Hurtigruten Tag 4 – Nidaros-Dom und Wolkenlücken

En richtge gudn Morn – so oder so ähnlich wurden wir heute über die Bordsprechanlage auf Norwegisch begrüßt, gefolgt von Englisch und Deutsch. Wir haben mittlerweile Montag, den 24. Februar, und Trondheim erreicht. Der morgendliche Gang auf Deck 5 (hier ist der Umlauf um das Schiff und die Strecke, die jeder vor dem Frühstück viermal zurücklegen sollte, um sich die Kalorien zu verdienen) war vielversprechend: Das Wetter ist heiter bis wolkig, und vor uns liegt das Hurtigrutenschiff Vesterålen. Innen soll sie sehr schön sein, aber von außen springt bei mir kein Funke über. Da macht die Nordkapp doch mehr her.

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen

MS Vesterålen im Trondheimer Hafen, direkt vor der Nordkapp.

Wir entscheiden uns wieder gegen die Stadtrundfahrt und wollen auch Trondheim zu Fuß erkunden. Vorher gibt’s noch die Warnung von Tour Guide Marko, pünktlich zu sein: Es ist zwar kein Problem, das Schiff auf seiner Fahrt einzuholen, aber auch kein ganz billiger Spaß: Entweder nimmt man das Taxi für 1100 Euro, oder den Bus, der 10 Minuten zu spät ankommt, oder für 150 Euro das Flugzeug als billigste Möglichkeit. Also nochmal Uhrenvergleich, und los gehts. Einen Stadtplan zum mitnehmen gibt’s übrigens wie bei allen größeren Stationen beim Büro vom Tour Guide, ebenso wie einen Tagesplan mit Infos dazu, wann welcher Hafen angesteuert wird, welche Tageshighlights an Bord geplant sind, welchem Hurtigrutenschiff wir auf offener See begegnen, wann es Fotogelegenheiten gibt und wann Anmeldefrist für die Ausflüge ist. Alles perfekt organisiert.

Die Innenstadt von Trondheim ist nicht nur sehenswert, sondern auch gut zu Fuß erreichbar. Der Weg führt durch den Industriehafen und den Yachthafen mit hübschen alten Wirtschaftsgebäuden bis zum Zentrum.

Blick auf alte Speicherhäuser ind Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Blick auf alte Speicherhäuser in Trondheim von der Brücke über die Nidelv.

Wer die Stadtrundfahrt gebucht hatte, wurde bequem mit dem Bus zum berühmten Nidaros-Dom gefahren; zu Fuß waren wir ein paar Minuten vor der geführten Gruppe da. Der Grund für die Eile: Die Orgel wird gerade neu gestimmt, daher ist der Dom nicht frei zugänglich. Mit der Gruppe konnten wir einen Blick in das eindrucksvolle Gebäude werfen, bevor wir Trondheim weiter erkundeten.

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen

Der Nidaros-Dom und die ersten Touristen.

Trondheim selbst hat einiges zu bieten. Da wäre die malerische Altstadt mit ihren kleinen Gassen und bunten Holzhäusern, die gammlige Brücke (okay: Gamle Bybroen, die alte Stadtbrücke) und rund um den Marktplatz die sehenswerte Innenstadt. Bei Temperaturen im Plusbereich kam auch kein Winterfeeling auf. Da Montag war, konnten wir auch einkaufen gehen: Klamotten (da immer noch einige Koffer vermisst wurden), eine Schützhülle für das iPad im Apple Store (damit später mit dem iPad der Sternenhimmel erklärt werden konnte, ohne das es zu kalt würde) und Reinigungsmittel für die Kamera (gegen das ganze Salz- und Regenwasser, das sich in den letzten Tagen auf der Kamera angesammelt hatte).

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Nicht vergessen: Der Bus kommt zehn Minuten zu spät am Schiff an.

Entgegen aller Internetseiten gibt es in Trongheim sogar ein Starbucks; der Tag war gerettet. Dafür hat die Tourist-Information nicht diese berühmten Norweger-Elche, die auf der Einkaufsliste standen. Was typische Souvenirs angeht, war die Reise bislang eh ein Flop – aber immerhin wurde das Wetter immer freundlicher, und wir waren ja nicht zum Einkaufen hier. Bei dem Preisniveau macht das eh keinen großen Spaß, da lieber in ein billiges Land wie Ägypten oder die USA…

Der Vormittag war somit gut ausgefüllt, und wir konnten uns auf den Rückweg zum Schiff machen, das wir auch pünktlich zum Mittagsbuffet erreichten. Mit entspannen war aber nichts, schließlich mache ich die Reise nicht zum Spaß: Jetzt hieß es erst einmal, den Wetterbericht und die Polarlichtprognosen noch in meinen Vortrag einbauen, und am frühen Nachmittag stand dann der erste Vortrag exclusiv für die Teilnehmer der Nordlicht und Sterne Tour an: Atmosphärische Phänomene. Von der blauen Himmelsfarbe über Nebensonnen und Erdschatten bis zum Regenbogen gab es einen Überblick über die Phänomene des Nachthimmels. Und anschließend: Polarlichter, Sagen und Entstehung. Natürlich war das eine Wiederholung des Hurtigrutenfilms, aber wenn man es zweimal hört, bleibt es besser im Gedächtnis.

Leider war das Wetter noch nicht polarlichtfreundlich, und die Sonne recht inaktiv – bis auf die Breaking News, dass gerade ein Fleckengebiet um den Sonnenrand rotiert und seine Strahlung die Erde knapp verfehlen würde.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Keine Chance für große Kreuzfahrtschiffe: Die Hurtigrutenschiffe sind zwar groß, aber klein genug, um in enge Fjorde und unter norwegische Brücken zu passen.

Mit dem Vortrag und der Vorschau sowie dem Aufräumen des Konferenzraums (er ist für rund 120 Personen ausgelegt und war mit unseren über 70 Teilnehmern gut besucht) war ich rechtzeitig fertig, um das nächste Tagesereignis mitzukriegen: Die Passage einer Brücke bei Sør-Trøndelag. Viel Platz war nicht mehr zwischen Brücke und Schiff. Marko moderierte das Ereignis wieder sehr schön und machte den Countdown, wann wir fotografieren (oder in Deckung gehen) sollten.

Der Himmel wurde zwar besser und zeigte Strukturen sowie Spuren von Himmelsblau, aber noch keine Chance für sternklaren Himmel. Langsam wurden nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir unruhig… Daher war das Hauptereignis des Abends noch die Begegnung mit der südgehenden Richard With im Hafen von Rørvik. Und wieder einmal die Erkenntnis, dass die Nordkapp hübscher war.

Übrigens hatte ich spätestens jetzt den Überblick verloren, wo wir eigentlich waren und welcher Tag war – spätestens jetzt war ich heilfroh, mir den GPS-Empfänger für meine Kamera gegönnt zu haben. Für alle die es interessiert: Der Solmeta GPS Geotagger N3 war ständig auf meiner Nikon. Mit dem Händler habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, ich kann beides empfehlen.

Übrigens auch das Guiness im Bordcafe: Es kommt aus der Dose, was schon einmal deutlich besser ist als das aus der Flasche (es hat den richtigen Schaum). 82 Kronen sind natürlich kein Schnäppchen.

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