Hurtigruten Tag 2 – Bergen und Check-In

Mit leichter Verspätung komme ich nun endlich dazu, weiter über die Reise zu berichten. Mit dem Beitrag hab ich am 1. März angefangen, danach war die Internetverbindung abgebrochen, dann mein Roaming-Volumen aufgebraucht und ohnehin keine Zeit mehr… Also zurück in die Vergangenheit: Samstag, 22. Februar.

Noch immer fehlen drei Teilnehmern unserer Gruppe (natürlich auch Sandra) Gepäckstücke, und der Frankfurter Flughafen weiß von nichts – rund 20.000 Gepäckstücke sind dem Verdi-Streik zum Opfer gefallen. Das hindert uns aber nicht daran, das reichhaltige Buffet im Hotel zu genießen (es stellt sich die Frage, welche Themenreise wir begleiten: „Nordlicht und Sterne“, „11 Tage, 11 Kilo“ oder doch „11 Tage über der Reling“?), die beiden Reiseleiterinnen näher kennen zu lernen und schließlich Bergen bei Tag zu erkunden, bevor die Stadtrundfahrt ansteht.

Buffet-Clarion-Admiral-Bergen

Das Buffet gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

Bergen selbst ist ein hübsches Städtchen, wenn es mal trocken ist – unsere Tour führt uns über den Markt auf den Hausberg, wobei wir uns für die Fahrt mit der Seilbahn nach oben entscheiden und zu Fuß absteigen wollen. Oben angekommen, ist das Wetter brauchbar: Kein Regen (dafür mal kurz etwas Schneefall und recht viel Wind), und Bergen ist zu sehen. Ebenfalls erstmals zu sehen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen: Die Nordkapp.

Bergen von oben. Im Hafen (links, gegenüber den beiden gelben Arbeitsschiffen): Die MS Nordkapp.

Auf dem Rückweg in die Stadt (der erst einmal den Berg hinauf führt) sehen wir nicht nur die ersten Trolle, sondern auch zahlreiche Jogger – es ist wohl am Wochenende üblich, den Berg hinaufzulaufen. Wer’s mag… Unser Rückweg bot eine schöne Aussicht und war auch eindrucksvoll: Immer wieder ein schöner Blick auf die Stadt, im Wald verborgene Trolle und und das Hinweisschild, dass man die Hexe nicht fotografieren soll.

No Photos of the Witch.  Aber Solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

No Photos of the Witch.
Aber solange man das Schild fotografieren kann, ist ja alles in Butter.

Bergen hat eine schöne Altstadt und mach den Eindruck eines lebenswerten, netten kleinen Städtchens. Viele kleine Gässchen, Einzelhandel gibt es auch noch, und ganz wichtig: Gegenüber vom McDonalds liegt immer noch das Starbucks, in dem wir uns aufwärmen und das Free WiFi ausnutzen. Noch ist die Motivation gering, einen Daypass zu buchen, um ins Internet zu kommen. Den Zeitraum zwischen Hotel und Schiff, die beide WLAN bereit stellen, wird man wohl auch im 21. Jahrhundert überleben…

Gegen 13:30 beginnt dann die Stadtrundfahrt zum Schiff, bei der wir einiges über die Stadt erfahren – und mehr sehen, als wir gedacht hatten: Mit fast 270.000 Einwohnern ist Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens und bei weitem nicht so klein wie gedacht. You ain’t see nothing yet. Wichtigstes modisches Accessoire ist aber wohl das Paar Gummistiefel, immerhin ist Bergen die regenreichste Stadt Europas. Auch die Neubauten sind zumindest teilweise im traditionellen Holz-Stil gehalten, und auch bei den anderen muss ich sagen: Ich würde gerne einige unserer Architekten zum Nachsitzen nach Norwegen schicken. Hübsch. Beim ersten Stopp im Hafen sorgt dann auch ein plötzlicher Regenschauer dafür, dass alle rasch wieder im Bus sitzen und die Fahrt in die höhergelegenen Regionen der Stadt beginnt, mit gemütlich wirkenden Neubauten.

Auch die traditionelle Bryggen-Häuserzeile am Hafen darf natürlich nicht fehlen: Früher ein reines Männer-Viertel, in dem wegen Feuergefahr auch auf Heizungen verzichtet wurde, ist es heute ein schöner Einblick in die ungemütliche Vergangenheit, der zum Glück den Modernisierungsplänen der 1970er getrotzt hat.

Im Bus stören die Regenschauer nicht...

Im Bus stören die Regenschauer nicht…

Und dann, endlich: Ankunft im Hurtigruten-Terminal, wo das Gepäck aus dem Bus auf das Schiff gebracht wird, während wir unsere Cruise-Cards erhalten (der Zimmerschlüssel, der über die Kreditkarte auch zum Bezahlen verwendet werden kann). Der badische Dialekt macht da gleich mal eine Grußkart‘ draus und wirft die Frage auf, wofür man denn eine Grußkart‘ braucht… Die Sicherheitsunterweisung in Filmform ist Pflicht, und danach können alle ihren Kabinen beziehen, die nicht noch einmal zurück auf’s Schiff müssen, weil sie etwas vergessen haben…

Der Gang im sechsten Stock und die KAbine mit Blick auf ein Rettungsboot

Der Gang im sechsten Stock und die Kabine mit Blick auf ein Rettungsboot

Meine Kabine im sechsten Stock ist nicht zu groß – für eine Person langt’s locker, für zwei Personen wird’s schon enger. Das Bett (rechts) lässt sich ausklappen, und das Sofa links kann ebenfalls zum Bett umgelegt werden. Ich habe freien Blick auf ein Rettungsboot, was aber mehr als okay ist: Es gibt Tageslicht, und wenn ich was von der Landschaft sehe, weiß ich, dass ich ein Problem habe. A propos: Der Generalalarm wird heute auch geübt, damit jeder weiß, wie ein Alarm klingt. Das Abendprogramm ist überschaubar: Ein reichliches Buffet für’s Abendessen, den Tourguide schnappen, um den Vortragsraum zu reservieren, und abends Meet&Greet auf dem Panoramadeck vorne im Schiff: Die Crew stellt sich vor, und Tour Guide Marco macht noch einmal klar, dass die Nordkapp eine Fähre ist: Anders als auf Kreuzfahrtschiffen wird nicht an jedem Hafen die Schiffsevakuierung geübt, und es kümmern sich auch nur 50 Leute (vom Kapitän bis zum Maschinist) um das Schiff und seine bis zu mehr als 600 Passagiere – zurzeit ist die Norkapp nur zur Hälfte ausgebucht. Ein Kreuzfahrtschiff wie die MS Europa hat dagegen pro Passagier ein Besatzungsmitglied. Gott sei Dank: Ich kann mir nicht vorstellen, wie das sein muss, wenn ständig ein Animateur hinter einem her ist. Immerhin: Die Zimmer werden einmal am Tag gemacht, und es hat bislang noch jeder Passagier geschafft, das Bett selbständig herauszuklappen. Was will man mehr? Marcos Show zeigt schon, dass uns eine unterhaltsame und leicht makabre Zeit bevor steht.

Abends gegen halb elf verlassen wir dann auch Bergen: Die Fahrt beginnt.

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