er im Snæfellsjökull.

Unser Weg führte nicht zum Berg, sondern an die Steilküste. Der Wind war schwach genug, um einen Drohnenflug zu wagen, aber den Akkus war es zu kalt – hier und heute also kein Start, sondern nur landgestützte Fotos. Auf dem Rückweg kam dann sogar die Sonne hervor: ein ungewohnter Anblick!

In der Rauðsgíl-Schlucht

Ein kleines Stück nach Anarstapi erwartete uns das nächste Ziel, das wir letztes Mal übersehen hatten: Die Schlucht Rauðfeldar. Hier tötete Bárður einst seinen Neffen Rauðfeldur, seitdem heißt die Schlucht nach ihm.

Der Weg hinauf ist etwas versteckt, aber es lohnt sich: Die schmale, tiefe Schlucht oben am Berghang betritt man durch einen kleinen Bach, der irgendwo aus dem Bergesinneren kommt. Ein schönes kleines Versteck, in dem schon so mancher Vogel gestorben ist, wie die Gerippe am Boden der Schlucht zeigen.

Allzu tief kommt man nicht in den Berg – aber weiß, welche Geheimnisse in seinem Inneren schlummern? Jedenfalls bietet sich von Rauðfeldar auch ein großartiger Ausblick auf das Land.

Während die Sonne langsam hinter den Wolken untergeht, haben wir nur noch ein Ziel: Die schwarze Kirche von Búðir. Wo heute nur die Kirche, ein Friedhof, ein Hotel und besagte Kirche stehen, war wohl noch bis etwa 1930 ein wichtiger Handelsplatz. Heute steht die Kirche recht einsam da (wenn nicht gerade ein Bus Touristen vorbeibringt). Auch hier sollte man es nicht vergessen, einen Blick auf die Landschaft zu werfen.

Die Kirche selbst wurde 1848 gegen den Willen der Geistlichkeit errichtet, aber mit königlichem Segen. Heute ist sie eine der ältesten Holzkirchen Islands. Sie war bei unserem Besuch abgeschlossen, aber ein Blick durch’s Fenster war möglich. Auf dem Friedhofen leuchteten wieder beleuchtete Kreuze vor den eigentlichen Grabkreuzen.

Anschließend ging es praktisch Non-Stop nach Reykjavik, zu unserem nächsten Hotel und – für manche ganz wichtig – einer reichhaltigen Auswahl an Restaurants. Nach der samstagabends ausgestorbenen Snæfellsnes-Halbinsel ist die Hauptstadt ein echter Kulturschock: Sogar am Sonntag haben die Läden offen! Da es gerade nicht regnet, nutzen wir die Chance für einen Stadtbummel, gehen Essen (Rentierburger) und anschließend noch auf Fototour Richtung Harpa, dem Konzerthaus.

Die Hallgrímskirkja

Reykjavik hat ein beeindruckendes Nachtleben, gerade für Sonntagabend, und ist mehr als nur einen Besuch wert. In den Souvenirläden werde ich trotzdem nicht fündig, genauso wenig wie in den Buchhandlungen. Isländisch will ich nicht auch noch lernen, und fremdsprachige Bücher sind etwa dreimal teurer als bei uns. Nichts dagegen, die skandinavische Wirtschaft zu fördern, aber irgendwo ist dann doch Schluss.

Also bleibt es bei Fotos. Die Harpa wirkt bei Nacht imposanter als bei Tag: Die Beleuchtung wechselt ständig; eigentlich sollte man hier filmen statt zu fotografieren. Ich bleibe trotzdem bei ein paar Langzeitaufnahmen, bevor es weiter zum Sólfar geht, dem „Sonnenfahrer“ – der berühmten Skulptur eines Schiffs. Anschließend geht es über die Hallgrímskirkja zurück zum Hotel – Akkus aufladen und den Tag ausklingen lassen. Mit einer vollen Kreditkarte müsste man sich die Stadt mal ein paar Tage lang anschauen, aber so hat alles seine Grenzen…

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Island im Dezember: Vom Golden Circle bis Kirkjufell

Time to move on: Heute (10. Dezember 2016) heißt es, Selfoss adieu zu sagen. Der Golden Circle ist das Zwischenziel (quasi Island in a Nutshell mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, obwohl die Insel noch viel mehr zu bieten hat), und danach Grundarfjörður auf der Halbinsel Snæfellsness. Vorher steht natürlich noch ein Besuch in der Bäckerei neben dem Hotel auf dem Plan, Proviant bunkern.

