Neues Buch: Digiskopie – Fotografie mit Spektiven

So ganz langsam gewöhn ich mich dran: Ich hab mal wieder ein neues Buch draußen! Trotzdem ein schönes Gefühl…

Diesmal geht es um Fotografie, genauer gesagt: Wie fotografiere ich mit Handy, Kompaktkamera oder DSLR durch Fernglas oder Spektiv? Im Prinzip ist das ja einfach und benötigt kein Buch, aber es gibt doch einiges, worauf man achten kann und sollte, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Ich hätte vorher nie gedacht, was man alles über Fotostative schreiben kann…

Im Augenblick läuft die Veröffentlichung auf Amazon; bis zum Wochenende sollte es als Print- und EBook verfügbar sein. Es ist wieder einmal nur über Amazon erhältlich – ich hatte es diesmal zwei Verlagen angeboten, und einer hat sogar geantwortet, aber die Digiskopie ist doch noch nicht so bekannt, dass sie zugegriffen hätten. Aber offen gesagt: Der einzige Nachteil ist, dass es nicht über den stationären Buchhandel erhältlich ist. Vielleicht bringe ich ja eines der nächsten drei Projekte bei einem Verlag unter; aber ich bin mit Amazon auch nicht unzufrieden. Damit habe ich immerhin volle Kontrolle, auch wenn ich mich um alle Bildrechte selbst kümmern muss.

Bei einem Buch über Fotografie ist der günstigere Schwarz-Weiß-Druck natürlich sinnlos, daher gibt es das Büchlein nur in Farbe – und als EBook, wieder einmal ohne DRM. Die Datei lässt sich also mit den üblichen Programmen auch für andere Geräte als den Kindle konvertieren, auch wenn sie nur über Amazon vertrieben wird. Da Sachbücher eher selten von vorne bis hinten durchgelesen werden, kann ich es aber nur zum Kauf und nicht zum Ausleihen anbieten. Amazon bezahlt pro gelesener Seite…

Made with an iPhone

Mit dem Blick ins Buch kann sich dann aber wie üblich jeder einen Eindruck davon verschaffen, was ihn erwartet. Bis der aktiviert ist, hier schon einmal die Kapitel:

Das richtige Spektiv
Überblick über die verschiedenen Bauarten und worauf zu achten ist
Wissenswertes über Stative
Worauf man beim Kauf von Stativen und Kugelköpfen achten sollte
Die richtige Kamera
Was sollte eine Kamera können, damit man sie sinnvoll mit dem Okular „verheiraten“ kann
Die Kamera am Okular
Alles zur Kameraadaption – von Freihand bis zu professionellen Lösungen
Etwas Theorie
Ein paar Formeln, aber auch Bildbearbeitung
Bildfehler
Was alles schief gehen kann
Zum Abschluss…
Bildgestaltung, Motive finden und mehr.

Wem das Buch gefällt: Gerne weitersagen:-) Und wer beim Fotografieren Erfolg hat: Vom Handy aus lassen sich die Bilder ja wunderbar weiterverbreiten. Viel Spaß!

Mit Handy und Spektiv sind Bilder möglich, für die man vor kurzem noch eine DSLR mit großem Teleobjektiv benötigte

Die 2. Auflage von Astronomie mit einem Celestron-Teleskop ist erhältlich

In den letzten Monaten habe ich – wenn ich nicht in Norwegen war – still und heimlich am Update meines Celestron-Buchs gearbeitet. Eigentlich war das schon für kurz nach der Photokina geplant, als Celestron einige neue Montierungen und Teleskope vorgestellt hatte, aber man kommt ja zu nichts. Und dann kam zum Jahresbeginn noch die CGX-L als neue High-End-Montierung dazu, was das Projekt wieder etwas aufgehalten hat.

Und wie üblich dauert der Kleinkram am längsten – ich habe das Layout nochmal optimiert (mehr Platz am Bund), und natürlich ist der ganze Text noch mehrmals gegengelesen worden. Irgendwas findet man doch immer, was man hätte besser machen können. Für die nächsten Jahre dürfte das Buch jetzt wieder aktuell sein.

Wer noch die 1. Auflage gekauft hat, muss sich aber nicht ärgern, die meisten Änderungen betreffen nur Details, und eben die Vorstellung der neuen Teleskope. Den Preis vom gedruckten Buch musste ich leicht anheben (um 50 Cent), dafür ist der vom EBook konstant. Leider funktioniert das Bundling von Print und EBook in Deutschland weiterhin nicht – auf EBooks ist eine andere Mehrwertsteuer als auf gedruckten Büchern, wohl deshalb kann das EBook nicht mit dem gedruckten gebundelt werden. Schade eigentlich.

Blick ins Buch: Das Layout ist noch einmal für Schwarz/Weiß optimiert worden. Den Blick ins Buch gibt’s auf Amazon.

Alt und neu

Die aktualisierte zweite Auflage ist wie üblich exklusiv auf Amazon erhältlich – da kein Verlag hinter mir steht, kann ich es leider nicht über den stationären Buchhandel anbieten.

So, und jetzt muss ich den Kopf für das nächste Projekt freikriegen…

Hurtigrute GRP 102 – das Nordlichtvideo

Das war’s – jetzt ist diese Reise auch abgeschlossen. Der Rückflug war noch etwas spannend, da mein Anschlussflieger in Kopenhagen technische Probleme hatte. Nach vier Stunden vergeblicher Suche nach bezahlbarem und günstigem Essen auf dem Flughafen stand daher überraschend noch ein kurzer Gatewechsel an, und mit ein paar Minuten Verspätung begann dann das Boarding – mit einer ausgedehnten Flughafenrundfahrt zur ausgekühlten, aber einsatzbereiten SAS-Maschine. Nur eine funktionierende Toilette vorne und Wasser für Kaffee und Tee gab es nicht. Dafür hatte ich keinen Sitznachbar, und mit meinen Vielflieger-Eurobonus-Punkten konnte ich mir eine Cola und zwei Schokoriegel als Abendessen leisten. Das war fast wie erste Klasse fliegen… Kurz vor Mitternacht stand ich dann noch kurz im Stau auf der Autobahn bei Stuttgart, bevor ich wieder heimatliche Gefilde erreichte.

Mittlerweile ist die Reise auch soweit aufgearbeitet, und das Polarlicht-Video ist auf Vimeo hochgeladen:

Nordlicht und Sterne auf der Hurtigrute im Februar 2017 from Alex Kerste on Vimeo.

Wenn ich gut drauf bin, stelle ich meine Reisefotos als Filmchen auch noch ins Netz, aber frühestens nächste Woche, wenn ich wieder Kontingent für den Video-Upload hab.

