Hurtigruten Tag 9 – Hammerfest, Øksfjord und Mitternachtsspektakel

Der erste Schneefall

Der erste Schneefall

Erneut nehmen wir Kurs auf Hammerfest, gut ausgeruht nach einer ereignislosen Nacht und einer überraschend ruhigen Barentssee. Allmählich gibt es sogar erste Spuren von Winter: Etwas Schnee liegt auf dem Sonnendeck und den Rettungsbooten. Für Ende Februar und diesen Breitengrad allerdings erschreckend wenig…

Bei der Gelegenheit noch ein Wort zur Schiffsausstattung: Um das Stromnetz zu schonen, stehen private Föns auf der Verboten-Liste, dafür gibt es in jeder Kabine einen fest installierten Fön. Dieses Milliwatt-Modell und ich werden aber wohl keine Freunde mehr. Der Schlauch wird zwar schön warm, aber mit der lauen Warmluftbrise, die er produziert, sind trockene Haare ein Geduldsspiel. Naja, besser als nicts, und die Hurtigruten-Schiffe sind ja bekanntlich keine Kreuzfahrtschiffe.

Mit 10.000 Einwohnern nennt sich Hammerfest nördlichste Stadt Europas, obwohl Honnigsvåg seit ein paar Jahren ebenfalls Stadtrecht hat. Das Städtchen hat einiges zu bieten, wie wir beim Studieren des Stadtplans (und beim Ausprobieren unserer Norwegischkenntnisse) herausfinden. Zum Beispiel das Lekeland, an dem wir leider vorbeistürmen. Oder den Mikkelgammen – das Zelt vom Mikkel, zu dem wir leider nicht vordringen können, da an Land doch noch einiges an Schnee liegt. Und natürlich der Isbjørnklubben, den wir auf Rat der erfahreneren Mitreisenden aber erst auf dem Rückweg machen.

Sehr bequem: Eine bis zur Sitzebene eingeschneite Parkbank.

Sehr bequem: Eine bis zur Sitzebene eingeschneite Parkbank.

Da in Hammerfest doch noch einiges an Schnee liegt, brechen Nick, Sandra und ich den Weg zum Mikkelgammen nach dem ersten Meter des steilen Zickzackwegs ab. Andere trauen sich fast bis ganz oben, und einige wenige unserer Reisegruppe sogar bis ganz oben – aber nicht mehr herunter. Zum Glück fährt ein Bus zurück zum Hafen… Mit rund 10.000 Einwohnern ist auch Hammerfest sehr übersichtlich, und die Zahl der Sehenswürdigkeiten ist überschaubar. Auf dem Rückweg treffen wir wieder mit Volker und Sabine zusammen und nutzen den örtlichen Supermarkt, um uns mit Süßigkeiten einzudecken. Eis gibt’s auch – wenn ich am Nordkap schon keines hatte, dann wenigstens in Hammerfest. Auf dem Weg zum Hafen treffen wir dann noch Kirsten, die uns zu einem Fotoshooting an einem Eisbärpärchen überredet. Dabei erregt die wohl nördlichste Dönerbude Europas unsere Aufmerksamkeit: Nach einer sehr fischlastigen Woche wäre das eine willkommene Abwechslung, aber sie macht erst um 13:00 auf – eine Viertelstunde, nachdem wir Hammerfest verlassen haben. Schlechtes Timing.

Im Isbjörnklubben gibt es Ausstellung und Souvenirshop (Immerhin: Ich finde einen kleinen Eisbär als Magnet, ideal um z.B. den Magnetstreifen der Cruisecard zu löschen…), und wer will, kann auch Clubmitglied werden. Damit haben wir Hammerfest dann auch abgehakt (einige Cafes sehen ganz einladend aus, aber die Zeit drängt), und die Fahrt geht weiter südwärts. Mein heutiger und letzter Vortrag gegen 15 Uhr (Thema: Sternbilder und Sternsagen) hat eine fixe Deadline: Um 16:30 sollen sich alle an Deck zum Gruppenfoto versammeln. Dann passieren wir nämlich den Øksfjord-Gletscher, der eine schöne Kulisse abgibt. Bei über 70 Teilnehmern habe ich zum Glück ein Weitwinkelstativ dabei…