Kerið

Der erste Halt ist der gut 200 Meter große und 7-14 Meter tiefe Kratersee Kerið. Wir erreichen ihn um halb zehn; Sonnenaufgang ist in rund einer Stunde – alles andere als ideale Fotobedingungen. Das Bild rechts wurde 10 Sekunden bei Blende 3,2 und 200 ISO (wegen wenig Rauschen und Stativ) belichtet, den Rest hat Lightroom gemacht. Im Mai war er leichter zu knipsen… und auch zu einer Wanderung hinab zum Kratersee reizen die Lichtverhältnisse eher wenig. Dafür ist das Kassenhäuschen noch unbesetzt.

Eine halbe Stunde steht der nächste Halt auf dem Plan: Gewächshäuser. In Heilbronn würde ich wohl nie auf die Idee kommen, beim Pflanzen-Kölle einen Foto-Stopp zu machen, aber das ist Island.

Gewächshäuser in Reykholt

Also nichts wie raus aus dem Auto und in Reykholt den Gurken beim Wachsen zuschauen. Kurz vor zehn ist von der Sonne auch noch nichts zu sehen, aber Strom scheint wie in Norwegen billig zu sein: Die Gewächshäuser sind taghell beleuchtet.

Nach Reykholt treffen wir dann auch die ersten Kleinbusse, die unseren Mini-Konvoi aus zwei SUVs splitten. Es ist nicht ganz einfach, den Bus zu überholen, der sich am Kreisverkehr in Reykholt zwischen uns gesetzt hat. Auch wenn in Island wenig Verkehr ist, gibt es sportlichere Fahrzeuge als ein vollbeladenes SsangYong-SUV. Irgendwann klappt es, und wir sind vor der Bus-Tour am Faxafoss Wasserfall.

Faxafoss

Der Faxafoss oder Faxi wird wird gelegentlich schon dem Gullni hringurinn oder Golden Circle zugeschlagen, einen Besuch wert ist er allemal. Kurz nach uns kommen auch der überholte Sprinter an, dann ein paar Landrover und ein zum Bus aufgemotzter, hochgelegter Pickup.

Es ist also Zeit, weiterzuziehen, auch wenn sich kurz nach zehn Uhr die Dämmerung schon bemerkbar macht. Mit dem nächsten Halt sind wir definitiv auf dem Golden Circle: Die Geysire rund um den Namensgeber Geysir erwarten uns.

Der eigentliche Geysir ist ja schon lange eher zurückhaltend und bricht nur sporadisch aus, aber auch der wesentlich aktivere Strokkur enttäuscht diesmal: Nur sehr selten spuckt er eine beeindruckende Wasserfontaine aus, die meisten sind nur wenige Meter hoch. Da ging schon mehr…

Meine kleine Panasonic LX-100 beherrscht zum Glück auch im RAW-Modus die Dauerfeuer-Funktion, aber der Strokkur macht es uns nicht leicht. Erst, als wir bei den blauen, mineralienreichen Blesi-Tümpeln sind, gibt er sich wieder etwas Mühe und mach seinem Ruf als aktiver Geysir wieder Ehre. Endlich eine schön hohe Wasserfontaine. Sowas fehlt in Heilbronn noch (wobei, so wenig Schnee wie hier als liegt, müsste es unter Heilbronn eigentlich warm genug sein…)

