Tag 7: Von Kirkenes bis zum Abwinken

Vadsø

Vadsø

Es ist der letzte Sonntag im Oktober, und damit endet auch die Sommerzeit. So sind gleich zwei Wunder möglich: Wir erreichen Vadsø pünktlich, und ich bin um kurz vor sieben Uhr wach, während wir im Hafen liegen. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich Vadsø mal erlebe – jetzt fehlen mir eigentlich nur noch Florø und Maløy, beide kurz vor Bergen. Vadsø ist die Hauptstadt der Finnmark, aber ich kann nicht sagen, dass sich das Aufstehen gelohnt hat…

Andererseits hatte ich auch keine Chance zum Aussteigen, und den Ankermast von Roald Amundsens Luftschiffexpedition habe ich vom Schiff aus nicht erkannt. Jedenfalls verspüre ich erst einmal kein Verlangen, länger in Vadsø zu bleiben, und sichte noch ein paar Fotos, bevor es zum Frühstück geht. Mittlerweile sind meine erste Speicherkarte und das Handy voll…

Blick auf Vadsø

Blick auf Vadsø

Die Ankunft in Kirkenes ist auf 9 Uhr angesetzt, was auch etwa passt. Kirkenes ist der Wendepunkt der Reise – etwa auf der selben Höhe wie Tromsø, aber deutlich trostloser. Den Kirkenes-Tag nutze ich immer gerne, um das Schiff zu fotografieren (aber die Finnmarken habe ich ja schon durch) oder mein Blog zu pflegen, aber diesmal ist Ekkehard an Bord und plant einen Rundgang durch die Stadt – das verspricht, interessant zu werden. Den Russenmarkt haben wir leider verpasst, der ist in der Regel am letzten Donnerstag im Monat.

Busse und Bagger

Busse und Bagger

Kirkenes präsentiert sich trübe wie immer. Noch gibt es keinen Schnee, nur etwas Glatteis. Bevor wir das Schiff verlassen dürfen, wird erst einmal Splitt gestreut. Am Hafen warten Busse für die Ausflügler und im Hintergrund eine ganze Armada von Baggern – die Eisenerzmine ist wieder einmal still gelegt.

Unser kleiner Rundgang geht am Feuerwehrhaus mit dem alten Dodge vorbei an einigen alten Bunkern, die zum Teil als solides Fundament für moderne Häuser dienen, und führt uns zur alten Eisenerzfabrik, die nun auch schon rund 20 Jahre still steht. Dahinter ist eine Werft, die nur zur Reparaturzwecken errichtet wurde. Mit den russischen Fischtrawlern gibt es dafür genug Kundschaft, wenn auch nicht unbedingt zahlungskräftige. Wobei im Augenblick kaum ein rostiger Kahn im Hafen liegt, normalerweise ist da mehr los.

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Die Finnmarken in Kirkenes

Dafür sehen wir im Hafen zwei Schlauchboote, die zur Krabbensafari gehören – einem der Ausflüge, die im schneefreien Kirkenes angeboten werden. Die Teilnehmer können Krabben zerlegen und essen.

Vom Eisenwerk sind es nur ein paar Schritte bis zur menschenleeren Fußgängerzone – am Sonntag ist Kirkenes wirklich tot. Mittlerweile fängt es auch an zu schneien, sodass wir uns auftrennen: Während Eckehard noch einen Aussichtspunkt ansteuert, gehen wir über Andersgrotte und Russendenkmal zurück zum Schiff.

Hier gibt es mittlerweile Änderungen bei den Passagieren: Einige verlassen das Schiff und fliegen heim, während neue Gäste für die südgehende Tour an Bord kommen. Bevor die Ausflugsbusse zurück kommen, kümmern wir uns um das Mittagessen, und um 12:30 geht es planmäßig Richtung Vardø. Die Überfahrt ist nicht so ruhig, wie sie sein könnte, sodass diverse Mittelchen gegen Seekrankheit ausprobiert werden, wenn auch mit mäßigem Erfolg.

Die Seestrecke nach Vardø lässt sich immerhin zum Arbeiten nutzen, und auf dieser Tour funktioniert das Schiffs-WLAN auch einwandfrei. Bislang hatte ich noch keine Probleme, auch wenn mein Laptop sich immer im WLAN der Crew anmelden will.

Vardøhus

Vardøhus

Vardø steht bei Hurtigruten immer noch mit 15:45 auf dem Fahrplan; der Tagesfahrplan der Finnmarken geht gleich mal von 16:00 aus. Um 16:30 erreichen wir den Hafen dann endlich und bekommen sogar die Gangway auf – immerhin Ekkehard und Sabine trauen sich, in 45 Minuten zum Hexendenkmal zu sprinten. Wir sollen ja weiterhin zehn Minuten vor Abfahrt an Bord sein. Ich gehe stattdessen nur zur Festung, das ist entspannter machbar. Wenn man weiß, wo es steht, kann man das Steilneset Hexendenkmal sogar am Horizont erahnen – und die Taschenlampe unserer beiden mutigen Hexendenkmal-Jogger.

Um 17:15 verlassen wir Vardø, die halbe Stunde Verspätung behalten wir bei. Die Barentssee ist etwas unruhig, aber für diese Gewässer noch ganz angenehm. Im Lauf des Abends nimmt das Geschaukel zu, und beim Abendessen sind ein paar Plätze mehr frei als normal. Pünktlich zum Hauptgang gegen 19:15 kommt dann die Durchsage „Polarlicht“, was aber keinen von unser Gruppe vom Hocker reißt – und ein Probebild vom Kollege an Deck zeigt auch, dass es wieder nur Grün hinter Wolken ist.

Am Abend gibt es immer wieder Durchsagen wegen Wolkenlücken und Polarlicht, aber bis man draußen ist, hat es schon wieder zugezogen oder regnet. Irgendwann kommt die Durchsage, dass man sich bitte nicht am Bug aufhalten sollte, damit keiner weggeweht wird. Wenig später folgt der Hinweis, dass ein Stativ bei dem Wellengang keine besseren Bilder liefert, sondern nur Stolperfalle für die Passagiere ist. Soviel zur Polarbelichtbeobachtung in dieser Nacht.

Vinkekonkurranse

Vinkekonkurranse

In Berlevåg ist die Polarlys erwartungsgemäß vor uns im Hafen, und unsere Vorbereitungen für die Vinkekonkurranse laufen auch Hochtouren. Wir warten wieder mit Partymusik und Luftballons an Deck, bis die südgehende Hurtigrute MS Polarlys endlich Berlevåg verlässt und von uns mit Scheinwerfern, Hupe und Geschrei begrüßt wird. Um es kurz zu machen: Meine Kamera hat versagt und das Ereignis nicht gefilmt (verdammt), aber wir haben wohl eindeutig gewonnen. Zur Feier gibt es noch eine Polonaise über Deck 5.

We are the champions läuft eindeutig zu Recht, als wir nach Berlevåg einlaufen und einen Passagier absetzen – nachdem wieder einige Zeit mit der Gangway gekämpft wurde. Auf der Lofoten wäre der Reiz einer Postschiffreise (an jedem noch so kleinen Hafen von Bord gehen und die Reste der Party von außen fotografieren zu können) kein Problem gewesen, hier durfte keiner von uns für ein kurzes Foto von Bord. Schade eigentlich.

Kurz nach elf endet die Party dann, und die Wolkendecke macht Hoffnung auf eine erholsame Nacht. Schließlich ist zumindest die Wolkenprognose für das Stück vor Tromsø morgen vielversprechend.

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