Hurtigrute Tag 1: We made it to Bergen!

Schönstes Wetter in Stuttgart

Mir war ja von Anfang an klar, dass die Flugverbindung mit diesem City-Hopping sportlich war, aber wenn das die einzige brauchbare Verbindung von Stuttgart nach Bergen ist: So sei es. Dass mir der Lufthansa-Mitarbeiter am Baggage-Drop viel Glück wünscht, ist natürlich kein besonders aufbauendes Zeichen, aber was soll’s. Oslo hat ein neues Terminal, das Durchchecken vom Gepäck sollte also kein Problem sein (hatte im Mai mit SAS ja perfekt geklappt), und ich habe Plätze schön weit vorne im Flieger reserviert, damit ich schnell aus dem Maschinchen komme, für meinen Spurt durch die Flughäfen. Was kann schon schief gehen?

Dass ich an der Security-Kontrolle in Stuttgart ziemlich alleine bin und daher zufällig für die Sprengstoffkontrolle meiner Kameras ausgewählt werde, wundert mich auch nicht. Irritierender ist, dass ich zusehen kann, wie der Tag dämmert und mein Flugzeug am Gate steht.

Und steht.

Und kurz nach dem offiziellen Start angekündigt wird, dass in etwa zehn Minuten mit dem Boarding begonnen wird. Statt wie geplant um 8:20 verlassen wir das Gate dann um 9:00 und heben 13 Minuten später sogar für den 30-Minuten-Flug ab.Das langt gerade, damit die Business-Klasse Frühstück serviert bekommt.

Nebel in Frankfurt

Gute Neuigkeiten, die schon im Flieger verkündet werden: Frankfurt kämpft mit Nebel, der Anschlussflug hat auch Verspätung. Ein Spurt von Gate A5 nach A25, und ich habe sogar noch 10 Minuten bis zum Boarding. Moni ist auch noch da – damit sind zumindest die Lektoren für die Tour zusammen. Mit ausreichend Verspätung geht es dann nach weiter nach Oslo, wo wir landen, als unser Anschlussflug gerade abhebt.

Und nun? Erst mal zur Gepäckausgabe, weil die Lufthansa nur den Zettel draufklebt, dass das Gepäck bis Bergen durchgecheckt wird, es aber nicht durchcheckt wird. Also Gepäck abholen, durch den Zoll, einen Stock höher und zum SAS-Schalter, wo wir freudig erfahren, dass wir automatisch auf den nächsten ebenfalls verspäteten Flieger umgebucht wurden. Kurz per SMS Kai informiert (einen unserer beiden Reiseleiter), und er erklärt sich bereit, mit dem Bus auf uns zu warten. Uff. In Skandinavien ist ein verpasster Flieger wohl kein größeres Problem als ein verpasster Bus, zumindest wenn alles auf einen Buchungscode läuft und die Fluggesellschaft dafür verantwortlich ist. (Andere traf es übler: Eine Maschine in Amsterdam war überbucht…). Einen Vorteil hat das Gepäckabholen: Ich komme an das Ladekabel für mein Handy ran. Um fünf Uhr morgens hatte ich das doch glatt mit dem Ladegerät ins große Gepäck gepackt, und so zwar die Powerbank dabei, aber kein Ladekabel. Fliegen in den 90ern: Man hat seine Boardingcard auf Papier. Fliegen 2017: Man hat die Boardingcard auf dem Handy. Und die Powerbank, falls der Akku leer geht. Und den Papierausdruck als Backup. Moderne Zeiten.

Also: Endlich ab nach Bergen, und mit nicht zu extremer Verspätung kamen wir beiden Lektoren dann auch als letzte im Bus an. Keine Zeit, um jemanden kennen zu lernen… Aber ich muss sagen, am Flughafen Bergen-Flesland  hat sich einiges getan: Der neue Terminal wurde kürzlich eröffnet, und mittlerweile fährt auch die Bybanen von der Stadt bis zum Flughafen. Chic, nur zum Umschauen bleibt nicht viel Zeit.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es dann ab auf die Trollfjord. Bergen ohne Regen und bei Licht – sehr ungewohnt.

An Bord dann: Schiff erkunden, Bekanntschaften auffrischen (nicht nur im Reiseleiter-und-Lektoren-Team, auch unter den Gästen gibt es Wiederholungstäter) und die Vortragsräume buchen. Und natürlich die Cruisekarte mit der Kreditkarte koppeln, um bezahlen zu können. Außerdem noch Abendessen: Bergenbuffet. Es gibt wieder diese Lachsröllchen und Eis. Lecker.

Vor lauter Organisation (nicht ganz trivial: Es ist wieder eine englische Nordlicht-Gruppe an Bord) und Gerede verpassen wir glatt die Vorstellung der Crew und das Auslaufen aus Bergen – schließlich geht es schon um 20 Uhr los, damit wir morgen den Hjørundfjord mit Urke besuchen können. Schade eigentlich, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. Erst gegen Mitternacht und weit auf offener See schaffe ich es, mal einen Rundgang an Deck zu machen. Kein Regen…

Anschließend heißt es Feierabend. Schließlich sind wir morgen um 8:45 schon kurz in Ålesund.

Übrigens, noch kurz für die Nachwelt: Die Tour geht vom 16.-26.10.2017.

