Hurtigrute Tag 4: Von Bodø zum Trollfjord (mit Polarlicht-Feuerwerk)

Die Nordkapp

Heute überqueren wir schon den Polarkreis – wie üblich am sehr frühen Morgen, und so wie ich den Kapitän einschätze, eher noch vor 7 Uhr als gegen acht. Damit dürfte die Kugel noch im Dunkeln liegen, und ich schenke mir das frühe Aufstehen. Die Begegnung mit der südgehenden MS Nordkapp um 8:15 verpasse ich auch knapp, immerhin kann ich ihr noch aus dem Fenster zuwinken. Schade – es wäre mittlerweile doch hell genug gewesen, um noch ein paar schöne Bildchen von meinem alten Lieblingsschiffchen zu knipsen.

Jenseits des Polarkreises

Stattdessen geht es halt anschließend kurz auf Deck, um die Landschaft zu genießen. Der nächste Hafen ist Ørnes um 9:15, das in einem wunderschönen Fjord liegt. Im Winter ist es eine perfekte Postkartenidylle, jetzt mit den Herbstfarben des Oktobers wirkt es ganz anders, aber ebenfalls fast kitschig.

Ørnes

Dazu kommen Nebel und Wolken, die der Region etwas mystisches verleihen, je näher wir dem Hafen kommen.

Von 10 bis 12 Uhr ist heute Reiseleiter-Sprechstunde angesetzt, und ich bin zum Kamera-Erklären auch meist da. Das wird zum Glück auch rege genutzt. Von der Polarkreistaufe auf Deck 9 bekomme ich daher nur wenig mit, aber ich kenne das Spektakel ja schon. Neptun ist diesmal wohl Magnus – ich kenne ihn vom Expeditionsteam der Nordlys, er dürfte in Rørvik zugestiegen sein.

Polarkreistaufe

Anschließen steht schon wieder Mittagessen an, da wir kurz vor 12:30  Bodø erreichen. Mittlerweile habe ich in der Stadt auch ein paar nette Ecken gefunden, und wir haben einen neuen Liegeplatz: Direkt am Bahnhof, sodass es nur ein paar Meter bis zum Stadtzentrum sind. Hier wird kräftig gebaut: Rathaus und Kirche sind eingerüstet. Dafür schaue ich mal beim Fotohuset Johnson vorbei, direkt neben der Kirche. Wenn ich hier schon alle hinschicke, die noch Kamera-Equipment brauchen…

Blick vom Lachscenter zum Schiff

Die Norweger sind ja Weltmeister im Renovieren, und dementsprechend viele Baustellen gibt es auch in Bodø. In den nächsten Jahren soll außerdem der Flughafen versetzt werden und ein neues Viertel entstehen. Dafür, dass hier vor 200 Jahren nur ein paar Häuschen standen, hat sich viel getan. Das Nordlandmuseum gibt einen interessanten Überblick über die Stadtgeschichte.

Ich begnüge mich mit einem kurzen Rundgang, bevor es wieder zum Schiff geht – gerade rechtzeitig, denn das Wetter wechselt wieder einmal, und ein Schauer erwischt mich kurz vor der Trollfjord.

Da die Astronomy Voyages von Hurtigruten UK ebenfalls an Bord sind, ist der Vortragsraum heute Nachmittag belegt. Für mich bedeutet das eine Premiere: Ich sehe einmal den Leuchtturm von Landegode, der malerisch auf einer Insel vor einem Bergmassiv liegt. Hat auch was. Anschließend geht es zu einer überraschend ruhigen Überfahrt über den Vestfjord. Das Wetter ist gut genug, um die Lofotwand zu sehen: Aus der Entfernung wirken die steilen Inseln wie ein Gebirge.

Kai nutzt die Überfahrt für eine kleine Kunstführung. Wie alle Schiffe, die noch nicht auf das arktische Design umgebaut wurden, hat auch die Trollfjord ihre eigene Innenausstattung, darunter auch die Bilder aus dem Salon eines älteren Hurtigrutenschiffs. So manches Kunstwerk erschließt sich dem Betrachter erst nach einer Erklärung, aber Kai ist der richtige dafür. Auf der Nordkapp konnte ich das auch, bevor die Kunstwerke durch moderne Fotos ersetzt wurden…

Abendstimmung

In Stamsund verlassen uns die Teilnehmer des Wikingerfests wieder, aber wir bleiben zum Glück an Bord: Pünktlich zum Nachtisch kommt während des Abendessens die Durchsage, dass es Polarlicht gibt. In der Tat erwartet uns an Deck eine gute Show. Ein schöner Bogen zieht sich über Stamsund zusammen, und Farbe ist auch zu erkennen. Damit ist das Pflichtprogramm eigentlich erledigt, und die Liegezeit in Svolvær wird genutzt, um die Bilder auf den Laptop zu laden. Gibt mal wieder ein nettes Filmchen, das ich am nächsten Morgen auch zeigen kann. Hier schon einmal die Twitter-Version:

Noch ein paar weitere Impressionen:

Magic Ice

Schöne Show, bis wir der Finnmarken begegnen und kurz darauf in Svolvær einlaufen. Wie üblich legen wir direkt neben der Magic Ice Galerie an, aber diesmal steige ich nicht aus – Bilder kopieren und Platz auf der Speicherkarte ist wichtiger.