Die Hänge oberhalb des Haukadalur-Gebiets sind gesperrt, auch wenn man noch keine Spikes bräuchte, um sie zu erklimmen. Also ziehen wir weiter zum nächsten Stopp: Dem Gullfoss. Über 100 m3/s Wasser stürzen seine beiden Fallstufen hinab. Vom Parkplatz oberhalb des Wasserfalls führt die Treppe hinab in die Gischt; erst näher am Wasserfall gibt es die Möglichkeit zu Fotografieren, ohne alle paar Sekunden das Objektiv trockenlegen zu müssen. Selbst für Dezember ist hier noch viel los; wir sind bei weitem nicht die einzigen Besucher des imposanten Wasserfalls.

Auch wenn der Sonnenuntergang schon bedrohlich nah ist, haben wir diesmal etwas mehr Zeit und können nicht nur zum Gullfoss selbst gehen, sondern auch vom Parkplatz ebenerdig ein Stück flussaufwärts. Der klare Himmel am Horizont ist fast noch sehenswerter als der Wasserfall… Nur für unsere Kameradrohne ist es zu windig; einzelne Böen kratzen arg an den 20-25 m/s (Windstärke 5), mit denen die Drohne noch zurecht kommt. Im Vergleich zur Black Beach gestern ist das zwar nichts, aber wir wollen die DJI Phantom doch auch wieder nach Hause mitnehmen… Schade eigentlich. Aber wenn ich mir manchen Bus auf dem Parkplatz anschaue, ist das wohl noch gar nichts. Hier wurden eindeutig alte Armee-Bestände für den Tourismus zweckentfremdet.

Auf zum Bruarfoss

Sei’s drum, wir haben noch ein paar Kilometer vor uns. Der Bruarfoss ist unser nächstes Ziel. Auch er stand schon im Mai auf dem Programm; diesmal ist der Weg zu ihm die reinste Schlammschlacht. Ich habe ja die Schuhe gewechselt und die neuen, wasserdichten Rockport an, die ich ich während des längeren Zwangsaufenthalts der Finnmarken Ende Oktober in Trondheim gekauft habe. Die Schuhe halten zwar, was sie versprechen, aber es sind doch nur Halbschuhe…

Das Bild rechts gibt nur einen vagen Eindruck von dem Moor, das wir durchwaten mussten. Trotzdem hat es sich gelohnt: Der Bruarfoss brilliert mit blauem Wasser, und es blieb genug Zeit, um auch einmal zu ihm herab zu steigen und Nahaufnahmen zu machen. Noch sehenswerter waren aber die anderen Touris, die blauäugig mit weißen Stiefeln den Weg in Angriff nahmen…

Der Rückweg ist eine ähnliche Schlammschlacht durch das Gebüsch. Gut, dass wir Mietwägen haben – in mein Auto würde ich so niemanden einsteigen lassen…

Moosüberwucherte Lava

Anschließend geht es weiter Richtung Þingvellir. Am Ufer des Þingvallavatn laden moosüberwucherte Lavafelder zu einem Fotostopp ein, bevor es pünktlich zum Sonnenuntergang zum eigentlichen Þingvellir geht. Ab 930 war er Gerichtsort (Männer wurden hier geköpft, und Frauen ertränkt), auch heute beeindruckt die Gegend noch. Die steilen Basaltklippen lassen eine Riesenfestung vermuten, auch wenn sich hinter ihnen „nur“ eine Hochebene verbirgt. Es liegt an einer Grabenbruchzone, die die eurasische von der amerikanischen Kontinentalplatte trennt. Der Fluss Öxára mit dem Wasserfall Öxárarfoss fließt an den steilen Klippen entlang. Als wir da sind, taucht der Sonnenuntergang den Himmel in ein blutrotes Licht – Wahnsinn.