Was sonst noch bleibt ist die Erinnerung an eine traumhafte Reise und ein Dankeschön an alle, die sich mit einem Øl oder andersweitig erkenntlich gezeigt haben:-) Und noch als schamlose Eigenwerbung: Wem mein Begleitbuch gefallen hat – ich freue mich immer über eine nette Rezension auf Amazon. Eigenwerbung Ende:-)

Für mich steht die nächste Hurtigrutentour im Oktober an, bislang die einzige im nächsten Winter. Aber vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Takk for turen!

Hurtigrute Tag 10 & 11: Helgelandküste, Trondheim und Abflug

Mein Plan, heute auszuschlafen, wird kurz nach acht Uhr durch die Trollfjord vereitelt. Ich hätte den Info-Kanal ausschalten sollen. Immerhin bin ich so rechtzeitig wach für die erneute Überquerung des Polarkreises.

Am Polarkreis

Zur Passage bin ich kurz an Deck, danach ruft die Arbeit: Mein Polarlicht-Zeitraffer-Filmchen von der Fahrt nach Tromsø ist endlich fertig, Johan stellt ihn wie gesagt auf den Facebook-Kanal der Nordkapp, und ich mache mich daran, die Abschluss-Veranstaltung für unsere Gruppe vorzubereiten. Das schluckt auch noch Zeit, vom letzten Reisetag bekomme ich immer recht wenig mit. Zwischendurch fahren wir bei schönem Wetter Nesna an, dann geht es weiter nach Sandnessjøen. Die halbe Stunde Liegezeit langt zwar eigentlich, um von Bord zu gehen und die zahlreichen Statuen in der Stadt anzuschauen, ich nutze die Zeit aber lieber für’s Mittagessen.

Die sieben Schwestern

Als wir die Stadt verlassen, macht Martin vom Expeditionsteam einen Point of Interest auf Deck 7 zu den sieben Schwestern, anschließend wird ein Film zur Sage gezeigt. Dann bleiben noch ein paar Minuten, um die letzten Bilder zu zeigen, bevor das Programm weiter geht: Um 14:30 Gathering mit dem Expeditionsteam auf Deutsch (mit meinem Filmchen), um 15 Uhr unsere Abschlussveranstaltung, und um 15:45 erreichen wir auch schon Brønnøysund. Wir sind pünktlich genug fertig, sodass noch Zeit für einen kurzen Spaziergang durch den Ort bzw. das Amfi-Einkaufszentrum bleibt. Hübsches Städtchen, und eine der wenigen Gelegenheiten, um das Schiff mal von vorne zu fotografieren. Außerdem halten wir direkt an der Eisdiele. Da es an Bord kein Eis mehr zum Nachtisch gibt, kann ich hier für 40 NOK mit drei Kugeln meine Entzugserscheinungen mildern.

Nachdem wir Brønnøysund um 17:00 verlassen, steht noch ein Abstecher am Torghatten an, dem berühmten Berg mit Loch. Auf der letzten Fahrt der Nordkapp war es noch zu dunkel, jetzt ist es hell genug, dass sie einen kleinen Umweg fährt, damit wir einen perfekten Blick auf das Loch haben.

Das Captain’s Dinner gibt es nicht mehr, da jetzt alle halbe Stunde eine Essenssitzung beginnt, dafür lädt das Schiff zu Sekt ein. Gratis. In Norwegen. Nicht alle können das glauben, aber es ist tatsächlich wahr. Da genug Passagiere mit gezückten Kameras am Bug bzw. auf Deck 7 stehen, verläuft sich diese Veranstaltung etwas.

Anschließend steht unser „letztes Abendmahl“ an, danach werden die Koffer langsam gepackt. Kamera und Stativ bleiben draußen – vielleicht macht das Wetter doch noch mal mit, und es gibt ein letztes Polarlicht. Hat ja schon ein paar mal geklappt…

Schiffstreffen in Rørvik

In Rørvik treffen wir die Kong Harald (und die Wiederholungstäter geben ihr Leergut im Coop ab), allerdings verzichte ich diesmal auf einen Besuch auf dem Schiff. Ich war ja erst bei der Novembertour auf dem Schiff, als wir ihm in Trondheim begegnet waren.

Dann heißt es warten, ob der Himmel aufklart. Aber die Hoffnungen werden enttäuscht: Bis etwa 23 Uhr bleibt es bei einer geschlossenen Wolkendecke. Ein paar Mal soll Polarlicht zwischen den Wolken durchgeblitzt sein, aber das ist mir entgangen. Gegen Mitternacht mache ich dann Feierabend, schließlich klingelt der Wecker morgen früh genug.

Bug an Bug mit der Lofoten

Der Rest ist schnell erzählt: Am 3. März legen wir pünktlich in Trondheim an, bis 9 Uhr müssen wir die Kabinen räumen. Wer nicht zu unserer Gruppe gehört und in Trondheim aussteigt, muss sogar schon um 8 raus. Damit bleibt genug Zeit, um gegebenenfalls die alte Lofoten zu besuchen, die vor uns am Kai liegt.

Viertel vor zehn stehen die Busse bereit, die uns nach einer Stunde Aufenthalt in der Stadt zum Flughafen bringen. Nervig: In Trondheim gibt es zwar Zeit für Shopping, aber die Ark-Buchhandlung in Trondheim hat mal wieder Mammut Salg ab Montag. „Wir können Ihnen das nicht verkaufen, das gibt es erst ab Montag, dann aber billiger.“ Ganz toll. Dann kaufe ich halt nichts.

Um 15:05 heißt es für mich Abflug nach Kopenhagen, wo ich gerade mit vier Stunden Aufenthalt rumsitze und dieses Blog fertig schreibe. Um 20:40 geht es dann weiter – immerhin zum Arbeiten ist der Aufenthalt geeignet. Jetzt fehlen nur noch ein paar Interna, für die ich schnelles Netz brauche, statt des Datenvolumens meines Handies.

Tschüss, Trondheim.

Rund neun Minuten ist meine Polarlichtausbeute diesmal lang, mal sehen, was ich da an freier Musik zum unterlegen finde. Mitte Oktober darf ich wieder fahren, bislang meine einzige Tour für den nächsten Winter. Schade eigentlich, aber vielleicht ergibt sich ja noch etwas.

Hurtigrute Tag 9: Vesterålen & Lofoten

Irgendwie ist mein Schlafrhytmus komplett hinüber: Ich bin wieder gegen 7 Uhr wach. Zuhause und mit Wecker fällt mir das schwerer… Aber eigentlich ist das ganz praktisch: Mein Laptop ist im Lauf der Nacht mangels Festplattenplatz aus der Verarbeitung der Fotos der letzten Nacht ausgestiegen, so kann ich ihn erneut auf die Bilder der Nikon ansetzen. 24 Megapixel sind einfach zu viel – noch bis Mitternacht wird er an den 3500 Fotos der letzten Nacht rechnen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Nordkapp hat den Film schon auf ihrer Facebook-Seite, mangels Facebok-Konto kann ich es aber nicht direkt verlinken. Aber wenn ich wieder in Deutschland bin, gibt es wie gewohnt das Video der Reise auf meinem Vimeo-Kanal.