Endlich wieder Hurtigrute

Ein wenig habe ich ja gemischte Gefühle. Einerseits: Die Nordlichtsaison hat wieder begonnen, und ich gehe wieder auf die Hurtigrute! Alte Bekannte treffen (Moni fährt mit) und wieder nach Norwegen gehen. Yay!

Andererseits: Es ist meine einzige Fahrt in dieser Saison. Buhu… Bleibt die Hoffnung, dass es 2018/19 wieder etwas mehr wird.

Straßensperren in Ba-Wü 2017

Und dann: Flug mit Lufthansa ab Stuttgart um 8:20. Eigentlich keine schlechte Zeit, wenn wir nicht 2017 hätten und man wegen dem Security-Theater zwei Stunden vorher am Flughafen sein sollte. Und eine halbe Stunde für den Transfer (wieder mit dem erprobten Flyaway-Service) vom Parkplatz zum Flughafen einplanen müsste, weil sich Terminalparken ja kein Mensch leisten kann. Hieße um 6 Uhr in Stuttgart sein – und dass heute, wo in Baden Württemberg eh alle Straßen geschlossen sind. Die Zeiten, in denen Autofahren Spaß macht, sind lange vorbei.

Die Highscore für die Fahrt nach Stuttgart

Also was bleibt: Am Vortag anreisen, weil man nie weiß, wie lange man für die rund 70 km von Heilbronn oder diesmal Karlsruhe braucht. Die Lösung: Ein 200-Euro-Hotelzimmer im Herzen Stuttgarts nehmen (Listenpreis laut Booking.com, gekostet hat es real nur 29,-), über Parkopedia einen bezahlbaren Parkplatz suchen und ab da für. Geschätzte Reisezeit weniger als eine Stunde, gedauert hat’s dann ohne morgendlichen Berufsverkehr 1:44 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h. Zum Vergleich: Die Trollfjord, auf die morgen gehen werde, läuft 16 Knoten (30 km/h). Immerhin ist die Anreise so entspannter, und das Hotel Hansa ist direkt gegenüber vom Vapiano und einer Bäckerei. Das Überleben bis zum Bergenbuffett morgen ist gesichert.

Blick in ein 200-Euro-Hotelzimmer (Listenpreis).

Ach ja, Lufthansa: Die genießen zwar keinen Ruf als Billigflieger, aber sie neigen dazu, das Handgepäck zu wiegen. Das durfte ich zumindest in Edinburgh im August erleben. Ist ja im Prinzip kein Problem, aber es wäre sinnvoller, mal auf die Größe statt auf das Gewicht zu achten – bei dem, was manche als Handgepäck an Bord schleppen… Also 8kg max. Und ob ich meinen Koffer jeweils wieder sehe, wird sich zeigen – in Frankfurt und Oslo heißt es umsteigen mit jeweils weniger als einer Stunde Zeit bis zum Abflug. Plätze vorne im Flieger sind reserviert.

Das ist ein Nachteil der Oktobertour: Da es in den Hjørund-Fjord geht statt eines längeren Aufenthalts in Ålesund, legt das Schiff schon um 20:30 in Bergen ab. Sollte ich also nichts mehr von der Tour berichten, waren die Umsteigezeiten doch zu kurz…

Schnappschuss der Mondfinsternis

Irgendwann sind partielle Mondfinsternisse nicht mehr das große Spektakel, aber sie sind doch immer wieder hübsch anzuschauen. Heute ging der Mond teilverfinstert auf, und je weiter er über den Horizont stieg, desto weiter wanderte er aus dem Erdschatten heraus, den er ohnehin nur gestreift hat. Netter Anblick.

Partielle Mondfinsternis am 7.8.2017

Nikon D7100 bei 200mm Brennweite und leichten Fokussierproblemen. Ich hoffe, bis zum großen Schottland-Trip fängt sie sich wieder…

Neues Buch: Digiskopie – Fotografie mit Spektiven

So ganz langsam gewöhn ich mich dran: Ich hab mal wieder ein neues Buch draußen! Trotzdem ein schönes Gefühl…

Diesmal geht es um Fotografie, genauer gesagt: Wie fotografiere ich mit Handy, Kompaktkamera oder DSLR durch Fernglas oder Spektiv? Im Prinzip ist das ja einfach und benötigt kein Buch, aber es gibt doch einiges, worauf man achten kann und sollte, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Ich hätte vorher nie gedacht, was man alles über Fotostative schreiben kann…

Im Augenblick läuft die Veröffentlichung auf Amazon; bis zum Wochenende sollte es als Print- und EBook verfügbar sein. Es ist wieder einmal nur über Amazon erhältlich – ich hatte es diesmal zwei Verlagen angeboten, und einer hat sogar geantwortet, aber die Digiskopie ist doch noch nicht so bekannt, dass sie zugegriffen hätten. Aber offen gesagt: Der einzige Nachteil ist, dass es nicht über den stationären Buchhandel erhältlich ist. Vielleicht bringe ich ja eines der nächsten drei Projekte bei einem Verlag unter; aber ich bin mit Amazon auch nicht unzufrieden. Damit habe ich immerhin volle Kontrolle, auch wenn ich mich um alle Bildrechte selbst kümmern muss.