Polarlicht-Tromsoe2014-1Beim Abendessen werden wir unter Druck gesetzt: Der Kapitän meldet erste Polarlichter. Und das heute, wo noch das Mitternachtskonzert in Tromsø auf dem Plan steht. Wir bleiben standhaft und essen brav auf (bezahlt ist bezahlt), und dann geht’s an Deck. Zunächst ist nicht so viel los, und die Polarlichter sind Bug voraus – da ist ohnehin kein Platz, sich mit der Kamera an Deck 5 zu positionieren. Nachdem das Polarlicht steuerbord voraus nachlässt, geht’s auf das Sonnendeck – und dann geht die Show erst richtig los. Mal zieht sich ein breiter, langsam verändernder Bogen quer über den Himmel, mal tanzt das Polarlicht richtig schnell über den Himmel. Die Grünfärbung ist deutlich zu erkennen – umwerfend.

Ach da kommt das Polarlicht her...

Ach da kommt das Polarlicht her…

Mal ist das Polarlicht eher schwach, um sich dann wieder voll ins Zeug zu legen – es gibt fast keine Pause, und das Himmelsschauspiel schlägt alle in den Bann. Die Frage, wohin man die Kamera richten soll, ist praktisch unbeantwortbar: Es flackert immer wieder an den verschiedensten Stellen auf. Einmal zischt sogar eine Sternschnuppe durch ein Polarlicht!

Mal unscheinbar und breit...

Mal unscheinbar und breit…

... mit langsamen Veränderungen...

… mit langsamen Veränderungen…

... und dann einfach nur der Hammer: Das Polarlicht zeigt, was es kann!

… und dann einfach nur der Hammer: Das Polarlicht zeigt, was es kann!

Irgendwann ist klar: Wenn das so weitergeht, kann das Mitternachtskonzert in Tromsø noch so toll sein: Dann wird Polarlicht geguckt! Nach fast drei Stunden, als wir uns Tromsø nähern, verblasst das Schauspiel aber dann doch langsam, und gegen die Lichter der Stadt dürfte es keine Chance mehr haben. Eigentlich schade…

Das Finale.

Das Finale.

Immerhin können wir uns so doch das Konzert in der Eismeerkathedrale anhören: Drei Musiker geben eine Stunde lang eine sehr schöne Darbietung, mit Orgelmusik, mal a capella. Die Stimmung passt zu dem Himmelsschauspiel, das wir erleben durften, und nach etwa einer Stunde geht es zurück auf’s Schiff. Feierabend für heute (auch wenn einige noch einmal Ausschau nach Polarlichtern halten, obwohl morgen früh der Vesterålen-Ausflug auf dem Programm steht).

Hurtigruten Tag 10 – Vesterålen, Trollkopf, Stokmarknes

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, nach dem Mitternachtskonzert die Vesterålen-Rundfahrt zu machen? Auch das „En richtge gudn Mor’n in Paradies“, das Marko über die Lautsprecher sendet, ändert nichts daran, dass die Nacht viel zu kurz war: Kurz nach acht sitzen wir im Bus, wo uns unser Reiseführer darüber aufklärt, dass die Notausgänge durch die „roten Extras“ über den Fenstern gekennzeichnet sind (nette Umschreibung für die Nothämmerchen), vorne wahrscheinlich ein Feuerlöscher ist und wir auf der Karte, die er durchgehen lässt, die schwarze Tour machen. Oder die blaue, so genau weiß er das nicht. (Immerhin ist das der einzige Zettel, der rumgeht – auf der Nordkapp-Tour waren es ein paar Bilder zu viel, die so gezeigt wurden.)

Vermittelt ein Gefühl von Weite: Die mittelalterliche Trondenes-Kirke bei Harstad.

Vermittelt ein Gefühl von Weite: Die mittelalterliche Trondenes-Kirke bei Harstad.