Trondenes-Kirche

Weiterer Vorteil: Ich sehe mal wieder Harstad und kann noch ein paar Fotos der Trondenes-Kirche schießen, bevor es zum Frühstück geht. Die Kirche ist die nördlichste Steinkirche der Welt und markiert den Ort der ersten christlichen Taufen in Norwegen. Seit kurzem gibt es im Hafen von Harstad eine Wasserfontaine, die die Schiffe begrüßt. Den Sinn von den Dingern werde ich wohl nie verstehen… Als vor einigen Jahren eine russische Buran-Raumfähre auf dem Rhein nach Speyer ins Technik-Museum gebracht wurde, hatte mir auch so ein Feuerwehrboot mit Dauerfontaine die Bilder versaut, weil es ständig im Weg war.

Nach dem Frühstück war wieder Reiseleitersprechstunde mit Kai und Margit. Was ich ganz vergessen habe zu erzählen: Gestern war wieder Signierstunde mit Kapitän und Küchenchef. Gleichzeitig hatten wir eine Signierstunde für mein Buch angesetzt, das ja jetzt jeder kriegen sollte, die die Nordlicht-und-Sterne-Themenreise von Hurtigruten Deutschland bucht, auch wenn ich nicht dabei bin. Ich will ja nicht angeben, aber anscheinend war meine Signierstunde besser besucht. Gut, dass ich nicht in Sichtweite vom Captain war… Wer gestern nicht dazu kam, konnte das heute nachholen (oder zu jedem beliebigen anderen Zeitraum auf dem Schiff).

Blick zurück zur Risøyrinne

Das einzige Problem: Von der Risøyrinne kriege ich dadurch diesmal wenig mit. Aber unser Platz an Deck 4 bietet einen schönen Ausblick nach draußen und und wird so langsam zu meinem neuen Stammplatz, nachdem mein alter, bequemer Stammplatz an der Bar auf Deck 7 der Multe-Bäckerei mit ihren Holzstühlen weichen musste. Und da jeder hier auf dem Weg zum Restaurant vorbeikommt, ist er auch schön kommunikativ. Sehen und gesehen werden, außerdem gibt’s hier auch Strom für den Laptop. Ein paar Vorteile hat das neue Design der Nordkapp.

Königsstein in Risøyhamn

In Risøyhamn gehe ich nicht von Bord, sondern fotografiere den Königsstein nur von Deck aus. Hier liegt genug Schnee, dass ich ohnehin nur bis zur Treppe gekommen wäre.

Nach Risøyhamn geht die Fahrt weiter durch die traumhafte Landschaft der Vesterålen, die einige Passagiere per Bus von der Landseite aus erkunden. In Sortland treffen wir wieder zeitgleich mit den Bussen ein, die über die Brücke fahren, während wir darunter durch fahren.

Busse-Winken bei Sortland

Diesmal bin ich der einzige, der mit einem Handtuch zum Winken bewaffnet ist; Martin vom Expeditionsteam winkt mit der norwegischen Flagge, und Johan hält das ganze auf Video fest, für Facebook und das abendliche Gathering mit dem Expeditionsteam. Anschließen steht ein frühes Mittagessen an, bevor die ausgehungerten Ausflügler ins Restaurant strömen…

Kurz bevor wir Stokmarknes erreichen, wird an Deck Fisch filettiert. Irgendwie habe ich dafür aber keine Zeit, Gespräche sind wichtiger. In Stokmarknes grüßt schon die alte Finnmarken am Hurtigrutenmuseum. Wie immer kann ich jedem nur empfehlen, einen Blick in das 50er-Jahre-Schiff zu werfen, das von Hurtigruten-Enthusiasten betriebene Museum samt Schiff ist die 50 NOK Eintritt absolut wert. Denn ganz ehrlich: So viel hat Stokmarknes auch nicht zu bieten…

Stokmarknes

Da es dem privaten Museum an Geldern fehlt, leidet die Finnmarken leider unter ihrem Platz im Freien. Ein Schutzbau ist geplant, aber ob er rechtzeitig kommen wird…

Anschließend führt uns die Fahrt wieder durch die Alpen den Raftsund. Die hohen Bergen praktisch in Reichweite sind immer wieder beeindruckend. Gegen 17 Uhr halten wir auch am Trollfjord, diesmal gestattet uns das Wetter einen Besuch. Wegen der Lawinengefahr können ist der Fjord zwar gesperrt, aber im Rückwärtsgang kommen wir seiner Mündung doch ziemlich nahe. Zur berühmten Schlacht am Trollfjord kam es, weil er einst zugefroren war und die modernen dampfbetriebenen Schiffe das Eis zwar brechen konnten, die Besatzungen jedoch die ärmeren Fischer mit ihren alten Holzbooten an der Einfahrt in den Fjord hinderten. Auch heute treiben größere Eisschollen an der Mündung entlang, die für die Nordkapp kein Problem darstellen, aber für eine kleine Segelyacht zu dick sind.

Svolvær

Da wir um 18:30 in Svolvær sein wollen, gibt es heute bereits ab 17:30 Buffett statt Abendessen mit festen Sitzplätzen. Diesmal steht keine Kneipentour an (in Tromsø war es auch nichts – das wird eine billige Reise), sondern nur ein wenig Beine vertreten. Mein Ziel: Die Brücke zur Insel Svinøya, von der man einen netten Blick auf den Hafen haben soll (stimmt). Unterwegs treffe ich Margit, und gemeinsam geht es noch kurz auf die Insel, wo die Teilnehmer des Ausflugs „Rundgang durch Svinøya“ in einem der Rørbua-Häuser sind. Durch die Wolken blitzen Spuren von Polarlicht auf…

Der Weg zur Insel dauert eine gute Viertelstunde; wenn man direkt nach dem Anlegen aufbricht, langt es, um dort ein dunkles Eck zu sehen und bei gutem Wetter Polarlicht zu schauen. Das setzt natürlich einen klareren Himmel voraus, als wir ihn gerade haben.