Durch die Allmännerschlucht führt der Weg hinauf zum Busparkplatz samt Souvenirshop und Toiletten. Diese bieten nicht nur einen schönen Ausblick (auch die Isländer bauen recht luftig), sondern kosten auch Eintritt – der für uns ungewohnt ganz unkompliziert per Kreditkarte bezahlt werden kann…

Mit dem Þingvellir endet unser Besuch am Golden Circle auch schon. Der nächste geplante Halt ist das Hotel in Grundarfjörður, mit der Option, in Borgarnes zu Abend zu Essen. Da gibt es nur ein Problem: Die Aurora boealis…

Schon kurz vor Borgarnes zeigt sie sich am Himmel, also fahren wir durch und halten kurz nach der Stadt an, um die Kameras aufzubauen. Die Prognose „alle halbe Stunde ein Auto“ bewahrheitet sich zwar nicht, aber auf der anderen Straßenseite gibt es eine Art Feldweg, auf dem die Kameras einigermaßen lichtgeschützt aufgebaut werden können. Etwa von 18:20 bis 18:40 können wir das Nordlicht als Bogen über dem Nordhorizont beobachten. Nicht ganz „the greatest show in heaven, hell and earth“, aber schon ganz nett. Auf alle Fälle die Chance für Beweisfotos, während im Süden der fast volle Mond die Wolken beleuchtet.

Tja, Licht ist Licht… immerhin für einen netten Zeitraffer hat es gelangt:

Wichtige Erkenntnis: Auch rote Stirnlampen sind auf den Fotos deutlich zu sehen. Rot ist zwar gut für Dunkeladaption vom Auge, aber die Kamera sieht das anders. Das gilt übrigens auch für Deep-Sky-Astrofotografen: Die ganzen Wasserstoffnebel im All leuchten auch rot, da sind rote Lampen kontraproduktiv…

Nachdem uns die Wolken eingeholt haben, geht die Fahrt weiter durch das Niemandsland, genauer gesagt bis nach Grundarfjörður auf der Halbinsel Snæfellsness. Lange Strecken ohne Besiedelung erwarten uns. Irgendwann gegen 20 Uhr erreichen wir das Framnes-Hotel, um es gleich wieder zu verlassen. Schließlich gibt es noch ein paar Wolkenlücken und Polarlicht, also nichts wie los zum Kirkjufell.

Kirkjufell

Der Kirkjufell ist wohl einer der markantesten isländischen Berge und wirklich fotogen. Marcus und ich gehen bis auf die andere Seite des Wasserfalls, wo ich mein Fotostativ verfluche: Der Kugelkopf hat eine schöne Arretierung, mit der er auch geklemmt noch beweglich sein sollte, stattdessen blockiert er komplett. Zum Glück habe ich das Taschenmesser wieder griffbereit, das dank Sicherheitskontrollen am Flughafen im Gepäck war, und kann ihn wieder lösen. Immerhin ein paar Aufnahmen mit Berg, Wasserfall und Polarlicht sind dann noch möglich. Am selben Ort sind noch ein lokaler Guide mit einer Gruppe, er gibt Fototipps – aber über das Stadium sind wir hinaus.

Aber dann holen uns die Wolken ein – Zeit, aufzubrechen und sich auf die Suche nach Nahrung zu begeben. Das erste Restaurant in Grundarfjörður hat wegen Weihnachtsfeier geschlossen („Don’t even think about it“), das zweite wegen Feierabend, und das war’s auch schon. Im Hotel können wir das Restaurant gerne benutzen, wenn wir eigenes Essen haben… willkommen im winterlichen Nordost-Island. Bei Keksen & Co klingt der Abend somit in der Hotel-Lobby aus. Morgen steht dann die Snæfellsnes-Halbinsel auf dem Programm. Dank des späten Sonnenaufgangs müssen wir nicht allzu früh aufstehen. Island im Winter hat seine Vorteile – auch wenn im Lauf der Nacht der Regen anfängt, gegen die Fenster zu klopfen.

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Island im Dezember: Von Selfoss bis Vik und zurück

Ab nach Island!