Die Vesterålen-Bustour wurde von Marko als der Ausflug mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis angepriesen – verkaufen kann er ja:-) Der erste Halt war nach kurzer Fahrt die Trondenes Kirke. Vor über 1000 Jahren wurden hier die ersten Wikinger zwangsgetauft; die Kirche selbst ist aber nicht ganz so alt. Innen ist sie prächtiger als außen, und bevor wir sie und das benachbarte (sehenswerte) Museum erkunden können, steht erst einmal eine kleine Messe an.

Im Museum werde ich dann auch endlich bei meiner Souvenirjagd fündig: Hier gibt’s die Gläser, mit denen wir uns beim Wikingerfest auf den Lofoten zugeprostet hatten (Skøl!), und für die ich im dortigen Shop keine Zeit hatte. Gekauft. Das Wikinger-Spiel, das sie auch anbieten, lasse ich aber liegen. Nächstes Jahr vielleicht… Wer es online spielen will: Hnefatafl. Hat seinen Reiz.

Blick von der Brücke über den Gezeitenstrom.

Blick von der Brücke über den Gezeitenstrom.

Unsere Tour führt uns durch Harstad auf die andere Seite der Insel, wo eine kleine Wanderung ansteht: Eine kleine Brücke führt über einen Gezeitenstrom mit herrlich klarem Wasser. Einige vorsichtige Mitreisende hatten schon Spikes angelegt, aber obwohl am Straßenrand noch Eis lag, war die Wanderung auch so gut zu bewältigen: Keine zehn Minuten später saßen wir wieder auf der anderen Seite der Brücke im Bus und waren alle ganz erschöpft:-)

Eine Theorie, warum wir hier zu Fuß über die Brücke mussten, ist ihre Traglast… aber so musste sie die Touristen aus drei Bussen und einen leeren Bus aushalten – schließlich musste er uns ja am Ende unserer Wanderung wieder einsammeln, und dazu mussten wir ihn erst einmal über die Brücke lassen. Egal, war trotzdem schön, und so haben die Anwohner des benachbarten Gehöfts auch etwas zu sehen (Guck mal, die Touris wieder!).

Dann ging es mit dem Bus auf die Fähre, wo Kaffee und (etwas) Kuchen serviert wurden – aber der Blick von der Fähre auf die Landschaft war reizvoller als die Aussicht, sich einen Platz suchen zu müssen. Vorbei an einem neu errichteten, vollautomatisierten Kuhstall ging es weiter zum Trollkopf. Man braucht wirklich nicht viel Fantasie, um in dem Gebirgszug einen schlafenden Troll zu erkennen.

Der Trollkopf.

Der Trollkopf.

Wer im Bus keine Fotogelegenheit hatte: Wir legen einen kurzen Fotostopp ein, der auch gut genutzt wird. Je weiter wir durch die traumhafte Landschaft der Vesterålen fahren, desto besser wird das Wetter. Tragisch: Wir kommen auch an den Ruinen eines Orts vorbei, der vor einigen Jahren von einer Lawine ins Meer gespült wurde. So schön die Landschaft auch ist, ungefährlich ist sie nicht, erst recht nicht im Winter. Ein Denkmal erinnert an den Ort. Auf der Fahrt kommen wir auch an weiteren verlassenen Häusern vorbei: Viele junge Menschen zieht es in die Städte.

 

Die Nordkapp von oben

Die Nordkapp von oben

Für die nächste Fotogelegenheit müssen wir noch zwei Ehrenrunden drehen: Vor Sortland führt eine Brücke über den Sund, und wir haben die Gelegenheit, unser Schiff von oben zu sehen – am Bug haben sich die Mitreisenden versammelt, um uns zuzuwinken. Da man auf der Brücke nicht anhalten darf (wohl aber langsam fahren), mussten wir unsere Überfahrt gut timen.

Andi und Daniela, das schweizer Pärchen, mit dem wir mittlerweile guten Kontakt haben, hat die Nordkapp übrigens mittlerweile in Nordknapp umgetauft – dieser ständige Stress, das Schiff, die Vorträge oder die Polarlichter nicht zu verpassen… (Bei dieser Gelegenheit schöne Grüße in die Schweiz, ich meld mich noch!)