Und nach Svolvær? Das Wetter ist okay (im Hafen stand ich im Regen und konnte auf der anderen Hafenseite Polarlicht sehen) und die genaue Polarlichtaktivität wie immer unvorhersagbar. Also wohl dem, der an Deck bleibt und ausharrt, während in der Bar ein Konzert gegeben wird (parallel läuft auch noch ein Kulturprogramm mit Konzerten an Land und an Bord), anstatt erst zum Trollfjord wieder ins Freie zu gehen. Nach einem ordentlichen Polarlicht gibt es die ganz große Show, das Polarlicht tanzt, und über uns ist eine schöne Korona, die sich sogar fotografieren lässt. Mittlerweile kann ich mit Belichtungszeiten unter einer Sekunde arbeiten – wenn ich daran denke, zu fotografieren. Viel besser geht kaum. Dass mir mein Stativ umfällt und bei der kleinen Panasonic der Objektivdeckel zersplittert, kann ich bei dem Ausgleich am Himmel verschmerzen.

Dann lässt die Aktivität nach, und wir erreichen den Trollfjord. Für mich eine Premiere: Wir fahren auf der nordgehenden Route in den Trollfjord, und oben gibt es noch einen Nachschlag an Polarlicht. Was für eine Show! Ian Ridpath (der englische Lektor) und ich sind uns einig: Eigentlich können wir jetzt in Rente gehen, das ist schwer zu toppen. Gegen Mitternacht lässt das Feuerwerk dann nach, und es ist Zeit für das Bett – morgen früh um 9 müssen wir den nächsten Vortrag halten.

Hier noch der Zeitraffer, der am Tag 6 dann endlich fertig gerendert war – wieder in der Twitter-Version. Die eigentliche Show war bereits am 19. Oktober.

Hurtigrute Tag 3: Von Trondheim nach Rørvik (und First Light)

Die Spitsbergen in Trondheim

Die Trollfjord hat eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 30km/h, und die scheint unser Kapteinen auch auszureizen. Laut Herbstfahrplan kommen wir um 8:30 in Trondheim an, was sogar mir eigentlich reichen sollte, um einmal die Einfahrt nach Trondheim mitzuerleben. Zum Winterfahrplan, wenn wir bereits um 6:00 Uhr anlegen, habe ich keine Chance.

Das klappt natürlich nur, wenn wir nicht schon zwanzig Minuten vorher die Wendepirouette drehen, um hinter dem südgehenden Hurtigrutenschiff anzulegen. Daher sehe ich nur die Bordwand der Spitsbergen an mir vorbeiziehen, als ich aus der Dusche steige.

Draußen ist das Wetter noch wechselhaft, von blauem Himmel bis drohenden Regenwolken gibt es alles. Gegen neun soll der Regen nachlassen, daher bleibt genug Zeit für das Frühstück, bevor ich mich in die alte Königsstadt aufmache. Das ist trotzdem noch früh genug, um ein paar leichte Regenschauer mitzunehmen. Trondheim selbst hat sich nicht sehr verändert, bis auf ein paar Baustellen mehr.

Also der übliche Rundgang durch das alte Werftgebiet von Nedre Elvehaven mit seinen schmucken restaurierten Steinbauten über Bakklandet mit den kleinen Holzhäuschen rüber zur Gaml Bybro und dem Nidaros-Dom. Die Sonne kommt raus und beantwortet die Frage, aus welcher Perspektive ich die Brücke dieses Mal fotografiere: Vom Ufer des kleinen Mini-Parks aus, ein paar Meter nach der Brücke. Der Herbst hat tolle Farben, aber die Bäume versperren den Blick auf den Dom ein wenig. Trotzdem hübsch.

In der Vår Frue Kirke

Noch ein kleiner Besuch beim Dom selbst, dann führt mich die Route weiter zum Marktplatz. Der soll in den nächsten Jahren auch neu gestaltet werden – aber noch muss ich meinen Reiseführer nicht aktualisieren. Uff. In der Vår Frue Kirke treffe ich Moni: Hier ist offene Kirche, und nicht nur Obdachlose können hier ihren Kaffeebedarf stillen. Hier landet das Geld an der richtigen Stelle, wenn man sich auch einen gönnt.

So etwa ab zehn hat der Regen auch aufgehört, und Trondheim zeigt sich von seiner hübschen Seite. Leider kann man langsam schon über den Rückweg nachdenken. Noch ein kurzer (erfolgloser) Besuch bei den üblichen Läden, und dann bin ich auch schon wieder auf dem Schiff, das pünktlich um zwölf ablegt. Knapp eine halbe Stunde dauert der Weg von der Innenstadt bis zum Schiff; zum Nidaros-Dom vielleicht nochmal rund zehn Minuten mehr.

Blick auf Munkholmen

Nach dem Ablegen sehen wir dunkle Wolken über Stadt und eine unwirkliche Lichtstimmung, während das Wetter bei uns gut ist einen schönen Blick auf die Insel Munkholmen ermöglicht. Die Trollfjord wird noch „klassisch“ betrieben, zumindest zurzeit gibt es kein Expeditionsteam an Bord, das Show macht. Damit hält sich die Schiffsreiseleitung angenehm zurück, und es gibt kein ständiges Ding-Dong gefolgt von Durchsagen über die Bordsprechanlage. Auf Sehenswürdigkeiten wie die alte Mönchs- und Gefängnisinsel wird trotzdem hingewiesen, aber man merkt: Wir sind eine Fähre. Schön entspannend.