Bei einem Buch über Fotografie ist der günstigere Schwarz-Weiß-Druck natürlich sinnlos, daher gibt es das Büchlein nur in Farbe – und als EBook, wieder einmal ohne DRM. Die Datei lässt sich also mit den üblichen Programmen auch für andere Geräte als den Kindle konvertieren, auch wenn sie nur über Amazon vertrieben wird. Da Sachbücher eher selten von vorne bis hinten durchgelesen werden, kann ich es aber nur zum Kauf und nicht zum Ausleihen anbieten. Amazon bezahlt pro gelesener Seite…

Made with an iPhone

Mit dem Blick ins Buch kann sich dann aber wie üblich jeder einen Eindruck davon verschaffen, was ihn erwartet. Bis der aktiviert ist, hier schon einmal die Kapitel:

Das richtige Spektiv
Überblick über die verschiedenen Bauarten und worauf zu achten ist
Wissenswertes über Stative
Worauf man beim Kauf von Stativen und Kugelköpfen achten sollte
Die richtige Kamera
Was sollte eine Kamera können, damit man sie sinnvoll mit dem Okular „verheiraten“ kann
Die Kamera am Okular
Alles zur Kameraadaption – von Freihand bis zu professionellen Lösungen
Etwas Theorie
Ein paar Formeln, aber auch Bildbearbeitung
Bildfehler
Was alles schief gehen kann
Zum Abschluss…
Bildgestaltung, Motive finden und mehr.

Wem das Buch gefällt: Gerne weitersagen:-) Und wer beim Fotografieren Erfolg hat: Vom Handy aus lassen sich die Bilder ja wunderbar weiterverbreiten. Viel Spaß!

Mit Handy und Spektiv sind Bilder möglich, für die man vor kurzem noch eine DSLR mit großem Teleobjektiv benötigte

Die 2. Auflage von Astronomie mit einem Celestron-Teleskop ist erhältlich

In den letzten Monaten habe ich – wenn ich nicht in Norwegen war – still und heimlich am Update meines Celestron-Buchs gearbeitet. Eigentlich war das schon für kurz nach der Photokina geplant, als Celestron einige neue Montierungen und Teleskope vorgestellt hatte, aber man kommt ja zu nichts. Und dann kam zum Jahresbeginn noch die CGX-L als neue High-End-Montierung dazu, was das Projekt wieder etwas aufgehalten hat.

Und wie üblich dauert der Kleinkram am längsten – ich habe das Layout nochmal optimiert (mehr Platz am Bund), und natürlich ist der ganze Text noch mehrmals gegengelesen worden. Irgendwas findet man doch immer, was man hätte besser machen können. Für die nächsten Jahre dürfte das Buch jetzt wieder aktuell sein.

Wer noch die 1. Auflage gekauft hat, muss sich aber nicht ärgern, die meisten Änderungen betreffen nur Details, und eben die Vorstellung der neuen Teleskope. Den Preis vom gedruckten Buch musste ich leicht anheben (um 50 Cent), dafür ist der vom EBook konstant. Leider funktioniert das Bundling von Print und EBook in Deutschland weiterhin nicht – auf EBooks ist eine andere Mehrwertsteuer als auf gedruckten Büchern, wohl deshalb kann das EBook nicht mit dem gedruckten gebundelt werden. Schade eigentlich.

Blick ins Buch: Das Layout ist noch einmal für Schwarz/Weiß optimiert worden. Den Blick ins Buch gibt’s auf Amazon.

Alt und neu

Die aktualisierte zweite Auflage ist wie üblich exklusiv auf Amazon erhältlich – da kein Verlag hinter mir steht, kann ich es leider nicht über den stationären Buchhandel anbieten.

So, und jetzt muss ich den Kopf für das nächste Projekt freikriegen…

Hurtigrute GRP 102 – das Nordlichtvideo

Das war’s – jetzt ist diese Reise auch abgeschlossen. Der Rückflug war noch etwas spannend, da mein Anschlussflieger in Kopenhagen technische Probleme hatte. Nach vier Stunden vergeblicher Suche nach bezahlbarem und günstigem Essen auf dem Flughafen stand daher überraschend noch ein kurzer Gatewechsel an, und mit ein paar Minuten Verspätung begann dann das Boarding – mit einer ausgedehnten Flughafenrundfahrt zur ausgekühlten, aber einsatzbereiten SAS-Maschine. Nur eine funktionierende Toilette vorne und Wasser für Kaffee und Tee gab es nicht. Dafür hatte ich keinen Sitznachbar, und mit meinen Vielflieger-Eurobonus-Punkten konnte ich mir eine Cola und zwei Schokoriegel als Abendessen leisten. Das war fast wie erste Klasse fliegen… Kurz vor Mitternacht stand ich dann noch kurz im Stau auf der Autobahn bei Stuttgart, bevor ich wieder heimatliche Gefilde erreichte.

Mittlerweile ist die Reise auch soweit aufgearbeitet, und das Polarlicht-Video ist auf Vimeo hochgeladen:

Nordlicht und Sterne auf der Hurtigrute im Februar 2017 from Alex Kerste on Vimeo.

Wenn ich gut drauf bin, stelle ich meine Reisefotos als Filmchen auch noch ins Netz, aber frühestens nächste Woche, wenn ich wieder Kontingent für den Video-Upload hab.

