Tag 6: Honningsvåg und Finnkirka

Havøysund

Havøysund

Mittlerweile sind wir im hohen Norden angekommen, und in Havøysund begrüßt uns Schneetreiben. Schlechte Aussichten für das Nordkapp, aber hier oben kann das Wetter ja in wenigen Minuten wechseln. Eigentlich ist es ja eine Schande, hier nicht an Deck zu sein, aber ich werfe trotzdem mal einen Blick in die englische Präsentation „Hurtigruten in Antarctica, Greenland, Spitsbergen & Norway“, die Mette wohl vor ein paar Tagen schon einmal gehalten hat, für die neu dazugekommenen Gäste der Kong Harald aber noch einmal wiederholt. Mit aufwändigen Werbefilmchen und professionellen Bildern sollen Geschmack darauf gemacht werden, gleich die nächste Reise zu buchen, und besonderen Wert legt sie auf die Explorer-Reisen, die unter dem Motto „Respect where you go – take nothing but pictures“ stehen. Als ich dann respektvoll ohne Blitz ein paar Fotos mache, kommt gleich der Anpfiff, doch bitte keine Fotos oder Filme zu machen. Daher zu dieser Präsentation nur folgendes: Der Antarktis-Vortrag von Marco auf meiner ersten Tour auf der Norkapp war um Welten besser, auch weil er nicht auf Verkaufen abgezielt hat, sondern wirklich über seine Reisen dorthin erzählt hat. Mette war angeblich auch mal da unten… Schwamm drüber. Werbung kann ich auf Youtube sehen, dann gehe ich doch lieber wieder hier raus an Deck.

20160211-P1080573Mit leichter Verspätung erreichen wir Honningsvåg, sodass genug Zeit für das Frühstück bleibt, das wieder einmal mit dem Mittagessen zusammenfällt. Auch ohne Frühstück ist der Kalorienbedarf gedeckt, daher steht eine kleine Wanderung durch den Ort an. Das Nordkapp kenne ich ja schon (und die Ausflügler berichten später, dass es diesmal ganz untypisch Nebel gab), aber Marcus kennt den Aussichtspunkt über Stadt noch nicht. Es ist beinahe wie im Januar, nur mit noch mehr Schnee: Die Tour ist echte Arbeit, lohnt sich aber immer wieder. Ich sinke bis zum Mantelsaum in den Schnee ein; vor uns war in letzter Zeit wohl keiner hier oben.

Blick vom Berg

Blick vom Berg

Das Wetter schwankt zwischen leichtem Schneetreiben und Schneeregen, während am Horizont dunkle Wolken drohen – daher bleiben wir nicht allzu lange, sondern machen einen kleinen Rundgang über die Kirche zum Hafen. An der Schule ist wieder einmal viel Betrieb (und Pausenhöfe klingen wirklich überall gleich), und die Kirche ist offen. Ein Blick in das kleine Holzgebäude lohnt sich: Schlicht, aber heimelig, so weit im Norden.

Mittlerweile geht der Niederschlag in ekelhaften Regen über, sodass wir erst einmal das Schiff ansteuern, um uns und die Kameras trockenzulegen. Am Hafen entlang bietet sich wieder die Chance, das Schiff von der anderen Seite zu knipsen.

Das Kafe Retro

Das Kafe Retro

Das Kafe Retro ist nur wenige Meter vom Schiff entfernt: Einfach gerade aus bis zur um Ende der Straße, wo einen ein grauer Bau entgegenlächelt, und dann nach rechts schauen, dann hat man es schon gefunden, in der Storgata 1b. Das Cafe ist winzig und wird von einer sympathischen Russin aus Riga geführt. Wer das Glück hat, an einem der wenigen Tische einen Platz zu finden, sollte unbedingt einmal auch mit ihr reden und nicht nur stoisch auf seinen Kaffee schauen. Die überbordende Deko ist auch einen Blick wert – das Cafe bietet mehr, als man von außen erwartet. Die Preise sind auch sehr moderat – 35 NOK oder (aktuell) 3,62 EUR für eine heiße Schokolade ist mehr als fair.

Heiße russische Schokolade

Heiße russische Schokolade

Der Rest des Tages verläuft sehr entspannt. Viertel vor drei sind alle Ausflügler wieder an Bord, und bis zum nächsten Hafen (Kjøllefjord) steht nichts weiter auf dem Programm außer der Finnkirka. Das Wetter bessert sich und der Himmel klart auf, sodass wir pünktlich an Deck sind, um die Info zu hören, dass das Schiff Verspätung hat. Hrmpf. Auf der Suche nach dem besten Platz probieren wir Deck 9 aus (vom Umlaufdeck habe ich sie schon oft genug fotografiert), wo sich dann auch die Chance für Gespräche bietet. Irgendwie kommt das Thema auf Schiffsunglücke…

Die Finnkirke wird wieder kitschig beleuchtet, bevor der Krabbenfischer die Blicke auf sich zieht, der in voller Fahrt an unserem Schiff anlegt – dummerweise hängt ein Rettungsboot direkt über der Einstiegsluke und versperrt uns den Blick. Macht aber nichts: Der Blick nach oben zeigt Polarlichter…

Also schnell noch das Stativ geholt und das Objektiv gewechselt, bevor wir den Ort erreichen. Sogar im Hafen ist es noch gut zu sehen, aber bis wir ihn verlassen, versperren schon wieder Wolken den Blick. Also ab zu Nordkap-Buffet, das Abendessen beginnt heute schon um 18 Uhr. Der Rest des Tages bleibt dem gemütlichen Beisammensein vorbehalten: Ein Geburtstag ist zu feiern, wenn der Himmel schon bedeckt bleibt.

Wer lange aufbleibt, hatte in dieser Nacht übrigens Glück: Kurz nach drei gab es noch einmal ein richtig gutes Polarlicht, das sogar vom Hafen in Vardø zu sehen war. Aber nicht für mich, ich verschlafe es – da meine Kabine auf dem Umlaufdeck ist, hatte ich die Vorhänge zugezogen und wurde nicht von dem Grünschimmer geweckt. Ich spekuliere da lieber auf Tromsø auf der Rückfahrt…

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