Zurück auf dem Schiff trifft man sich auf Deck 5, um der nordgehenden MS Nordnorge zu winken, die wir kurz nach dem Auslaufen aus Svolvær treffen. Und immer wieder der Blick in den Himmel. Da ist zwar Grün, aber keine wirklichen Strukturen – nur hintergrundbeleuchtete Wolken. Trotzdem kommt kurz nach der Abfahrt aus Svolvær eine Polarlichtmeldung über die Schiffslautsprecher. Am Heck auf Deck 5 bauen eine Handvoll Leute ihre Kameras auf, ab und zu blitzt auch Polarlicht durch die Wolken. Für das Auge ist nicht besonders viel dabei, aber die Kamera nimmt im Lauf des Abends doch einiges auf. Das Polarlichtoval sah zwar prächtig aus, aber die größrte Aktivität war weit im Süden. Wir sollten jetzt in Ålesund sein… Immerhin: auf dem Weg nach Stamsund gibt es ein paar nette Lichter am Himmel – aber wer stattdessen die Lesestunde mit Johan um 21:30 angehört hat, hat nicht viel verpasst. Heute wollte er die Legende von Utrøst vortragen. Dort, wo auf der Nordkapp heute das A-La-Carte-Restaurant ist, war früher das Café Utrøst mit einem schönen Gemälde von Karl Erik Harr zur Sage.

Nach Stamsund sieht es auch erst einmal schlecht aus, und ich verbringe einige Zeit in der Explorer-Bar (vulgo: Panorama-Salon). Irgendwann kommt Hans rein und erzählt, dass es gerade eine schöne Korona gab. So macht man sich keine Freunde… Also raus auf’s Deck und noch etwas Nordlicht schauen, dir große Show fällt aber der gleichmäßigen, wenn auch eher dünnen Bewölkung zum Opfer. Polarlicht durch Wolken-Weichzeichner macht nur begrenzt Spaß.

Um halb eins streiche ich dann aber doch die Segel – das Wetter sieht nicht wesentlich vielversprechender aus, und bis Bodø muss ich dann doch nicht durchmachen.

Hurtigrute Tag 8: Von Hammerfest nach Tromsø

Havøysund

Die Rückreise geht immer viel zu schnell, aber immerhin hatten wir gestern schönes Nordlicht. Und heute? Bei bedecktem Himmel legen wir am frühen Morgen in Havøysund an (oder Hawaiisund, wie es am Abend im Tagesrückblick genannt wird) und begegnen kurz darauf der Polarlys, die auf Nordkurs ist.

Mit einer halben Stunde Verspätung erreichen wir kurz nach 11 Hammerfest, wo ich mein Standard-Programm verkürzt durchziehe: Kurz zu „meinem Bänkle“ am Musikpavillon, das diesmal tief verschneit ist, anschließend zur Kirche und zurück. Die Eiszapfen an der Grabkapelle sind eindrucksvoll – wer gegen Vampire kämpfen will, findet hier ausreichend Eispflöcke… Im Grenselandmuseum schaue ich heute leider nicht vorbei, ich habe nicht mitgekriegt, dass da heute freier Eintritt ist. Schade – von seinem Turm hat man einen guten Blick auf die Stadt; der schneebedeckte Zickzackweg macht heute keinen einladenden Eindruck. Anschließend noch ein kurzer Besuch im Eisbärenclub, dann ist auch schon Zeit für das Mittagessen, bevor alle wieder an Bord sind.

Nach Hammerfest wird das Wetter immer besser, trotzdem klingeln wir um 15 Uhr alle unsere Gäste zusammen. Mein letzter Vortrag steht an, Sternbilder und ihre Sagen. Aber das gute Wetter fordert seinen Preis, bei einigen gewinnt der Mittagsschlaf gegen meine Märchenstunde. Aber das ist okay – heute Abend erreichen wir Tromsø kurz vor Mitternacht, dann kommt das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale und für die ganz Harten morgen früh die Vesterålen-Bustour. Und für heute Abend zwischen Skjervøy und Økysfjord ist gutes Wetter mit Polarlicht angesagt…

Øksfjord

Ich schaffe es, mit meinem Vortrag im zeitlichen Rahmen zu bleiben und danach noch einen Blick auf Øksfjord zu werfen. Der Ort hat zwar wenig schöne Architekrut, liegt aber wunderbar in einem verschneiten Fjord. So stellt man sich Norwegen vor.

Unsere Fahrt geht weiter in die klare Abenddämmerung, das Wetter wird immer vielversprechender. Gut, dass wir die erste Abendessensitzung um 18 Uhr habe. Heute steht wieder Fisch auf dem Plan, und ich komme bis zum Hauptgang. Vor dem Nachtisch heißt es dann: Vi har Nordlys!

Also kein Nachtisch, sondern ab an Deck. Deck 7 ist voll, da komme ich nicht mehr an die Reling, um meine Kamera zu befestigen, also ab auf Deck 5 – hier ist weniger los. Im Augenblick sind ohnehin noch 150 Iren an Bord, die die Tour Tromsø-Kirkenes-Tromsø machen und ebenfalls das Nordlicht sehen wollen – dementsprechend voll ist es auf dem Schiff.

Richtiges Polarlicht!

Aber bis Skjervøy sind fast perfekte Bedingungen, und Nordlicht in der Dämmerung hat was. Sehr, sehr chic. In Skjervøy ist ein kurzer Halt, um den Speicherchip freizuräumen – die kleine Panasonic LX100 kann auch Zeitraffer (sogar mehr Bilder am Stück als meine große Spiegelreflex, eigentlich eine Unverschämtheit), dementsprechend schnell wird der Platz knapp. Sogar in Skjervøy ist das Polarlicht zu sehen, schön, hell und mit langsamen Veränderungen.

Nach Skjervøy gibt es dann die lange, ruhige, schöne Show: Bis die Lichter von Tromsø gegen halb 12 zu hell werden, steht das Polarlicht am Himmel, mal heller, mal dunkler, immer in diesem geisterhaften Grün und gelegentlich mit Bewegung, wenn es majestätisch im Sonnenwind weht. Das finde ich sogar noch beeindruckender als die schnellen, bunten Wirbel, die wir gestern zwischen Wolken sahen. Atemberaubend. Heute Abend hatte jeder die Chance, richtiges Polarlicht zu sehen, wenn er ein paar Schritte von den hellen Lampen weg gegangen ist. Je dunkler der Standort, desto besser.

Meine Ausbeute: Rund 6500 Fotos, mit denen meinen Laptop bis zum nächsten Abend beschäftigt ist. Hier sind schon mal die ersten Ergebnisse im Zeitraffer:

Da weiß man wieder, warum es einen immer wieder in den Norden zieht.