Nach zwei anstrengenden Hurtigrutentouren war es mal wieder Zeit für Urlaub – was liegt da näher als fünf Tage Island?

Klar, prompt kam die Frage auf, was ich da im Dezember will – Island im Regen? Nun, kalt war es jedenfalls nicht: Während in Süddeutschland Nebel und Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, lockte Island mit rund 8 Grad über Null und Spuren der Polarnacht. Also nichts wie hin. Nach den Erfahrungen mit Eurowings (null Beinfreiheit) im Mai wurde diesmal Icelandair gebucht, die einen wesentlich komfortableren Flug ab Frankfurt boten. Der Flieger startete gegen Mittag, was auch ganz angenehm war. Zur Begrüßung lief Weihnachtsmusik… bei rund vier Stunden Flugzeit hätte ich mir ein paar Kopfhörer für das Bord-Entertainment einpacken sollen; von den kurzen Flügen nach Norwegen bin ich das nicht mehr gewohnt. Aber was soll’s, es war genug Platz, um den Laptop auszupacken und etwas zu arbeiten.

Island im Weihnachtsfieber

Der Flughafen Keflavik ist Anfang Dezember schon ganz auf Weihnachten getrimmt. Den Yule-Lads (Jólasveinar oder Weihnachtsgesellen) war ich ja schon im Mai in Dimmuborgir begegnet, jetzt haben sie ihre Hochzeit.

Für Grýla und ihre Sprösslinge bleibt aber keine Zeit: Der Mietwagen muss abgeholt werden, was gar nicht so leicht war. Sixt Island will nichts von der online gebuchten Vollkasko wissen, von dem kostenlosen Zweitfahrer genauso wenig, aber dafür um so mehr von dem Tankpackage – egal, wie viel Benzin am Ende noch im Auto ist, Sixt tankt für 95 Euro voll. Auch wenn nur ein paar Liter fehlen. Zumindest das hat die gute Dame beherrscht; mal sehen, ob der Posten mittlerweile wieder von meiner Kreditkartenabrechnung verschwunden ist. Immerhin gabs wieder einen SsangYong Rexton, wie beim letzten Mal. Mit dem ging’s dann ab nach Selfoss, ins Hotel.

Schweinebauch im Tryggvaskali

Das heutige Tagesziel: Abendessen. Teuer, aber richtig gut. Im Trygvasskali waren wir ja schon im Mai, aber viel öfter als einmal pro Tour kann man sich das auch kaum leisten, wenn man aus einem Billiglohnland wie Deutschland kommt. Aber es war jede Krone wert (wobei ich diesmal gar kein Bargeld dabei hatte – Kreditkarte langt, wenn das Limit hoch genug gesetzt ist). Ein Geheimtipp ist das Restaurant wohl schon lange nicht mehr, schmecken tut es trotzdem.

Diesmal war auch genug Zeit, um einmal durch Selfoss zu schlendern. Ausreichend trockene Phasen gab es auch, und somit konnten ein paar Kalorien wieder abtrainiert werden. Mit Brücke, Kirche und jeder Menge Weihnachtsbeleuchtung dürften alle wichtigen Sehenswürdigkeiten des 6500-Einwohner-Orts abgedeckt sein… Faszinierend: Vor den Gräbern auf dem Friedhof stehen beleuchtete Kreuze, und eine wilde Verkabelung überzieht den Gottesacker. Diesen Weihnachtsschmuck hätte ich wirklich nicht erwartet.

Wie erwartet gilt: Kein Foto ohne Stativ, ein paar nette Fotos sind dabei dann doch herausgekommen. Kein schlechter Start, und eine gute Gelegenheit, um den ersten halben Tag auf Island zu beenden.