Dunkle Wolken über Trondheim

Die Fahrt den Trondheimfjord entlang ist ruhig mit wechselhaftem Wetter: Meist bieten sich prachtvolle Ausblicke, und manchmal ist Norwegen einfach kurz weg, wenn wir einen Regenschauer durchqueren. Auf die Fosenwerft, auf der die Trollfjord gebaut wurde, wird kurz hingewiesen, ebenso auf einen der ältesten Leuchttürme Norwegens.

Kjeungskjærfyr

Gegen halb drei passieren wir dann den wohl meist-fotografierten Leuchtturm: Kjeungskjærfyr, das charakteristisch-rote, eckige Türmchen auf einer der vielen Schären. Das Wetter hat schon vorher alle Fotografen an Deck gelockt. Anschließend nehmen wir Kurs auf den Stokksund. Das Wetter ist gut genug, dass wir diese enge Passage durchqueren; auf der Brücke über den Sund stehen Schaulustige, die uns mit einer Norwegen-Flagge zuwinken. Und vorher spannt sich noch kurz ein Regenbogen über das gesamte Schiff, bevor wir kurz in ihn (bzw. besagten Regen) hineinfahren. Was wäre Norwegen ohne Dusche?

Eigentlich deprimierend, dass mein Handy bessere Panoramen abliefert als die „echte“ Kamera, aber ich erwische den Regenbogen.

Anschließend heißt es arbeiten: Um 17:30 haben wir unseren ersten Vortrag über das Polarlicht, ergänzt mit Fototipps und den Webseiten, die ich für die Polarlichtvorhersage nutze. Dank Essen um 18:30 haben wir auch eine Deadline, die wir aber problemlos einhalten. Und dank der offenen Seestrecke der Folda wackelt es auch ein wenig, pünktlich zum Abendessen. Bei Windstärke 5 verzichten zwar schon einige auf das Abendessen, aber das Geschaukel ist noch überschaubar. (Gott sei Dank bin ich bislang von der Seekrankheit verschont geblieben).

Blick von der Nordlys auf die Trollfjord

Rørvik erreichen wir überpünktlich, und um 20:45 können wir schon für einen kurzen Besuch auf der Nordlys vorbeischauen. Auf die Spitsbergen in Trondheim hatte ich verzichtet, aber auf der Nordlys kenne ich ja den ein oder anderen – allerdings nicht von der aktuellen Crew, also bleibt es bei einer kurzen Visite. Hübsches Schiffchen im alten Design.

Mit leichter Verspätung (aber allen Passagieren) verließen wir dann Rørvik um 21:30, und Moni und ich sahen uns noch ein wenig den prächtigen Sternenhimmel an, der hinter den Wolken hervorlugte. Alle Prognosen sagten eine ruhige, nicht nur für unsere Breiten nordlicht-freie Nacht voraus, und als Adi vorbei kam, war für uns klar: Heute Nacht wird das nichts.

First Light über den Wolken

Fünf Minuten später zeigte ein Probeschuss mit der Kamera, dass der Nebel am Horizont Polarlicht war. Zwar noch recht schwach und nur wenig über den Wolken am Horizont, aber nach fünf Minuten war deutlich: Das ist real und bleibt (obwohl Tromsø bei kp0 rumdümpelte und das Oval auch nur mäßig war). Irgendwann gebe ich das mit den Polarlichtvorhersagen auf… Da wir zu zweit sind, informierte Moni die Rezeption, während ich meine Kamera an den Bug schraubte. Wenig später versammelten sich dann alle an Deck 9, wo das Polarlicht zwar nur als helle graue Wolken, aber doch deutlich zu sehen war. Die Kameras lieferten den Beweis, und bis Mitternacht gab es doch noch etwas Bewegung. Wer aushielt, wurde mit ein paar helleren Lichtsäulen belohnt, in denen auch etwas geisterhaftes Grün zu sehen war. Sporadische Schauer trieben dann doch einige unter Deck – da zeigt sich schon, wen man in den nächsten Nächten immer an Deck sehen wird und wen nicht.

Die Pflicht ist erledigt, die Kür kann kommen – für morgen nach Svolvær auf dem Raftsund ist gutes Wetter vorhergesagt. Ich bin gespannt und entscheide mich um halb eins, die Polarkreisüberquerung morgen früh gegen 7 Uhr einfach zu verschlafen, sodass ich die Infotaste am Telefon ausmache. Und was ist? Am nächsten Morgen erfahre ich, dass es gegen zwei Uhr noch einen besseren Nachschlag gab. Schade.

Dafür zum Abschluss mein Zeitraffer von unserem ersten Nordlicht auf Twitter:

Hurtigrute Tag 2: Ålesund, Urke und Ålesund

Regnerisches Ålesund am frühen Morgen

Der Herbstfahrplan ist für mich als Winterfahrer immer wieder verwirrend: Durch die frühe Abfahrt in Bergen ist nicht Torvik mein erster Hafen an diesem Tag, sondern Ålesund. Torvik steht im Oktober schon um 7:15 auf dem Programm, das Geschaukel am Westkapp fällt also nicht mit dem Frühstück zusammen, sondern wird verschlafen. A propos verschlafen: Mein Wecker bimmelt zwar pflichtbewusst um 7:00 für Torvik, das mit dem wach werden klappt aber erst eine Stunde später. Also kein Frühstück, sondern das Anlegen in Ålesund anschauen und mal kurz von Schiff – den Regen genießen und ein paar Fotos machen. Viel Zeit bleibt nicht, da die Trollfjord um 9:30 nach nur einer halben Stunde schon wieder ablegt.