Gut möglich, dass es der Ausflug mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ist, aber eins weiß ich: Wenn ich ihn nochmal buche, dann nicht unbedingt nach dem Mitternachtskonzert. In 24 Stunden zweimal hintereinander in einer Kirche… Schön war die Reise aber auf jeden Fall, und unser Reiseführer hat auch einiges zu erzählen gewusst.

Auf der Brücke der Finnmarken.

Auf der Brücke der Finnmarken.

Zurück an Bord, ist unser nächster Halt Stokmarknes mit dem Hurtigruten-Museum. Wir folgen dem Rat, gleich auf die Finnmarken zu gehen, die Teil des Museum ist – so können wir uns in Ruhe umsehen. Auf die Brücke der Nordkapp dürfen wir nicht mehr (wegen 9-11 in New York, und weil irgendein Idiot vor nicht allzu langer Zeit an allen Knöpfen gedreht hat, sodass das Schiff beinahe außer Kontrolle geraten war. Vielen herzlichen Dank – Intelligenz ist wirklich kein Selektionsmerkmal), aber auf der Finnmarken können wir uns umschauen. Das Schiff ist wohl etwa die Größenordnung der MS Lofoten – und danach weiß man den Luxus der Nordkapp umso mehr zu schätzen. Gemeinschaftsdusche auf dem Gang, aber ein extra-Salon für die Damen – na danke. Dann doch lieber die Nordkapp, die noch nicht so imposant wie die Midnatsol und die anderen modernen Hurtigrutenschiffe ist, aber auf der man es sehr gut aushalten kann. Eine Mehrtagestour auf der MS Lofoten dürfte schon etwas spezieller sein, wobei ich verstehen kann, dass es genug Interessenten dafür gibt.

Im Museumsshop werde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass mein Schiff in acht Minuten ablegt – Nordknapp, wohl wahr. Weiter geht die Reise durch Fjorde und Sunde mit schneebedeckten Bergen, bis wir gegen 17 Uhr das nächste Highlight erreichen: Den Eingang des Trollfjords, diesmal bei Tag. Wir platzieren uns auf dem Sonnendeck, und diesmal hält der Kapitän Bug voraus vor dem Trollfjord – hinenfahren darf er nicht, das Risiko durch herabstürzendes Eis oder Gestein ist zu groß.

Wer macht das erste Bild vom Trollfjord?

Wer macht das erste Bild vom Trollfjord?

So sieht er also bei Tag aus… Das Gedränge an der Reling war übrigens nicht nötig, diesmal bleibt genügend Zeit für Fotos.

Mittlerweile sind wir weit genug südlich und das Wetter ist wieder schlecht genug, dass heute kein Polarlicht-Alarm kommt (obwohl in diesem Gebiet regelmäßig noch schöne Polarlichter gesehen wurden), und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen. Ich nutze die Zeit, um für unsere Abschlussveranstaltung morgen Abend noch eine kleine Diashow zusammenzustellen, um die Reise Revue passieren zu lassen.

Was ebenfalls ausklingt: Mein Datenroaming. An Bord gibt es zwar WLAN, aber das Internet ist a) langsam und lässt b) keine E-Mails durch. Mit dem Gruppenbild hatte ich mein Highspeed-Datenvolumen bereits gestern aufgebraucht, und ich war zu geizig, nochmal zu verlängern (oder für 3 Euro Tagespässe zu buchen). Also war ich erst mal offline. Auch schön.

Hurtigruten Tag 11 – Trollfjord, Antarktis, 7 Schwestern und ein letztes Mal

Langsam ist wirklich Endspurt bei unserer Reise, kaum zu glauben. Und endlich: Ein schönes Bild vom Trollfjord! Oder zumindest von der MS Trollfjord, die uns nordgehend um kurz nach acht Uhr morgens begegnet – ein schöner Auftag für einen herrlichen Tag.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Die nordgehende MS Trollfjord, an einem richtge gudn Morgn in Paradies.