Sólheimasandur – dieser Weg führt zur DC-3

Der zweite Tag auf Island hat volles Programm, wenn auch wenig neues. Selfoss ist nämlich ein schöner Stützpunkt, aber bei weitem nicht das einzige Ziel auf Island. Auf der Rundreise im Mai war zu wenig Zeit, um das Flugzeugwrack an der Südküste zu besuchen, also sollten die fünf Stunden Tageslicht (plus Dämmerung), die Anfang Dezember zur Verfügung stehen, für Trip nach Vik und zurück genutzt werden. Das Wrack am Sólheimasandur-Strand ist mittlerweile nur noch zu Fuß zu erreichen, seit der Strand für Fahrzeuge gesperrt ist. Rund vier Kilometer führt der Weg durch das Ödland des schwarzen Strands, komplett ohne Schutz vor Wind. Und ich habe meinen Windmesser im Hotel vergessen…

Ein veritabler Sturm gibt uns Seitenwind und treibt Regen wie auch Sand vor sich her. Bestes Wanderwetter ist was anderes, aber immerhin ist es kein Starkregen. Was mögen sich die Leute gedacht haben, die 1973 mit dem Flugzeug hier wegen Treibstoffmangel und Vereisung notlandeten? Wohl irgendwas zwischen Gott sei Dank und Oh Mist.

Die Fahrtpiste führt fast geradlinig durch die Landschaft und lässt kein Ziel erkennen, erst kurz vor der Maschine macht sie eine leichte Kurve, und das graue Wrack lässt sich auf dem schwarzen Sand vor dem grauen Himmel erahnen. Nur der Rumpf ist noch von der alten DC-3 vorhanden und bietet ein eindrucksvolles Fotomotiv – und, viel wichtiger, etwas Schutz vor Wind und Regen.

Im Dezember sind wir auch fast die einzigen Touristen, die kurz vor 11 Uhr den ehemaligen Flieger aufsuchen. Die düsteren Wolken geben natürlich kein perfektes Foto-Licht, aber sie verleihen der Absturzstelle eine ganz besonders düstere Stimmung. Der Regen tut dazu sein übriges… Nächster Halt ist daher Vik mit dem Werksshop von Icewear. Die Chance, durchnässte Sachen gegen neue auszutauschen. Aber auch diesmal spricht mich nichts aus dem Sortiment an.

Von Vik bietet sich ein hübscher Blick zurück auf Kap Dyrhólaey und die Gesteinsformation der Reynisdrangar, die aus dem Meer ragen. Das Sightseeing vom letzten Mal machen wir nun in umgekehrter Reihenfolge und steuern nun die Black Beach an. Der Wind hat deutlich zugenommen und treibt die schwarzen Kiesel über den Strand. Natur pur, da merkt, dass man lebt. Und sandgestrahlt wird; eine dickere Hose wäre kein Fehler gewesen…

Auch auf dem Parkplatz macht der Wind sich bemerkbar: In Ruhe im Auto frühstücken ist kaum möglich, die Windböen wackeln so am Auto, dass sogar die Kaffeetasse überschwappt. Aber ehrlich gesagt macht das viel mehr Spaß als ein ruhiger Tag mit blauem Himmel.

Der Leuchtturm auf Dyrhólaey

Bevor die Sonnenstunden vorbei sind, stehen noch ein paar Wasserfälle auf dem Programm. Der Leuchtturm auf dem Kap muss zuvor natürlich auch noch besucht werden, trotz oder gerade wegen des Sturms. Die Fahrt auf den Berg kommt mir entspannter vor als vor einem halben Jahr, die Straße wurde wohl über den Sommer ausgebaut. Da oben bläst der Wind bei weitem nicht so extrem wie erwartet; trotzdem sollte man die Autotüre gut festhalten, wenn man sie öffnet.