Die Welcome-Veranstaltung

Wieder an Bord bleiben ein paar Minuten, um mit Adi zu schwätzen – ich bin das erste mal mit ihm unterwegs, aber wir kommen beide aus dem Ländle. Seine Webseite gibt es unter sblachut.de. Anschließend dürfen wir uns alle vorstellen: Unsere Hallo-Willkommen-und-Info-Veranstaltung ist um 10 Uhr, hier gibt es vor allem die wichtigesten organisatorischen Infos. Die Nordlicht-und Sterne-Tour ist ja eine begleitete Gruppenreise, das heißt: Wir sind zwar da und eigentlich jederzeit ansprechbar, aber jeder ist für sich selbst verantwortlich, ohne von einem Animateur verfolgt zu werden. Durch den Ålesund-Spaziergang starte ich den Tag also mit Sekt statt Frühstück…

Wir fassen uns kurz, da die Fahrt durch den eigentlich wunderschönen, in Nebel und Regen aber eher mystischen Hjørundfjord führt. Diesmal habe ich sogar Zeit, ihn mir einmal näher anzuschauen – letztes Jahr auf der Finnmarken war das Wetter besser, aber die Anreise zu stressig…

Von 11:30 bis 15 Uhr liegen wir vor dem 52-Seelen-Ort Urke, ab 12 Uhr dürfen auch die von Bord, die keine Ausflüge gebucht haben. Die Hurtigrute ist wohl das einzige große Schiff, das Urke anfährt, und das auch nur kurz im Herbst (statt des Geirangerfjords). Vom Autodeck der Trollfjord aus geht es auf das gemütliche kleine Fährboot, das einen zum Gästekai des Örtchens bringt. Es regnet immer wieder, aber trotzdem besuchen Moni und ich den Aussichtspunkt über Urke und die meisten anderen Sehenswürdigkeiten, die auf der Infotafel beschrieben sind – der kleine Laden, der Bruapark an der Brücke über den kleinen Wasserfall am Kraftwerk, Scheunen und alte Lagerhäuser sowie der Campingplatz. Ganz abgeschnitten von der Welt ist Urke dann doch nicht.

Last Boat from Urke

Urke Downtown ist natürlich überschaubar, aber liebevoll herausgeputzt. Trotzdem sehe ich zu, dass ich das letzte Boot um 14:45 nicht verpasse – und die Einheimischen sind wohl auch froh, dass nicht mehr lauter Touris auf den Straßen herumirren und vor fahrende Autos springen.

An Bord hat mich die Zivilisation dann wieder: Ich bin nicht der einzige, der keine EMails auf dem Handy abrufen kann. Des Rätsels Lösung: Wahrscheinlich ist Port 995 gesperrt; mit 110 und ggf. veränderter Verschlüsselung funktioniert es dann. Bei der Lösung war hilfreich, dass im Select-Tarif (mit dem wir unterwegs sind) wieder eine Kaffeeflatrate inklusive ist – leider ohne die roten Thermosbecher, die es früher gab. Die sind in Norwegen wohl zu üblich und auch an vielen Tankstellen gängig…

Anschließend ging es wieder nach Ålesund, bei zunehmend besserem Wetter. Bis 19:00 sind wir knapp zwei Stunden dort, da es um 18:30 aber bereits Abendessen (abends gibt es kein Buffett, sondern vier Sitzungen bei rund 500 Passagieren an Bord) gibt, bleibt mir etwas weniger Zeit für den Stadtrundgang. Der Hausberg Aksla fällt somit flach, dafür schaue ich beim Cruise Terminal vorbei, an dem die Hurtigrute auf meinen ersten Fahrten anlegte. Mittlerweile ist er abgesperrt, und Arbeitsschiffe liegen vor Anker. Die Kreuzfahrtsaison ist wohl eindeutig vorbei. Dafür zeigt sich Ålesund in gewohnter Pracht, wenn auch mit mehr Baustellen als gewohnt. Auch die Apotheke im Jugenstilzentrum wird gerade renoviert, ich begnüge mich mit einem Blick durch’s Fenster. Schaut chic aus, irgendwann muss ich da doch mal reinschauen.

Aber immerhin hält das Wetter, und ein Spaziergang durch die Stadt lohnt sich. Das Einkaufszentrum Kremmergaarden wird auch saniert oder erweitert, meine Buchhandlung ist vor der Baustelle geflüchtet und ein paar Läden weiter gezogen.

Die Lofoten

Zurück an Bord wartet nach dem Essen ein ruhiger Abend mit Gesprächen. Molde erreichen wir etwas zu früh, sodass die Lofoten noch den Kai belegt. So können wir der alten Dame aus ungewohnter Perspektive beim Beladen zuschauen. Nach Molde reißt der Himmel im Norden sogar auf, von Polarlicht ist aber nicht viel zu sehen – für die nächsten Tage sieht es besser aus, sowohl was Wetter als auch Aktivität angeht. Auch Ian Ridpath, der mit einer englischen Astronomy Voyage unterwegs ist, geht von einer ereignislosen Nacht aus. Damit können wir die Fahrt über die ruhige Hustadvika nutzen, um noch ein wenig am Vortrag zu arbeiten. Morgen vor dem Abendessen steht Arbeit an.

Hurtigrute Tag 1: We made it to Bergen!