Warten auf das perfekte Bild

Warten auf das perfekte Bild

Die Begrüßung der beiden Schiffe sollte auch jeden noch so motivierten Langschläfer geweckt haben, sodass eine Stunde später alle Mann auf dem Sonnendeck sind: Wir überqueren erneut den Polarkreis. Nach etwas Verwirrung (Tourguide Marco: Backbord/Links sehen Sie die Insel mit dem Globus [hektisches Gerenne nach links] die wir gleich Steuerbord/Rechts passieren werden [hektisches Gerenne zurück]) sind dann alle auf Position, und bei bestem Wetter verlassen wir gegen 9:20 das Polargebiet. Bis zum nächsten Mal… Immerhin dürfte bei diesem herrlichen Wetter jedem das gewünschte Bild gelungen sein, und es gibt noch eine Überraschung: Das Nebelhorn der Nordkapp hat nicht nur alle Passagiere, sondern auch ein paar Seeadler geweckt, die nun den Globus umkreisen. Ein hübscher Anblick.

Natürlich gibt es auch bei dieser Polarkreispassage eine kleine Überraschung: Einen Löffel Lebertran, und man darf den Löffel sogar behalten. Von wegen, in Norwegen gibt’s nichts geschenk. Unverschämt sind allerdings die älteren Passagiere, die den Lebertran wegschütten und sich nur Löffel und den Schnaps hinterher sichern. Leider hatte ich das nicht gesehen, so geht’s ja mal gar nicht.

Polarkreiskugel mit Seeadler

Polarkreiskugel mit Seeadler

Um 11:15 stand dann ein ganz besonderes Highlight an: Marco zeigt die Bilder, die er bei 60? Antarktis-Reisen gemacht hat. Ein eindrucksvoller Kontinent, aber man muss Eis und Pinguine mögen. Durchaus sarkastisch berichtet er von den Problemen, die bei diesen Expeditionsreisen auftreten (zum Beispiel, dass bei Kap Hoorn bei schlechtem Wetter eigentlich jedem schlecht wird – aber die Passage dauert ja nur 36 Stunden) und wie klein die Nordkapp neben den riesigen Kreuzfahrtschiffen ist. Der Vortrag war auf Englisch, da wir den deutschen ein paar Tage zuvor verpasst hatten. Aber dass er nur ein wenig geknipst hat, glaubt ihm bei diesen Bildern niemand. Wenn das keine Lust auf eine Antarktistour macht… Schon mal mit dem Sparen anfangen.

Und weiter geht’s im Programm: Mittagessen (ein letztes Mal), dann ein kleiner Umtrunk mit der Gruppe zum Abschied, garniert mit meinen Reisefotos, die die letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen, und Infos zum Ausschiffen morgen früh: Wir haben eine Stunde länger als die normalen Passagiere, die in Trondheim aussteigen, und da wir erst später am Flughafen sein müssen, bleibt uns noch genügend Zeit für einen weiteren Aufenthalt in Trondheim.

Anschließend gibt’s schon den nächsten Fototermin: Die sieben Schwestern, dieses Mal nicht der Wasserfall in einem Fjord (der nur im Sommer befahren werden kann), sondern eine Bergkette, die in einigen Sagen eine Rolle spielt. So nah wie wir an der Küste vorbeifahren ist das ein klarer Fall für’s Ultraweitwinkelobjektiv.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

De syv Søstre – die sieben Schwestern.

Noch einmal die herrliche Landschaft genießen, und dann erreichen wir auch schon Brønnøysund – ein malerisches Städtchen mit einer wunderschönen Hafeneinfahrt. Hier haben wir über eine Stunde Zeit – genug, um die Ortschaft zu erkunden, Bilder vom Schiff zu machen oder im Einkaufszentrum Braunen Käse zu bunkern. Diese Norwegische Spezialität ist allerdings nicht mein Ding und hat denjenigen, die zugeschlagen haben, am nächsten Tag leichte Probleme bereitet: Der Scanner der Flughafensecurity konnte mit dem Zeug auch nichts anfangen, da war dann Taschen ausräumen angesagt.

Das Loch im Torghatten von Norden...

