Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Nebel bei Finnsnes

Ich gebe es ja zu: 9:00 ist eine üble Zeit für unseren zweiten Vortrag. Aber die Alternative wäre die Mittagszeit gewesen, bevor wir Tromsø anlaufen, also erzähle ich nach einem etwas hektischen Frühstück unseren Gästen etwas über den aktuellen Sternhimmel, gewürzt mit griechischen Sagen und einem Überblick über das Leben der Sterne. Ansonsten würde uns die schöne Landschaft entgehen. Und da die Frage aufkam: Nein, ich bin kein Frühaufsteher. Ich leide da auch…

Ottar fra Hålogaland

Trotzdem fasse ich mich kurz, da draußen bestes Wetter herrscht. Es gibt wieder die Chance für Gespräche, und ich quatsche mich fest, sodass ich keine Zeit habe, um in Finnsnes von Bord zu gehen. Im Ort beschränke ich mich daher auf einen Rundgang auf dem Umlaufdeck – bislang hatte ich immer die Schokoladen-Werbung an dem Haus fotografiert, das man vom Bug aus sieht; diesmal gehe ich mit dem Teleobjektiv auch ans Heck und fotografiere die Statue von Ottar fra Hålogaland. Er war ein reicher Wikinger-Kaufmann aus dieser Region, der im Jahr 890 König Alfred von Wessex von seiner Heimat im hohen Norden berichtete.

Bei der Fahrt nach Finnsnes kommt langsam Nebel auf; besonders beeindruckend ist das dampfende Meer. Aber so mythisch es auch ist, fotogen ist etwas anderes. Pläne scheitern – da hätte ich den Vortrag auch Mittags machen können. Aber egal, trotzdem geht es immer wieder an Deck, nachdem ich meinen Computer mit den Bildern der letzten Nacht gefüttert habe. Bis nach Mitternacht er mit den Bildern des Polarlichts nach Svolvær beschäftigt sein, dann kann ich das Filmchen erstellen (das ich bereits im gestrigen Blogbeitrag drin habe. Es hat seine Vorteile, dass ich nicht jeden Tag zum Schreiben komme).

Am Rystraumen

Kurz vor Tromsø erzählt Magnus auf Deck 9 etwas über den Gezeitenstrom Rystraumen und die Hinrichtungen auf der vorgelagerten Insel, und dann lichtet sich der Nebel: Tromsø kommt in Sicht, meine Lieblingsstadt in Norwegen. Für mich ist das ein sehr entspannter Aufenthalt, da ich nächste Woche schon wieder hier sein werde. Nach einer Nordlicht-und-Sterne-Tour brauche ich auch mal etwas Urlaub, und was bietet sich da mehr an als die 70.000-Einwohner-Stadt Tromsø, mitten im Polarlichtoval?

Einen Rundgang durch Tromsø lasse ich mir trotzdem nicht nehmen. Die Stadt wird gerade winterfest gemacht, vor der Domkirke wird neu gepflastert. Zur Abwechslung ist sie aber heute geöffnet und lädt zu einem Blick in das schöne Holzgebäude ein.

Anschließend wandere ich zum Polarmuseum und, auf der anderen Seite des Hafens, zum Polaria, dem Nicht-nur-Aquarium von Tromsø. Bei Temperaturen von vielleicht fünf Grad gibt es schon das erste Eis auf der Straße. Der Sonnenuntergang verdient das Prädikat „grandios“, hier wirken die Wolken auch schön – leider werden es im Lauf des Abends immer mehr. Diesmal habe ich also keinen Grund, das Abendessen ausfallen zu lassen. Die Überfahrt nach Skjervøy – eigentlich eine tolle Strecke auch für Polarlicht – ist ruhig, aber unter Wolken.

Licht und Wolken nach Tromsø

Ein wenig Polarlicht schimmert zwischen den Wolken durch, als wir Tromsø verlassen, aber es lohnt sich kaum, dafür die Kamera aufzubauen. Bis Skjervøy nimmt die Bewölkung immer mehr zu, und in Skjervøy schneit es sogar ein wenig. Da kann ich in aller Ruhe Magnus zuhören, der in der Bar auf Deck 8 Storytelling macht und ein kurzes Märchen auf Englisch erzählt – von dem Mann, der einmal statt seiner Frau die Hausarbeit verrichtet und Porridge machen will, was natürlich im Chaos endet.

Und irgendwann gegen ein Uhr Nachts habe ich sogar die Nordlicht-Filme fertig, die ich am nächsten Morgen vor dem Vortrag zeigen will…

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2 thoughts on “Hurtigrute Tag 5: Tromsø

  1. Schön mit Dir zu reisen zu können. Tromsö hat für mich eine ganz besondere Ausstrahlung. Sie ist meine Lieblinsstadt, und vielleicht schaffe ich es irgendwann mal einmal, ein paar Wintertage und -nächte dort zu erleben.
    Wunderschöne Polarlichtfotos hast Du gemacht.
    LG
    Inge

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