Der Abstecher zum Sólheimajökull ist eine kurze und nasse Angelegenheit – prinzipiell kann man hier bis zum Fuß des Gletschers gehen, aber nur, wenn man dem Starkregen trotzen will. Ich muss ja nicht alles machen, daher gibt’s hier keine Foto. Island hat sich von seiner nasseren Seite gezeigt…

Wasser ist ein gutes Stichwort: Der nächste Halt ist der mächtige, 60 Meter hohe Skógafoss. Mittlerweile reißt sogar die Bewölkung auf, und die Wolken schimmern rot in der untergehenden Sonne – immerhin ist schon fast 16 Uhr. Nur rund ein Dutzend Autos parkt am Wasserfall, kein Vergleich zur Nebensaison im Mai. Dafür bleibt diesmal keine Zeit, um die schmale Treppe zu erklimmen, die am Wasserfall entlang führt. Also gibt es heute nur ein paar nasse Fotos vom Fuß des Skógafoss.

Seljalandsfoss

Weiter geht’s zum Seljalandsfoss, dem berühmten Wasserfall, hinter dem man hindurchgehen kann. Wer das noch nicht getan hat, nutzt die Gelegenheit, während ich – ganz ohne Filter – mal wieder Langzeitaufnahmen von Wasserfällen übe. Macht sich immer gut, und für kurze Belichtungszeiten ist es ohnehin schon zu dunkel, auch wenn er künstlich beleuchtet wird…

Trotzdem geht es anschließend noch ein paar Meter bis zum Gljúfrabúi, der verborgen in einer Spalte liegt. Ich hätte meine Schuhe nach dem Starkregen in Ålesund neulich doch noch neu imprägnieren sollen… aber der Anblick ist schon das Risiko für ein paar nasse Füße wert. Mit Taschenlampen gibt es auch genug Licht für ein paar Fotos dieses geheimnisvollen Wasserfalls.

Mittlerweile ist auch der Mond aufgegangen, und wir machen noch eine Stopp am Seljalandsfoss. Der Mond steht wunderschön über der Felskante, direkt über dem künstlich angeleuchteten Wasserfall: Fototime!

So machen Wasserfälle Spaß.

Durch die Nacht ging’s dann weiter nach Selfoss ins Hotel. Die Chinesen, die mit uns im Hotel sind, werden auf einmal unruhig: Hinter dem Hotel ist ein Polarlichtbogen zusehen. Aber wir sind noch weit vom Zentrum des Polarlichtovals entfernt, und die Wetterprognose ist auch nicht schlecht – also gehen wir erst einmal Pizza essen, die Nacht könnte lang werden.

First Light

Gegen 21 Uhr ziehen wir dann los, hunting the light. Das Problem: Windytv, Yr und die anderen Wetterprognosen haben eine etwas andere Definition von 13% Bewölkung als wir. Mit etwas Glück gibt es ein paar Wolkenlücken in der ansonsten geschlossenen Wolkendecke, durch die das Grün durchschimmert. Dabei ist durchaus Aktivität vorhanden. Zumindest ein paar Minuten können wir das Polarlicht beobachten, irgendwo in der isländischen Pampa.

Warten auf Wolkenlücken

Auf der Suche nach klarem Himmel fahren wir dann weiter, fast bis zum Þingvallavatn, dem See am Þingvellir. Irgendwo finden wir sogar einen hübschen Ort, an dem das Licht eine schöne Kulisse hätte.

Wenn die Wolken nicht wären.

Nach einer guten Stunde ist dann Kapitulation angesagt: Die leichte Bewölkung ist jetzt komplett zugezogen, und die Wetterprognose sieht auch schlecht aus. Wir hätten doch den ersten Grünschimmer in Selfoss nehmen sollen. Auf Polarlichtexpeditionen sollten keine Leute mitkommen, denen regelmäßige Mahlzeiten wichtig sind, oder die nicht von Keksen und Schokolade leben wollen…

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Hurtigrute mit der Nordlys Tag 11: Trondheim

Kong Harald in Trondheim

Kong Harald in Trondheim

Das war es wirklich schon. Wir liegen in Trondheim im Hafen, neben uns die Kong Harald, und die Koffer sind gepackt. Ein letztes Frühstück… Danach geht es zu Besuch auf die Kong Harald: Zwei Kollegen sind da im Januar drauf und wollen Bilder (vor allem von der Technik im Konferenzraum), und ich fahre Ende Februar auf der ebenfalls um gebauten Nordkapp. Mittlerweile sind die Schiffe ja innen alle identisch, während sie früher alle einen eigenen Stil hat. Zwischen dem maritimen Look der Nordlys (und der alten Nordkapp) und dem neuen arktischen Design liegen Welten, was nicht jedem gefällt. Ich bin da ja auch eher konservativ, zugegeben.