Hurtigrute Tag 7: Kirkenes

Einmalige Chance: Vadsø

Irgendwie ist mein Schlafrhythmus durch den Nordlicht-Mangel komplett durcheinander geraten: Ich bin bereits um 7 Uhr wach und habe tatsächlich mal wieder die Chance, Vadsø zu sehen. Freunde der Luftschifffahrt kennen die Stadt als Startpunkt von Nordpol-Expeditionen mit dem Zeppelin, Hurtigrutenfahrer wissen, dass die Schiffe hier nur auf der nordgehenden Route anhalten – den Weg nach Kirkenes finden auch genügend normale Schiffe, da müssen wir nicht zweimal am selben Tag vorbei kommen.

Viel interessanter ist der nächste Hafen: Kirkenes, der Wendepunkt der Reise. Die nordgehende Hurtigrute ist schon wieder ein ganzes Stück südwärts gefahren, wir sind wieder etwa auf der Höhe von Tromsø. Den Golfstrom haben wir somit hinter uns gelassen, und einige Eisschollen treiben uns entgegen. Minus zehn Grad sind für Kirkenes angesagt, obwohl es mir wärmer vorkommt. Zum Glück geht kein Wind.

Eisschollen vor Kirkenes

Die Zeit bis zum Hafen vertreibe ich mir mit Fotos (das Wetter sieht gut aus, die Eisschollen auch) und der Reiseleiter-Sprechstunde, während das Restaurant gut gefüllt ist: Wer in Kirkenes Hundeschlitten fahren oder zur russischen Grenze will, sollte das Frühstück vor der Ankunft um 9 Uhr erledigen. Nach Abfahrt der Ausflügler ist es dann angenehm ruhig im Frühstücksraum.

Etwas später brechen Margit und ich in die Stadt auf, diesmal auf einer ungewohnten Route: Statt nach rechts in die City führen uns unsere Schritte nach links, zu dem Aussichtspunkt am Fjellveien. Danach trennen sich unsere Wege: Sie geht weiter zum Grenselandmuseum, während ich direkt auf die Innenstadt zuhalte.

Kirkenes-Panorama

Das Eisgericht

Bis der Schnee schmilzt, hat Kirkenes noch eine besondere Attraktion: Das Eisgericht hinter dem Scandic-Hotel. Im Rahmen des Barents-Festivals wurde hier in einem Kunstprojekt den Politikern der Prozess gemacht, die ohne Rücksicht auf die Natur die Bodenschätze ausbeuten wollen. Dazu wurde ein Gerichtsstand aus Eis erbaut, und das Urteil dieses Schauprozesses fiel eindeutig zugunsten der Natur aus. Es ist aber nur rein symbolisch, die wahren Kämpfe werden in Oslo ausgetragen. Da die Erzmine wieder einmal geschlossen ist, hat das natürlich an Bedeutung gewonnen.

Danach steht noch ein kleiner Bummel durch die Stadt an: Marktplatz, Rathaus und über die Anders-Grotte zurück zum Schiff. Bei einer der beiden Kirchturmuhren hängen nun beide Zeiger traurig nach unten, und einer scheint abgebrochen zu sein.

Vardø

Die Überfahrt nach Vardø ab halb eins ist etwas holprig, und wir erreichen die Stadt mit gut einer halben Stunde Verspätung statt der üblichen 15 Minuten. Mit guter Fahrt, aber ohne Beschleunigen und Bremsen ist die Strecke wohl in der angegebenen Zeit zu schaffen – keine Ahnung, warum der Fahrplan nie realistischer ausgelegt wurde.

Auch wenn wir erst um 17 Uhr wieder ablegen, bleibt in Vardø natürlich keine Zeit, um zum Hexendenkmal zu spurten – 40 Minuten sind etwas zu sportlich. Während das Expeditionsteam über die Straße zur nahe gelegenen Festung wandert, schaue ich mir einmal das Eismeerbaden in der Barentssee an.

Eismeerbaden

Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe Unverfrorener, die kurz in das Becken im Hafen hüpfen. Ganz ehrlich: Das muss ich nicht mitmachen. Aber wer es mag… rund ein Dutzend Gäste machen mit und erwerben sich so die kostenlose (!) Urkunde.

Anschließend ist Hans mit unserem vierten Vortrag dran, diesmal am Puls der Zeit: Expoplaneten, auf der Suche nach der zweiten Erde. Auf dem Gebiet hat sich in den letzten 20 Jahren ja unheimlich viel getan. Dann heißt es auch schon wieder Anstehen zum Abendessen, und in Anbetracht der Wetterprognose den Abend ruhig ausklingen lassen. Als nächster Programmpunkt steht eigentlich nur die Begegnung mit der Finnmarken vor Berlevåg an. Also noch einmal entspannen, bevor es morgen vor Tromsø hoffentlich die große Show gibt.

Nur dass wir etwa um 20:40 eine Wolkenlücke und wirklich schönes Polarlicht haben. Im dritten Anlauf schaffen Hans und ich es sogar, das Schiff dazu zu bringen, nicht nur die Außenbeleuchtung samt Schornstein auszuschalten, sondern auch die Heizstrahler, die überraschend hell sind.

Was soll ich sagen: Wow. Der Himmel ist bei weitem nicht völlig klar, aber die Show hat rechts und über dem Schiff mit einem hellen Band begonnen, das auch deutlich geisterhaft grün war. Die Aktivität verlagerte sich langsam hinter das stark schwankende Schiff und verschwand hinter den Wolken – zwischen denen es dann auf einmal deutlich grün aufblitzte. Und dann war über uns genug Wolkenlücke, um die Aurora tanzen zu sehen, in Grün ebenso wie in Rot und Violett. Das hätte ich bei diesem Wetter wirklich nicht erwartet. Aber jetzt können alle, die an Deck waren, wirklich sagen, dass sie Polarlicht gesehen haben. Bis kurz vor Berlevåg können wir die Show genießen, dann ist der Himmel wieder weitestgehend zugezogen.

Die Finnmarken

Mit dem Ende der Show und dem Einlaufen in Berlevåg gab es endlich auch die Chance, sicher wieder ins Schiff zurückzukehren – es hatte doch ordentlich geschwankt.

Ach ja, Finnmarken war auch noch: Wie gewohnt ging sie fast auf Kollisionskurs, aber an Deck war nicht viel los. Ich würde sagen, die Winkekonkurransje ging unentschieden aus. War trotzdem schön, bevor es in das nächste Schneegestöber ging.

Hurtigrute Tag 6: Honningsvåg und Nordkapp

Die Spitsbergen

Eigentlich sollte ich die Route ja mittlerweile gut genug kennen, um vor Fehlplanungen gefeit zu sein, aber wie es halt so läuft… Kurz nach halb neun begegnen wir kurz vor Havøysund der südgehenden MS Spitsbergen, was natürlich für ein Fotoshooting genutzt wird – Ende Februar ist es um diese Zeit längst schön hell. Wie das Schiffchen sich durch die Wellen kämpft ist auch ein hübscher Anblick.