Was sonst noch bleibt ist die Erinnerung an eine traumhafte Reise und ein Dankeschön an alle, die sich mit einem Øl oder andersweitig erkenntlich gezeigt haben:-) Und noch als schamlose Eigenwerbung: Wem mein Begleitbuch gefallen hat – ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon. Eigenwerbung Ende:-)

Für mich steht die nächste Hurtigrutentour im Oktober an, bislang die einzige im nächsten Winter. Aber vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Takk for turen!

Hurtigrute Tag 10 & 11: Helgelandküste, Trondheim und Abflug

Mein Plan, heute auszuschlafen, wird kurz nach acht Uhr durch die Trollfjord vereitelt. Ich hätte den Info-Kanal ausschalten sollen. Immerhin bin ich so rechtzeitig wach für die erneute Überquerung des Polarkreises.

Am Polarkreis

Zur Passage bin ich kurz an Deck, danach ruft die Arbeit: Mein Polarlicht-Zeitraffer-Filmchen von der Fahrt nach Tromsø ist endlich fertig, Johan stellt ihn wie gesagt auf den Facebook-Kanal der Nordkapp, und ich mache mich daran, die Abschluss-Veranstaltung für unsere Gruppe vorzubereiten. Das schluckt auch noch Zeit, vom letzten Reisetag bekomme ich immer recht wenig mit. Zwischendurch fahren wir bei schönem Wetter Nesna an, dann geht es weiter nach Sandnessjøen. Die halbe Stunde Liegezeit langt zwar eigentlich, um von Bord zu gehen und die zahlreichen Statuen in der Stadt anzuschauen, ich nutze die Zeit aber lieber für’s Mittagessen.

Die sieben Schwestern

Als wir die Stadt verlassen, macht Martin vom Expeditionsteam einen Point of Interest auf Deck 7 zu den sieben Schwestern, anschließend wird ein Film zur Sage gezeigt. Dann bleiben noch ein paar Minuten, um die letzten Bilder zu zeigen, bevor das Programm weiter geht: Um 14:30 Gathering mit dem Expeditionsteam auf Deutsch (mit meinem Filmchen), um 15 Uhr unsere Abschlussveranstaltung, und um 15:45 erreichen wir auch schon Brønnøysund. Wir sind pünktlich genug fertig, sodass noch Zeit für einen kurzen Spaziergang durch den Ort bzw. das Amfi-Einkaufszentrum bleibt. Hübsches Städtchen, und eine der wenigen Gelegenheiten, um das Schiff mal von vorne zu fotografieren. Außerdem halten wir direkt an der Eisdiele. Da es an Bord kein Eis mehr zum Nachtisch gibt, kann ich hier für 40 NOK mit drei Kugeln meine Entzugserscheinungen mildern.

Nachdem wir Brønnøysund um 17:00 verlassen, steht noch ein Abstecher am Torghatten an, dem berühmten Berg mit Loch. Auf der letzten Fahrt der Nordkapp war es noch zu dunkel, jetzt ist es hell genug, dass sie einen kleinen Umweg fährt, damit wir einen perfekten Blick auf das Loch haben.

Das Captain’s Dinner gibt es nicht mehr, da jetzt alle halbe Stunde eine Essenssitzung beginnt, dafür lädt das Schiff zu Sekt ein. Gratis. In Norwegen. Nicht alle können das glauben, aber es ist tatsächlich wahr. Da genug Passagiere mit gezückten Kameras am Bug bzw. auf Deck 7 stehen, verläuft sich diese Veranstaltung etwas.

Anschließend steht unser „letztes Abendmahl“ an, danach werden die Koffer langsam gepackt. Kamera und Stativ bleiben draußen – vielleicht macht das Wetter doch noch mal mit, und es gibt ein letztes Polarlicht. Hat ja schon ein paar mal geklappt…

Schiffstreffen in Rørvik

In Rørvik treffen wir die Kong Harald (und die Wiederholungstäter geben ihr Leergut im Coop ab), allerdings verzichte ich diesmal auf einen Besuch auf dem Schiff. Ich war ja erst bei der Novembertour auf dem Schiff, als wir ihm in Trondheim begegnet waren.

Dann heißt es warten, ob der Himmel aufklart. Aber die Hoffnungen werden enttäuscht: Bis etwa 23 Uhr bleibt es bei einer geschlossenen Wolkendecke. Ein paar Mal soll Polarlicht zwischen den Wolken durchgeblitzt sein, aber das ist mir entgangen. Gegen Mitternacht mache ich dann Feierabend, schließlich klingelt der Wecker morgen früh genug.

Bug an Bug mit der Lofoten

Der Rest ist schnell erzählt: Am 3. März legen wir pünktlich in Trondheim an, bis 9 Uhr müssen wir die Kabinen räumen. Wer nicht zu unserer Gruppe gehört und in Trondheim aussteigt, muss sogar schon um 8 raus. Damit bleibt genug Zeit, um gegebenenfalls die alte Lofoten zu besuchen, die vor uns am Kai liegt.