Anschließend komme ich fast nicht mehr aufs Schiff, da unsere Cruisecards ja um Mitternacht geschlossen wurden. Aber Eskil steht am Eingang und kennt mich mittlerweile, sodass ich mein Gepäck aus dem Konferenzraum abholen kann. Um Viertel vor 10 erwarten uns dann auch die Busse, die uns nach einem einstündigen Stopp am Nidarosdom zum Flughafen bringen werden. Leider hat es sich wieder eingeregnet, aber weniger stark als bei unserem ersten Besuch in der Stadt. Ich mache also auch eine kurze Runde durch Trondheim: Einmal rund um den Dom (das Museum macht leider erst um 11 Uhr auf) und durch den Friedhof, dann zum Marktplatz und zurück. Mittlerweile gibt es etwas mehr Weihnachtsdeko, und anscheinen wird auch ein Weihnachtsmarkt aufgebaut: Ein Bagger fährt Hütten durch die Gegend.

Vom Nidaros-Dom ist es noch eine gute halbe Stunde bis zum Flughafen, wo wir die Gäste an den Automaten einchecken. Die meisten fliegen irgendwann kurz nach 15 Uhr, danach sind wir fast allein: Erst um 17:25 soll unser Flieger nach Amsterdam starten, er hat sogar ein paar Minuten Verspätung. Wir fliegen mit KLM, die im Gegensatz zu SAS sogar Getränke und eine Kleinigkeit zu Essen servieren. Aber auch am Flughafen bleibt genug Zeit, um im Pizza Hut mal wieder „was richtiges“ zu essen. Und während der Wartezeit kann ich auch mein Polarlichtvideo fertig machen, das jetzt (samt Downloadmöglichkeit) auf Vimeo steht:

Nordlicht und Sterne November 2016 from Alex Kerste on Vimeo.

Bei der Gelegenheit noch ein Tipp für alle, die Norwegen jetzt schon kennen und noch mehr Polarlicht wollen: „Mein Mann“ in Tromsø, den ich für Polarlichtexpeditionen auf dem Festland bedenkenlos empfehle, ist Dan Steinbakk (Facebook) von ArcticX.no. (Und da gnadenlose Eigenwerbung sein muss: Mein Begleitbuch zur Nordlicht-und-Sterne-Tour gibt’s auf Amazon; leider nicht im stationären Buchhandel).

Der letzte Flieger in Amsterdam

Der letzte Flieger in Amsterdam

Der Flug nach Amsterdam verläuft reibungslos, und dann heißt es, auch von Angelika und Sabine Abschied nehmen. Schön war’s.

Etwa eine Stunde später soll dann auch schon mein Anschlussflug nach Stuttgart starten. Das ist neu, das ist anders: Am Gate kommt die Durchsage „This flight is very full.“ Ob nicht irgendwer erst morgen früh fliegen möchte, KLM würde ein Hotel und eine ganz ordentliche Entschädigung zahlen. Da ich morgen schon wieder mit Terminen zu liege, halte ich mich mal bedeckt und komme zum Glück noch am selben Abend zurück nach Stuttgart (sogar zusammen mit meinem Gepäck. Und wieder ist eine Reise zu Ende – definitiv eine der schöneren, wenn auch mit bemerkenswert vielen Wolken. Aber die eine Nacht mit gutem Polarlicht hat es wieder herausgerissen.

Bis Februar sieht mich Norwegen jetzt erst einmal nicht mehr, dafür geht es Mitte der Woche nach Island. Ich brauche auch mal Urlaub:-)

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