Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Juhu, Tromsø-Tag! Mit dem Lieblingsschiff in die Lieblingsstadt, was kann da schon schief gehen?

Ein trüber Morgen

Trübes Wetter zum Beispiel. Am Morgen fahren (segeln? schwimmen? Wie heißt das eigentlich richtig?) wir durch die grandiose, schroffe Landschaft südlich von Tromsø. Aber schon Finnsnes ist das Wetter prächtig. Kann das bitte so bleiben? Immerhin für Tromsø ist ganz ordentliches Wetter vorhergesagt, für die anschließende Passage nach Skjervøy ist noch alles drin.

Aber wer denkt schon an den Abend – in Finnsnes heißt es erst einmal kurz Beine vertreten. Nachdem ich letztes Mal um den Hügel am Anleger herum gegangen war, geht es heute direkt am Kai entlang zu dem eingeschneiten Wikinger-Denkmal, und dann noch ein paar Meter weiter für einen hübschen Blick auf das Schiff.

Nach Finnsnes bietet Johan, unser Bordreiseleiter, einen Vortrag über die Expedition der Fram an – kein Wunder, dass heute auch gut Werbung für die Fram ausliegt. Aber die Gegend ist viel zu schön, da schaue ich mir lieber an, wie wir unter der über einen Kilometer langen Gisundbrücke hindurch fahren. Dazu gibt es immer wieder die Gelegenheit für Gespräche mit den Gästen.

Winterwunderland vor Tromsø

Mein Reiseführer mit dem Konzept „eine Doppelseite pro Tag“ scheint gut anzukommen (*hüstel* eine nette Rezension auf Amazon wäre nett *hüstel*), für mehr hat man hier eh keine Zeit. Um 13:45 passieren wir den Rystraumen, den Gezeitenstrom vor den Toren von Tromsø. Auf Deutsch und Englisch gibt es an Deck hier Informationen über die Gegend durch das Expeditionsteam; ich halte stattdessen mit Kai und Margit „Wache“ für die Sprechstunde, bei denen die Reiseleitung Tipps für Touren gibt. Bei der Menge an Ausflügen, die Hurtigruten anbietet, ist es ja nicht leicht, die richtigen zu finden. An Deck ist es auf der Passage immer wieder voll, der Bug ist gut besucht, während wir durch das Winterwunderland fahren.

Aus Deutschland werde ich schon vorgewarnt, dass meine Ankunft auf der Webcam verfolgt werden wird, aber je näher wir Tromsø kommen, desto weniger ist davon zu sehen – wir fahren in ein dichtes Schneegestöber hinein. Da ist nicht viel davon zu sehen, dass ich in die Kamera winke. Selfies im 21. Jahrhundert…

Aber der Schneefall hält nicht lange, bestes Wetter und Schneegestöber wechseln sich ab. kurz nach dem Anlegen ist die Eismeerkathedrale schon wieder zu sehen, und die andere Ziele in der Innenstadt sind auch schnell besucht. Aber eigentlich bin ich ja zum Einkaufen in das „Paris des Nordens“ gekommen. Blöd nur, dass langsam schon die Frühlingskollektion kommt und ich keinen passenden Ersatz für die Schuhe finde, mit denen ich in Island in etwas zu aggressivem Boden stand. Dafür werfe ich endlich mal einen Blick in die Mack-Brauerei, bzw. den angeschlossenen Pub. Freitag und Samstag hat er sogar länger als bis 18 Uhr auf.

Wir liegen zwar bis 18:30 im Hafen, Abendessen gibt es für die erste Sitzung aber schon um 18:00. Dafür kommen wir mittlerweile schon ganz regulär um 14:15 an. Von 18 bis 19 Uhr ist auch Abgabe für einen Fotowettbewerb – aber solange alle beim Abendessen sitzen, dürften nur wenige SD-Karten beim Expeditionsteam abgegeben werden…

Statt Lamm steht heute Saibling auf der Speisekarte, zusammen mit etwas Nervösität: Klappt es heute mit dem Polarlicht? Das Wetter ist wechselhaft, aber vielleicht gut genug. Und der Sonnenwind: Falsche Polung, ein Kp von Null-Komma-Irgendwas ist vorhergesagt. Allmählich zweifle ich am Tromsø geht immer… Nichtsdestotrotz werden immer wieder Windytv, diverse Apps mit den aktuellen Satellitendaten und natürlich auch der Himmel gecheckt. Und um 21 Uhr dann: Ein schwacher, aber schöner Bogen über dem Schiff!

First Light!

Also nichts wie zurück ins Schiff, den Gästen Bescheid sagen, die ich auf dem Weg zur Rezeption auf Deck 4 treffe, und eine Durchsage veranlassen. Irgendwer ist mir wohl ein paar Sekunden zuvor gekommen, aber umso besser.

Als ich wieder oben bin und meine Kamera aufbaue, leuchten auf dem Sonnendeck nur noch die (überraschend hellen) Heizstrahler. Die Nordlichtaktivität ist schwach, es wechselt zwischen hellen grauen Nebelflecken und immer wieder mal etwas Grün zwischen den Wolken. Aber hey, es ist unser erstes Polarlicht auf der Reise!

Die Belichtungszeiten für die Kamera sind noch recht lang (5 Sekunden bei f/2,8 und ISO 3200), aber ein nettes kleines Filmchen habe ich doch zustande gebracht:

Die Bedingungen waren dabei alles andere als ideal: Kurz nachdem wir das erste Licht gesehen hatten, standen wir im Schneegestöber, zehn Minuten später war wieder weitestgehend klarer Himmel, und so ging es weiter bis Skjervøy. Noch nicht die ganz große Show, aber ein schöner Appetizer, bei dem auch jeder schon einmal sehen kann, was seine Kamera kann. Der Unterschied zwischen Kamera und bloßem Auge ist bei dieser recht schwachen Aktivität schon auffällig…

Die Pflicht ist erledigt, nun kann die Kür kommen. Schade nur, dass für Berlevåg morgen und übermorgen schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Nach Skjervøy haben wir es auch geschafft, dass es auf dem Deck noch dunkler ist als normal – nachdem Hans herausgefunden hatte, dass nicht nur das Licht, sondern auch die Heizung abgeschaltte werden muss. Die Aktivität ist jetzt auch bei Stufe 4, nur die Wolken nehmen immer mehr zu – und Loppa macht hoppa, auf der offenen Seestrecke hebt und senkt das Heck sich langsam, aber ordentlich. An Fotografieren ist da nicht zu denken. Also geht es zum Abendausklang ab in die Bar im Panoramasalon, bevor sie um Mitternacht auch zumacht. Das Geklapper vom Geschirr erinnert daran, dass wir uns der Barentssee nähern…

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