Das Loch im Torghatten von Norden…

Im Sonnenuntergang ging die Reise dann weiter – rechtzeitig, um das Loch im Berg aufs Bild zu bannen. Von Brønnøysund aus kommen ist es sehr dezent, beim Blick zurück dann deutlich auffallender.

... beim Blick zurück dagegen deutlich auffallender.

… und beim Blick zurück deutlich auffallender.

Viel Zeit für Fotos blieb aber nicht, da um 18:30 schon wieder das Abendessen serviert wurde. Und so segelten wir in den herrlichen Sonnenuntergang, und das Abenteuer nahm sein Ende.

Moment.

Klarer Himmel? Da war doch was. So weit südlich sind wir noch nicht, dass Polarlichter keine Chance hätten, und die Prognosen sehen gar nicht schlecht aus. Also wird gleich nach dem Essen auf Deck gestürmt (nach einem Abstecher auf die Kabine, Kamera und Stativ holen), der Kapitän gebeten, das Licht abzuschalten (klappt hervorragend – vielen Dank für diesen Service) und Ausschau gehalten.

Vorerst ist nichts zu sehen, also sammeln wir uns erstmal im Svalbard-Salon mit der Bar. Einige unserer Gäste laden uns zum ein oder anderen Drink ein, und so habe ich dann auf einmal zwei Guiness vor mir stehen (nachdem ich meins ausgetrunken hatte). Auch nicht schlecht – nur das mitten drin der Polarlichtalarm los geht. Schnell ein guiness ausgetrunken und ab an Deck: Die Show geht weiter. Ab 23 Uhr können wir über eine Stunde noch einmal das Schauspiel in der Ferne bewundern, das wir langsam hinter uns lassen. Das gute daran: Draußen wird mein Guiness auch wieder kalt:-)

Ein letztes Mal klicken die Kameras, und zum Abschied gibt sich das Polarlicht noch einmal Mühe – auch wenn es das letzte überwältigende Ereignis nicht mehr toppen kann.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Ein Polarlicht zum Abschied, Blick vom Heck zurück.

Diesmal machen sich die neu zugestiegenen Fahrgäste negativ bemerkbar: Irgendjemand, der zumeist nur Englisch versteht, steht immer vor der Kamera. Aber wir haben doch die Gelegenheit für letzte Abschiedsfotos. Was bleibt, sind randvolle Speicherkarten und die Erinnerung an eine einmalige, wiederholenswerte Fahrt. Der Hurtigrutenvirus hat eindeutig identifiziert.

Nochmaaal!

Hurtigruten Tag 12 – Trondheim und der Rückflug

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

So stellt man sich ein Postschiff vor: Die MS Lofoten.

Das wars also: Ein letztes Frühstück, alles in den Koffer stopfen, wo man gestern wegen dem letzten Polarlicht nicht dazu gekommen war, und um 9:00 war Treffpunkt an der Rezeption ausgemacht. Aber als gute deutsch-schweizer Reisegruppe waren um 9 Uhr natürlich schon alle am Transferbus. Für einen Besuch auf der Lofoten, die mit der Nordkapp am Kai liegt, bleibt keine Zeit: Man ist ja auch Ansprechpartner und will ggf. beim Gepäck helfen, außerdem ist das die Chance, einige Leuten noch Adieu zu sagen.

Anstatt direkt zum Flughafen zu fahren und uns dort die Beine in den Bauch zu stehen, machen wir noch einen längeren Halt am Nidaros-Dom: Fast eineinhalb Stunden bleiben uns, um noch einmal Trondheim unsicher zu machen. Einkaufen, die Gassen bewundern… wir entscheiden uns für die Festung Kristiansten, die mit einem flotten Fußmarsch gut zu erreichen ist. Da oben bleibt nach gut 20 Minuten Fußweg zwar nicht viel Zeit, aber es langt, um einmal durch die alte Festungsanlage zu schlendern und bei herrlichem Wetter den Blick über Trondheim und zurück zur Nordkapp schweifen lassen, die noch im Hafen liegt. Als sie noch einmal tutet, damit alle Passagiere an Bord kommen, wird so richtig bewusst, dass die Reise nun zu Ende ist.

