Hurtigrute mit der Nordlys Tag 5: Tromsø

Mit der Trollfjord in Harstad

Mit der Trollfjord in Harstad

Der Tag fängt mal wieder viel zu früh an, zumindest für mich als Sternfreund: Bis 8 Uhr liegen wir in Harstad, und ich bin sogar früh genug auf den Beinen, um mitten in der (Polar)Nacht noch die Trollfjord zu sehen, die hinter uns am Kai liegt. Ein paar Minuten später legen wir auch schon ab und passieren die Trondenes-Kirche, Norwegens älteste Steinkirche und damit den Ort, an dem es mit den christlichen Taufen los ging.

Wasserfontaine im Hafen

Wasserfontaine im Hafen

Das Expeditionsteam hat in Harstad eine Stadtwanderung angeboten, aber Aufbruch um 6:45 ist sowas von nicht meine Zeit, selbst wenn es kostenlos ist, dass ich darauf dankend verzichtet habe. In Harstad setze ich nur einen Fuß auf den Boden, wenn ich die Vesterålen-Rundfahrt mache. Für Wanderungen finde ich humanere Zeiten…

Niri vom Expeditionsteam macht nach dem Ablegen den Point of Interest auf Deck 7 (auf Englisch) und erzählt etwas über Harstad und die Kirche. Vorher gibt es noch eine Neuheit zu bestaunen: Irgendwann im November wurde eine beleuchtete Wasserfontäne am Hafen eingeweiht. Wenn ein Schiff vorbei fährt, geht sie an und soll an ein Segel erinnern, das im Wind flattert. Außerdem wird sie in wechselnden Farben angestrahlt. Immerhin werden wir nicht nass dadurch.

Trondenes Kirke

Trondenes Kirke

Die Trondenes-Kirche passieren wir in einigem Abstand, aber sie ist hübsch beleuchtet. Als Besonderheit steht der Kirchturm neben ihr – angeblich wurde der Troll, der die Kirche einst baute nicht rechtzeitig fertig.

Heute steht ein ruhiger Tag an: Wir haben keinen Vortrag, und den Vortrag vom Expeditionsteam über die Reise der Fram um 11 Uhr schwänze ich. Stattdessen nutze ich die halbe Stunde in Finnsnes, um einmal von Bord zu gehen und den Hügel zu umrunden, an dem wir anlegen. Premiere für mich: Ein Norweger spricht mich an, der nur Norwegisch kann, und ich kann sogar ein paar Brocken Norwegisch zusammen kratzen, um etwas Smalltalk zu machen (Jeg er fra Tyskland og arbeider på Hurtigruten som Tourguide på nordlys og stjerne). Es ist ein Anfang.

Einmal rund um den Hafen sehe ich das Schiff wieder und davor eine Statue, die an Ottar erinnert – dieser Wikinger war der erste, der das Nordkap umrundete und dem englischen König davon berichtete, der es in einer Chronik für die Ewigkeit fest hielt. Die Statue wird fleißig für Erinnerungsfotos genutzt, bevor wir unsere Reise weiter fortsetzen. Das Ziel: Tromsø! Endlich mal wieder. So ein bisschen Heimatgefühl kommt da ja doch jedes Mal wieder auf.

Point of Interest: Rystraumen

Point of Interest: Rystraumen

Bevor wir Tromsø erreichen, gibt es noch einmal einen Point of Interest. Diese kleinen Info-Veranstaltungen sind leider immer auf Englisch, aber durchaus interessant. Diesmal ist wieder Niri dran, der über den Rystraumen erzählt, den zweitstärksten Gezeitenstrom. Für uns macht er sich aber in erster Linie durch den höheren Spritverbrauch bemerkbar. Es gibt hier zwar eine Insel mit Moschusochsen, die der Uni Tromsø gehört (die die Insel zum Verkauf anbietet), aber von einem Strudel sehe ich nichts. Dafür, sobald wir um die Ecke biegen: Die Lichter der Stadt!

Erster Blick zur Eismeerkathedrale

Erster Blick zur Eismeerkathedrale

Als wir endlich in Tromsø anlegen, führt mich mein erster Weg ins Hotel – in einem Jahr ist da ein Urlaub egplant, aber noch können keine Zimmer gebucht werden. Wie sich zeigt, werden gerade noch Zimmerpreise kalkuliert, aber das Hotel ist noch nicht ausgebucht. Beruhigend.

Für die Gäste gibt es das übliche Bündel aus Ausflügen, und sogar die Husky-Tour findet statt – vor zwei Tagen stand das noch auf der Kippe, weil es zu wenig Schnee gab. Für mich (immerhin müssen wir Lektoren die Ausflüge selber zahlen) stehen stattdessen die üblichen Sightseeing-Punkte und Läden an (Libris, Ark, Nerstranda, Coop, …), und diesmal finde ich auch die Festung Skansen, die sich hinter dem Polaria versteckt. Wie niedlich, ein paar Holzhäuser auf einem Hügel. Kein Wunder, dass ich die immer übersehen habe. Dagegen ist Vardø ja gigantisch.

1743 wurde Skansen wohl das erste Mal urkundlich erwähnt und hatte einst eine Palisade; die heutigen Gebäude stammen aus den Jahren 1789-1793. Ich bin nur mäßig beeindruckt. Burgen haben wir in Baden-Württemberg doch deutlich imposantere.

Dann schaue ich lieber noch einmal bei Tromsøs Greatest Souvenir Shop vorbei und schlendere ein wenig durch die Stadt. Die Hauptstraße ist mittlerweile weihnachtlich geschmückt, und mit dem Schnee ein schöner Anblick.

Souvenirs nehme ich diesmal aber keine mit; die meisten Einkäufe habe ich schon vor vier Wochen in Trondheim erledigt. Und neue Bücher, die ich noch nicht lesen kann, brauche ich gerade auch nicht. Da der Himmel weiterhin bedeckt ist, brauche ich auch nicht in der Stadt zu essen, sondern kann das Abendessen auf dem Schiff zu mir nehmen. Mal eine nette Abwechslung, auch wenn ich auf der Strecke nach Skjervøy lieber klaren Himmel statt Schnee gehabt hätte. Wer hat denn das organisiert?

Volkstanz

Volkstanz mit dem Expeditionsteam

Nach dem Abendessen steht um 21 Uhr noch eine Veranstaltung an: Norwegischer Volkstanz. Angelika drängt uns alle zu der Veranstaltung, und als wir in den Konferenzraum reinschauen, ist allen klar: Die erste Reihe muss mitspielen. Und es gibt nur eine Reihe mit Stühlen. War ja klar.

Als erfahrener Wikingerfest-Besucher habe ich mit dem ersten Tanz keine Probleme (nur der Met fehlt), danach wird es schon anspruchsvoller. Hier können einige Kalorien abtrainiert werden, aber irgendwo macht es schon Spaß – auch wenn oder vielleicht gerade weil am Ende Kinderlieder stehen. Aber wer hat gefehlt? Angelika.

Immerhin können wir so ein wenig davon ablenken, dass es heute wieder Wolken statt Polarlicht gibt (auch wenn die Ablenkung nur mäßig gelingt). Immerhin kann der Abend gemütlich in der Bar ausklingen – ein schöner Tag war es trotzdem.

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