Schönstes Wetter in Stuttgart

Mir war ja von Anfang an klar, dass die Flugverbindung mit diesem City-Hopping sportlich war, aber wenn das die einzige brauchbare Verbindung von Stuttgart nach Bergen ist: So sei es. Dass mir der Lufthansa-Mitarbeiter am Baggage-Drop viel Glück wünscht, ist natürlich kein besonders aufbauendes Zeichen, aber was soll’s. Oslo hat ein neues Terminal, das Durchchecken vom Gepäck sollte also kein Problem sein (hatte im Mai mit SAS ja perfekt geklappt), und ich habe Plätze schön weit vorne im Flieger reserviert, damit ich schnell aus dem Maschinchen komme, für meinen Spurt durch die Flughäfen. Was kann schon schief gehen?

Dass ich an der Security-Kontrolle in Stuttgart ziemlich alleine bin und daher zufällig für die Sprengstoffkontrolle meiner Kameras ausgewählt werde, wundert mich auch nicht. Irritierender ist, dass ich zusehen kann, wie der Tag dämmert und mein Flugzeug am Gate steht.

Und steht.

Und kurz nach dem offiziellen Start angekündigt wird, dass in etwa zehn Minuten mit dem Boarding begonnen wird. Statt wie geplant um 8:20 verlassen wir das Gate dann um 9:00 und heben 13 Minuten später sogar für den 30-Minuten-Flug ab.Das langt gerade, damit die Business-Klasse Frühstück serviert bekommt.

Nebel in Frankfurt

Gute Neuigkeiten, die schon im Flieger verkündet werden: Frankfurt kämpft mit Nebel, der Anschlussflug hat auch Verspätung. Ein Spurt von Gate A5 nach A25, und ich habe sogar noch 10 Minuten bis zum Boarding. Moni ist auch noch da – damit sind zumindest die Lektoren für die Tour zusammen. Mit ausreichend Verspätung geht es dann nach weiter nach Oslo, wo wir landen, als unser Anschlussflug gerade abhebt.

Und nun? Erst mal zur Gepäckausgabe, weil die Lufthansa nur den Zettel draufklebt, dass das Gepäck bis Bergen durchgecheckt wird, es aber nicht durchcheckt wird. Also Gepäck abholen, durch den Zoll, einen Stock höher und zum SAS-Schalter, wo wir freudig erfahren, dass wir automatisch auf den nächsten ebenfalls verspäteten Flieger umgebucht wurden. Kurz per SMS Kai informiert (einen unserer beiden Reiseleiter), und er erklärt sich bereit, mit dem Bus auf uns zu warten. Uff. In Skandinavien ist ein verpasster Flieger wohl kein größeres Problem als ein verpasster Bus, zumindest wenn alles auf einen Buchungscode läuft und die Fluggesellschaft dafür verantwortlich ist. (Andere traf es übler: Eine Maschine in Amsterdam war überbucht…). Einen Vorteil hat das Gepäckabholen: Ich komme an das Ladekabel für mein Handy ran. Um fünf Uhr morgens hatte ich das doch glatt mit dem Ladegerät ins große Gepäck gepackt, und so zwar die Powerbank dabei, aber kein Ladekabel. Fliegen in den 90ern: Man hat seine Boardingcard auf Papier. Fliegen 2017: Man hat die Boardingcard auf dem Handy. Und die Powerbank, falls der Akku leer geht. Und den Papierausdruck als Backup. Moderne Zeiten.

Also: Endlich ab nach Bergen, und mit nicht zu extremer Verspätung kamen wir beiden Lektoren dann auch als letzte im Bus an. Keine Zeit, um jemanden kennen zu lernen… Aber ich muss sagen, am Flughafen Bergen-Flesland  hat sich einiges getan: Der neue Terminal wurde kürzlich eröffnet, und mittlerweile fährt auch die Bybanen von der Stadt bis zum Flughafen. Chic, nur zum Umschauen bleibt nicht viel Zeit.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es dann ab auf die Trollfjord. Bergen ohne Regen und bei Licht – sehr ungewohnt.

An Bord dann: Schiff erkunden, Bekanntschaften auffrischen (nicht nur im Reiseleiter-und-Lektoren-Team, auch unter den Gästen gibt es Wiederholungstäter) und die Vortragsräume buchen. Und natürlich die Cruisekarte mit der Kreditkarte koppeln, um bezahlen zu können. Außerdem noch Abendessen: Bergenbuffet. Es gibt wieder diese Lachsröllchen und Eis. Lecker.

Vor lauter Organisation (nicht ganz trivial: Es ist wieder eine englische Nordlicht-Gruppe an Bord) und Gerede verpassen wir glatt die Vorstellung der Crew und das Auslaufen aus Bergen – schließlich geht es schon um 20 Uhr los, damit wir morgen den Hjørundfjord mit Urke besuchen können. Schade eigentlich, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. Erst gegen Mitternacht und weit auf offener See schaffe ich es, mal einen Rundgang an Deck zu machen. Kein Regen…

Anschließend heißt es Feierabend. Schließlich sind wir morgen um 8:45 schon kurz in Ålesund.

Übrigens, noch kurz für die Nachwelt: Die Tour geht vom 16.-26.10.2017.

Endlich wieder Hurtigrute

Ein wenig habe ich ja gemischte Gefühle. Einerseits: Die Nordlichtsaison hat wieder begonnen, und ich gehe wieder auf die Hurtigrute! Alte Bekannte treffen (Moni fährt mit) und wieder nach Norwegen gehen. Yay!