Viertel vor zehn stehen die Busse bereit, die uns nach einer Stunde Aufenthalt in der Stadt zum Flughafen bringen. Nervig: In Trondheim gibt es zwar Zeit für Shopping, aber die Ark-Buchhandlung in Trondheim hat mal wieder Mammut Salg ab Montag. „Wir können Ihnen das nicht verkaufen, das gibt es erst ab Montag, dann aber billiger.“ Ganz toll. Dann kaufe ich halt nichts.

Um 15:05 heißt es für mich Abflug nach Kopenhagen, wo ich gerade mit vier Stunden Aufenthalt rumsitze und dieses Blog fertig schreibe. Um 20:40 geht es dann weiter – immerhin zum Arbeiten ist der Aufenthalt geeignet. Jetzt fehlen nur noch ein paar Interna, für die ich schnelles Netz brauche, statt des Datenvolumens meines Handies.

Tschüss, Trondheim.

Rund neun Minuten ist meine Polarlichtausbeute diesmal lang, mal sehen, was ich da an freier Musik zum unterlegen finde. Mitte Oktober darf ich wieder fahren, bislang meine einzige Tour für den nächsten Winter. Schade eigentlich, aber vielleicht ergibt sich ja noch etwas.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen & Lofoten

Irgendwie ist mein Schlafrhytmus komplett hinüber: Ich bin wieder gegen 7 Uhr wach. Zuhause und mit Wecker fällt mir das schwerer… Aber eigentlich ist das ganz praktisch: Mein Laptop ist im Lauf der Nacht mangels Festplattenplatz aus der Verarbeitung der Fotos der letzten Nacht ausgestiegen, so kann ich ihn erneut auf die Bilder der Nikon ansetzen. 24 Megapixel sind einfach zu viel – noch bis Mitternacht wird er an den 3500 Fotos der letzten Nacht rechnen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Nordkapp hat den Film schon auf ihrer Facebook-Seite, mangels Facebok-Konto kann ich es aber nicht direkt verlinken. Aber wenn ich wieder in Deutschland bin, gibt es wie gewohnt das Video der Reise auf meinem Vimeo-Kanal.

Trondenes-Kirche

Weiterer Vorteil: Ich sehe mal wieder Harstad und kann noch ein paar Fotos der Trondenes-Kirche schießen, bevor es zum Frühstück geht. Die Kirche ist die nördlichste Steinkirche der Welt und markiert den Ort der ersten christlichen Taufen in Norwegen. Seit kurzem gibt es im Hafen von Harstad eine Wasserfontaine, die die Schiffe begrüßt. Den Sinn von den Dingern werde ich wohl nie verstehen… Als vor einigen Jahren eine russische Buran-Raumfähre auf dem Rhein nach Speyer ins Technik-Museum gebracht wurde, hatte mir auch so ein Feuerwehrboot mit Dauerfontaine die Bilder versaut, weil es ständig im Weg war.

Nach dem Frühstück war wieder Reiseleitersprechstunde mit Kai und Margit. Was ich ganz vergessen habe zu erzählen: Gestern war wieder Signierstunde mit Kapitän und Küchenchef. Gleichzeitig hatten wir eine Signierstunde für mein Buch angesetzt, das ja jetzt jeder kriegen sollte, die die Nordlicht-und-Sterne-Themenreise von Hurtigruten Deutschland bucht, auch wenn ich nicht dabei bin. Ich will ja nicht angeben, aber anscheinend war meine Signierstunde besser besucht. Gut, dass ich nicht in Sichtweite vom Captain war… Wer gestern nicht dazu kam, konnte das heute nachholen (oder zu jedem beliebigen anderen Zeitraum auf dem Schiff).

Blick zurück zur Risøyrinne

Das einzige Problem: Von der Risøyrinne kriege ich dadurch diesmal wenig mit. Aber unser Platz an Deck 4 bietet einen schönen Ausblick nach draußen und und wird so langsam zu meinem neuen Stammplatz, nachdem mein alter, bequemer Stammplatz an der Bar auf Deck 7 der Multe-Bäckerei mit ihren Holzstühlen weichen musste. Und da jeder hier auf dem Weg zum Restaurant vorbeikommt, ist er auch schön kommunikativ. Sehen und gesehen werden, außerdem gibt’s hier auch Strom für den Laptop. Ein paar Vorteile hat das neue Design der Nordkapp.

Königsstein in Risøyhamn

In Risøyhamn gehe ich nicht von Bord, sondern fotografiere den Königsstein nur von Deck aus. Hier liegt genug Schnee, dass ich ohnehin nur bis zur Treppe gekommen wäre.

Nach Risøyhamn geht die Fahrt weiter durch die traumhafte Landschaft der Vesterålen, die einige Passagiere per Bus von der Landseite aus erkunden. In Sortland treffen wir wieder zeitgleich mit den Bussen ein, die über die Brücke fahren, während wir darunter durch fahren.

