Bereit für die Sonnenfinsternis am 20. März?

Der Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015. Quelle: http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEplot/SEplot2001/SE2015Mar20T.GIF

Der Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015. Quelle: NASA/Fred Espenak

Am 20. März 2015 ist es mal wieder so weit: Der Mond steht genau zwischen Erde und Sonne, und sein Schatten streift über die Erde. Wer Glück hat, kann eine totale Sonnenfinsternis beobachten – aber das Glück haben eigentlich nur einige Forscher auf Svalbard/Spitzbergen. Wer nicht auf Glück setzt, sondern sich vorbereitet hat, hat schon ein Flugticket nach Spitzbergen, ansonsten sieht es schlecht aus mit der Beobachtung: Der Kernschatten verfehlt so ziemlich alles, was es an Festland gibt, nur die Faröer-Inseln und die Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) liegen direkt im Pfad des Schattens und bieten so die einzige Möglichkeit, diese Sonnenfinsternis vom Festland aus zu sehen (wenn das Wetter mitspielt).

In Europa ist die Finsternis nur partiell zu sehen, aber rund zwei Drittel der Sonne werden von Süddeutschland aus durch den Mond bedeckt, im Norden Deutschlands sogar noch mehr – rund 80%. Das ganze findet am Freitag Vormittag statt, ca. zwischen 9:30 und 12 Uhr. Die genauen Zeiten hängen vom Beobachtungsstandort ab, am besten simuliert man den Anblick einmal mit einem Planetariumsprogramm wie Stellarium (für PC und Mac) oder einer App wie SkyPortal für Android oder iOS (alles kostenlose Software; für den Mac empfehle ich eine etwas ältere Version von Stellarium – die neuen laufen bei mir nicht so flott).

Da die Finsternis bei uns nur partiell ist, muss die ganze Zeit über ein geeigneter Sonnenfilter verwendet werden, wenn man in Sonne schaut – das gilt insbesondere, wenn man sie fotografiert oder mit einem Teleskop/Fernglas verfolgen will! Wie immer gilt:

Nie ohne geeigneten Filter in die Sonne schauen, und Sonnenfilter immer vor dem Objektiv anbringen!

Ansonsten sind bleibende Augenschäden vorprogrammiert, die auch nicht heilbar sind. Die Okularsonnenfilter, die es immer noch viel zu oft bei günstigen Einsteigerteleskopen gibt, können platzen, und dann hat man keine Zeit, rechtzeitig wegzuschauen. Zur Sonnenbeobachtung verweise ich mal generell auf das Kapitel in meinem Astronomie-mit-dem-Fernglas-Buch, das ja online frei zugänglich ist.

Sonnenfilter aus Glas (links) sowie selbstgebaute aus Astrosolar-Folie

Sonnenfilter aus Glas (links) sowie selbstgebaute aus Astrosolar-Folie

Zum Glück gibt es geeignete Sonnenfilter, und wer die 1999er Sonnenfinsternis miterlebt hat, hat evtl. sogar noch eine SoFi-Brille. Mit diesen Brillen kann man die Finsternis gefahrlos mit bloßem Auge beobachten, Anbieter sind vor allem Baader Planetarium als Hersteller der AstroSolar-Folie und AstroMedia. 1999 war die Brille in den letzten Tagen vor der Finsternis weitestgehend ausverkauft, und auch dieses Mal sollte man sich rechtzeitig damit eindecken, damit der Versand auch eine Chance hat. Amazon hat die Brille auch, aber bereits zu Mondpreisen von 8,86 Euro (Stand 10. März)… Von Schweißergläsern und anderen Bastellösungen ist nur abzuraten: Hier weiß niemand, wie gut sie UV und Infrarot filtern, auch wenn das Bild angenehm erscheint – und im Auge sind keine Schmerzrezeptoren, sodass man nicht merkt, was alles an Schäden angerichtet wird.

Wer fotografieren will, braucht unbedingt einen Filter vor dem Kameraobjektiv, ansonsten wird bei einer Sucherkamera das Auge beim Blick durch den Sucher geschädigt, und bei einer sucherlosen Kompaktkamera nur das Kamerainnenleben eingeschmolzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann einen Filter aus einem Bogen AstroSolar-Folie (ND5 für visuelle Beobachtung; die fotografische Folie ist vor allem für ein Teleskop mit langer Brennweite und/oder Okularprojektion gedacht, wenn das Bild durch die Vergrößerung zusätzlich dunkler wird) selber bauen, das ist die günstigste und flexibelste Möglichkeit.

Die Alternative ist neu auf dem Markt: Baader bietet die Folie jetzt auch in einer Reihe flexibler Fassungen an. Die ASBF-Filter sind für Kameras und Ferngläser gedacht (sie haben eine abgeflachte Fassung), die ASSF sind im Prinzip baugleich, haben aber eine runde Fassung und können daher nicht am Fernglas verwendet werden. Bei den ASTF für Teleskope ist die Fassung etwas anders, damit auch bei langen Beobachtungssessions die Folie nicht durch die Hitzeausdehnung der Fassung verspannt wird. So bleibt das Bild immer gut – mit einem älteren Filter in schwarzer Fassung hatte ich tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass das Bild nach ein paar Stunden schlechter wurde. Hier war wohl die Fassung zu warm geworden, und die Folie stand unter Spannung.

Wer mit einem Linsenteleskop ernsthaft in die Sonnenbeobachtung einsteigen will, kann natürlich auch über einen Herschelkeil nachdenken, aber das ist schon eine größere Investition – und geht nur am Refraktor.

SoFi-2011Das Bild oben ist mit einem Herschelkeil entstanden, als im Januar 2011 eine schöne partielle Finsternis über Deutschland zu sehen war. Allerdings stand die Sonne nicht sehr hoch, und eine Wolkenbank hat einiges mehr an Strukturen auf die Sonne gebracht, als da eigentlich zu sehen war… Trotzdem ein nettes Erlebnis, und wenn das Wetter mitspielt, können wir dieses Mal noch mehr sehen.

Um mal noch mehr Werbung zu machen: Am 12. März (also diesen Donnerstag) halte ich bei Foto Sauter in München einen Vortrag unter anderem zu diesem Thema, da sind noch Plätze frei – kostet aber Eintritt.

Und am 20. März hat die Heilbronner Sternwarte natürlich auch zur Beobachtung der SoFi geöffnet, aber nur bei gutem Wetter: https://sternwarte.org/veranstaltungen/?id=2929562. Da ist der Eintritt frei, dafür ist die Veranstaltung wetterabhängig.

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