Andererseits: Es ist meine einzige Fahrt in dieser Saison. Buhu… Bleibt die Hoffnung, dass es 2018/19 wieder etwas mehr wird.

Straßensperren in Ba-Wü 2017

Und dann: Flug mit Lufthansa ab Stuttgart um 8:20. Eigentlich keine schlechte Zeit, wenn wir nicht 2017 hätten und man wegen dem Security-Theater zwei Stunden vorher am Flughafen sein sollte. Und eine halbe Stunde für den Transfer (wieder mit dem erprobten Flyaway-Service) vom Parkplatz zum Flughafen einplanen müsste, weil sich Terminalparken ja kein Mensch leisten kann. Hieße um 6 Uhr in Stuttgart sein – und dass heute, wo in Baden Württemberg eh alle Straßen geschlossen sind. Die Zeiten, in denen Autofahren Spaß macht, sind lange vorbei.

Die Highscore für die Fahrt nach Stuttgart

Also was bleibt: Am Vortag anreisen, weil man nie weiß, wie lange man für die rund 70 km von Heilbronn oder diesmal Karlsruhe braucht. Die Lösung: Ein 200-Euro-Hotelzimmer im Herzen Stuttgarts nehmen (Listenpreis laut Booking.com, gekostet hat es real nur 29,-), über Parkopedia einen bezahlbaren Parkplatz suchen und ab da für. Geschätzte Reisezeit weniger als eine Stunde, gedauert hat’s dann ohne morgendlichen Berufsverkehr 1:44 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h. Zum Vergleich: Die Trollfjord, auf die morgen gehen werde, läuft 16 Knoten (30 km/h). Immerhin ist die Anreise so entspannter, und das Hotel Hansa ist direkt gegenüber vom Vapiano und einer Bäckerei. Das Überleben bis zum Bergenbuffett morgen ist gesichert.

Blick in ein 200-Euro-Hotelzimmer (Listenpreis).

Ach ja, Lufthansa: Die genießen zwar keinen Ruf als Billigflieger, aber sie neigen dazu, das Handgepäck zu wiegen. Das durfte ich zumindest in Edinburgh im August erleben. Ist ja im Prinzip kein Problem, aber es wäre sinnvoller, mal auf die Größe statt auf das Gewicht zu achten – bei dem, was manche als Handgepäck an Bord schleppen… Also 8kg max. Und ob ich meinen Koffer jeweils wieder sehe, wird sich zeigen – in Frankfurt und Oslo heißt es umsteigen mit jeweils weniger als einer Stunde Zeit bis zum Abflug. Plätze vorne im Flieger sind reserviert.

Das ist ein Nachteil der Oktobertour: Da es in den Hjørund-Fjord geht statt eines längeren Aufenthalts in Ålesund, legt das Schiff schon um 20:30 in Bergen ab. Sollte ich also nichts mehr von der Tour berichten, waren die Umsteigezeiten doch zu kurz…

Schnappschuss der Mondfinsternis

Irgendwann sind partielle Mondfinsternisse nicht mehr das große Spektakel, aber sie sind doch immer wieder hübsch anzuschauen. Heute ging der Mond teilverfinstert auf, und je weiter er über den Horizont stieg, desto weiter wanderte er aus dem Erdschatten heraus, den er ohnehin nur gestreift hat. Netter Anblick.

Partielle Mondfinsternis am 7.8.2017

Nikon D7100 bei 200mm Brennweite und leichten Fokussierproblemen. Ich hoffe, bis zum großen Schottland-Trip fängt sie sich wieder…

Neues Buch: Digiskopie – Fotografie mit Spektiven

So ganz langsam gewöhn ich mich dran: Ich hab mal wieder ein neues Buch draußen! Trotzdem ein schönes Gefühl…

Diesmal geht es um Fotografie, genauer gesagt: Wie fotografiere ich mit Handy, Kompaktkamera oder DSLR durch Fernglas oder Spektiv? Im Prinzip ist das ja einfach und benötigt kein Buch, aber es gibt doch einiges, worauf man achten kann und sollte, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Ich hätte vorher nie gedacht, was man alles über Fotostative schreiben kann…

Im Augenblick läuft die Veröffentlichung auf Amazon; bis zum Wochenende sollte es als Print- und EBook verfügbar sein. Es ist wieder einmal nur über Amazon erhältlich – ich hatte es diesmal zwei Verlagen angeboten, und einer hat sogar geantwortet, aber die Digiskopie ist doch noch nicht so bekannt, dass sie zugegriffen hätten. Aber offen gesagt: Der einzige Nachteil ist, dass es nicht über den stationären Buchhandel erhältlich ist. Vielleicht bringe ich ja eines der nächsten drei Projekte bei einem Verlag unter; aber ich bin mit Amazon auch nicht unzufrieden. Damit habe ich immerhin volle Kontrolle, auch wenn ich mich um alle Bildrechte selbst kümmern muss.