Busse-Winken bei Sortland

Diesmal bin ich der einzige, der mit einem Handtuch zum Winken bewaffnet ist; Martin vom Expeditionsteam winkt mit der norwegischen Flagge, und Johan hält das ganze auf Video fest, für Facebook und das abendliche Gathering mit dem Expeditionsteam. Anschließen steht ein frühes Mittagessen an, bevor die ausgehungerten Ausflügler ins Restaurant strömen…

Kurz bevor wir Stokmarknes erreichen, wird an Deck Fisch filettiert. Irgendwie habe ich dafür aber keine Zeit, Gespräche sind wichtiger. In Stokmarknes grüßt schon die alte Finnmarken am Hurtigrutenmuseum. Wie immer kann ich jedem nur empfehlen, einen Blick in das 50er-Jahre-Schiff zu werfen, das von Hurtigruten-Enthusiasten betriebene Museum samt Schiff ist die 50 NOK Eintritt absolut wert. Denn ganz ehrlich: So viel hat Stokmarknes auch nicht zu bieten…

Stokmarknes

Da es dem privaten Museum an Geldern fehlt, leidet die Finnmarken leider unter ihrem Platz im Freien. Ein Schutzbau ist geplant, aber ob er rechtzeitig kommen wird…

Anschließend führt uns die Fahrt wieder durch die Alpen den Raftsund. Die hohen Bergen praktisch in Reichweite sind immer wieder beeindruckend. Gegen 17 Uhr halten wir auch am Trollfjord, diesmal gestattet uns das Wetter einen Besuch. Wegen der Lawinengefahr können ist der Fjord zwar gesperrt, aber im Rückwärtsgang kommen wir seiner Mündung doch ziemlich nahe. Zur berühmten Schlacht am Trollfjord kam es, weil er einst zugefroren war und die modernen dampfbetriebenen Schiffe das Eis zwar brechen konnten, die Besatzungen jedoch die ärmeren Fischer mit ihren alten Holzbooten an der Einfahrt in den Fjord hinderten. Auch heute treiben größere Eisschollen an der Mündung entlang, die für die Nordkapp kein Problem darstellen, aber für eine kleine Segelyacht zu dick sind.

Svolvær

Da wir um 18:30 in Svolvær sein wollen, gibt es heute bereits ab 17:30 Buffett statt Abendessen mit festen Sitzplätzen. Diesmal steht keine Kneipentour an (in Tromsø war es auch nichts – das wird eine billige Reise), sondern nur ein wenig Beine vertreten. Mein Ziel: Die Brücke zur Insel Svinøya, von der man einen netten Blick auf den Hafen haben soll (stimmt). Unterwegs treffe ich Margit, und gemeinsam geht es noch kurz auf die Insel, wo die Teilnehmer des Ausflugs „Rundgang durch Svinøya“ in einem der Rørbua-Häuser sind. Durch die Wolken blitzen Spuren von Polarlicht auf…

Der Weg zur Insel dauert eine gute Viertelstunde; wenn man direkt nach dem Anlegen aufbricht, langt es, um dort ein dunkles Eck zu sehen und bei gutem Wetter Polarlicht zu schauen. Das setzt natürlich einen klareren Himmel voraus, als wir ihn gerade haben.

Zurück auf dem Schiff trifft man sich auf Deck 5, um der nordgehenden MS Nordnorge zu winken, die wir kurz nach dem Auslaufen aus Svolvær treffen. Und immer wieder der Blick in den Himmel. Da ist zwar Grün, aber keine wirklichen Strukturen – nur hintergrundbeleuchtete Wolken. Trotzdem kommt kurz nach der Abfahrt aus Svolvær eine Polarlichtmeldung über die Schiffslautsprecher. Am Heck auf Deck 5 bauen eine Handvoll Leute ihre Kameras auf, ab und zu blitzt auch Polarlicht durch die Wolken. Für das Auge ist nicht besonders viel dabei, aber die Kamera nimmt im Lauf des Abends doch einiges auf. Das Polarlichtoval sah zwar prächtig aus, aber die größrte Aktivität war weit im Süden. Wir sollten jetzt in Ålesund sein… Immerhin: auf dem Weg nach Stamsund gibt es ein paar nette Lichter am Himmel – aber wer stattdessen die Lesestunde mit Johan um 21:30 angehört hat, hat nicht viel verpasst. Heute wollte er die Legende von Utrøst vortragen. Dort, wo auf der Nordkapp heute das A-La-Carte-Restaurant ist, war früher das Café Utrøst mit einem schönen Gemälde von Karl Erik Harr zur Sage.

Nach Stamsund sieht es auch erst einmal schlecht aus, und ich verbringe einige Zeit in der Explorer-Bar (vulgo: Panorama-Salon). Irgendwann kommt Hans rein und erzählt, dass es gerade eine schöne Korona gab. So macht man sich keine Freunde… Also raus auf’s Deck und noch etwas Nordlicht schauen, dir große Show fällt aber der gleichmäßigen, wenn auch eher dünnen Bewölkung zum Opfer. Polarlicht durch Wolken-Weichzeichner macht nur begrenzt Spaß.

Um halb eins streiche ich dann aber doch die Segel – das Wetter sieht nicht wesentlich vielversprechender aus, und bis Bodø muss ich dann doch nicht durchmachen.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Havøysund

Die Rückreise geht immer viel zu schnell, aber immerhin hatten wir gestern schönes Nordlicht. Und heute? Bei bedecktem Himmel legen wir am frühen Morgen in Havøysund an (oder Hawaiisund, wie es am Abend im Tagesrückblick genannt wird) und begegnen kurz darauf der Polarlys, die auf Nordkurs ist.