Anschließend laufen wir in Havøysund ein und wecken die Einwohner mit dem Schiffstyphoon, dann noch schnell ein paar Gespräche führen und den Zeitrafferfilm von gestern twittern, und endlich ab zum Frühstück.

Havøysund

Nur dass heute Nordkapp-Tag ist und es nur bis 9:30 statt bis 10 Uhr Frühstück gibt. Dafür gibt es schon um 10:30 Mittagessen, für alle, die mit dem Bus zum Nordkapp fahren. Naja, ein Frühstück weniger ist auch kein Fehler, und ich habe ja noch den Ambassador-Orbstkorb auf der Kabine. Muss der halt dran glauben.

Vor der Fahrt durch den Magerøya-Sund kommt noch eine Warnung über die Schiffslautsprecher: Wir werden etwa eine Stunde ohne Internet sein, weil es hier oben kein Netz gibt. Aber wir kriegen die Zeit auch so rum: Die schneebedeckte Landschaft ist faszinierend, dazu perfektes Wetter mit tiefblauem Himmel. Am Vormittag haben wir wieder Sprechstunde mit Tipps für Honningsvåg, aber die meisten machen eh den Nordkapp-Ausflug oder den Hiking-Trip mit dem Expeditionsteam. Aber ein paar wollen sich doch den Ort anschauen.

Kurz vor Honningsvåg gibt es schon die ersten Vorbereitungen für die übliche Rettungsübung: Das kleine Motorboot auf der Backbordseite wird abgesetzt – schließlich liegen wir immer mit der backbord-linken Seite am Kai. Nachdem wir in Honningsvåg angelegt haben, mache ich ein paar Fotos von Schiff und gehe dann Essen, anschließend starte ich einen kleinen Rundgang: Erst einmal auf die andere Hafenseite, um die Nordkapp von der Steuerbordseite zu fotografieren, dann wieder mal hoch zum Aussichtspunkt mit der Büste des Regisseurs. Einige andere Passagiere haben den Weg auch gefunden. Bemerkenswert: Es liegt eigentlich kaum Schnee. Zwar muss man sich schon ein wenig den Weg entlang kämpfen, aber auf dem alten Friedhof über der Stadt ist teilweise der nackte Erdboden zu sehen. Es ist der schneeärmste Winter seit 60 Jahren, zweifellos.

Sonntags hat Honningsvåg eher wenig zu bieten. Das Cafe Retro und die Buch- und Schreibwarenhandlung in der Nähe des Anlegers sind geschlossen und suchen neue Mieter, und der Souvenirshop hat bis heute Urlaub – auch wenn ein Kundenfänger behauptet, er hätte heute offen. So bleibt mir nur ein Besuch beim Denkmal von Bamse.

Das Wetter wird schlechter…

Auf dem Schiff werden wieder Waffeln und heiße Schokolade angeboten, damit keiner der Ausflüglers wegen des frühen Mittagessens verhungert. Ich mache es mir im Panoramasalon/Bar bequem, um mein Blog für gestern zu schreiben. Auf den neuen Sesseln halte ich es aber nicht lange aus, zum Glück gibt es noch ein paar Sofas… Derweil wird das Wetter draußen wie angekündigt schlechter, dunkle Wolken ziehen auf. Aber die Nordkap-Besucher hatten Glück und perfektes Wetter. Timing ist alles.

Für 15 Uhr steht eine Präsentation über das Nordlicht von Martin auf dem Tagesprogramm, die Durchsage kündigt dann aber einen Film an – darauf kann ich verzichten. Der nächste Programmpunkt ist dann um 16:20 eine Smacksprobe auf Deck 7: Bidos wird serviert, eine samische Suppe mit Gemüse und Rentier. Irgendwie habe ich die vegetarische Version erwischt… aber andere hatten doch Fleisch drin. Seis drum.

Der nächste Programmpunkt ist die Gesteinsformation der Finnkirche. Als Point of Interest erzählt Martin etwas dazu, während sich alle an Deck 7 an der Reling drängen. Pro-Tipp: Auf Deck 5 war fast keiner, und man hatte guten Blick auf den Krabbenfischer aus Kjøllefjord, der wenige Minuten später mit seinem Boot anlegte und die Nordkapp enterte.

Kurz vor der Finnkirche ist das Wetter noch gut, und Venus steht hell leuchtend über den Wolken. Dann kommt mal wieder ein Schneeschauer, und die Felsformation ist noch zu erahnen. Als wir sie passieren, hört der Schnee wieder auf, und der Fischer kann anlegen. Diesmal wird die Finnkirche allerdings nicht beleuchtet.

In Kjøllefjord steht schon der nächste Termin an: Kaum haben alle einen Blick auf die Königskrabben geworfen, ist das Meeting dem dem Expeditionsteam angesagt. Mein Polarlichtfilm wird nicht im Tagesrückblick gezeigt… Dafür gibt es eine halbe Stunde später das Nordkappbuffett.

Berlevåg und MS Nordlys

Danach haben wir den Rest des Abends frei: Die Wolkenprognose hat recht, heute gibt es keine Chance für Polarlicht. Stattdessen spielt Johan wieder live in der Multe-Bäckerei (der ehemaligen Bar auf Deck 7), und gegen halb elf treffen wir vor Berlevåg noch die Nordlys. Allerdings lassen wir Berlevåg mit Schleichfahrt rechts liegen, und die Nordlys zieht mit einigem Abstand hinter uns vorbei. Nichts mit Winken oder schönen Fotos. Mal sehen, wie es morgen mit der Finnmarken läuft, wenn wir als südgehende Hurtigrute wieder in Berlevåg vorbei kommen.

Hurtigrute Tag 5: Tromsø

Juhu, Tromsø-Tag! Mit dem Lieblingsschiff in die Lieblingsstadt, was kann da schon schief gehen?

Ein trüber Morgen

Trübes Wetter zum Beispiel. Am Morgen fahren (segeln? schwimmen? Wie heißt das eigentlich richtig?) wir durch die grandiose, schroffe Landschaft südlich von Tromsø. Aber schon Finnsnes ist das Wetter prächtig. Kann das bitte so bleiben? Immerhin für Tromsø ist ganz ordentliches Wetter vorhergesagt, für die anschließende Passage nach Skjervøy ist noch alles drin.

Aber wer denkt schon an den Abend – in Finnsnes heißt es erst einmal kurz Beine vertreten. Nachdem ich letztes Mal um den Hügel am Anleger herum gegangen war, geht es heute direkt am Kai entlang zu dem eingeschneiten Wikinger-Denkmal, und dann noch ein paar Meter weiter für einen hübschen Blick auf das Schiff.