Bei einem Buch über Fotografie ist der günstigere Schwarz-Weiß-Druck natürlich sinnlos, daher gibt es das Büchlein nur in Farbe – und als EBook, wieder einmal ohne DRM. Die Datei lässt sich also mit den üblichen Programmen auch für andere Geräte als den Kindle konvertieren, auch wenn sie nur über Amazon vertrieben wird. Da Sachbücher eher selten von vorne bis hinten durchgelesen werden, kann ich es aber nur zum Kauf und nicht zum Ausleihen anbieten. Amazon bezahlt pro gelesener Seite…

Made with an iPhone

Mit dem Blick ins Buch kann sich dann aber wie üblich jeder einen Eindruck davon verschaffen, was ihn erwartet. Bis der aktiviert ist, hier schon einmal die Kapitel:

Das richtige Spektiv
Überblick über die verschiedenen Bauarten und worauf zu achten ist
Wissenswertes über Stative
Worauf man beim Kauf von Stativen und Kugelköpfen achten sollte
Die richtige Kamera
Was sollte eine Kamera können, damit man sie sinnvoll mit dem Okular „verheiraten“ kann
Die Kamera am Okular
Alles zur Kameraadaption – von Freihand bis zu professionellen Lösungen
Etwas Theorie
Ein paar Formeln, aber auch Bildbearbeitung
Bildfehler
Was alles schief gehen kann
Zum Abschluss…
Bildgestaltung, Motive finden und mehr.

Wem das Buch gefällt: Gerne weitersagen:-) Und wer beim Fotografieren Erfolg hat: Vom Handy aus lassen sich die Bilder ja wunderbar weiterverbreiten. Viel Spaß!

Mit Handy und Spektiv sind Bilder möglich, für die man vor kurzem noch eine DSLR mit großem Teleobjektiv benötigte

Die 2. Auflage von Astronomie mit einem Celestron-Teleskop ist erhältlich

In den letzten Monaten habe ich – wenn ich nicht in Norwegen war – still und heimlich am Update meines Celestron-Buchs gearbeitet. Eigentlich war das schon für kurz nach der Photokina geplant, als Celestron einige neue Montierungen und Teleskope vorgestellt hatte, aber man kommt ja zu nichts. Und dann kam zum Jahresbeginn noch die CGX-L als neue High-End-Montierung dazu, was das Projekt wieder etwas aufgehalten hat.

Und wie üblich dauert der Kleinkram am längsten – ich habe das Layout nochmal optimiert (mehr Platz am Bund), und natürlich ist der ganze Text noch mehrmals gegengelesen worden. Irgendwas findet man doch immer, was man hätte besser machen können. Für die nächsten Jahre dürfte das Buch jetzt wieder aktuell sein.

Wer noch die 1. Auflage gekauft hat, muss sich aber nicht ärgern, die meisten Änderungen betreffen nur Details, und eben die Vorstellung der neuen Teleskope. Den Preis vom gedruckten Buch musste ich leicht anheben (um 50 Cent), dafür ist der vom EBook konstant. Leider funktioniert das Bundling von Print und EBook in Deutschland weiterhin nicht – auf EBooks ist eine andere Mehrwertsteuer als auf gedruckten Büchern, wohl deshalb kann das EBook nicht mit dem gedruckten gebundelt werden. Schade eigentlich.

Blick ins Buch: Das Layout ist noch einmal für Schwarz/Weiß optimiert worden. Den Blick ins Buch gibt’s auf Amazon.

Alt und neu

Die aktualisierte zweite Auflage ist wie üblich exklusiv auf Amazon erhältlich – da kein Verlag hinter mir steht, kann ich es leider nicht über den stationären Buchhandel anbieten.

So, und jetzt muss ich den Kopf für das nächste Projekt freikriegen…

Hurtigrute GRP 102 – das Nordlichtvideo

Das war’s – jetzt ist diese Reise auch abgeschlossen. Der Rückflug war noch etwas spannend, da mein Anschlussflieger in Kopenhagen technische Probleme hatte. Nach vier Stunden vergeblicher Suche nach bezahlbarem und günstigem Essen auf dem Flughafen stand daher überraschend noch ein kurzer Gatewechsel an, und mit ein paar Minuten Verspätung begann dann das Boarding – mit einer ausgedehnten Flughafenrundfahrt zur ausgekühlten, aber einsatzbereiten SAS-Maschine. Nur eine funktionierende Toilette vorne und Wasser für Kaffee und Tee gab es nicht. Dafür hatte ich keinen Sitznachbar, und mit meinen Vielflieger-Eurobonus-Punkten konnte ich mir eine Cola und zwei Schokoriegel als Abendessen leisten. Das war fast wie erste Klasse fliegen… Kurz vor Mitternacht stand ich dann noch kurz im Stau auf der Autobahn bei Stuttgart, bevor ich wieder heimatliche Gefilde erreichte.

Mittlerweile ist die Reise auch soweit aufgearbeitet, und das Polarlicht-Video ist auf Vimeo hochgeladen:

Nordlicht und Sterne auf der Hurtigrute im Februar 2017 from Alex Kerste on Vimeo.

Wenn ich gut drauf bin, stelle ich meine Reisefotos als Filmchen auch noch ins Netz, aber frühestens nächste Woche, wenn ich wieder Kontingent für den Video-Upload hab.

Was sonst noch bleibt ist die Erinnerung an eine traumhafte Reise und ein Dankeschön an alle, die sich mit einem Øl oder andersweitig erkenntlich gezeigt haben:-) Und noch als schamlose Eigenwerbung: Wem mein Begleitbuch gefallen hat – ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon. Eigenwerbung Ende:-)

Für mich steht die nächste Hurtigrutentour im Oktober an, bislang die einzige im nächsten Winter. Aber vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Takk for turen!

Hurtigrute Tag 10 & 11: Helgelandküste, Trondheim und Abflug

Mein Plan, heute auszuschlafen, wird kurz nach acht Uhr durch die Trollfjord vereitelt. Ich hätte den Info-Kanal ausschalten sollen. Immerhin bin ich so rechtzeitig wach für die erneute Überquerung des Polarkreises.