Mit einer halben Stunde Verspätung erreichen wir kurz nach 11 Hammerfest, wo ich mein Standard-Programm verkürzt durchziehe: Kurz zu „meinem Bänkle“ am Musikpavillon, das diesmal tief verschneit ist, anschließend zur Kirche und zurück. Die Eiszapfen an der Grabkapelle sind eindrucksvoll – wer gegen Vampire kämpfen will, findet hier ausreichend Eispflöcke… Im Grenselandmuseum schaue ich heute leider nicht vorbei, ich habe nicht mitgekriegt, dass da heute freier Eintritt ist. Schade – von seinem Turm hat man einen guten Blick auf die Stadt; der schneebedeckte Zickzackweg macht heute keinen einladenden Eindruck. Anschließend noch ein kurzer Besuch im Eisbärenclub, dann ist auch schon Zeit für das Mittagessen, bevor alle wieder an Bord sind.

Nach Hammerfest wird das Wetter immer besser, trotzdem klingeln wir um 15 Uhr alle unsere Gäste zusammen. Mein letzter Vortrag steht an, Sternbilder und ihre Sagen. Aber das gute Wetter fordert seinen Preis, bei einigen gewinnt der Mittagsschlaf gegen meine Märchenstunde. Aber das ist okay – heute Abend erreichen wir Tromsø kurz vor Mitternacht, dann kommt das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale und für die ganz Harten morgen früh die Vesterålen-Bustour. Und für heute Abend zwischen Skjervøy und Økysfjord ist gutes Wetter mit Polarlicht angesagt…

Øksfjord

Ich schaffe es, mit meinem Vortrag im zeitlichen Rahmen zu bleiben und danach noch einen Blick auf Øksfjord zu werfen. Der Ort hat zwar wenig schöne Architekrut, liegt aber wunderbar in einem verschneiten Fjord. So stellt man sich Norwegen vor.

Unsere Fahrt geht weiter in die klare Abenddämmerung, das Wetter wird immer vielversprechender. Gut, dass wir die erste Abendessensitzung um 18 Uhr habe. Heute steht wieder Fisch auf dem Plan, und ich komme bis zum Hauptgang. Vor dem Nachtisch heißt es dann: Vi har Nordlys!

Also kein Nachtisch, sondern ab an Deck. Deck 7 ist voll, da komme ich nicht mehr an die Reling, um meine Kamera zu befestigen, also ab auf Deck 5 – hier ist weniger los. Im Augenblick sind ohnehin noch 150 Iren an Bord, die die Tour Tromsø-Kirkenes-Tromsø machen und ebenfalls das Nordlicht sehen wollen – dementsprechend voll ist es auf dem Schiff.

Richtiges Polarlicht!

Aber bis Skjervøy sind fast perfekte Bedingungen, und Nordlicht in der Dämmerung hat was. Sehr, sehr chic. In Skjervøy ist ein kurzer Halt, um den Speicherchip freizuräumen – die kleine Panasonic LX100 kann auch Zeitraffer (sogar mehr Bilder am Stück als meine große Spiegelreflex, eigentlich eine Unverschämtheit), dementsprechend schnell wird der Platz knapp. Sogar in Skjervøy ist das Polarlicht zu sehen, schön, hell und mit langsamen Veränderungen.

Nach Skjervøy gibt es dann die lange, ruhige, schöne Show: Bis die Lichter von Tromsø gegen halb 12 zu hell werden, steht das Polarlicht am Himmel, mal heller, mal dunkler, immer in diesem geisterhaften Grün und gelegentlich mit Bewegung, wenn es majestätisch im Sonnenwind weht. Das finde ich sogar noch beeindruckender als die schnellen, bunten Wirbel, die wir gestern zwischen Wolken sahen. Atemberaubend. Heute Abend hatte jeder die Chance, richtiges Polarlicht zu sehen, wenn er ein paar Schritte von den hellen Lampen weg gegangen ist. Je dunkler der Standort, desto besser.

Meine Ausbeute: Rund 6500 Fotos, mit denen meinen Laptop bis zum nächsten Abend beschäftigt ist. Hier sind schon mal die ersten Ergebnisse im Zeitraffer:

Da weiß man wieder, warum es einen immer wieder in den Norden zieht.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Einmalige Chance: Vadsø

Irgendwie ist mein Schlafrhythmus durch den Nordlicht-Mangel komplett durcheinander geraten: Ich bin bereits um 7 Uhr wach und habe tatsächlich mal wieder die Chance, Vadsø zu sehen. Freunde der Luftschifffahrt kennen die Stadt als Startpunkt von Nordpol-Expeditionen mit dem Zeppelin, Hurtigrutenfahrer wissen, dass die Schiffe hier nur auf der nordgehenden Route anhalten – den Weg nach Kirkenes finden auch genügend normale Schiffe, da müssen wir nicht zweimal am selben Tag vorbei kommen.

Viel interessanter ist der nächste Hafen: Kirkenes, der Wendepunkt der Reise. Die nordgehende Hurtigrute ist schon wieder ein ganzes Stück südwärts gefahren, wir sind wieder etwa auf der Höhe von Tromsø. Den Golfstrom haben wir somit hinter uns gelassen, und einige Eisschollen treiben uns entgegen. Minus zehn Grad sind für Kirkenes angesagt, obwohl es mir wärmer vorkommt. Zum Glück geht kein Wind.

