Tag 6: Honningsvåg und Nordkap

Kurs auf Nordkapp

Kurs aufs Nordkap

Wahnsinn – jetzt ist schon wieder fast die halbe Reise rum. Die Schiffsbegegnung weit westlich vom Nordkap habe nur im Halbschlaf mitbekommen, aber das macht nichts: Die raue Landschaft hier zieht einen auch im Lauf des Tages noch in ihren Bann, und die Gefahr zu verhungern besteht auch nicht. Ich verlasse die Kabine zwar erst kurz vor 10, nachdem ich die letzten Bilder von gestern durchgesehen habe, und bin so pünktlich zur Restaurantschließung da, aber eine halbe Stunde später gibt es schon wieder Mittagessen. Der Grund: Um 11:15 erreichen wir Honningsvåg, und dann fahren auch schon die Busse zum Nordkap ab.

Honningsvåg ist erstaunlich schneefrei. Anscheinend hat es gestern gut geregnet, sodass der Schnee Geschichte ist. Schade eigentlich, denn verschneit ist das Örtchen noch um einiges schöner. Auch dieses Mal wiederhole ich die Fahrt zum Nordkap nichtsondern sehe mir die Ecken von Honningsvåg an, die ich noch nicht kenne. Dieses Mal: Der Aussichtspunkt über der Stadt. Wenn es Schilder gibt, habe ich sie weitestgehend übersehen, aber der Ort ist ja überschaubar. Nach einigen Höhenmetern ist das Ziel erreicht: Neben dem Friedhof ist eine Büste – wenn ich mich richtig erinnere, geht sie auf einen Filmdreh zurück. Von dort bietet sich ein schöner Rundblick über die Bucht.

Der Blick über die Stadt ist sehenswert und lohnt den Aufstieg; bei etwas Restglätte ist der Abstieg schon interessanter. Ohne Spikes möchte ich hier im Winter nicht unterwegs sein… Am Horizont ist etwas blau zu sehen, die Gruppe am Nordkap hat Glück mit dem Wetter. Vom Berg aus ist auch die Kirche zu sehen, die als einziges Gebäude nach dem Rückzug der deutschen Truppen im 2. Weltkrieg noch stand. Sinnlose Zerstörung.

Ich gönne mir nur einen kurzen Rundgang durch die Stadt und besuche die Kirche nicht, stattdessen gehe ich einmal rund um den Hafen. Ohne Schnee im Vordergrund gibt unser Schiff keine so schöne Kulisse ab wie im Februar, dafür ich sehe der üblichen Sicherheitsübung der Crew von außen zu: Ein Rettungsboot wurde zu Wasser gelassen. Rund um das Hafenbecken gibt es einige Skulpturen (was für den nächsten Ausflug), und aus angeschwemmtem Treibgut wie Gummistiefeln wurde Kunst gemacht.

Am Hafen darf ein Besuch beim Denkmal für Bamse nicht fehlen, den Träger des Norwegischen Hundeordens. Er begleitete sein Herrchen im 2. Weltkrieg und war mit Seemannsmütze auf vielen Postkarten in die Heimat abgebildet. Dahinter ist der Souvenirshop; das Nordkap-Museum im selben Haus ist gerade wegen Umzug geschlossen und eröffnet im Fühjahr noch näher am Hurtigrutenkai.

Gegen 14:45 verlassen wir Honningsvåg wieder, und gegen 16:30 steht die Finnkjerka auf dem Programm. In der Nacht wirkt die Beleuchtung eindrucksvoll. Irgendwann will ich mal wissen, ob es für diese Gesteinsformation eine offizielle norwegische Schreibweise gibt. Finnkjerka, Finnkirke, Finnkirka – irgendwie habe ich alles schon mal gelesen… Ein paar Probebilder zeigen auch schon wieder Polarlicht, wenn auch bei bedecktem Himmel. Kurz darauf kommt auch schon der Krabbenfischer an Bord, der bis Kjøllefjord seine Haustiere präsentiert.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Krabbenstreicheln auf Deck 7.

Die große Polarlichtshow gibt es heute nicht, daher stört es auch kaum, dass bis Kjøllefjord auf Deck 7 Krabben gestreichelt werden können. Der Fischer macht wie immer eine interessante Show und Appetit auf das Nordkap-Buffet, das ab 18 Uhr auf die Passagiere wartet.

Der Abend ist weitestgehend ruhig, auch die See ist für diese Breitengrade angenehm ruhig. Lärm macht nur die Nordlys, der wir bei Berlevåg begegnen: Dort hat der Tourguide wohl zur Vinkekonkurranse aufgerufen, die die Nordlys klar gewinnt. Bei uns gibt es nur ein paar wenige, die darauf vorbereitet waren. Die beiden Schiffe passieren einander mit wenig Abstand, aus Januar und Februar kenne ich so enge Schiffsbegegnungen überhaupt nicht.

Mangels Polarlicht gibt es die Gelegenheit, sich der Bar zu widmen. Blöd: Pepsi Maxx ist anscheinend ganz aus dem Programm genommen, und Guiness ist alle – eventuell südgehend ab Trondheim wieder. Ich kann so nicht arbeiten (auch wenn das Nordlys der Mack Brauerei durchaus trinkbar ist).

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