Tag 2: Ålesund und erstes Licht!

Ruhige See in der Stadhavet

Ruhige See in der Stadhavet

Der erste Morgen sollte eigentlich standesgemäß mit ordentlich Geschaukel beginnen, aber die See ist uns gnädig: Rund ums Westkap gibt es zwar leichten Seegang, aber das habe ich schon ganz anders erlebt. Trotzdem reicht es, um meine Planung durcheinander zu bringen. Eigentlich wollte ich auf der Reise ja auf das Frühstück verzichten, aber ich bin früh genug wach, um doch einen Blick auf das Frühstücksbuffet zu werfen. Man könnte was finden, auch wenn ich mich zurückhalte und vor allem auf die Getränke losgehe. Die Trollfjord hat noch O-Saft-Spender statt Flaschen, was weniger stilvoll ist als auf der Finnmarken, aber doch hygienischer sein dürfte (später entdecke ich auch die Flaschen – der Fortschritt ist nicht aufzuhalten). Auf ein Gelage verzichte ich trotzdem, schließlich steht heute Ålesund auf dem Programm, und somit verfrühtes Mittagessen, damit ab 12:00 Uhr die Jugendstilstadt erkundet werden kann.

Versorgungsschiffe in Torvik

Versorgungsschiffe in Torvik

Daher pendle ich am Vormittag zwischen dem Umlaufdeck 6 und der Reiseleitersprechstunde. Dabei gibt es nicht nur genügend Gelegenheiten, um ins Gespräch zu kommen, sondern am Hafen in Torvik auch einen ungewohnten Anblick: Zwei Versorgungsschiffe von Ölplattformen liegen im Hafen. Der niedrige Ölpreis hat die norwegische Wirtschaft schwer getroffen; ein ziemlicher Teil der Flotte wird zurzeit nicht benötigt. Die beiden gelben Riesen direkt vor der Finnmarken sind beeindruckend und bedrückend zugleich, da sie zeigen, wie sehr das Land trotz allem vom Öl abhängt.

Nach dem Mittagessen steht dann Ålesund auf dem Programm, mit dem Standardprogramm: Der Bezwingung des Hausbergs Aksla. Da heute Sonntag ist, haben auch kaum Läden auf, vom Souvenirshop mal abgesehen.

Direkt am Liegeplatz nimmt das Bankskøyta-Projekt immer konkretere Formen an, auch wenn das Jahr der Vollendung jetzt auf 2016 korrigiert wurde. Der Rumpf des Fischerbootes sieht schon ziemlich fertig aus, und eine kleine Schiffsschraube ist am Heck ebenfalls zu erkennen. Irgendwie hatte ich die bei einem Fischerboot dieses Alters nicht erwartet…

Ålesund-Panorame

Ålesund-Panorame

Der Aufstieg zum Aksla ist dieses Mal kein Problem, es gibt nur noch wenige Eisfelder auf den Treppenstufen. Auch wenn es kaum Sonne gibt, lohnt sich der Ausblick immer wieder. Und man entdeckt jedes Mal neue Dinge: Die kleinen Lagerhäuser auf der rechten Seite der Hauptinsel, unterhalb der prächtigen Schule, gehören zu den ältesten Gebäuden der Stadt und haben den Stadtbrand von 1904 überlebt. Kaum vorstellbar, dass alles, was jetzt Jugendstil ist, mal ein Flammenmeer war.

Anschließend blieb noch genug Zeit für einen Abstecher in den großen Souvenirshop von Ålesund und einen kleinen Gang entlang des Ufers, bis zu dem Denkmal, das an die Verluste der Englandfahrten im 2. Weltkrieg erinnert – einige Schiffe (auch einige der Hurtigrute) wurden während der Fahrt über die Nordsee von der deutschen Marine versenkt, als sie nach England fliehen wollten. Dafür wurde die Schiffe, die auf der Hurtigrute unterwegs waren, vor allem von der englischen oder russischen Marine versenkt. Zweifelsfrei eines der dunkleren Kapitel des letzten Jahrhunderts.

20160207-DSC_3878Der Nachmittag war ruhig: Ich versuche immer, hier meinen ersten Vortrag zu halten, aber diesmal präsentiert das Schiff um 15 und 16 Uhr das Ausflugsprogramm. Macht aber nichts: Wer stattdessen an Deck war, konnte einen wunderschönen Regenbogen quer über das Schiff bewundern. Da kann ich doch gleich nochmal meinen Vortrag aktualisieren, schließlich geht es heute um Erscheinungen am Himmel, vom Polarlicht bis zu Regenbogen.

Kurz nach 17 Uhr war dann Zeit für unsere Willkommensveranstaltung: Reiseleiter und Lektoren stellen sich vor, geben Tipps zur Tour und sehen, wer alles daran teil nimmt. Dann geht’s vom Vortragsraum auch schon zum Abendessen (18:30), das eine Unterbrechung hat: Um 19:30, also pünktlich zum Hauptgang, begegnen wir der MS Lofoten. Klar, dass da Anwesenheitspflicht an Deck ist…

Grauschleier über den Wolken – das erste (kameragrüne) Polarlicht.

Grauschleier über den Wolken – das erste (kameragrüne) Polarlicht.

Wir sehen schwarzes Schiff vor schwarzem Hintergrund, aber sie gibt sich immerhin mehr Mühe als die Nordkapp letzten Monat vor Berlevåg. Eigentlich wollte ich das ja filmen, aber da ist wieder so ein ominöses Wolkenband am Himmel… Der Test zeigt: Kameragrünes Licht, es ist soweit – das erste Polarlicht. Klar, dass ich dann die falschen Kameraeinstellungen habe, um die Schiffsbegegnung wie geplant zu filmen.

Ein paar Minuten später macht dann auch das Schiff die Durchsage, und man versammelt sich an Deck 6. Hier gibt es zwei Dinge zu tun: Den Leuten erklären, dass der graue Schimmer über den schwarzen Wolken in Wirklichkeit grün und Polarlicht ist, und zweitens die Kamera seitlich an die Reling tackern, weil ich nicht mehr bis zum Bug durchkomme – die Trollfjord gibt mir nicht ganz so viele Möglichkeiten wie die Nordkapp, um meine Kamera aufzubauen.

Es ist bei weitem noch nicht die große Show, aber immerhin – für heute wurde zwar Polarlicht bis hinab nach Ålesund angekündigt, aber auch Wolken, daher ist das schon sehr gut, und die Pflicht ist jetzt schon erfüllt:-)

Zu unserem 21-Uhr-Vortrag sind dann auch schon die ersten Bilder in der Präsentation, und das Interesse an der Zugabe („Wie fotografiere ich Nordlicht?“) ist groß. Auch nach dem Vortrag können wir dabei helfen, die ersten Kameras polarlichttauglich einzustellen – perfekt, so kann schon mal geübt werden. Der Abend klingt dann bei einem Mack Nordlys aus, in Anbetracht der Wetterprognose erwarten wir eine ruhige Nacht. Feierabend.

Irgendwann gebe ich das mit den Wetter- und Polarlichtprognosen wirklich auf… Gegen ein Uhr kommt die Durchsage, dass wie Polarlicht haben, und Junge, was für eine Show: Links vom Schiff ist es deutlich grün. Nach einer halben Stunde kommen dann langsam die Wolken, aber gut eine Stunde bleiben wir an Deck. Ich habe schon weiter im Norden schlechtere Polarlicht gehabt.

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