Eisschollen vor Kirkenes

Die Zeit bis zum Hafen vertreibe ich mir mit Fotos (das Wetter sieht gut aus, die Eisschollen auch) und der Reiseleiter-Sprechstunde, während das Restaurant gut gefüllt ist: Wer in Kirkenes Hundeschlitten fahren oder zur russischen Grenze will, sollte das Frühstück vor der Ankunft um 9 Uhr erledigen. Nach Abfahrt der Ausflügler ist es dann angenehm ruhig im Frühstücksraum.

Etwas später brechen Margit und ich in die Stadt auf, diesmal auf einer ungewohnten Route: Statt nach rechts in die City führen uns unsere Schritte nach links, zu dem Aussichtspunkt am Fjellveien. Danach trennen sich unsere Wege: Sie geht weiter zum Grenselandmuseum, während ich direkt auf die Innenstadt zuhalte.

Kirkenes-Panorama

Das Eisgericht

Bis der Schnee schmilzt, hat Kirkenes noch eine besondere Attraktion: Das Eisgericht hinter dem Scandic-Hotel. Im Rahmen des Barents-Festivals wurde hier in einem Kunstprojekt den Politikern der Prozess gemacht, die ohne Rücksicht auf die Natur die Bodenschätze ausbeuten wollen. Dazu wurde ein Gerichtsstand aus Eis erbaut, und das Urteil dieses Schauprozesses fiel eindeutig zugunsten der Natur aus. Es ist aber nur rein symbolisch, die wahren Kämpfe werden in Oslo ausgetragen. Da die Erzmine wieder einmal geschlossen ist, hat das natürlich an Bedeutung gewonnen.

Danach steht noch ein kleiner Bummel durch die Stadt an: Marktplatz, Rathaus und über die Anders-Grotte zurück zum Schiff. Bei einer der beiden Kirchturmuhren hängen nun beide Zeiger traurig nach unten, und einer scheint abgebrochen zu sein.

Vardø

Die Überfahrt nach Vardø ab halb eins ist etwas holprig, und wir erreichen die Stadt mit gut einer halben Stunde Verspätung statt der üblichen 15 Minuten. Mit guter Fahrt, aber ohne Beschleunigen und Bremsen ist die Strecke wohl in der angegebenen Zeit zu schaffen – keine Ahnung, warum der Fahrplan nie realistischer ausgelegt wurde.

Auch wenn wir erst um 17 Uhr wieder ablegen, bleibt in Vardø natürlich keine Zeit, um zum Hexendenkmal zu spurten – 40 Minuten sind etwas zu sportlich. Während das Expeditionsteam über die Straße zur nahe gelegenen Festung wandert, schaue ich mir einmal das Eismeerbaden in der Barentssee an.

Eismeerbaden

Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe Unverfrorener, die kurz in das Becken im Hafen hüpfen. Ganz ehrlich: Das muss ich nicht mitmachen. Aber wer es mag… rund ein Dutzend Gäste machen mit und erwerben sich so die kostenlose (!) Urkunde.

Anschließend ist Hans mit unserem vierten Vortrag dran, diesmal am Puls der Zeit: Expoplaneten, auf der Suche nach der zweiten Erde. Auf dem Gebiet hat sich in den letzten 20 Jahren ja unheimlich viel getan. Dann heißt es auch schon wieder Anstehen zum Abendessen, und in Anbetracht der Wetterprognose den Abend ruhig ausklingen lassen. Als nächster Programmpunkt steht eigentlich nur die Begegnung mit der Finnmarken vor Berlevåg an. Also noch einmal entspannen, bevor es morgen vor Tromsø hoffentlich die große Show gibt.

Nur dass wir etwa um 20:40 eine Wolkenlücke und wirklich schönes Polarlicht haben. Im dritten Anlauf schaffen Hans und ich es sogar, das Schiff dazu zu bringen, nicht nur die Außenbeleuchtung samt Schornstein auszuschalten, sondern auch die Heizstrahler, die überraschend hell sind.

Was soll ich sagen: Wow. Der Himmel ist bei weitem nicht völlig klar, aber die Show hat rechts und über dem Schiff mit einem hellen Band begonnen, das auch deutlich geisterhaft grün war. Die Aktivität verlagerte sich langsam hinter das stark schwankende Schiff und verschwand hinter den Wolken – zwischen denen es dann auf einmal deutlich grün aufblitzte. Und dann war über uns genug Wolkenlücke, um die Aurora tanzen zu sehen, in Grün ebenso wie in Rot und Violett. Das hätte ich bei diesem Wetter wirklich nicht erwartet. Aber jetzt können alle, die an Deck waren, wirklich sagen, dass sie Polarlicht gesehen haben. Bis kurz vor Berlevåg können wir die Show genießen, dann ist der Himmel wieder weitestgehend zugezogen.

Die Finnmarken

Mit dem Ende der Show und dem Einlaufen in Berlevåg gab es endlich auch die Chance, sicher wieder ins Schiff zurückzukehren – es hatte doch ordentlich geschwankt.

Ach ja, Finnmarken war auch noch: Wie gewohnt ging sie fast auf Kollisionskurs, aber an Deck war nicht viel los. Ich würde sagen, die Winkekonkurransje ging unentschieden aus. War trotzdem schön, bevor es in das nächste Schneegestöber ging.