Nach Finnsnes bietet Johan, unser Bordreiseleiter, einen Vortrag über die Expedition der Fram an – kein Wunder, dass heute auch gut Werbung für die Fram ausliegt. Aber die Gegend ist viel zu schön, da schaue ich mir lieber an, wie wir unter der über einen Kilometer langen Gisundbrücke hindurch fahren. Dazu gibt es immer wieder die Gelegenheit für Gespräche mit den Gästen.

Winterwunderland vor Tromsø

Mein Reiseführer mit dem Konzept „eine Doppelseite pro Tag“ scheint gut anzukommen (*hüstel* eine nette Rezension auf Amazon wäre nett *hüstel*), für mehr hat man hier eh keine Zeit. Um 13:45 passieren wir den Rystraumen, den Gezeitenstrom vor den Toren von Tromsø. Auf Deutsch und Englisch gibt es an Deck hier Informationen über die Gegend durch das Expeditionsteam; ich halte stattdessen mit Kai und Margit „Wache“ für die Sprechstunde, bei denen die Reiseleitung Tipps für Touren gibt. Bei der Menge an Ausflügen, die Hurtigruten anbietet, ist es ja nicht leicht, die richtigen zu finden. An Deck ist es auf der Passage immer wieder voll, der Bug ist gut besucht, während wir durch das Winterwunderland fahren.

Aus Deutschland werde ich schon vorgewarnt, dass meine Ankunft auf der Webcam verfolgt werden wird, aber je näher wir Tromsø kommen, desto weniger ist davon zu sehen – wir fahren in ein dichtes Schneegestöber hinein. Da ist nicht viel davon zu sehen, dass ich in die Kamera winke. Selfies im 21. Jahrhundert…

Aber der Schneefall hält nicht lange, bestes Wetter und Schneegestöber wechseln sich ab. kurz nach dem Anlegen ist die Eismeerkathedrale schon wieder zu sehen, und die andere Ziele in der Innenstadt sind auch schnell besucht. Aber eigentlich bin ich ja zum Einkaufen in das „Paris des Nordens“ gekommen. Blöd nur, dass langsam schon die Frühlingskollektion kommt und ich keinen passenden Ersatz für die Schuhe finde, mit denen ich in Island in etwas zu aggressivem Boden stand. Dafür werfe ich endlich mal einen Blick in die Mack-Brauerei, bzw. den angeschlossenen Pub. Freitag und Samstag hat er sogar länger als bis 18 Uhr auf.

Wir liegen zwar bis 18:30 im Hafen, Abendessen gibt es für die erste Sitzung aber schon um 18:00. Dafür kommen wir mittlerweile schon ganz regulär um 14:15 an. Von 18 bis 19 Uhr ist auch Abgabe für einen Fotowettbewerb – aber solange alle beim Abendessen sitzen, dürften nur wenige SD-Karten beim Expeditionsteam abgegeben werden…

Statt Lamm steht heute Saibling auf der Speisekarte, zusammen mit etwas Nervösität: Klappt es heute mit dem Polarlicht? Das Wetter ist wechselhaft, aber vielleicht gut genug. Und der Sonnenwind: Falsche Polung, ein Kp von Null-Komma-Irgendwas ist vorhergesagt. Allmählich zweifle ich am Tromsø geht immer… Nichtsdestotrotz werden immer wieder Windytv, diverse Apps mit den aktuellen Satellitendaten und natürlich auch der Himmel gecheckt. Und um 21 Uhr dann: Ein schwacher, aber schöner Bogen über dem Schiff!

First Light!

Also nichts wie zurück ins Schiff, den Gästen Bescheid sagen, die ich auf dem Weg zur Rezeption auf Deck 4 treffe, und eine Durchsage veranlassen. Irgendwer ist mir wohl ein paar Sekunden zuvor gekommen, aber umso besser.

Als ich wieder oben bin und meine Kamera aufbaue, leuchten auf dem Sonnendeck nur noch die (überraschend hellen) Heizstrahler. Die Nordlichtaktivität ist schwach, es wechselt zwischen hellen grauen Nebelflecken und immer wieder mal etwas Grün zwischen den Wolken. Aber hey, es ist unser erstes Polarlicht auf der Reise!

Die Belichtungszeiten für die Kamera sind noch recht lang (5 Sekunden bei f/2,8 und ISO 3200), aber ein nettes kleines Filmchen habe ich doch zustande gebracht:

Die Bedingungen waren dabei alles andere als ideal: Kurz nachdem wir das erste Licht gesehen hatten, standen wir im Schneegestöber, zehn Minuten später war wieder weitestgehend klarer Himmel, und so ging es weiter bis Skjervøy. Noch nicht die ganz große Show, aber ein schöner Appetizer, bei dem auch jeder schon einmal sehen kann, was seine Kamera kann. Der Unterschied zwischen Kamera und bloßem Auge ist bei dieser recht schwachen Aktivität schon auffällig…

Die Pflicht ist erledigt, nun kann die Kür kommen. Schade nur, dass für Berlevåg morgen und übermorgen schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Nach Skjervøy haben wir es auch geschafft, dass es auf dem Deck noch dunkler ist als normal – nachdem Hans herausgefunden hatte, dass nicht nur das Licht, sondern auch die Heizung abgeschaltte werden muss. Die Aktivität ist jetzt auch bei Stufe 4, nur die Wolken nehmen immer mehr zu – und Loppa macht hoppa, auf der offenen Seestrecke hebt und senkt das Heck sich langsam, aber ordentlich. An Fotografieren ist da nicht zu denken. Also geht es zum Abendausklang ab in die Bar im Panoramasalon, bevor sie um Mitternacht auch zumacht. Das Geklapper vom Geschirr erinnert daran, dass wir uns der Barentssee nähern…

Hurtigrute Tag 4: Bodø

7:18: Wir überqueren den Polarkreis

Ich war mal wieder wach, bevor mein Wecker klingelte, aber das passte heute ganz gut: Schließlich stand heute irgendwann zwischen sieben und acht die Polarkreisüberquerung an. Mittlerweile ist es um diese Zeit schon ziemlich hell, sodass die Kugel auf der Insel Vikingen gut zu sehen ist – einen Monat vorher ist hier noch alles im Dunkel, aber so sind gute Fotos möglich. Auf Deck tummeln sich auch ziemlich viele Schaulustige, die dem kühlen Wind trotzen. Die Crew bietet Sekt zum Anstoßen an, was aber nur wenige nutzen. Ziemlich genau um 7:18 überqueren wir dann den Polarkreis und erreichen die arktischen Breitengrade.