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten

Hoch über Trondheim: Die Festung Kristiansten.

Der berühmte Fahrrad-Lift

Der berühmte Fahrrad-Lift

Auf dem Rückweg stolpern wir noch über eine Sehenswürdigkeit, über die uns an Bord vorgeschwärmt wurde, die wir beim letzten Mal aber glatt übersehen hatten: Den Fahrradlift. Trotz des frühlingshaften Wetters ist er nicht in Betrieb, aber das Prinzip wird klar: Man setzt sich auf sein Rad, einen Fuß auf den Lift, und der katapultiert einen dann den Hügel hoch. Cool. Mit Einstellmöglichkeit für Anfänger und Profis. Sehr nett.

Aber es gibt kein Zurück: Wenig später sitzen wir im Bus, auf dem Weg zum Flughafen Trondheim, ein gutes Stück außerhalb der Stadt. Wie in Frankfurt heißt es auch hier, sein Gepäck selber einchecken – obwohl es hier wenigstens noch echte Mitarbeiter gibt, falls es Probleme gibt. Die Security ist diesmal kein Problem (zumindest für alle, die weder braunen Käse noch Marmelade [läuft als Flüssigkeit und somit als Terrorwaffe {ich frag mich grad, ob die skandinavischen Airlines Surströmming im Handgepäck zulassen würden – es ist schon was dran an der Erkenntnis, dass der einzige Beitrag der Schweden zur internationalen Küche die Edelstahlküche ist…}] oder die Sprudelflasche fürs Vesper dabei haben – der Käse darf durch, der Rest muss verzehrt oder entsorgt werden), und dann bleibt genug Zeit, um den Duty-Free-Bereich zu erkunden. Der Versuch, unsere letzten Kronen bei der Pizzeria loszuwerden, scheitert kläglich: Die Gruppe um Volker und mich wird als Trinkgeld für die Fahrt noch auf eine Runde Pizza eingeladen. Besten Dank nochmal Richtung Bodensee:-)

Unwiederstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab's auch auf Französich; die Wahl fiel leicht...

Unwiderstehlich: Trollturen von Ivar Rødningen. Gab’s auch auf Französisch; die Wahl fiel leicht…

In der Buchhandlung werde ich dann aber doch noch etwas Geld los: Nachdem das mit dem norwegisch lesen schon so gut klappt und die Fahrt nicht die letzte gewesen sein wird, schlage ich hier zu. Was gibt es besseres, um zuhause eine Sprache zu lernen, als Bücher in ihr zu lesen? Ich lande bei den Kinderbüchern. Der Verlag der Trollturen sitzt sogar in Trondheim. Beim Vergleichen der Beute hätte Kirsten dann beinahe verraten, wie die Geschichte ausgeht…

Und irgendwann ging dann die Abreise weiter, zuerst ins verschneite Oslo, wo wir am teuersten Burgerstand unsere letzten Kronen los wurden. Praktisch: Zahl mit Kronen und den Rest mit Kreditkarte. Blöd: Unsere Mitreisenden denken langsam, dass wir nur am Essen sind.

Vorher bot sich in einer Buchhandlung noch die Gelegenheit, weitere Kronen loszuwerden. Beim Angebot „Zwei Bücher zum Preis von einem“ kann ich nicht wiederstehen, auch wenn’s englische Romane sind. Hier rächt sich meine Geizigkeit: Wenn ich mir das Datenroaming für eine weitere Woche gegönnt hätte, hätte ich gleich gesehen, dass Norwegen auch dann kein Schnäppchenland für Bücher ist, wenn eins umsonst ist. Was für Preise…

Bevor wir in die Maschine nach Frankfurt einsteigen, können wir der Gruppe noch Ade sagen, die weiter nach Süden fliegt, und und ab dafür. In Frankfurt kommt sogar alles Gepäck an, das Auto ist auch noch da, und dann sind wir fort. Das war’s mit Nordlicht und Sterne 2014 für uns.

Ich habd doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten...