Am Polarkreis

Zur Passage bin ich kurz an Deck, danach ruft die Arbeit: Mein Polarlicht-Zeitraffer-Filmchen von der Fahrt nach Tromsø ist endlich fertig, Johan stellt ihn wie gesagt auf den Facebook-Kanal der Nordkapp, und ich mache mich daran, die Abschluss-Veranstaltung für unsere Gruppe vorzubereiten. Das schluckt auch noch Zeit, vom letzten Reisetag bekomme ich immer recht wenig mit. Zwischendurch fahren wir bei schönem Wetter Nesna an, dann geht es weiter nach Sandnessjøen. Die halbe Stunde Liegezeit langt zwar eigentlich, um von Bord zu gehen und die zahlreichen Statuen in der Stadt anzuschauen, ich nutze die Zeit aber lieber für’s Mittagessen.

Die sieben Schwestern

Als wir die Stadt verlassen, macht Martin vom Expeditionsteam einen Point of Interest auf Deck 7 zu den sieben Schwestern, anschließend wird ein Film zur Sage gezeigt. Dann bleiben noch ein paar Minuten, um die letzten Bilder zu zeigen, bevor das Programm weiter geht: Um 14:30 Gathering mit dem Expeditionsteam auf Deutsch (mit meinem Filmchen), um 15 Uhr unsere Abschlussveranstaltung, und um 15:45 erreichen wir auch schon Brønnøysund. Wir sind pünktlich genug fertig, sodass noch Zeit für einen kurzen Spaziergang durch den Ort bzw. das Amfi-Einkaufszentrum bleibt. Hübsches Städtchen, und eine der wenigen Gelegenheiten, um das Schiff mal von vorne zu fotografieren. Außerdem halten wir direkt an der Eisdiele. Da es an Bord kein Eis mehr zum Nachtisch gibt, kann ich hier für 40 NOK mit drei Kugeln meine Entzugserscheinungen mildern.

Nachdem wir Brønnøysund um 17:00 verlassen, steht noch ein Abstecher am Torghatten an, dem berühmten Berg mit Loch. Auf der letzten Fahrt der Nordkapp war es noch zu dunkel, jetzt ist es hell genug, dass sie einen kleinen Umweg fährt, damit wir einen perfekten Blick auf das Loch haben.

Das Captain’s Dinner gibt es nicht mehr, da jetzt alle halbe Stunde eine Essenssitzung beginnt, dafür lädt das Schiff zu Sekt ein. Gratis. In Norwegen. Nicht alle können das glauben, aber es ist tatsächlich wahr. Da genug Passagiere mit gezückten Kameras am Bug bzw. auf Deck 7 stehen, verläuft sich diese Veranstaltung etwas.

Anschließend steht unser „letztes Abendmahl“ an, danach werden die Koffer langsam gepackt. Kamera und Stativ bleiben draußen – vielleicht macht das Wetter doch noch mal mit, und es gibt ein letztes Polarlicht. Hat ja schon ein paar mal geklappt…

Schiffstreffen in Rørvik

In Rørvik treffen wir die Kong Harald (und die Wiederholungstäter geben ihr Leergut im Coop ab), allerdings verzichte ich diesmal auf einen Besuch auf dem Schiff. Ich war ja erst bei der Novembertour auf dem Schiff, als wir ihm in Trondheim begegnet waren.

Dann heißt es warten, ob der Himmel aufklart. Aber die Hoffnungen werden enttäuscht: Bis etwa 23 Uhr bleibt es bei einer geschlossenen Wolkendecke. Ein paar Mal soll Polarlicht zwischen den Wolken durchgeblitzt sein, aber das ist mir entgangen. Gegen Mitternacht mache ich dann Feierabend, schließlich klingelt der Wecker morgen früh genug.

Bug an Bug mit der Lofoten

Der Rest ist schnell erzählt: Am 3. März legen wir pünktlich in Trondheim an, bis 9 Uhr müssen wir die Kabinen räumen. Wer nicht zu unserer Gruppe gehört und in Trondheim aussteigt, muss sogar schon um 8 raus. Damit bleibt genug Zeit, um gegebenenfalls die alte Lofoten zu besuchen, die vor uns am Kai liegt.

Viertel vor zehn stehen die Busse bereit, die uns nach einer Stunde Aufenthalt in der Stadt zum Flughafen bringen. Nervig: In Trondheim gibt es zwar Zeit für Shopping, aber die Ark-Buchhandlung in Trondheim hat mal wieder Mammut Salg ab Montag. „Wir können Ihnen das nicht verkaufen, das gibt es erst ab Montag, dann aber billiger.“ Ganz toll. Dann kaufe ich halt nichts.

Um 15:05 heißt es für mich Abflug nach Kopenhagen, wo ich gerade mit vier Stunden Aufenthalt rumsitze und dieses Blog fertig schreibe. Um 20:40 geht es dann weiter – immerhin zum Arbeiten ist der Aufenthalt geeignet. Jetzt fehlen nur noch ein paar Interna, für die ich schnelles Netz brauche, statt des Datenvolumens meines Handies.

Tschüss, Trondheim.

Rund neun Minuten ist meine Polarlichtausbeute diesmal lang, mal sehen, was ich da an freier Musik zum unterlegen finde. Mitte Oktober darf ich wieder fahren, bislang meine einzige Tour für den nächsten Winter. Schade eigentlich, aber vielleicht ergibt sich ja noch etwas.