Warten auf die Nordnorge

Danach bleibt mir knapp eine Stunde, bis wir der Nordnorge begegnen. Die Begegnung wird sogar über die Schiffslautsprecher angekündigt, jedoch nur mit einer Vorwarnzeit von knapp einer Minute – da bleibt nicht viel Zeit für eine ordentliche Vinkekonkuranse. Aber auf der Nordnorge ist auch nicht viel mehr los.

Also ab zum Frühstück, und dann ein bisschen bei der Reiseleitersprechstunde Flagge zeigen, während das Wetter draußen wieder schlechter wird. Ørnes ist ja eigentlich einer der hübscheren Häfen und einige Fotos wert, aber da mir der Schnee auf dem Weg zum Bug waagrecht entgegen weht, wird das nicht viel mit Fotos.

In Ørnes bleiben wir etwas länger als geplant, da es viel Fracht gibt. Währenddessen wird erst Kai zur Rezeption gerufen, was ich mitkriege; kurz darauf auch Hans und ich, was erst einmal keiner von uns mitkriegt. Irgendwann treffe ich auf Kai, und wir disponieren um: Das Schiff braucht den Vortragsraum, und wir weichen mit unserem für den Nachmittag geplanten Vortrag auf 10:30 aus. Der Grund: Wir sind auf einer Fähre, es sind Ferien und Freitag, und rund 150 Gäste haben die Passage von Bodø nach Stamsund gebucht. Da wird der Vortragsraum als Gepäckablage gebraucht, Stauraum ist auf den umgebauten Schiffen knapp.

Der Gewinner

Aber bevor es soweit ist, steht noch die Verkündigung des Gewinners der Polarkreiswettbewerbs an. Einer aus unserer Gruppe hat die Zeit der Polarkreisüberquerung am besten geschätzt und erhält von Johan eine Hurtigrutenflagge – aber nur kurz, dann muss er sie vorerst abgeben, um seinen zweiten Preis in Empfang zu nehmen: Er hat den Vortritt bei der Polarkreistaufe.

Also rufen wir alle nach Njord (früher wurde ja nach Neptun gerufen, obwohl Njord auf den Polarkreiszertifikaten unterschrieben hat), und schon bald taucht er auf dem Oberdeck auf, bläst kräftig in sein Horn und führt die Taufe mit Snice durch – Snow & Ice. Vom anschließenden Fotoshooting und der Taufe der neuen Crewmitglieder bekomme ich nicht viel mit, da ich auch noch versuche, möglichst vielen aus unserer Gruppe noch den neuen Vortragstermin mitzuteilen.

Njord

Diesmal ist Hans dran und gibt einen Überblick über das Sonnensystem, bevor auch schon das Mittagessen drängt. Schließlich erreichen wir Bodø schon um 12:30…

Bodø gehört zu den Städten, an die man sich erst gewöhnen muss. Wie hieß es doch in der Ausflugsvorschau: „Der Bus macht auch eine Tour zu den schönsten Ecken in Bodø. Das dauert zwei Minuten.“ Mittlerweile hat die Stadt für mich an Reiz gewonnen, aber Sehenswürdigkeiten sind trotzdem rar. Dafür sind wir jetzt schneller in der Stadt: Es gibt einen neuen Anleger näher am Zentrum direkt am Kreisverkehr am Bahnhof, und der windige Weg dahin bleibt uns erspart.

Bei schönstem Wetter schlendere ich durch Bodø und fotografiere alte Bekannte; den Blick ins Lachsmuseum und den Gang auf das Scandic-Hotel schenke ich mir diesmal. Dann ziehen dunkle Wolken auf, und nach einer Stunde tobt ein Schneesturm, der einen auf dem Rückweg zum Schiff beinahe sandstrahlt. Ekelhaft.

Da tröstet es kaum, dass in meiner Mailbox jetzt die Geburtstagskarte der Nordstjernen gelandet ist, die heute 61 wird. An Bord ist es mittlerweile auch voll, 150 Tagesgäste sind kaum zu übersehen. Da hilft es auch nicht, dass es im Panoramasalon jetzt ein künstliches Kaminfeuer statt weiterer Sitzplätze gibt. Wir sind halt eine Fähre, das macht ja gerade den Reiz der Hurtigrute aus.

Bye bye, Bodø

Nachdem wir Bodø verlassen, ziehe ich mich auf meine Kabine zurück, um in Ruhe noch ein paar Sachen aufzuarbeiten. Für den Westfjord hatten wir eigentlich gut Wellengang erwartet, aber die See ist trotz des starken Winds ruhiger als erwartet – heute früh während des Vortrags hatte es stärker gewackelt. Der Wind kommt von den Lofoten, sodass sich keine starken Wellen aufbauen können. Auch recht.

Um 17 Uhr gibt Johan noch einen Tagesrückblick und kündigt zugleich an, dass er demnächst auf die Richard With wechseln wird. Und er ist optimistisch, was das Wetter heute Abend für Raftsund und Trollfjord angeht, es könnte klar werden. Wir werden sehen… Aber erst steht das Abendessen auf dem Programm, es gibt Lammkeule. Nur die Teilnehmer des Wikingerfests erhalten nichts, die essen in dem rekonstruierten Langhaus. In Stamsund um 19 Uhr geht der Bus für diesen Ausflug ab, um 22 Uhr sollen sie in Svolvær wieder zusteigen. Irgendwann muss ich den Ausflug auch mal wiederholen…

Schnee in Svolvær

So geht es für mich mit dem Schiff nach Svolvær. Die „Hauptstadt des Lichts“ in den Lofoten versteckt sich im Schnee; da bleibe ich lieber an Bord und nutze die Zeit für Gespräche. Das ist das Schöne an den kleineren Schiffen: Man kommt leichter ins Gespräch.

Der Schnee hält auch unsere Wikinger auf, sodass wir mit einer Viertelstunde Verspätung abfahren. Wirklich toll wird das Wetter aber nicht; Johann macht Lesestunde und liest aus einem Buch über die Schlacht am Trollfjord vor. Hier kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den klassischen, armen Fischern mit Holzbooten und den modernen, reichen Fischern mit Dampfbooten und Schleppnetzen.

Am Trollfjord (mehr oder weniger)

Anschließend gibt es wieder Fiskekake draußen auf Deck 7, und wer will kann den Trolltrunk samt Tasse kaufen – für einen Halt am den Trollfjord ist die Sicht aber zu schlecht. Erst nach Mitternacht gibt es die ersten Wolkenlücken, und in Stokmarknes um ein Uhr sogar Wolkenlücken – aber kein Polarlicht, das mit bloßem Auge zu sehen wäre.

So langsam werde ich ungeduldig, für morgen in Tromsø ist auch bestenfalls eine vage Chance für brauchbaren Himmel vorhergesagt, und für Skjervøy sogar noch weniger. Grmpf.