Ich hab doch ganz schön viel fotografiert, wie die GPS-Daten verraten…

Was bleibt? Die Idee, im Herbst mal nach Tromø zu fliegen, um Polarlichter von Land aus zu fotografieren. Die Überzeugung, die Reise nochmal machen zu wollen. Die Erkenntnis, dass dieses Pepsi Max gar nicht so schlecht ist (an Bord gab’s keine Coke). Über 6000 Fotos – alle 1,5 Kilometer eines, zum Glück fast alle mit GPS-Koordinaten. Und eindeutig dieser Hurtigrutenvirus. Ich bin jetzt auch im Ambassador-Programm und hoffe, dass sich dafür nicht Hurtigruten bei mir 5% Rabatt und 25% Frühbucherrabatt gönnt, wenn ich die nächste Tour begleite…

Am nächsten Tag kommt dann der Schock mit der Realität wieder, beim Blick in die Mailbox. Mit dem Schwanken an Land hab ich zum Glück keine Probleme, aber mir fehlen die å und ø. MÅ wäre doch ein viel passenderes Kennzeichen für „Monnem“ als MA, oder?

Mit anderen Worten: Wann geht das nächste Schiff?

Taubensuhler Astronächte (mit Polarlichtern und 10Micron Leonardo)

Am ersten Maiwochenende, vom 1. bis zum 4. Mai, veranstalten die Kollegen der Bellheimer Sternwarte wieder ihr Teleskoptreffen, die Taubensuhler Astronächte. Am Samstag, dem 3. Mai werde ich auch da sein: Irgendwann am Nachmittag halte ich meinen Vortrag über die Hurtigrutenreise; die genaue Uhrzeit gibts auf der Bellheimer Webseite. Hier sind ein paar Impressionen von 2010:

1.Taubensuhler Astronächte(2010) from Refek on Vimeo.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Die Leonardo mit einem ED80/600 und Herschelkeil.

Das ganze ist ein Teleskoptreffen, aber ich werde wohl trotzdem ohne Teleskop da aufkreuzen (oder vielleicht den kleinen 60er Lunt der Heilbronner Sternwarte mitnehmen, mal schauen). Was aber da sein wird: Die 10Micron Leonardo Großfernglas-Montierung, die wir grad in Heilbonn zum Testen haben.

So eine Parallelogramm-Montierung ist eine feine Sache, da ein Objekt immer im Gesichtsfeld bleibt, auch wenn man die Höhe verstellt – aber wenn sie richtig tragfähig sein soll (ein 100mm-Großfernglas liegt locker mal bei 11 kg), wird’s teuer. Es gibt jetzt eine süße Orion Monster Montierung, die für so große Ferngläser beworben wird und lediglich 6,5kg trägt, aber wenn das ein Monster ist, weiß ich nicht, was die Leonardo dann ist – Leviathan? Midgard-Schlange? Imposant ist sie auf alle Fälle, tragfähig auch, und sie läuft butterweich. Den ED80-Refraktor mit Herschelkeil trägt sie auf jeden Fall problemlos, und bei ca. 13kg Taglast würde sogar ein C8 gehen.

Ob sie mal eine neue Heimat in Heilbronn finden wird, wird sich zeigen – am nächsten Samstag wird sie (wenn das Wetter mitspielt) erstmal bei unserem Stand bei Kinder Kinder in der Heilbronner Innenstadt zu sehen sein, danach auf dem TAN und dann natürlich auf dem ATT in Essen.

Also, wer Lust hat, in Ruhe in die Sterne zu sehen oder meine Polarlicht-Reise nochmal nachzuvollziehen, einfach Anfang Mai zum TAN kommen – hoffen wir, dass das Wetter mitspielt.

Nordweh…

Die letzten beiden Wochenenden haben die Taubensuhler Astronächte und den ATT gebracht. Mal sehen, ob ich noch dazu komme, was dazu zu schreiben. War schön, aber stressig. Und im Augenblick habe ich drei Buchprojekte in der Mache, oh Mann… Es wird Zeit, mal wieder ein Projekt abzuschließen.

Hab ich schon erwähnt, dass ich wieder in den hohen Norden will? Bis dahin gibt’s das hier: