Tag 7: Wendepunkt Kirkenes

Sogar Teleskope gibt es an Bord

Sogar Teleskope gibt es an Bord

Tag 7 (der 16. Januar) bedeutet endgültig den Wendepunkt: Kirkenes ist weder der nördlichste Punkt noch der östlichste (die Ehre gebührt Vardø), aber hier kehrt die Hurtigrute um.Ich mag Kirkenes ja: Die Stadt ist recht neu und hat recht wenig zu bieten. Die Tour mit Hundeschlitten und Eishotel habe ich schon mal gemacht, die russische Grenze reizt mich trotz der aktuellen politischen Lage eher wenig, und die Schneemobilsafari macht zwar bestimmt Spaß, aber schnell fahren kann ich auch auf deutschen Autobahnen. Damit habe ich in Kirkenes frei, kann mein Blog auf den aktuellen Stand bringen und Bilder vom Schiff machen. Die Finnmarken ist zwar groß, aber durchaus fotogen, und nachdem praktisch niemand an Bord ist, ist das optimal zum Fotografieren des Schiffs.

Die Finnmarken in Kirkenes

Die Finnmarken in Kirkenes

Das Schiff ist im Art-Deco-Stil gehalten und hat im Gegensatz zur Nordkapp, die komplett von einem Künstler ausgestattet wurde, eine bunte Mischung an Kunstwerken. Einige sind modern und sagen mir nichts, andere sind sehr chic und klassisch.

Ich schaffe es sogar von Bord und gehe rund durch den Hafen, um ein paar schöne Bilder vom Schiff im verschneiten Hafen zu machen. Anscheinend genau das, was Twitter sehen will, selten hat etwas so viele Likes gekriegt wie das Bild links. Da die Hurtigrute im Hafen anlegt, der ein gutes Stück von der Stadt entfernt ist, besuche ich Kirkenes nicht weiter, sondern schaue der Crew bei der Pflege der Rettungsboote zu und verfluche das Schiffs-WLAN: Für rund 40 Euro erhält man einen Zugang, mit dem man zwar ins WLAN kommt, aber nicht mehr raus… Klar: An der Küste gibt es nicht überall LTE, aber wenn ich mit dem Handy im Hafen LTE habe, erwarte ich das eigentlich auch von dem kostenpflichtigen Zugang auf dem Schiff. Keine Verbindung kann ich selber… Daher sitze ich in Kirkenes zwar an meinem Blog, kann aber erst später posten.

Vardø

Vardø

Nachdem alle Ausflugsbusse wieder an Bord sind, geht es weiter Richtung Vardø – eine hübsche kleine Stadt, die früher Zentrum des Handels mit Russland war. Kaum zu glauben, wie viele Schiffe hier einst im Hafen lagen. Irgendwann gönne ich mir vielleicht den Spaß und steige morgens in Vadsø aus, um dann per Bus nach Vardø zu fahren und mir die beiden Orte einmal in Ruhe anzuschauen, bis ich in Vardø wieder zusteige. Das könnte sich lohnen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir in Kirkenes rechtzeitig ablegen, jedenfalls ist dir Überfahrt ruhig, und trotzdem kommen wir in Vardø mit einer halben Stunde Verspätung an. Zur Überbrückung gab es an Bord noch eine Präsentation zum alten Pomorhandel zwischen Russland und Norwegen.

Festung Vardøhus

Festung Vardøhus

In Vardø teilen wir uns auf: Volker schaut beim Eismeerbaden zu (aus dem auf der Treppe im Schiff irgendwie ein Eisbärbaden wird – stelle ich mir auch schön vor: Jeder kriegt ein Handtuch, Shampoo und einen Eisbär), ich gehe zur Festung Vardøhus und Ekkehard nimmt das Hexendenkmal in Angriff. Damit ist er mutiger als ich dachte: Der Weg war schon im November sportlich, und wir haben jetzt mehr Schnee und wieder nur 45 Minuten Liegezeit. Auf dem Weg zur Festung verlieren wir uns aus den Augen, und ich mache mich auf die Suche nach den Überresten des Venustransits von 1769. Damals wurde von hier beobachtet, wie unser innerer Nachbarplanet Venus vor der Sonne entlang zog. Es war die nördlichste Beobachtungsposition, James Cook auf Tahiti hatte den südlichsten Beobachtungspunkt. Der Soldat, der die Festung heute bewacht, war zwar sehr bemüht, konnte mir aber auch nicht weiter helfen – kein Wunder, schließlich waren die Gedenktafeln am Rathaus und nicht in der Festung. Mein Fehler… aber Vardøhus ist einen Besuch wert und beherbergt eine kleine Ausstellung mit dem wohl einzigen erhaltenen Kanonenwagen seiner Art sowie einer Reihe Militaria bis hin zur Weltkriegszeit. Von der Eberesche „Rogna“ vor dem Haus des Kommandanten sehe ich nichts. Sie gilt als nördlichster Baum und wird im Herbst zum Schutz vor dem Meeressalz eingepackt – Ekkehard hat allerdings gemeint, dass der Baum mittlerweile nicht mehr existiert.

Von der Festung aus rechtzeitig wieder am Schiff zu sein ist kein Problem, auch ein Ausflug in den Supermarkt auf halber Strecke wäre noch möglich gewesen. Die Eismeerbader sind auch wieder auf dem Schiff, und Ekkehard hat es wohl auch geschafft – zumindest legen wir wie angekündigt ab, ohne dass fehlende Gäste ausgerufen werden. Immerhin zehn Mutige waren im Eismeer baden, obwohl die Finnmarken doch den beheizten Pool hat. Respekt. Eine halbe Stunde später gibt Heinz wieder seinen Tagesrückblick (erst deutsch, dann englisch), und die Ankunft in Båtsfjord fällt mit dem Abendessen zusammen.

Ein wenig Licht am Horizont.

Ein wenig Licht am Horizont.

Nach 21 Uhr gibt es ein leichtes Polarlicht, aber zu wenig, um eine Meldung zu rechtfertigen: Ein schwacher Bogen ist immer wieder zu sehen und kämpft an Steuerbord gegen die Wolken. Eher ein Fall für die Kamera als für das Auge. In Berlevåg begegnen wir der Polarlys, der wir den Liegeplatz im Hafen wegnehmen. Mit Winkekonkuranse ist wieder nicht viel – ich habe den Eindruck, dass nicht einmal der Captain an Bord der Polarlys ist.

Daher lassen wir den Tag gemütlich ausklingen, während draußen die Wolken und die Landschaft vorbeiziehen.

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